Gewalt im Internet, Prävention und prosoziales Verhalten. Hatespeech und Cybermobbing


Hausarbeit, 2022

27 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aggressives Verhalten im Internet

3 Prosoziales Verhalten im Internet

4 Formen der Gewalt im Internet
4.1 Cyberstalking
4.2 Happy Slapping
4.3 Cybercrime
4.4 Hatespeech
4.4.1 Aktueller Forschungsstand von Hatespeech
4.5 Cybermobbing
4.5.1 Aktueller Forschungsstand von Cybermobbing

5 Prävention
5.1 Präventionsmaßnahmen Hatespeech
5.1.1 Automatisierte Präventionssysteme
5.1.2 HateLess. Gemeinsam gegen Hass
5.1.3 Helden statt Trolle
5.1.4 Prosoziales Verhalten
5.2 Präventionsmaßnahmen Cybermobbing
5.2.1 Surf-Fair
5.2.2 Medienhelden
5.2.3 Prosoziales Verhalten
5.3 Evaluation
5.3.1 Hatespeech
5.3.2 Cybermobbing

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Gewalt und Aggressionen im Internet sind durch die zunehmende Interaktion und Kommunikation im digitalen Raum ein Thema, das besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Kinder und Jugendliche haben schon in jungem Alter Zugang zu sozialen Medien und anderen Plattformen im Internet. Auf die Risiken und Gefahren sind sie oft nur unzureichend vorbereitet (U. Gasser, Gerlach, Cortesi & P. Gasser, 2012). Besonders die Möglichkeit, anonym aufzutreten und zu handeln kann die Hemmschwelle senken und Personen zu Täter*innen werden lassen (Festl, 2015). Die Betroffenen tragen nicht selten kurzfristige, sondern auch des Öfteren langfristige Belastungen davon. Die tragischste Auswirkung von Gewalt im Internet, insbesondere von Cybermobbing, ist der Suizid (Kaschnitz, 2016). Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Forschung rund um die Prävention von jeglicher Form von Gewalt im Internet essenziell.

Cyber Stalking, Happy Slapping, Cybercrime, Hatespeech und Cybermobbing sind Gewaltformen, die mithilfe des Internets ausgeübt werden (Katzer, 2013). Sie werden in dieser Hausarbeit in Kürze erläutert. Die Aggressionsformen Hatespeech und Cybermobbing stehen besonders im Fokus. Es erfolgt zunächst eine Definition, gefolgt von der Darstellung des aktuellen Forschungsstandes. Anschließend werden Präventionsmaßnahmen vorgestellt und darauffolgend skizziert, welche Wirkungen Evaluationsstudien eruieren konnten. Zudem wird erläutert, welche Rolle das Konstrukt des prosozialen Verhaltens bei den Gewaltformen Hatespeech und Cybermobbing spielt. Die Ergebnisse dieser Hausarbeiten werden zum Schluss diskutiert und es erfolgt ein Ausblick und die Darlegung von Implikationen für die Praxis.

2 Aggressives Verhalten im Internet

Wenn von aggressivem Verhalten die Rede ist, sind in der Regel Verhaltensweisen gemeint, die mit der Schädigungsabsicht einer anderen Person einhergehen. Die betroffene Person hingegen versucht diese zu vermeiden (Krahé, 2014). Um aggressives Verhalten unterscheiden und einordnen zu können, wird es in verschiedene Arten eingeteilt. Zum einen wird zwischen direkter und indirekter Aggression differenziert. Hierbei bezeichnet die direkte Aggression eine Konfrontation von Täter*in und Opfer und beide handeln in vollem Bewusstsein des*r jeweils anderen (Petermann & Petermann, 2013). Die indirekte Aggression hingegen schadet dem Opfer, ohne dass die Beziehung zwischen Täter*in und Opfer bekannt oder offensichtlich ist (Petermann & Petermann, 2013). Die indirekte, auch relationale, soziale oder Beziehungsaggression genannt, wird von Täter*innen dann eher präferiert, wenn bei der Ausübung direkter Aggression mit negativ bewerteten Konsequenzen zu rechnen ist (Krahé, 2014). Auch das Motiv des Verhaltens wird bei der Klassifikation berücksichtigt. Hier wird beispielweise zwischen instrumenteller und feindseliger Aggression unterschieden. Bei instrumenteller Aggression ist das Erreichen eines bestimmten Ziels im Vordergrund. Die feindselige Aggression hingegen wird durch das Bedürfnis Emotionen, wie zum Beispiel Wut auszudrücken, angetrieben und verfolgt das Ziel, dem Opfer bewusst Schaden zuzufügen (Krahé, 2014).

