Ziel meiner Arbeit ist es, basierend auf der Mintzberg‘schen Organisationskategorisierungen das Potenzial für die verschiedenen Elemente der Vision Zero Systems zu evaluieren.
Experten aus Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin und dem Beruflichen Gesundheitsmanagement wissen darum, dass gesunde, sichere Arbeitsbedingungen einerseits moralische und rechtliche Verpflichtung darstellen. Sie wissen auch um das wirtschaftliche Potenzial, da ihnen bewusst ist, dass sinnvolle Präventionsarbeit im Sicherheits- und Gesundheitsumfeld menschliches Leid vermeiden und körperliche sowie psychische Unversehrtheit sichern kann. Auch ist ihnen die positive Wirkung der Präventionsarbeit auf die Motivation der Mitarbeitenden, auf die Arbeitsqualität und damit die der Produkte, auf die Unternehmensreputation und die Zufriedenheit von Mitarbeitenden, dem gesellschaftlichen Umfeld sowie den Kundinnen bewusst. Doch stehen sie vor der Herausforderung, in Abhängigkeit der Organisation und Reife ihres Unternehmens, ein innerbetriebliches Arbeits- und Gesundheitsschutzsystemen aufzubauen oder auch weiterzuentwickeln, um es vital zu halten und zu verbessern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mintzbergs Organisationsstrukturmodelle
3. Die Vision Zero der ISSA
4. Analyse der Einführbarkeit eines Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagementsystems in Abhängigkeit der Unternehmenskonfiguration
4.1 Voraussetzungen zur Einführung eines H & S Managementsystems
4.2. Die einfache Struktur
4.3. Die Maschinenorganisation
4.4. Die professionelle Organisation
4.5. Die Divisionsform
4.6. Die innovative Organisation
4.7. Die Missionsorganisation
5. Diskussion und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Potenzial für verschiedene Elemente der "Vision Zero"-Strategie zu evaluieren, indem sie diese auf Henry Mintzbergs Modell der Organisationskonfigurationen anwendet. Dabei soll untersucht werden, wie unterschiedliche strukturelle Gegebenheiten eines Unternehmens die Implementierfähigkeit von Arbeits- und Gesundheitsschutzsystemen beeinflussen.
- Analyse der fünf bzw. sechs Organisationskonfigurationen nach Mintzberg.
- Untersuchung der sieben Goldenen Regeln der "Vision Zero" der ISSA.
- Bewertung der Einführbarkeit von H & S Managementsystemen in Abhängigkeit von Organisationsstruktur und Unternehmenskultur.
- Ableitung von Handlungsfeldern für die betriebliche Praxis der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsmanagements.
Auszug aus dem Buch
4.2. Die einfache Struktur
In der einfachen Struktur (s. Abbildung 1) wird es der Unternehmensleitung leichtfallen, Managementsichtbarkeit, das erste Element der Vision Zero zu gewährleisten, da die direkte Führung die vorrangige Koordinationsform darstellt und die Unternehmensleitung den zentralen Treiber der Organisation darstellt (Mintzberg‘s „direct pull to lead“).
Durch den zentralisierten Aufbau ist es der Unternehmensleitung einfach, sichtbar den Mitarbeitenden durch Ansprechen und klare Kommunikation Wertigkeit für das Themenfeld zu vermitteln; das Linienmanagement ist klein und wenig mächtig, interagiert also wenig zwischen dem operativen Kern und der Führung. Anders ist es bezüglich der Gewährleistung, ein robustes Gefährdungsbeurteilungssystem gemäß Themenfeld 2 als auch ein Managementsystem gemäß 4 zu etablieren und vor allem am Leben zu erhalten, da die einfache Struktur wenig formalisiert arbeitet, und der operative Kern derart formalisierte Systeme im sonstigen beruflichen Alltag nicht kennt. Auch mangelt es an zentralen Dienstleistern, hier den H & S Funktionen, im eigenen Hause, denn zumeist werden deren regulatorisch erforderlichen Dienstleistungen von extern eingekauft. Auch das Thema 5, die technische Sicherheit, bei der es nicht nur um die Anschaffung sicherer Technologien geht, sondern auch darum sicherzustellen, dass sie gewartet bleiben und ihre Sicherheitseinrichtungen aufrecht erhalten bleiben, werden nur mangelhaft eingefordert. Das Thema 6, die Aus- und Weiterbildung dürfte sich wiederum einfach einführen und aufrechterhalten lassen, da sie von den Mitarbeitenden als wertschätzende Angebote wahrgenommen und auch als Abwechslung zum Alltag erwünscht sind. Das Thema 7, die Mitarbeitendenbeteiligung, ist sehr abhängig vom Führungsstil des Managements: die Mitarbeitenden werden sich dann dazu bewegen lassen, offen über Auffälligkeiten, eigens Fehlverhalten oder unsichere Zustände berichten, wenn dies eher zu Lob als zu Bestrafung führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Bedeutung gesunder Arbeitsbedingungen dar und führt in die Notwendigkeit ein, Arbeitsschutzsysteme unter Berücksichtigung der individuellen Organisationsstruktur zu bewerten.
