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Zivilreligion in den Vereinigten Staaten und in Frankreich

zwei Entwicklungswege eines Phänomens im Lichte der Religionssoziologie Robert N. Bellahs

Title: Zivilreligion in den Vereinigten Staaten und in Frankreich

Term Paper , 2009 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Andreas Ludwig (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Am Beginn des 21. Jahrhunderts gewinnt die Religiosität als Faktor gesellschaftlichen Zusammenlebens neue Vitalität. Vorbei die Zeiten, in denen man vor allem in Europa die Überwindung des Religiösen zum Kennzeichen der Modernität einer Gesellschaft erhoben hat. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist sowohl in den ehemaligen Ostblockstaaten als auch darüber hinaus – sei es in Asien, Lateinamerika, aber auch Europa – ein Wiedererstarken religiöser Bindungen zu konstatieren. Freilich bedeutet dies gerade in den westlichen Gesellschaften keine Rückkehr zum status ante der Aufklärung, viel mehr passt sich das Religiöse an neue Gegebenheiten des gesellschaftlichen Wandels an und findet so jenseits traditioneller Institutionen, Riten und Moralmuster seinen Weg zurück in das Leben der Individuen: „Religion hat die Modernisierung überlebt und es ist anzunehmen, dass sie auch die Moderne überleben wird.“ Während die Religion nicht im Verschwinden begriffen ist, so ist sie dennoch einem Prozess der Individualisierung und Privatisierung unterworfen, der ihrer normativen Einwirkungsmöglichkeit auf die Gesellschaft als Ganzes aus diesem Blickwinkel heraus Grenzen setzt.
Moderne und Religiosität lassen sich also allem Anschein nach im privatem, dem Individuum zur Selbstgestaltung offenen Raum, durchaus verbinden. Das empirische Fortbestehen religiöser Symbolik und Ausdrucksformen im gemeinschaftlichen Leben eines Staates – wie sie sich im Einzelfall auch darstellen mögen – macht aber auch deutlich, dass die religiöse Dimension niemals gänzlich aus der öffentlichen Sphäre gebannt werden konnte – auch wenn dies sicherlich im Falle einzelner Konfessionen geschehen sein mag. „Das Religiöse ist in der säkularen Moderne nicht abgegolten, vielmehr scheint sich wieder eine neue Balance zwischen Religion und Politik abzuzeichnen. Religion als öffentliche Privatsache lässt sich jedenfalls nicht länger unterdrücken.“
So betrachtet haben wir es weniger mit einem Prozess der allgemeinen Säkularisierung zu tun, als viel mehr einem der Entkonfessionalisierung – also der Distanzierung von einer einzelnen Norm oder Moralüberzeugung, hin zur Akzeptanz einer Pluralität, die jedoch ergänzt wird durch einen religiös gearteten Konsens in der Gesellschaft, der auf ein Muster von öffentlichen Glaubenssätzen, Symbolen und Ritualen zurückgreift, was der US-amerikanische Soziologe Robert N. BELLAH, in Anlehnung an die Wortschöpfung Jean-Jacques ROUSSEAUS, Zivilreligion genannt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Zwischen religion civile und Bürgerreligion – die Theorie der Zivilreligion

1. Grundlagen des religionssoziologischen Konzeptes der Zivilreligion

2. Robert N. BELLAHS Beitrag zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Phänomen

II. Zivilreligion beiderseits des Atlantiks - Vergleichsansätze ihrer Ausprägung in den Vereinigten Staaten und in Frankreich

1. Philosophische und historische Fundamente der Zivilreligion

2. Times of trial und Stabilisierung des Phänomens in beiden Staaten

3. Entwicklungen nach der Krise beider Zivilreligionen im 20. Jahrhundert

III. Perspektiven und Herausforderungen – die Zivilreligion zwischen Stagnation und Revitalisierung

1. Neue Vitalität eines alten Konzepts: die Zivilreligion in den Vereinigten Staaten nach dem 11. September

2. Herausforderung von Republik und Laizität: Frankreichs Zivilreligion angesichts neuer gesellschaftlicher und politischer Umstände

Abschluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Entwicklungswege und Ausprägungen von Zivilreligion in den USA und Frankreich. Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden westlichen Modelle vor dem Hintergrund der religionssoziologischen Theorie von Robert N. Bellah zu analysieren und deren aktuelle Herausforderungen zu beleuchten.

  • Grundlagen der Zivilreligion nach Rousseau und Bellah
  • Historisch-philosophische Vergleichsansätze der Zivilreligion
  • Die Rolle der Zivilreligion in Krisenzeiten (times of trial)
  • Integration und Anpassung an gesellschaftlichen Wandel
  • Herausforderungen durch Globalisierung und Laizität

Auszug aus dem Buch

1. Grundlagen des religionssoziologischen Konzeptes der Zivilreligion

„Für Rousseau, der den Begriff der Zivilreligion in die philosophische Fachsprache einführte, war sie geradezu das ‚missing link’ zwischen der neuzeitlich-subjektiven Existenz des Menschen (homme) und seiner bürgerlich-politischen Existenz (citoyen).“ Er denkt damit bereits eine der entscheidenden Aufgaben von Zivilreligion vor, die Integration in ein Gemeinwesen, welches ansonsten angesichts der zahllosen individuellen Überzeugungen, gerade in Krisenzeiten zu wenig innere Kohäsion aufwiese um überleben zu können. Diese Art der Religion ist rein auf den Staat bezogen und nicht dogmatisch auf eine bestimmte Konfession; die Erhebung einer bestimmten Konfession zur Staatsreligion widerspräche grundsätzlich den Annahmen ROUSSEAUS über die persönliche Glaubensfreiheit der Bürger.