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze dazu, wie es zu aggressivem Verhalten kommt bzw. wodurch es begünstigt wird. Die Erklärungsalternativen für gewaltvolles Verhalten reichen von Frustration und Provokation (Aronson, 2014) über sozialkognitive Lernprozesse (Banudra, Verres & Kober, 1979) bis hin zu externen Stimuli wie Hitze, Schmerzen oder allgemeinem Unwohlsein (Krahé, 2014).

3 Prosoziales Verhalten im Internet

Prosoziales Verhalten dient als Überbegriff für unterschiedliche Formen der Unterstützung. Dazu zählt die Hilfe anderer, das Teilen und auch die soziale Unterstützung (Garms-Homolová, 2022). Bierhoff (2002) definiert prosoziales Verhalten als den Versuch einer Person einem anderen Menschen durch ihr Handeln zu helfen. Dieses Verhalten wird von der Gesellschaft als nützlich eingestuft (Levine & Manning, 2014). Der Akt des prosozialen Helfens ist nicht verpflichtend, wie er es zum Beispiel im Rahmen eines Berufs sein könnte.

Beim prosozialen Verhalten handelt es sich nicht um Hilfe in Form von Spenden an Organisationen oder dergleichen, sondern um direkte Hilfe von einer Person für eine andere (Bierhoff, 2002). Es existieren zahlreiche Theorien darüber, in welchen Situationen und warum Menschen sich prosozial verhalten (Levine & Manning, 2014; Garms-Homolová, 2022; Dowling & Bertram, 2021; Bandura, 1994). Sowohl egoistische als auch altruistische Motivationen können dem prosozialen Verhalten als Grundlage dienen (Levine & Manning, 2014). Aber auch soziale Normen, das Bedürfnis ein Problem zu lösen (Garms-Homolová, 2022), eine Kosten-Nutzen-Kalkulation oder Interdependenz im Rahmen sozialen Austauschs (Dowling & Bertram, 2021) sowie soziales Lernen (Bandura, 1994) sind mögliche Erklärungsansätze. Trotz der Unterschiedlichkeit der Theorien ist ihnen der Gedanke gemein, dass jeglichem prosozialen Verhalten das Erkennen einer Notlage dem Hilfebedarf vorausgeht (Garms-Homolová, 2022).

Sowohl die Definition von prosozialem Verhalten als auch die Motivation und Erklärungsansätze können auf Interkationen im digitalen Kontext übertragen werden (Rothmund & Gollwitzer, 2012)

4 Formen der Gewalt im Internet

Digitale Gewalt wird als Gewaltform definiert, die technische Hilfsmittel und digitale Medien gebraucht. Sie findet im digitalen Raum statt, zum Beispiel auf Online-Portalen, Sozialen Medien oder anderen sozialen Plattformen. In der Regel ist Gewalt im digitalen Kontext nicht losgelöst von Gewalt, die in der analogen Welt stattfindet. Sie ist viel mehr eine Ergänzung oder Fortsetzung von vorher bestehenden Gewaltdynamiken (Hartmann, 2017).

Die Formen der Gewalt im Internet sind mannigfaltig. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über mögliche Gewaltformen im digitalen Kontext. Cyberstalking, Happy Slapping und Cybercrime werden kurz beschrieben. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Aggressionsformen Cybermobbing und Hatespeech. Ihre Folgen und ihr aktueller Forschungsstand werden näher beleuchtet, bevor im anschließenden Kapitel mögliche präventive Maßnahmen sowie deren Evaluation herausgearbeitet werden.

4.1 Cyberstalking

Beim Stalking handelt es sich um das absichtliche, wiederholte und unerwünschte Nachstellen einer Person. Dies geschieht in einer Weise, die das Leben der anderen Person beeinträchtigt und von ihr als belastend empfunden wird. Häufig zeigt sich dieses Verhalten über einen längeren Zeitraum und wird in der Regel nicht beendet, wenn die gestalkte Person den Kontakt eindeutig und offen ablehnt (Spitzberg & Hoobler, 2002). In Deutschland ist Stalking gemäß §238 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar.

