Aufgrund der fast vollständigen zeitlichen Abdeckung vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein ist die schleswig-holsteinische Zeitschrift „Die Heimat“ eine ausgezeichnete Quelle zur Überprüfung sich verändernder Tendenzen und Meinungen von historischen sowie sozio-kulturellen Entwicklungen. Innerhalb der Fragestellung nach der Entstehung und dem Fortgang des Naturschutzgedankens in Theorie und Praxis in Deutschland soll versucht werden, anhand der Auswertung der Zeitschrift beispielhaft das Verhältnis zur Überregionalität des deutschen Naturschutzes und etwaige Tendenzen des regionalen Naturschutzes in Schleswig-Holstein im Zeitraum von 1891 bis 1949 aufzuzeigen. Die Jahrgänge von 1891 bis 1949 wurden dementsprechend unter dem Aspekt des Naturschutzes quellenkritisch hinterfragt und die Aufsätze bzw. Artikel hervorgehoben, die entweder direkt oder auch im weitesten Sinn mit dem Thema Naturschutz korrespondiert haben. Diese wurden aufgrund ihrer inhaltlichen Schwerpunkte in selbstgewählte Kategorien untergeordnet und bewertet, die dem Kerngedanken des Textes entsprechen oder auch nur einem sekundären Aspekt des Naturschutzes nahe kommen (u. a. „Naturdenkmalpflege (allgemein)“, „Naturdenkmal (groß/klein/winzig)“, „Botanik“, „Ornithologie“ usw.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Leserschaft der „Heimat“
3. Die Autoren
4. Naturschutzgebiet Wattenmeer
5. Naturdenkmäler
6. Natur und Volksweisheiten
7. Die Entwicklung der staatlichen Förderung des Vereinswesens
8. Naturdenkmalpflege in Schleswig-Holstein
9. Heimatschutzbau
10. Vom Ersten Weltkrieg beeinflusster Naturschutz
11. Naturschutz während der Weimarer Republik
12. Naturschutz im Nationalsozialismus
13. Naturschutz in Nachkriegsdeutschland
14. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert die Entwicklung des Naturschutzgedankens in Schleswig-Holstein zwischen 1891 und 1949 unter besonderer Berücksichtigung der Zeitschrift „Die Heimat“. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen überregionalen Naturschutzbestrebungen und regionalen Tendenzen aufzuzeigen und die Rolle des Vereins sowie seiner Leserschaft bei der Etablierung des Naturschutzes zu hinterfragen.
- Historische Entwicklung des Naturschutzes in Schleswig-Holstein (1891-1949)
- Analyse der Zeitschrift „Die Heimat“ als primäre Quelle
- Soziologische Betrachtung der Trägerschichten (Lehrerschaft/Bildungsbürgertum)
- Verhältnis zwischen Heimatschutz und Naturschutzgedanken
- Einfluss politischer Strömungen auf die Naturschutzthematik
Auszug aus dem Buch
4. Naturschutzgebiet Wattenmeer
Das heute in Schleswig-Holstein ohne Zweifel herausragende und die Region prägende Beispiel für Naturschutz ist der Nationalpark Wattenmeer. Aus diesem Grund hätte es das ultimative Paradebeispiel für eine regional eigenständige Naturschutzentwicklung in Schleswig-Holstein sein können. Leider ist solch eine Entwicklung nicht aufzuweisen. Die Thematik „Wattenmeer/Halligen“ (siehe Anhang) ist im untersuchten Zeitraum so gut wie gar nicht behandelt worden. Lediglich drei Aufsätze hatten im weitesten Sinn das Wattenmeer mit Naturschutz in Verbindung gebracht.
Beispielhaft sei hier der 1891 erschienene Artikel „Im Wattenmeer“ vom Mittelschullehrer J. Emil Lorenzen genannt, ein subjektiver, von Agrarromantik geprägter Reisebericht über einen Besuch auf der Hamburger Hallig. Neben der Aufzählung schöner und seltener Flora und Fauna mit Nennung der dazugehörigen lateinischen Fachnamen, mit der der Lehrer sein Wissen zu präsentieren wusste, kam es zu einer positiven Erwähnung der Lahnung, einer künstlich angelegten Verlandung im Watt: Das Eingreifen des Menschen in die Natur des Wattenmeeres wird hier als notwendig und sogar als für die Natur förderlich angesehen. Lorenzen hob lobend hervor, dass der „Queller“, eine Pflanze, die es hier vorher nicht gegeben hatte, sich durch die neu geschaffenen Bedingungen nunmehr ansiedeln konnte und eine Bereicherung der Flora darstellt – eine Meinung, die nicht mit der allgemein gängigen Auffassung der Naturdenkmalpflege in kommenden Jahrzehnten übereinstimmen wird: eine „Kulturlandschaft“ anstatt der eigentlich anzustrebenden „Naturlandschaft“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der historischen Bedeutung der Zeitschrift „Die Heimat“ als Quelle für sozio-kulturelle Entwicklungen und Naturschutzgedanken.