Den Kern seiner Zivilreligion fasst er in der Folge so: „Es gibt daher ein rein bürgerliches Glaubenbekenntnis, dessen Artikel festzusetzen dem Souverän zukommt, nicht regelrecht als Dogmen einer Religion, sondern als Gesinnung des Miteinander, ohne die es unmöglich ist, ein guter Bürger und treuer Untertan zu sein. Ohne jemand dazu verpflichten zu können, daran zu glauben, kann er jeden aus dem Staat verbannen, der sie nicht glaubt; er kann ihn nicht als Gottlosen verbannen, sondern als einen, der sich dem Miteinander widersetzt und unfähig ist, die Gesetze und die Gerechtigkeit ernstlich zu lieben und sein Leben im Notfall der Pflicht zu opfern.“ Der Glaube an einen Gott, der die Menschen für ihre Taten zur Rechenschaft zieht und die Heiligkeit des Gesellschaftsvertrags sowie des Gesetzes bilden den Kern der Rousseauschen Zivilreligion, zu deren Zugehörigkeit es keine Alternative geben kann.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Einleitung beleuchtet das Wiedererstarken der Religiosität in westlichen Gesellschaften trotz Säkularisierungstendenzen und führt das Konzept der Zivilreligion als integratives Element ein.

I. Zwischen religion civile und Bürgerreligion – die Theorie der Zivilreligion: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen Ursprünge bei Rousseau und die maßgebliche wissenschaftliche Weiterentwicklung durch Robert N. Bellah.

II. Zivilreligion beiderseits des Atlantiks - Vergleichsansätze ihrer Ausprägung in den Vereinigten Staaten und in Frankreich: Der Hauptteil vergleicht die unterschiedlichen Entstehungsgeschichten, Stabilisierungsprozesse und Krisen der Zivilreligion in den USA und Frankreich.

III. Perspektiven und Herausforderungen – die Zivilreligion zwischen Stagnation und Revitalisierung: Das letzte Kapitel analysiert, wie beide Staaten auf aktuelle Entwicklungen wie den 11. September, Einwanderung und Globalisierung reagieren.

Abschluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Zivilreligion ein dynamisches Anpassungskonstrukt bleibt, das für den sozialen Zusammenhalt in pluralistischen Gesellschaften essenziell ist.

Schlüsselwörter

Zivilreligion, Robert N. Bellah, Jean-Jacques Rousseau, USA, Frankreich, Laizität, American Creed, Religion, Politik, Gesellschaft, Integration, Nation, Säkularisierung, Kohäsion, Demokratie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Zivilreligion als integratives Element in modernen westlichen Gesellschaften am Beispiel der USA und Frankreichs.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die historischen Grundlagen, die Bedeutung für den nationalen Zusammenhalt und die Anpassungsfähigkeit der Zivilreligion an gesellschaftliche Transformationsprozesse.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist der Vergleich zweier unterschiedlicher Entwicklungswege von Zivilreligion, um deren Rolle für die politische Kultur im Kontext von Robert N. Bellahs Theorien zu offenbaren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen analytisch-deskriptiven Ansatz, der auf der theoretischen Rahmung von Bellah basiert und historische sowie politische Entwicklungen kontrastierend gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den philosophischen Fundamenten, den "Zeiten der Prüfung" (times of trial) und den Reaktionen auf Krisen sowie dem Wandel der Zivilreligion im 20. Jahrhundert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Untersuchung ist geprägt durch Begriffe wie Zivilreligion, American Creed, Laizität, nationale Identität und das Verhältnis von Religion und staatlicher Ordnung.

Warum unterscheidet sich die französische Zivilreligion signifikant von der US-amerikanischen?

Während die US-amerikanische Zivilreligion oft als Brücke zwischen Religion und Politik fungiert, ist die französische Zivilreligion historisch stark antiklerikal und laizistisch geprägt, was zu einer ablehnenden Haltung gegenüber privater Religiosität im öffentlichen Raum führt.

Welche Rolle spielt der 11. September für die Zivilreligion in den USA?

Die Anschläge fungierten als Auslöser für eine kraftvolle Revitalisierung des US-amerikanischen Credos und stärkten den nationalen Zusammenhalt unter der Führung des Präsidenten als "interpreter-in-chief".

Vor welchen Herausforderungen steht Frankreichs Zivilreligion aktuell?

Frankreich steht vor der Herausforderung, den Islam in sein laizistisches Modell zu integrieren und eine Stagnation des traditionellen republikanischen Modells angesichts der europäischen Einigung und Globalisierung zu überwinden.

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Details

Title
Zivilreligion in den Vereinigten Staaten und in Frankreich
Subtitle
zwei Entwicklungswege eines Phänomens im Lichte der Religionssoziologie Robert N. Bellahs
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt  (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät)
Course
Herrschaft und sozialer Wandel
Grade
1,3
Author
Andreas Ludwig (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V126438
ISBN (eBook)
9783640323593
ISBN (Book)
9783640321575
Language
German
Tags
Zivilreligion Vereinigten Staaten Frankreich Entwicklungswege Phänomens Lichte Religionssoziologie Robert Bellahs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Ludwig (Author), 2009, Zivilreligion in den Vereinigten Staaten und in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126438
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