Der Unterschied zwischen Stalking und Cyberstalking ist, dass die Täter*innen computerbasierte Kommunikationstechniken nutzen, um einer Person nachzustellen (Huber, 2012). Dadurch wird eine unmittelbar eintretende und breiter ausfallende Wirkung erzielt (Goodno, 2017). Ein weiterer Unterschied ist, dass der*die Täter*in beim Cyberstalking im Vergleich zum Stalking anonym agieren kann, da keine physische Anwesenheit für die Ausübung der Taten erforderlich ist (Goodno, 2017). Bei den Taten kann es sich um das Verbreiten von Lügen über eine Person im Internet, Verunglimpfung, Bloßstellung, verbale Erniedrigungen, Bedrohungen, einen Hackerangriff oder das exzessive Verfolgen der Online-Aktivitäten einer Person handeln (Southworth, Finn, Dawson, Fraser & Tucker, 2007; Jaishankar, Sankary & Dhayanand, 2006). Ein essenzielles Kriterium dieser Begriffsbestimmung ist, dass die Handlung der stalkenden Person bei der*m Betroffenen Angst verursacht (Southworth et al., 2007).

Als Folgen der Betroffenen von Cyberstalking können dieselben psychischen Auswirkungen auftreten wie bei anderen Arten von Stalking. Dazu zählen innere Unruhe, Schlafstörungen, Albträume, Ängste und Depression (Fuchs, 2016).

4.2 Happy Slapping

Der Begriff Happy Slapping kommt aus dem Englischen und wird wörtlich mit „fröhliches Zuschlagen“ übersetzt (Hilgers, 2011). Dabei handelt es sich um ein wahlloses, nicht zielgerichtetes und überraschendes Gewaltdelikt, das aber ohne prominentes Gewaltmotiv ausgeführt wird. Die Täter suchen sich spontan ein Opfer, das sowohl im Kindesalter als auch erwachsen sein kann und schlagen es, ohne vorher in jeglicher anderer Weise Kontakt aufzunehmen (Hilgers, 2011). Die Tat wird in der Regel mit einem Mobiltelefon oder einer Kamera gefilmt und anschließend ins Internet gestellt, wo es der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Aus der Gewalttat an sich in Kombination mit der Veröffentlichung des Videos entsteht den Täter*innen ein Überlegenheitsgefühl und das aufgenommene Filmmaterial wird dazu genutzt, um sich vor anderen zu brüsten (Köhler & Martin, 2013). Die Täter*innen sind in der Regel männlich (Köhler & Martin, 2013) und kennen das Opfer nicht (Richard, Grünwald & Recht, 2008).

4.3 Cybercrime

Nicht nur Hacking, Diebstahl und Virenangriffe zählen zu dem weit gefassten Begriff Cybercrime (Katzer, 2013). Alle Straftaten, Regel- oder Gesetzesbrüche, die mithilfe des Internet begangen werden, werden als Cybercrime bezeichnet (Huber 2015; Kshetri, 2010). Zur genaueren Kategorisierung der Tatbestände, wird zwischen Cybercrime im engeren Sinn und Cybercrime im weiteren Sinn unterschieden. Wenn von Cybercrime im engeren Sinn die Rede ist, geht es um Straftaten, die einen Hackingvorgang involvieren. Dazu können Angriffe auf ganze Computersysteme oder auf Daten zählen, sofern sie die Nutzung des Internets erfordern. Bei Cybercrime im weiteren Sinne wiederum geht es um die Planung von Straftaten im Rahmen der Internetnutzung. Hierzu zählt zum Beispiel die Kinderpornografie und die Anbahnung von Sexualkontakten zu unmündigen Menschen (McGuire & Dowling, 2013; Huber, 2012). Mit der zunehmenden Digitalisierung werden immer wieder neue Arten des Cybercrime bekannt. Nicht nur die bereits erläuterten Delikte Cyberstalking und Happy Slapping werden in den Bereich Cybercrime eingeordnet, sondern auch das Cybermobbing (Huber, 2012).

