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Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005

Politik am Rande der Verfassung

Title: Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005

Research Paper (undergraduate) , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Felix Neumann (Author)

Politics - History of Political Systems
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Als in Nordrhein-Westfalen im Mai 2005 nach einer langen Reihe erfolgloser Wahlen die letzte rot-grüne Koalition auf Landesebene ihren Regierungsauftrag abgeben musste, entschied sich Gerhard Schröder, die Notbremse zu ziehen. Am selben Abend verkündete Schröder, er wolle Neuwahlen zum Deutschen Bundestag herbeiführen, damit das Deutsche Volk über seine Agenda 2010 abstimmen könne. Ende Juni stellte Schröder dann die Vertrauensfrage im Bundestag und errang das von ihm gewünschte negative Votum. Auch Bundespräsident Horst Köhler folgte nach langer und ausführlicher Beratung dem von Gerhard Schröder eingeschlagenen Weg. Die Zuversicht der Kritiker richtete sich nun auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgericht. Dieses verwarf aber die Verfahren mehrerer kleiner Parteien und die Klagen zweier Bundestagsabgeordneter am 23. bzw. 25. August 2005. Die vorgezogenen Neuwahlen konnten somit am 18. September stattfinden.
Als ein ,,klarer Verstoß gegen das Grundgesetz“ wurde die von Gerhard Schröder getroffene Entscheidung zur vorzeitigen Auflösung des Bundestages bezeichnet. Der Glaube an die deutsche Demokratie und an den Sinn und Zweck der Vertrauensfrage schienen schwer erschüttert. Aber wie konnte es zu diesen Bewertungen kommen?
Ziel dieser Arbeit ist es, den Verlauf der Ereignisse, welche zur Vertrauensfrage Schröders im Jahr 2005 führten, darzulegen, um anschließend deren Rechtmäßigkeit kritisch zu hinterfragen. Zuerst möchte ich die Funktion der Vertrauensfrage innerhalb des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland erörtern, als nächstes werde ich die gesetzlichen Grundlagen für eine Vertrauensfrage darstellen und das Prüfungsrecht des Bundespräsidenten diskutieren. Anschließenden werde ich die Chronik der Vertrauensfragen in der Geschichte der BRD vorstellen, um die Ausgangsbedingungen voneinander abzugrenzen und die politischen Auswirkungen aufzuzeigen. Abschließend wird zu klären sein, ob ein Selbstauflösungsrecht des Bundestages der verfassungsrechtlich bessere Weg ist und sich näher am Wesen des Grundgesetzes bewegt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die gesetzlichen Grundlagen der Vertrauensfrage

a. Die Funktion der Vertrauensfrage

b. Das Verfahren nach Artikel 68 des Grundgesetzes

c. Das Prüfungsrecht des Bundespräsidenten

III. Chronik der Vertrauensfragen

a. Willy Brandt 1972

b. Helmut Schmidt 1982

c. Helmut Kohl 1982

d. Gerhard Schröder 2001

IV. Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005

a. Der Verlauf der Ereignisse

b. Die Rechtmäßigkeit der Vertrauensfrage

V. Das Selbstauflösungsrecht - der bessere Weg?

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Hausarbeit analysiert den politischen und verfassungsrechtlichen Prozess hinter der von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2005 initiierten Vertrauensfrage. Ziel ist es, den Ablauf der Ereignisse darzustellen, die Rechtmäßigkeit der vorzeitigen Bundestagsauflösung kritisch zu hinterfragen und zu evaluieren, ob ein direktes Selbstauflösungsrecht des Parlaments eine verfassungspolitisch sinnvollere Alternative darstellen würde.

  • Funktionsweise und gesetzliche Grundlagen von Art. 68 GG
  • Historische Analyse vorangegangener Vertrauensfragen (Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder 2001)
  • Die Strategie hinter der Vertrauensfrage von 2005
  • Verfassungsrechtliche Bewertung durch das Bundesverfassungsgericht
  • Debatte um die Einführung eines Selbstauflösungsrechts für den Deutschen Bundestag

Auszug aus dem Buch

IV. Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005

In diesem Abschnitt sollen nun die Ereignisse und Abläufe, welche zu der von Schröder gestellten Vertrauensfrage geführt haben, nachgezeichnet und schließlich auf ihre Wirkung untersucht werden.

