Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, wie und ob der Wahnsinn Lenzens mit der psychischen Krankheit verglichen werden kann, die man heute in wissenschaftlicher Terminologie Schizophrenie nennt.
Im ersten Kapitel der Arbeit wird das Krankheitsbild Schizophrenie beleuchtet, um einen Vergleich in Bezug zu Lenzens Wahnsinn herstellen zu können. Des Weiteren wird der Lebensweg des historischen Lenz näher beschrieben, um auf dieser
Grundlage zu untersuchen, was Büchner gegenüber den Textvorlagen verändert hat. Welche Elemente in der Erzählung auf den Wahnsinn des Lenz und die Andeutung auf die heutige erforschte Krankheit Schizophrenie hindeuten, wird in Kapitel 4.2 "Merkmale der Krankheit" näher erläutert. Am Ende dieser Arbeit folgt eine nähere Betrachtung, inwiefern sich der Wahnsinn Lenzens im Steintal bei Pfarrer Oberlin entwickelt und welche Auswirkungen diese Entwicklung auf seine Krankheit hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wahnsinn und Schizophrenie
3. Der historische Lenz
4. Der literarische Lenz
4.1 Veränderungen der Vorlage durch Büchner
4.2 Merkmale der Krankheit
4.3 Verlauf und Entwicklung der Krankheit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern der Wahnsinn der literarischen Figur Lenz in Georg Büchners Erzählung „Lenz“ mit dem heutigen Krankheitsbild der Schizophrenie vergleichbar ist, wobei insbesondere die Veränderungen gegenüber historischen Vorlagen und die gesellschaftskritischen Aspekte im Kontext der Erkrankung beleuchtet werden.
- Analyse des Krankheitsbildes der Schizophrenie nach heutigem wissenschaftlichem Stand.
- Untersuchung des Lebensweges des historischen Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz.
- Kontrastierung der literarischen Darstellung durch Georg Büchner mit den realen Tagebuchaufzeichnungen.
- Identifikation schizophrener Symptome (Wahn, Halluzinationen, Apathie) in der Erzählung.
- Erörterung der soziokulturellen Ursachen für das Scheitern des Protagonisten.
Auszug aus dem Buch
4.2 Merkmale der Krankheit
Eine Krankheit lässt sich durch bestimmte Merkmale erkennen. Im ersten Kapitel „Wahnsinn und die Schizophrenie“ wurden einige Merkmale der Krankheit Schizophrenie aufgeführt. Auch in Büchners Werk erkennt man einige Merkmale dieser Krankheit.
Durch die teilweise unmittelbare Übernahme aus den Berichten Oberlins in die Erzählung, gelingt Büchner eine hohe Authentizität in Bezug auf die Darstellung der Krankheitsaspekte zu. Auch wenn Büchner zu Oberlins Texten eigene Passagen hinzufügt und sie ausschmückt, kann man die Symptome von Lenzens Wahnsinn beziehungsweise Krankheit gut mit dem heutigen Krankheitsbild der Schizophrenie in Einklang bringen.
„Oberlins Bericht kann als Krankenbericht angesehen werden, als Chronik nicht nur der einzelnen Ereignisse, sondern auch des Fortschreitens der Krankheit und des Scheiterns der therapeutischen Bemühungen Oberlins und Kaufmanns“32.
Sowohl die Reihenfolge als auch die detaillierten Beschreibungen Oberlins können hierbei als Quelle dienen, die Krankheitsgeschichte von Lenz aus heutiger medizinischer Sicht zu lesen. Bereits in der von Büchner an den Anfang der Erzählung gestellten Szene, die Lenzens Wanderung zu Pfarrer Oberlin thematisiert, bekommt der Leser ein Gefühl für die Wahrnehmungsfremdheit der Figur Lenz. So heißt es:
„Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, da[ss] er nicht auf dem Kopf gehen konnte“33. Oder: „[…] [Er] meinte er müsse Alles mit ein Paar schritten ausmessen können“34. Dass dies eine abnorme Verhaltensweise beziehungsweise Denkweise darstellt, wird direkt in den ersten Zeilen bewusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der literarischen Einordnung des Werkes „Lenz“ und der Zielsetzung der vergleichenden Analyse zwischen historischem Wahnsinn und moderner Schizophrenie.
2. Wahnsinn und Schizophrenie: Definition der Schizophrenie als psychische Krankheit sowie Abgrenzung zu laienhaften Begriffen wie „Verrücktheit“ durch Darstellung medizinischer Symptome.
3. Der historische Lenz: Biografische Untersuchung des Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz und Analyse der historischen Quellen, insbesondere der Aufzeichnungen von Pfarrer Oberlin.
4. Der literarische Lenz: Untersuchung der künstlerischen Gestaltung durch Büchner, einschließlich der inhaltlichen Erweiterungen gegenüber den Vorlagen und der klinischen Parallelen der beschriebenen Krankheitsphasen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, wonach Büchner zwar eine „schizophrene“ Figur gestaltet, das Werk jedoch primär als Darstellung des gesellschaftlichen und religiösen Scheiterns eines Individuums zu werten ist.
Schlüsselwörter
Georg Büchner, Lenz, Schizophrenie, Wahnsinn, Jakob Michael Reinhold Lenz, Pfarrer Oberlin, Psychopathologie, Literaturgeschichte, Sturm und Drang, Symptomatik, Religionskritik, Gesellschaftskritik, Halluzinationen, Krankheitsverlauf, Realismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Erzählung „Lenz“ von Georg Büchner und analysiert, ob das Verhalten der Hauptfigur mit heutigen medizinischen Kriterien der Schizophrenie in Einklang gebracht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung deckt die Bereiche Literaturanalyse, historische Biografie und psychiatrische Symptomlehre ab.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es zu prüfen, wie präzise Büchner die psychische Krankheit Lenzens im Vergleich zur modernen Schizophrenie darstellt und welche gesellschaftlichen Faktoren er dabei kritisch beleuchtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text mit zeitgenössischen Berichten abgleicht und mit aktuellen psychiatrischen Erkenntnissen in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Krankheitsbild Schizophrenie definiert, der historische Lebensweg von J.M.R. Lenz beleuchtet und die spezifischen literarischen Modifikationen Büchners anhand klinischer Symptome interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Georg Büchner, Lenz, Schizophrenie, Wahnsinn, Religionskritik und die Epoche des Sturm und Drang.
Inwiefern beeinflussten reale Tagebuchaufzeichnungen das Werk Büchners?
Büchner griff massiv auf die Berichte von Pfarrer Oberlin zurück, wobei er diese für seine Zwecke umformte, ergänzte und um eigene fiktive Passagen erweiterte.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zur „Schizophrenie“ von Lenz?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Lenz zwar typische Symptome aufweist, das Werk jedoch primär das ausweglose Scheitern des Lebensentwurfs unter dem Druck von Gesellschaft und Religion thematisiert.
- Citation du texte
- Janina Grunwald (Auteur), 2021, Der Wahnsinn im literarischen "Lenz" von Georg Büchner und die Schizophrenie von heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1262801