4.4 Hatespeech

Hatespeech wird im Deutschen auch als Hassrede bezeichnet. Sie wird als kommunikative Ausdrucksform definiert, die in der Öffentlichkeit Abwertung, Verachtung und Ausgrenzung spezifischer Menschengruppen gegenüber auszulösen, zu fördern, zu verbreiten oder diese zu rechtfertigen versucht. Auch Diskriminierung oder anderweitige Verletzung der Würde oder die Demütigung von Menschen kann durch Hatespeech intendiert sein (Baldauf, Banaszczuk, Koreng, Schramm & Stefanowitsch, 2015; Howard, 2019; Sponholz, 2013; Meibauer, 2013). Das übergeordnete Ziel bei der Ausübung von Hatespeech ist es, eine Gruppe von Menschen, häufig eine Minorität, zu erniedrigen (Ringkamp & Widdau, 2018). Hatespeech, bzw. Hassrede, ist nicht als sprachwissenschaftlicher, sondern als politischer Begriff anzusehen (Baldauf et al., 2015). Kontrastierend zur Beleidigung wird bei Hatespeech eine ganze Menschengruppe herabgewürdigt. Bei der Beleidung handelt es sich in der Regel um Individuen (Baldauf et al., 2015).

Anhand vier verschiedener Aspekte wird die Komplexität des Phänomens Hatespeech deutlich: Der erste Aspekt lautet Kontext. Hatespeech kann sowohl online als auch offline stattfinden. Der zweite Aspekt Erscheinungsform bedeutet, dass Hatespeech rassistisch, homofeindlich und sexistisch sein, aber auch viele andere Beweggründe haben kann. Bei dem dritten Aspekt geht es um den Modus. Hatespeech kann sich in Form von Verunglimpfungen, Aufrufen zu direkter Gewalt bis hin zu unterschwelligen Modi äußern (Baldauf et al. 2015). Aber auch die Form der Beteiligung, Aspekt vier, kann sehr unterschiedliche sein. So gibt es etwa Ausübende, die unmittelbar Hatespeech betreiben. Auf der anderen Seite gibt es Personen, die sich in direkter oder auch stellvertretender Weise von Hatespeech angesprochen fühlen. Weiterhin gibt es Menschen, die nicht involviert sind, aber Hatespeech wahrnehmen und zu guter Letzt gibt es Menschen, die in einer verteidigenden Rolle auftreten. Sie argumentieren gegen Hatespeech, betreiben also sogenanntes Counterspeech (Baldauf et al., 2015).

Kriterien, anhand derer Hatespeech von ähnlichen Phänomenen abgegrenzt werden kann, sind Verletzungsabsicht, Gruppenbezug, Öffentlichkeit, repetitive Handlung sowie Abwertung (Wachs, Schubarth & Bilz, 2020). Bei Mobbing und auch bei Hatespeech geschieht eine repetitive und intendierte Schädigung einer anderen Person. Dabei liegt eine Verletzungsabsicht vor und meistens geht eine Abwertung der anderen Person damit einher (Braungardt, Vogel, Schmiedenberg & Schneider, 2013). In Abgrenzung von Hatespeech liegt bei Mobbing jedoch nicht immer der Gruppenbezug vor und der Aspekt der Öffentlichkeit ist nicht immer gegeben. Gemein haben sie allerdings, dass sie repetitiv und über einen längeren Zeitraum geschehen (Sponholz, 2018). Bei Hatespeech und verbaler Gewalt sind einige Überschneidungen zu finden. So gehen mit beiden Formen eine Abwertung und Schädigungsabsicht einher, die auf kommunikativen Wegen erfolgt. Verbale Gewalt jedoch muss nicht in der Öffentlichkeit stattfinden und sich nicht auf eine Gruppe von Menschen beziehen (Sponholz, 2018). Ganz anders gestaltet sich der Vergleich von Diskriminierung und Hatespeech. Bei beiden Phänomenen werden Gruppen von Personen abgewertet. Während Hatespeech immer bewusst und öffentlich geschieht, muss dies bei Diskriminierung nicht der Fall sein (Sponholz, 2018).

4.4.1 Aktueller Forschungsstand von Hatespeech

Forschungsergebnisse zeigen, dass Hatespeech einen Effekt insbesondere auf Jugendliche hat. So fanden Nicolas und Skinner in ihrer Studie aus dem Jahr 2012 heraus, dass bereits die Wahrnehmung von Hatespeech zur Entwicklung von negativen Urteilen und Einstellungen gegenüber Personengruppen führen kann. Auf diese Weise können sich also bereits bei Jugendlichen diskriminierende Tendenzen manifestieren (Nicolas & Skinner, 2012).

