Das Christentum in China hat eine lange Geschichte.1 Erste Versuche, das Land im Fernen Osten für
den christlichen Glauben zu gewinnen wurden schon im siebten Jahrhundert unternommen. Die ersten
Christen, die in China Fuß fassten waren Nestorianer.2 Sie hatten die christliche Religion über
die Handelstrassen von Mesopotamien nach Ostasien gebracht. Neben anderen christlichen Orden
war es aber vor allem die Jesuitenmission, die sich der Herausforderung des fernen Ostens und insbesondere
Chinas gestellt haben. Das Thema der jesuitischen Mission in China ist aus mindestens
drei Gründen von besonderer Bedeutung und ist in der geschichtswissenschaftlichen Forschung
vielfach und intensiv bearbeitet worden. Es wirft einerseits ein Licht auf die Geschicke und Probleme
der ansetzenden großen interkulturellen Begegnung zwischen dem asiatischen und dem europäischen
Raum in der frühen Neuzeit. Andererseits können an der Entwicklung der jesuitischen Mission,
markante Zeichen der Entwicklung des frühmodernen Katholizismus mit seinen prägenden Auswirkungen
auf die gesellschaftliche Ordnung in Europa festgehalten werden. Daneben kann die Geschichte
der Mission natürlich auch als Erzählung von Individualschicksalen gelesen werden, bzw.
mikrologisch besondere Aspekte der missionarischen Tätigkeit einzelner Personen herausgearbeitet
werden. Der Punkt an dem sich diese Fragestellungen fokussieren lassen ist die Entwicklung und
der Streit um die Methode der Missionierung. Sie reflektiert die innerkirchliche Entwicklung, die
Auseinandersetzung mit der fremdem Kultur und die Arbeit der einzelnen Missionare. In dieser Arbeit
soll der Schwerpunkt deshalb auf den Entwicklungen zu Beginn der jesuitischen Mission liegen
um die Prinzipien und Probleme in der Ausarbeitung der so genannten Akkommodationsmethode
klar darzustellen. Der Zeitraum, der hier also im Wesentlichen betrachtet wird, ist beschränkt auf
die Jahre von Mitte des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts (ca.1541-1630). Der Schwerpunkt liegt
dabei auf dem Wirken des Jesuitenmissionars Matteo Ricci. Damit werden nur die Vorbedingungen
der Konfrontation untersucht, die unter dem Namen „Ritenstreit“ in der Geschichtswissenschaft gehandelt
wird und häufig im Mittelpunkt der Debatte steht. In den Quellenstudien ist die vorliegende
Arbeit auf Grund der verwendeten Sprachen hauptsächlich auf Sekundärliteratur angewiesen gewesen.
en werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Ausgangsbedingungen der Jesuitenmission in China
1. Erste Ansätze der christlichen Mission in China und die Isolation in der Yuan-Zeit
2. Die politischen Hintergründe der Chinamission
3. Selbstbild des klassischen Chinas zu Beginn der Jesuitenmission
4. Erste gescheiterte Versuche der Jesuiten
5. Der Kontext der Entwicklung der Missionsmethode
II. Der Beginn der Missionierung Chinas
1. Ankunft im „Reich der Mitte“
2. Der religiöse Boden in China Ende des 16. Jahrhunderts
III. Matteo Ricci und die Weiterentwicklung des Prinzips der Akkommodation
1. Das erste strategische Ziel: die Bekehrung des Kaisers
2. Äußere Anpassung der gesellschaftlichen Rolle: Gelehrter statt Priester
3. Anpassung des Christentums an die chinesischen Klassiker
4. Geheimhaltung der wahren Absichten
IV. Die Reaktion auf die Missionsmethode von Ricci
1. Kritik und innere Zerrissenheit
2. Vertrauensverlust und äußerer Widerstand
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedingungen und die methodische Entwicklung der jesuitischen Mission in China von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt auf der Akkommodationsstrategie von Matteo Ricci und den daraus resultierenden innerkirchlichen sowie externen Konflikten liegt.
