Obwohl Shiga Naoya 1946 sogar den Versuch unternahm, Französisch als Nationalsprache in Japan zu etablieren (Suzuki 1990: 41), hat diese Sprache nie so einen großen Einfluss auf das Japanische ausgeübt wie etwa das Englische. Diese Einflussnahme wurde deshalb ermöglicht, da das Japanische und deren etwa 127 Mio. Sprecher wie kaum eine andere Sprache aufgeschlossen gegenüber der Entlehnung von Fremdwörtern aus anderen Sprachen ist. Sobald die Fremdwörter dann vollständig in Aussprache, Orthographie und Flexion in die entlehnende Sprache integriert sind, spricht man von Lehnwörtern. Der Terminus „Lehnwort“ im weiteren Sinn wird auch als Oberbegriff für Fremdwörter benutzt, wobei die Unterscheidung nicht immer klar ist.
Im Folgenden werden zunächst der Sprachkontakt und dessen allgemeine Aspekte dargestellt, worauf dann die geschichtliche Entwicklung des Sprachkontakts in Japan und dessen Einfluss auf die japanische Gesellschaft näher erläutert werden. Ein besonderes
Augenmerk wird daraufhin auf die französischen Lehnwörter im Japanischen gelegt. Dabei spielen Arten der Entlehnungen eine Rolle sowie die Bereiche, aus denen Wörter in die japanische Sprache entlehnt wurden und die phonologische Angleichung der Lehnwörter an das Japanische. Hinzu kommt die Veranschaulichung der Bedeutung der japanischen Silbenschrift katakana in Bezug auf die Lehnwörter im Japanischen. Abschließend wird der heutige Einfluss der französischen Lehnwörter auf die japanische Sprache näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachkontakt des Japanischen mit anderen Sprachen
2.1 Sprachkontakt allgemein
2.2 Geschichte des Sprachkontakts in Japan
2.3 Einfluss auf die japanische Gesellschaft
3. Französische Lehnwörter im Japanischen
3.1 Arten der Entlehnungen und Beispiele
3.2 Phonologische Angleichung der Lehnwörter
3.3 Bedeutung der Silbenschrift katakana
4. Heutiger Einfluss der französischen Lehnwörter auf das Japanische
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und aktuellen Sprachkontakt zwischen dem Japanischen und dem Französischen. Dabei wird analysiert, in welchen Bereichen französische Lehnwörter Eingang in das Japanische gefunden haben, wie diese phonologisch an das japanische Lautsystem angepasst wurden und welche soziolinguistischen Faktoren diesen Prozess steuern, insbesondere vor dem Hintergrund des dominanten Einflusses des Englischen.
- Sprachkontakttheorien und soziolinguistische Hintergründe
- Entwicklung und Adaption französischer Lehnwörter
- Die Rolle der Silbenschrift Katakana bei Fremdwörtern
- Konkurrenz zwischen französischen und englischen Lehnwörtern
- Kulturelle Identität und Aufnahme westlicher Kultureinflüsse
Auszug aus dem Buch
3.1 Arten der Entlehnungen und Beispiele
In Japan ist der Sprachkontakt auf die lexikalische Entlehnung von Fremdwörtern aus anderen Sprachen beschränkt. Es handelt sich dabei um einen nichtbilingualen Sprachkontakt, der von Distanz geprägt ist (Loveday 1996: 17). Ein indirekter Kontakt durch Lehnübersetzung und stilistische Einflüsse herrscht vor, da die Mehrheit der Japaner die betreffenden Fremdsprachen nicht auf Niveau einer Muttersprache sprechen (Loveday 1996: 19). Ansonsten findet der Kontakt mit westlichen Sprachen auch heute noch vorwiegend auf schriftlicher Ebene und durch die Massenmedien statt, um lexikalische Lücken zu füllen oder zur kommerziellen Ausschmückung zu dienen (Loveday 1996: 59). Ein wichtiger Aspekt bei der Übernahme neuer Lehnwörter in die japanische Standardsprache ist dabei die Akzeptierung oder die Zurückweisung der betreffenden Wörter durch die japanischen Sprecher selbst. Dies hängt vor allem vom Alter der Sprecher ab, wobei jüngere Sprechergruppen generell aufgeschlossener gegenüber neuen Fremdwörtern aus westlichen Sprachen sind (Loveday 1996: 78).