In einer Studie zu Erfahrungen mit rassistisch motivierter Diskriminierung im virtuellen Raum zeigte sich, dass Jugendliche, die online Diskriminierung erfahren hatten, öfter von Angststörungen und Depressionen betroffen waren (Tynes, Giang, Wiliams & Thompson, 2008). In der Studie von Geschke und Salheiser (2020) gaben Jugendliche an, durch den Kontakt mit Hatespeech, eine schlechtere psychische Gesundheit zu haben.

In Berlin und Brandenburg wurde anhand eines qualitativen Forschungsdesigns untersucht, inwiefern sich Hatespeech an Schulen zeigt und wie Schüler*innen dies erleben und bewältigen. Es zeigte sich, dass Schüler*innen Erfahrungen mit Hatespeech als belastend wahrnehmen Die Copingstrategien unterschieden sich sowohl situativ als auch individuell. Subjektive Beeinflussbarkeit und die wahrgenommene soziale Unterstützung innerhalb des Klassenverbundes wirkten sich auf die Bewältigung aus (Krause et al., 2021). Wachs, Ballasch und Krause stellten zudem fest, dass Viktimisierungserfahrungen das Ausüben gewaltvollen Verhaltens begünstigen kann (2022). Dies zeigt sich laut Wachs und Wright auch im Kontext von Hatespeech. So lassen sich Korrelationen zwischen selbst erlebter Hatespeech und dem aktiven Ausüben von Hatespeech zeigen (Wachs & Wright, 2018).

Eine qualitative Studie von Ballasch et al. (2021) untersuchte, aus welchen Beweggründen heraus Hatespeech von Schüller*innen in der Schule und im Internet betrieben wird. In Interviews wurden n =55 Schüler*innen, n =18 Lehrkräfte sowie n =16 Sozialpädagog*innen befragt. Häufig genannte Motive waren Gruppendruck, Spaß, Provokation, Angst vor Statusverlust sowie politisch ideologische Einstellungen und Kompensation von Minderwertigkeitserleben und Frust. Hinter den genannten Motiven wiederum stehen die Grundmotive Zugehörigkeit und Macht (Ballasch et al., 2021).

Auch gesellschaftlich gesehen verfestigt Hatespeech Machtstrukturen und Verhältnisse von Ungleichheiten. Die Grenzen zwischen Hatespeech im online und offline Kontext verschwimmen hierbei (Hornscheidt, 2013). Die Verbreitung von Hatespeech erzielt somit auch häufig den Effekt, dass antisoziales und kriminelles Verhalten in der realen Welt verstärkt werden (Frenda et al., 2019). Nicht zuletzt durch diese Forschungsarbeiten wird der Bedarf nach Präventionsangeboten deutlich.

4.5 Cybermobbing

Cybermobbing, in der englischsprachigen Literatur auch Cyberbullying genannt, ist ein Begriff, der eine Form der Gewalt im Internet beschreibt. Es geht hierbei um eine Gewaltform, die die Schikane oder auch Belästigung anderer Personen mithilfe von elektronischen Geräten und dem Internet bezeichnet. Dabei kann es sich beispielsweise um Handys und Computer handeln (Smith, Steffgen & Sichttichai, 2013).

Insbesondere die Forschung der letzten 10 Jahre gibt einen immer präziseren Überblick über die Prävalenz, Determinanten sowie die Konsequenzen, die in Folge von Cybermobbing auftreten können (Völlink, Dehue, Mc Guckin & Jacobs, 2016).

Wenn die Prävalenz von Cybermobbing erhoben wird, geschieht dies sowohl aus der Sicht der Täter*innen als auch aus der Sicht Betroffener. Wird aus der Perspektive von Täter*innen gefragt, ergeben sich Ergebnisse mit einer großen Range. Bei verschiedenen Studien zeigen sich Prävalenzraten von 0 % (Didden et al., 2009) bis hin zu 60,4 % (Xiao & Wong, 2013). Werden Prävalenzen aus der Sicht der Betroffenen erhoben, ist die Spannweite nicht geringer. Ortega, Calmaestra und Mora-Merchan ermittelten in ihrer Studie eine Prävalenzrate von 1,5 % während Juvonen und Gross auf eine Pävalenzrate von 72 % kamen (2008). Diese Ergebnisse sind vermutlich auf die Nutzung verschiedener Forschungsmethoden zurückzuführen und sind nicht mit dem tatsächlichen Vorkommen von Cybermobbing in Verbindung zu bringen (Schenk, 2020).

