Die Arbeit behandelt die Verteilung der Genera maskulin und feminin im Alt- und Mittelhochdeutschen, die Quellen, auf die sich Lexikoneinträge stützen, sowie die sich daraus ergebende Asymmetrie in der Verwendung des generischen Maskulinums. Aus diesen Beobachtungen sollte auf die mögliche Notwendigkeit des Genderns aus heutiger Sicht eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Genus und Sexus
2. Althochdeutsche Lexikographie
3. Althochdeutsche Nomen, die Personen bezeichnen
4. Mittelhochdeutsche Nomen, die Personen bezeichnen
5. Zum Gendern aus heutiger Sicht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Genus im Althochdeutschen sowie dessen Auswirkungen auf heutige Debatten zur geschlechtergerechten Sprache. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse von Personenbezeichnungen (Nomina agentis) und der Asymmetrie zwischen maskulinen und femininen Formen in älteren Sprachstufen.
- Historische Genus-Sexus-Kontroverse (Realisten vs. Formalisten)
- Analyse der Genuszuweisungen in althochdeutschen Wörterbüchern
- Erfassung und Vergleich von Personenbezeichnungen (A-F)
- Entwicklung des generischen Maskulinums und die Rolle der Suffixbildung (-in)
Auszug aus dem Buch
1. Genus und Sexus
Wie hängt das Genus mit seiner Bedeutung zusammen? In der Forschung existiert seit Beginn der germanistischen Wissenschaft ein Disput darüber, ob es sich bei dem Begriff des Genus um etwas Reales oder um eine formale Angelegenheit handelt. Diese Diskussion wurde grob bereits in der Antike von Sprachwissenschaftlern und Philosophen geführt.
Schon zu Beginn der Betrachtung des Genus als grammatische Kategorie konnte man beobachten, dass sich das Genus, also das grammatische Geschlecht Maskulinum, Femininum und Neutrum, und das Sexus, das naturgemäße Geschlecht, sprich die Unterscheidung zwischen Mann und Frau, häufig nicht miteinander deckten. Der Philosoph Protagoras, der als erster griechischer Grammatiker das Genus isoliert betrachtete, setzte bereits 380 v. Chr. Genus und Sexus gleich, während Aristoteles sich dieser Forderung entgegenstellte und Genus und Sexus voneinander unterschied.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die grammatikalische Kategorie des Genus ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Genusentwicklung vom Althochdeutschen bis zur heutigen Relevanz des Genderns.
1. Genus und Sexus: Dieses Kapitel stellt die theoretische Kontroverse zwischen Realisten und Formalisten dar und beleuchtet die historische Unterscheidung zwischen grammatischem Genus und biologischem Sexus.
2. Althochdeutsche Lexikographie: Hier werden unterschiedliche Genusangaben in verschiedenen Wörterbüchern analysiert und die Problematik der Quellenlage sowie der Mehrheitsentscheidung bei lexikalischen Einträgen erörtert.
3. Althochdeutsche Nomen, die Personen bezeichnen: Der Fokus liegt auf der Untersuchung spezifischer Personenbezeichnungen und deren Genusverteilung unter Verwendung des Wörterbuchs von Gerhard Köbler.
4. Mittelhochdeutsche Nomen, die Personen bezeichnen: Diese Untersuchung überträgt die Methodik auf das Mittelhochdeutsche mittels des Taschenwörterbuchs von Matthias Lexer und zeigt Tendenzen in der Suffixbildung auf.
5. Zum Gendern aus heutiger Sicht: Es wird die Entwicklung des generischen Maskulinums im 20. Jahrhundert beleuchtet und die sprachpolitische bzw. gesellschaftliche Diskussion um geschlechtergerechte Sprache kritisch reflektiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die historische Dimension sowie die fortbestehende Notwendigkeit der Inklusion in der Sprache, um Asymmetrien abzubauen.
Schlüsselwörter
Genus, Sexus, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Nomina agentis, Generisches Maskulinum, Sprachgeschichte, Personenbezeichnungen, Suffixbildung, Genderforschung, Linguistik, Sprachwissenschaft, Lexikographie, Grammatik, Inklusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie sich das Genus von der Zeit des Althochdeutschen bis heute entwickelt hat und wie eng dieses mit unserem Verständnis von Geschlechterrollen und dem modernen Gendern verknüpft ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Themen sind die sprachwissenschaftliche Genustheorie, die lexikographische Erfassung althochdeutscher Begriffe, die morphologische Entwicklung von Personenbezeichnungen und die soziolinguistische Debatte um das generische Maskulinum.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Ursprung der ungleichen Verteilung von maskulinen und femininen Genera bei Personenbezeichnungen aufzuzeigen und zu prüfen, ob die heutige Notwendigkeit zum Gendern durch historische sprachliche Entwicklungen begründet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse von althochdeutschen und mittelhochdeutschen Wörterbüchern durchgeführt, ergänzt durch einen Rückgriff auf sprachhistorische und soziolinguistische Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen (Genus vs. Sexus), vergleicht die Einträge mehrerer Wörterbücher kritisch und wertet Personenbezeichnungen (Nomina agentis) innerhalb der Buchstaben A bis F in ihren historischen Sprachstufen aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Genus, Sexus, Nomina agentis, generisches Maskulinum und Sprachhistorie.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung von Nomina agentis?
Die Untersuchung zeigt, dass maskuline Formen im Althochdeutschen deutlich dominieren und dass weibliche Bildungen, insbesondere solche auf -in, morphologisch oft als davon abhängig oder abgeleitet markiert sind.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Christianisierung?
Sie deutet die Christianisierung der althochdeutschen Phase als einen Verstärker der bestehenden Asymmetrie, bei der der Mann zur Norm erklärt wurde, was die Sprache und die Nennung von Frauen maßgeblich beeinflusste.
- Citar trabajo
- Janina Vogelgesang (Autor), 2021, Genus im Althochdeutschen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1255446