2. Mintzbergs Organisationsstrukturmodelle: Erläutert die theoretischen Grundlagen der fünf wesentlichen Organisationskonfigurationen nach Henry Mintzberg und deren verschiedene Koordinationsprinzipien.
3. Die Vision Zero der ISSA: Stellt die "Vision Zero"-Strategie als Referenzsystem für Präventionsarbeit und deren sieben goldene Regeln im Arbeits- und Gesundheitsschutz vor.
4. Analyse der Einführbarkeit eines Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagementsystems in Abhängigkeit der Unternehmenskonfiguration: Analysiert detailliert die Herausforderungen bei der Umsetzung der "Vision Zero"-Elemente für jede der sechs von Mintzberg beschriebenen Organisationsformen.
5. Diskussion und Zusammenfassung: Synthetisiert die Ergebnisse der Analyse und verdeutlicht, dass die Strukturwahl maßgeblichen Einfluss auf die Strategie der Implementierung eines Arbeitsschutzsystems hat.
Schlüsselwörter
Mintzberg, Organisationsstruktur, Vision Zero, Arbeitsschutz, Gesundheitsmanagement, Managementsystem, Präventionskultur, Unternehmensorganisation, Gefährdungsbeurteilung, Führungskultur, Organisationskonfiguration, Arbeitssicherheit, Implementierung, Organisationsanalyse, Reifegrad.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Organisationsstruktur eines Unternehmens gemäß den Modellen von Henry Mintzberg auf die Einführung und Umsetzung von Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagementsystemen (insbesondere "Vision Zero") auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Organisations- und Kontingenztheorie nach Mintzberg, die strategischen Prinzipien der "Vision Zero" der ISSA sowie die praktische Herausforderung der Implementierung betrieblicher Sicherheitsmanagementsysteme.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, wie Unternehmen in Abhängigkeit ihrer jeweiligen Organisationskonfiguration bewerten können, welche Elemente eines modernen Arbeitsschutzmanagementsystems leicht zu implementieren sind und wo die strukturbedingten Herausforderungen liegen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine deduktive Analyse, bei der die theoretischen Strukturmerkmale von Organisationen (nach Mintzberg) auf die Anforderungen der "Vision Zero"-Kriterien zur Prävention angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Organisationsmodelle, die Vorstellung der "Vision Zero" und eine kapitelweise Analyse der Einführbarkeit dieser Kriterien für die verschiedenen Konfigurationen von der einfachen Struktur bis zur Missionsorganisation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Ausarbeitung am besten?
Zentrale Begriffe sind Mintzberg, Organisationsstruktur, Vision Zero, Arbeitsschutz, Gesundheitsmanagement und betriebliche Präventionskultur.
Wie unterscheidet sich die Einführbarkeit nach der Organisationsstruktur?
Stärker formalisierte Organisationen wie die Maschinenorganisation erleichtern die Etablierung prozeduraler Anteile (wie Gefährdungsbeurteilungen), während flexible Organisationen bei der Partizipation und dem Engagement der Mitarbeiter Vorteile bieten, aber Schwierigkeiten mit der formalen System-Implementierung haben.
Welches Fazit zieht der Autor zur "optimalen" Organisationsstruktur?
Der Autor schlussfolgert, dass es keine pauschal optimale Struktur gibt; die Effizienz der Einführung eines Arbeitsschutzsystems hängt immer von der spezifischen Passung zwischen den gewählten Präventionsmaßnahmen und der vorhandenen Organisationskultur und -konfiguration ab.
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- Dr. Hansjörg Hagels (Author), 2022, Implementierfähigkeit von Arbeits- und Gesundheitsschutzsystemen. Mintzbergs Organisationsstrukturmodelle und deren Einfluss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1265807