Eines der Hauptmotive für lexikalische Entlehnungen ist die sprachliche Bedarfsdeckung, bei der „Kulturwörter“ als Folge des Kultureinflusses übernommen werden. Bei der sprachlichen Bedarfsdeckung werden vorwiegend Inhaltswörter, also Substantive, entlehnt, da diese leichter als Funktionswörter, d.h. Adjektive und Verben, entlehnt werden können. Als weiteres Hauptmotiv gelten Modeströmungen, bei denen die Mode bzw. das Prestige einer fremden Kultur übernommen werden, um den Wert der eigenen Kultur zu steigern und die Geringschätzung zu überwinden. Schließlich gibt es noch den Sprachwechsel, bei dem die eigene Sprache zugunsten einer fremden aufgegeben wird. (Bechert 1991: 76/77). Letzteres trifft aber nicht auf Japan zu, da es nie zu einem Sprachwechsel gekommen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die historische Rolle französischer Einflüsse im Japanischen und skizziert das Forschungsinteresse an der Integration und phonologischen Anpassung dieser Fremdwörter.
2. Sprachkontakt des Japanischen mit anderen Sprachen: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen des Sprachkontakts und untersucht die Geschichte des japanischen Schriftsystems sowie den Einfluss der chinesischen Sprache.
3. Französische Lehnwörter im Japanischen: Hier werden die Mechanismen der lexikalischen Entlehnung, die phonologische Integration ins Japanische und die spezifische Bedeutung der Katakana-Silbenschrift detailliert dargelegt.
4. Heutiger Einfluss der französischen Lehnwörter auf das Japanische: Dieses Kapitel beleuchtet den aktuellen Status französischer Begriffe in Japan, die durch den dominierenden Einfluss des Englischen zunehmend verdrängt werden.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass das Englische als Lingua franca den französischen Einfluss überlagert hat, betont jedoch die grundlegende Offenheit der japanischen Sprache gegenüber ausländischen Einflüssen.
Schlüsselwörter
Japanisch, Französisch, Sprachkontakt, Lehnwörter, Entlehnung, Interferenz, Katakana, Phonologie, Kulturwörter, Diglossie, Sprachwandel, Soziolinguistik, Fremdwörter, Lingua franca, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die linguistische Integration französischer Lehnwörter in das Japanische sowie die historischen und soziologischen Bedingungen dieses Sprachkontakts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Sprachkontakttheorien, die Entwicklung der japanischen Schriftsysteme (Kanji, Hiragana, Katakana), phonologische Anpassungsprozesse und die Konkurrenz westlicher Fremdsprachen in Japan.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Einfluss des Französischen zu analysieren, zu erklären, warum dieser im Vergleich zum Englischen schwächer ist und wie sich Entlehnungen in die japanische Struktur einfügen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziolinguistischer und sprachwissenschaftlicher Quellen, um den historischen Kontext und die linguistischen Transformationsprozesse zu beschreiben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Arten der Entlehnung, die Rolle der Silbenschrift Katakana, die morphologische und phonologische Angleichung sowie die heutige Bedeutung und den Rückgang des französischen Einflusses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachkontakt, Lehnwörter, Katakana, phonologische Interferenz, Gairago und soziokulturelle Integration.
Warum haben französische Begriffe im Vergleich zum Englischen an Bedeutung verloren?
Der enorme Einfluss des Englischen als internationale Lingua franca und die Globalisierung seit dem Zweiten Weltkrieg haben dazu geführt, dass französische Lehnwörter bei synonymen Begriffen zunehmend durch englische Entlehnungen verdrängt werden.
Welche Rolle spielt die Silbenschrift Katakana für Lehnwörter?
Katakana dienen als spezielles Schriftsystem, um westliche Fremdwörter darzustellen, und verdeutlichen durch ihre grafische Form sofort den fremden Ursprung der jeweiligen Begriffe.
- Arbeit zitieren
- M.A. Kathleen Fritzsche (Autor:in), 2005, Französische Lehnwörter im Japanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125937