Wenn Cybermobbing stattfindet, liegt dem häufig ein Machtungleichgewicht vor. Täter*in und Opfer haben also in der Regel einen unterschiedlichen sozialen Status (Katzer, 2013). Mögliche Determinanten, die dieses Machtungleichgewicht stützen und somit Cybermobbing begünstigen können, sind beispielsweise Makel des äußeren Erscheinungsbildes, fehlende Statussymbole (z.B. Smartphone, Auto, Markenkleidung etc.) Auch geringe Beliebtheit innerhalb einer Gruppe kann dazu führen, dass eine Person zur Betroffenen wird (Katzer, 2013).

Beim Cybermobbing zählen nicht nur die Betroffenen und Täter*innen. Auch Menschen, die Cybermobbing-Attacken unterstützen oder die Täter*innen sogar anfeuern, gehören zu den beteiligten Personen. Des Weiteren müssen beobachtende Personen erwähnt werden, die die Taten wahrnehmen, aber untätig bleiben. In der Fachliteratur werden diese Personen auch Bystander genannt (Scheithauer & Hayer, 2007). Cybermobber*innen agieren oft in Gruppen und konzentrieren sich eher auf Personen, die nicht in ein Gruppengefüge eingebunden zu sein scheinen. Katzer formuliert, dass Cybermobber*innen in ihren Gruppenstrukturen häufig einen Anführer*innenstatus innehaben (2013). Ein weiterer begünstigender Faktor für Cybermobbing ist die Anonymität, die durch das Internet an vielen Stellen gewährt wird. Die Täter*innen sind dadurch schwer zu identifizieren und fühlen sich sicher und unangreifbar (Katzer, 2013). Für die Opfer kommt der Aspekt erschwerend hinzu, dass einmal veröffentlichte verunglimpfende Textbeiträge oder diffamierende Fotos nicht wieder vollständig aus dem Internet entfernt werden können (Katzer, 2013). Zusätzlich macht es den Betroffenen so gut wie unmöglich den Angriffen zu entfliehen, da das Internet rund um die Uhr zugänglich ist und somit eine beständige Plattform für Cybermobber*innen bietet (Katzer, 2013).

Cybermobbing verursacht oft Konsequenzen, die die Betroffenen für lange Zeit belasten oder beeinträchtigen (Ybarra, Diener-West & Leafl, 2007). Hierbei sind sowohl das kurzfristige als auch das dauerhafte Schädigungsempfinden zu nennen. Bei dem kurzfristigen Schädigungsempfinden handelt es sich um die Empfindung der betroffenen Person, in der Situation, in der sie Cybermobbing erfährt und die Zeit kurz nach der Attacke. Gefühle, die in dieser Zeitspanne häufig auftreten sind Angst und Frustration. Auch psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Magenschmerzen sowie Schwindel werden oft genannt (Katzer, 2013). Das dauerhafte Schädigungsempfinden begleitet die Betroffenen über den kurzfristigen Zeitraum hinaus und bedeutet oft einen langen Leidensweg. Häufige Phänomene in diesem Kontext sind Traumata und daraus resultierender Rückzug aus dem sozialen Leben. Betroffene leiden mitunter unter dem Gefühl der Einsamkeit, unter Stress und Ängsten (Ortega et al., 2009; Gradinger, 2010; Hinduja & Patchin, 2010). Die langfristigen Folgen von Cybermobbing können auch die Form von selbstverletzendem Verhalten und sogar den Suizid als letzte, verzweifelte Lösung zur Folge haben (Katzer, 2013; Kaschnitz, 2016; Gabler, 2013).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Gewalt im Internet, Prävention und prosoziales Verhalten. Hatespeech und Cybermobbing
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Jahr
2022
Seiten
27
Katalognummer
V1257424
ISBN (Buch)
9783346704788
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Aggressionen, Internet, Gewalt im Internet, Cybermobbing, Prosoziales Verhalten, Prävention, Gewaltprävention
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Gewalt im Internet, Prävention und prosoziales Verhalten. Hatespeech und Cybermobbing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257424

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