2. Die Leserschaft der „Heimat“: Analyse der soziologischen Struktur der Vereinsmitglieder, die maßgeblich aus der Lehrerschaft und dem Bildungsbürgertum stammten.
3. Die Autoren: Berufsgruppenanalyse der 65 verschiedenen Autoren, die Artikel mit Naturschutzbezug in der Zeitschrift publizierten.
4. Naturschutzgebiet Wattenmeer: Untersuchung der spärlichen Berichterstattung über das Wattenmeer und kritische Würdigung früher Reiseberichte.
5. Naturdenkmäler: Erste Erwähnung und Definition des Begriffs „Naturdenkmal“ durch Heinrich Barfod im Jahr 1900.
6. Natur und Volksweisheiten: Barfods Versuch, das Naturwissen der Landbevölkerung für den Naturschutzgedanken zu gewinnen.
7. Die Entwicklung der staatlichen Förderung des Vereinswesens: Bericht über die frühen Bemühungen zur Verrechtlichung und Organisation des Naturschutzes sowie die Gründung von Landesvereinen.
8. Naturdenkmalpflege in Schleswig-Holstein: Kritische Auseinandersetzung mit dem Vortrag Wilhelm Heerings, der die Provinz als arm an Naturdenkmälern einstufte.
9. Heimatschutzbau: Untersuchung der zunehmenden Trennung von architektonischem Heimatschutz und dem Naturschutzgedanken ab 1911.
10. Vom Ersten Weltkrieg beeinflusster Naturschutz: Gegenüberstellung von nationaler Heimatliebe und der kriegsbedingten Notwendigkeit der Landkultivierung.
11. Naturschutz während der Weimarer Republik: Darstellung der Aktivitäten unter Walter Emeis und der Herausforderungen durch mangelnde Naturschutzgesetze.
12. Naturschutz im Nationalsozialismus: Analyse der kritischen Haltung gegenüber der NS-Ödlandkultivierung trotz der ideologischen Nähe von Blut-und-Boden-Konzepten.
13. Naturschutz in Nachkriegsdeutschland: Pessimistische Ausblicke auf die ökologische Situation der Nachkriegsjahre und der Übergang zum modernen Umweltschutz.
14. Zusammenfassung: Fazit der Arbeit: Der Naturschutz nahm quantitativ nur einen kleinen Raum ein und blieb eng an den Diskursen des Bildungsbürgertums verhaftet.
Schlüsselwörter
Naturschutz, Schleswig-Holstein, Die Heimat, Naturdenkmalpflege, Heimatschutz, Bildungsbürgertum, Lehrerschaft, Landschaftsschutz, Geschichte, Vereinswesen, Hugo Conwentz, Walter Emeis, Naturdenkmal, Ästhetik, Regionalgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Wahrnehmung des Naturschutzes in Schleswig-Holstein im Zeitraum von 1891 bis 1949 anhand der Vereinszeitschrift „Die Heimat“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Etablierung der Naturdenkmalpflege, das Verhältnis von Naturschutz zu Heimatschutz, der Einfluss sozio-kultureller Trägerschichten sowie die Auswirkungen politischer Regime auf die Naturschutzpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verhältnis von überregionalen Naturschutzgedanken zu regionalen Entwicklungen in Schleswig-Holstein zu prüfen und zu analysieren, welche Rolle eine regionale Zeitschrift bei der Verbreitung dieser Ideen spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine quellenkritische Auswertung der 56 verfügbaren Jahrgänge der Zeitschrift „Die Heimat“ und setzt diese in den Kontext der zeitgenössischen Naturschutzliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch, von den ersten Definitionen des Naturdenkmals über den Einfluss des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik bis hin zur Situation im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Naturschutz, Schleswig-Holstein, Naturdenkmalpflege, Heimatschutz, Bildungsbürgertum sowie die Zeitschrift „Die Heimat“.
Warum spielt die Lehrerschaft eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Die Lehrerschaft stellte den aktiven Kern der Vereinsmitglieder und Autoren dar und war somit maßgeblich an der Gestaltung und Vermittlung des Naturschutzgedankens innerhalb des Bildungsbürgertums beteiligt.
Welche besondere Erkenntnis wird zum Thema „Naturschutzgebiet Wattenmeer“ hervorgehoben?
Die Untersuchung zeigt, dass das Wattenmeer entgegen der heutigen Bedeutung im untersuchten Zeitraum in der Zeitschrift „Die Heimat“ kaum als eigenständiges Naturschutzthema behandelt wurde.
Wie veränderte sich die Naturschutzrhetorik während des Nationalsozialismus?
Es zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen dem Schutz der „urwüchsigen“ Natur und dem politisch geforderten Kultivierungsdrang, wobei die „Blut-und-Boden“-Ideologie nur selten direkt, sondern eher zur Unterstützung eigener Interessen zitiert wurde.
- Citation du texte
- M.A. Carsten Sobik (Auteur), 2002, Die Entwicklung des Naturschutzes in Schleswig-Holstein anhand der Quellenauswertung der Zeitschrift "Die Heimat" von 1891 bis 1949, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126139