- Historische Voraussetzungen und politische Rahmenbedingungen der Chinamission
- Die Entwicklung der Akkommodationsmethode als kulturelle Anpassungsstrategie
- Die Rolle Matteo Riccis und die Strategie der Bekehrung „von oben nach unten“
- Religiöse und philosophische Herausforderungen im interkulturellen Austausch mit dem konfuzianischen China
- Innerkirchliche Spannungen und der Ritenstreit
Auszug aus dem Buch
1. Ankunft im „Reich der Mitte“
Als Wegbereiter der Jesuitenmission auch in Festlandchina kann der italienische Missionar Alessandro Valignano (1539-1606) gelten. Er war als Organisator und Visitator der Gesellschaft Jesu in Macao tätig, wo in einer Jesuitenresidenz, die künftigen China- und Japan-Missionare auf ihren Einsatz vorbereitet wurden.32 Er hatte auf der Grundlage der Ideen Franz Xavers eine geeignete und effiziente Missionsmethode für Ostasien ausgearbeitet und erkannte als wesentlichen Grund, warum die Jesuitenmissionare keine Einreisegenehmigung für das Innere des Landes erhielten, die Unkenntnis der chinesischen Sprache. So wurde von ihm angeordnet, dass der künftige China Missionar Michele Ruggieri in Macao Chinesisch lernen sollte. Neben der Sprache lernte er explizit auch chinesische Höflichkeitsformen und landesübliche Etiketten. Schließlich bekam er die Möglichkeit portugiesische Handelsleute bis nach Kanton zu begleiten. Dort konnte er bald durch seine Sprachkenntnisse und sein freundliches Wesen mit der chinesischen Beamten Kontakte knüpfen. Im Jahre 1581 gab man ihm die Erlaubnis in Kanton die erste katholische Kirche zu erbauen. Im folgendem Jahr wurde ihm als Verstärkung der italienische Jesuit Mateo Ricci geschickt, der im Nachhinein häufig als eigentlicher Begründer der Jesuitenmission in China angeführt wird.33
Die beiden Missionare mussten von Anfang an sehr darauf achten dass ihnen ihre Privilegien erhalten blieben. So schreibt Ruggieri in einem Brief vom 1584 an den Jesuitengeneral:
„Zu Beginn muss man mit diesem Volk sehr behutsam umgehen und nicht auf aufdringlichen Eifer handeln, denn es könnte leicht geschehen, daß wir die erworbenen Vorteile verlieren und nicht wieder gewinnen würden.“34
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung der jesuitischen Mission in China und definiert den Fokus auf die Entwicklung der Akkommodationsmethode unter Matteo Ricci.
I. Die Ausgangsbedingungen der Jesuitenmission in China: Dieses Kapitel analysiert die historischen Rahmenbedingungen, einschließlich früherer Missionsversuche und der politischen Isolation Chinas während der Yuan- und Ming-Dynastien.
II. Der Beginn der Missionierung Chinas: Hier wird der Start der aktiven Missionstätigkeit durch Ruggieri und Ricci beschrieben sowie das religiös-philosophische Umfeld Chinas gegen Ende des 16. Jahrhunderts erläutert.
III. Matteo Ricci und die Weiterentwicklung des Prinzips der Akkommodation: Der Hauptteil beschreibt Riccis Strategie, die Oberschicht durch intellektuelle Anpassung und das Übernehmen der Rolle als Gelehrter zu missionieren.
IV. Die Reaktion auf die Missionsmethode von Ricci: Dieses Kapitel thematisiert die zunehmende innerkirchliche Kritik am Vorgehen der Jesuiten sowie den Vertrauensverlust und Widerstand innerhalb der chinesischen Gelehrtenschicht.
Schluss: Das Fazit fasst die Bedeutung der Akkommodationsmethode zusammen und bewertet die Gründe für das letztendliche Scheitern der Missionierung in der chinesischen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Jesuitenmission, China, Akkommodationsmethode, Matteo Ricci, Christentum, Konfuzianismus, Missionsgeschichte, Ritenstreit, Kulturkontakt, Frühmoderne, Ming-Dynastie, interkulturelle Begegnung, Missionsstrategie, China-Mission, Ordensgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die jesuitische Mission in China im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert und untersucht, wie die Missionare versuchten, das Christentum in einer kulturell hoch entwickelten Gesellschaft zu etablieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Akkommodationsmethode, die Rolle des Konfuzianismus, der interkulturelle Austausch und die Konflikte zwischen europäischen Missionaren und dem chinesischen Kaiserreich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Prinzipien und Probleme der Akkommodationsmethode darzustellen, die darauf abzielte, die christliche Lehre an die chinesische Kultur anzupassen, anstatt sie gewaltsam aufzuzwingen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur, Briefen der Missionare und zeitgenössischen Berichten, um den Prozess der kulturellen Begegnung zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Arbeit von Matteo Ricci, seine Integration in die chinesische Oberschicht, das Studium der Klassiker und die bewusste Entscheidung, die „wahren Absichten“ der Mission zunächst zurückzuhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jesuitenmission, Akkommodation, Matteo Ricci, Konfuzianismus, Ritenstreit und Kulturkontakt.
Warum lehnte Ricci das Auftreten als buddhistischer Mönch ab?
Er stellte fest, dass buddhistische Mönche in der chinesischen Gesellschaft ein geringes Ansehen genossen, und wechselte daher zum Auftreten als konfuzianischer Gelehrter, um Zugang zur intellektuellen Elite zu erhalten.
Was war der Kern des Ritenstreits?
Der Ritenstreit drehte sich um die Frage, ob chinesische Christen weiterhin an traditionellen Ahnenriten und dem Kult um Konfuzius teilnehmen durften, was von verschiedenen christlichen Orden unterschiedlich bewertet wurde.
Wie reagierte der chinesische Kaiserhof auf die Missionare?
Zunächst wurden die jesuitischen wissenschaftlichen Kenntnisse geschätzt, was den Missionaren hohe Positionen am Hof einbrachte; später jedoch wuchs das Misstrauen gegen die politische Dimension der christlichen Mission.
War eine vollständige Christianisierung Chinas realistisch?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine vollständige Missionierung aufgrund der kulturellen Eigenständigkeit, des ethnischen Selbstbewusstseins Chinas und der Komplexität des Staates faktisch unmöglich war.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2007, Ausgangsbedingungen der Jesuitenmission in China von Mitte des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts und die Entwicklung der Akkommodationsmethode als leitendes Prinzip der Mission, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125945