Der knappe Wahlausgang 2002, die Wahlniederlagen in den darauffolgenden Landtags und Europawahlen, die Probleme bei der Umsetzung der Agenda 2010 und die Gründung der Linkspartei stellten die SPD zunehmend vor Probleme. Am Sonntag, dem 22. Mai 2005, kam es zum Höhepunkt in dieser Reihe von Misserfolgen. Die CDU hatte erstmals nach 29 Jahren eine Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen. Somit baute sie ihren Stimmenvorsprung auf 43 Stimmen im Bundesrat aus. Noch am selben Abend verkündete Franz Müntefering, es solle im Herbst jenes Jahres Neuwahlen geben: „Wir suchen die Entscheidung. Es ist Zeit, dass in Deutschland die Verhältnisse geklärt werden.“ Um 20.00 Uhr gab Gerhard Schröder dann gegenüber der Presse im Bundeskanzleramt eine Erklärung ab: „[...] Mit dem bitteren Wahlergebnis für meine Partei in Nordrhein-Westfalen ist die politische Grundlage für die Fortsetzung unserer Arbeit infrage gestellt.“

Aber wie wollte nun Schröder den Bundestag auflösen, obwohl er noch eine ausreichende Mehrheit der Stimmen besaß? Am 23. Mai 2005 gab Regierungssprecher Béla Anda eine Antwort auf diese Frage. Die vorgezogenen Neuwahlen im Herbst sollten über eine gescheiterte Vertrauensfrage herbeigeführt werden. Gegen dieses von Schröder erwägte politische Kalkül meldeten in den kommenden Tagen erste Abgeordnete ihre Zweifel an. Der Abgeordnete Werner Schulz sagte gegenüber „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Wenn der Kanzler meint, er muß in einer Sachfrage künstlich das Mißtrauen herbeiführen, dann ist das getrickst und gezinkt. Ich werde das nicht mitmachen.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Darstellung des politischen Hintergrunds der Vertrauensfrage 2005 und Definition der Zielsetzung dieser wissenschaftlichen Untersuchung.

II. Die gesetzlichen Grundlagen der Vertrauensfrage: Erläuterung der verfassungsrechtlichen Funktion von Art. 68 GG, des formalen Verfahrens und der Rolle des Bundespräsidenten als Kontrollorgan.

III. Chronik der Vertrauensfragen: Historischer Überblick über die bisherigen Anwendungen der Vertrauensfrage in der BRD sowie deren unterschiedliche politische Intentionen.

IV. Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005: Detaillierte Analyse des politischen Verlaufs im Jahr 2005 und der anschließenden juristischen Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht.

V. Das Selbstauflösungsrecht - der bessere Weg?: Diskussion über die Vor- und Nachteile einer Änderung des Grundgesetzes zugunsten eines direkten parlamentarischen Rechts zur Selbstauflösung.

Schlüsselwörter

Vertrauensfrage, Grundgesetz, Artikel 68, Bundeskanzler, Bundestag, Neuwahlen, Bundesverfassungsgericht, Selbstauflösungsrecht, Parlamentarismus, Regierungskrise, Agenda 2010, politische Stabilität, Verfassungsrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die politische Instrumentalisierung der Vertrauensfrage durch den Bundeskanzler, insbesondere im Fall Gerhard Schröders im Jahr 2005, und stellt diese in den historischen Kontext der deutschen Parlamentsgeschichte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der verfassungsrechtlichen Auslegung von Artikel 68 Grundgesetz, der Rolle des Bundespräsidenten, der historischen Entwicklung der vorzeitigen Bundestagsauflösungen und der Debatte über ein Selbstauflösungsrecht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Hergang der Vertrauensfrage von 2005 zu rekonstruieren, die Rechtmäßigkeit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu bewerten und zu diskutieren, ob ein Selbstauflösungsrecht des Bundestages eine verfassungsrechtliche Alternative wäre.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und verfassungsrechtliche Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, historischen Daten und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Funktion der Vertrauensfrage, eine historische Chronik der bisherigen Fälle, eine detaillierte Aufarbeitung der Geschehnisse von 2005 und eine kritische Diskussion zur Verfassungsreform.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär mit den Begriffen Vertrauensfrage, Artikel 68 GG, Bundestag, Neuwahlen, Bundesverfassungsgericht und parlamentarische Stabilität zusammenfassen.

Wie bewertet der Autor die "unechte" Vertrauensfrage?

Der Autor stellt fest, dass die Vertrauensfrage in der Geschichte der BRD häufig nicht in ihrer klassischen Funktion zur Sicherung einer parlamentarischen Mehrheit, sondern als taktisches Instrument zur Herbeiführung von Neuwahlen ("unechte Vertrauensfrage") genutzt wurde.

Welche Bedenken gibt es gegen ein Selbstauflösungsrecht des Bundestages?

Kritiker argumentieren, dass das Parlament nicht aus der Verantwortung der Mehrheitsbildung entlassen werden sollte und dass durch ein solches Recht die Bundesregierung in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten könnte, was die verfassungsrechtliche Balance gefährden würde.

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Details

Title
Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005
Subtitle
Politik am Rande der Verfassung
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Politikwissenschaften)
Course
Der Bundestag im politischen System der Bundesrepublik Deutschland
Grade
1,3
Author
Felix Neumann (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V125520
ISBN (eBook)
9783640312511
ISBN (Book)
9783640316434
Language
German
Tags
Gerhard Schröders Vertrauensfrage Politik Rande Verfassung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Neumann (Author), 2007, Gerhard Schröders Vertrauensfrage 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125520
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