Die Laufbahn der Krankenpflege hat in den Jahrhunderten viele Höhen und Tiefen miterlebt. Diese Arbeit ist einer ganz speziellen Zeit gewidmet – der des Nationalsozialismus. Die Ausbildungen haben sich seit dem Nationalsozialismus rapide verändert. Die Eigenständigkeit der Pflegekraft wurde durch Gesetze festgelegt und durch die verschiedenen Tätigkeitsbereiche definiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung der Krankenpflege näher zu erläutern und sie kurz mit der heutigen Situation zu vergleichen.
Doch zunächst, woraus entwickelte sich die Pflege? Die Antike legte den ersten Grundstein für die Pflegeentwicklung. Die weiteren darauffolgenden Jahrhunderte brachten die Pflege immer weiter voran. Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert war die Krankenpflege alles andere als ein Beruf, wie man ihn heute zu kennen vermag. Die Ausbildung war notdürftig, es fehlte an Wissen und Kompetenzen. Dies sollte sich erst im Laufe des 19. bis 20. Jahrhundert ändern, als Krankenschwestern, wie Florence Nightingale, versuchten, die Pflege zu reformieren.
Die Zeit des Nationalsozialismus hat die Krankenpflege in Österreich nach dem Anschluss an das Deutsche Reich sehr beeinflusst. Die Bevölkerung wurde durch die NS-Führung durch Arbeitsbeschaffung, Freizeitgestaltung und anderen Veranstaltungen verdeckt manipuliert. Das nationalsozialistische Gedankengut konnte dadurch gezielt unter der Bevölkerung verbreitet werden. Mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Führer und Reichskanzler musste sich, aufgrund von neuen Gesetzen, auch die Krankenpflege zwangsweise wandeln. Die Pflege profitierte zunächst von dem Umschwung und Krankenpflegeschulen wurden ausgebaut sowie erweitert. Auch die Ausbildungsinhalte und Tätigkeitsbereiche wurden reformiert. Erst die Kriegszeit selbst öffnete den meisten Pflegenden die Augen. Die Front brauchte dringend medizinische und pflegerische Versorgung. Im Heimatland selbst mussten sich die Krankenschwestern und Pfleger an den Euthanasieverbrechen gegen die Menschheit beteiligen – diese gingen nicht spurlos an der Pflege vorbei. Diese Arbeit behandelt aber ebenso die Unterschiede zum heutigen Ausbildungsstand.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fragestellungen
3 Die Entwicklung und Etablierung der Krankenpflege im Laufe der Geschichte
3.1 Entwicklung im Christentum und im Mittelalter
3.2 Die Entwicklung der Krankenpflege im 16. – 18. Jahrhundert
3.3 Pflege im 19. Jahrhundert und im Ersten Weltkrieg
3.4 Krankenpflege in der Zwischenkriegszeit
4 Der Nationalsozialismus
4.1 Die gesellschaftliche Veränderung zu Beginn des Nationalsozialismus
4.2 Manipulation der Bevölkerung durch Arbeitsbeschaffung
4.3 Die deutsche Frau und ihre Rolle im Nationalsozialismus
5 Krankenpflegeausbildungen im Dritten Reich und die Anpassung der Krankenschwester an das Ideologiebild
5.1 Gesetzesverordnungen der Krankenpflege 1938
5.2 Ausbildungsinhalte der Krankenpflegeschulen
5.3 Die Ausbildung der NS-Schwester
5.4 Eid der nationalsozialistischen Krankenschwester
5.5 Auszug eines Lehrplans einer Krankenpflegeschule im Nationalsozialismus
5.6 Lehrgangsdauer ab 1938
6 Tätigkeitsbereich der NS-Schwesternschaft
6.1 Volksgesundheitspflege und Rassenpflege
6.2 Erbpflege
6.2.1 Die erblich minderwertige Bevölkerungsschicht
6.2.2 Die tragbare Bevölkerungsschicht
6.2.3 Die Durchschnittsbevölkerung
6.2.4 Die Auslese
6.3 Die Kriegskrankenpflege
7 Die Krankenpflege nach 1945
7.1 Wiederaufbau der Pflegeorganisation
7.2 Das Krankenpflegegesetz ab 1945
7.3 Sanierung und Überarbeitung der Krankenpflegeschulen und Krankenpflegelehrbücher
8 Die Krankenpflege im 21. Jahrhundert
8.1 Die verschiedene Assistenzberufe der Krankenpflege in der heutigen Zeit
8.2 Die Pflegehilfe
8.3 Das diplomierte Pflegepersonal
8.4 Das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG)
8.5 Tätigkeitsbereiche des diplomierten Pflegepersonals
8.5.1 Eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereich
8.5.2 Mitverantwortlicher Tätigkeitsbereich
8.5.3 Interdisziplinärer Tätigkeitsbereich
9 Universitäre Ausbildungen und Weiterbildungen nach dem regulärem Krankenpflegediplom
9.1 Bachelor- und Masterstudienlehrgang der Krankenpflege
9.2 Definition der Pflegeforschung von 1983
9.3 Pflegeforschung im 21. Jahrhundert
9.4 Die ersten Schritte des Akademisierens in der beruflichen Erstausbildung
9.5 Historische Entwicklung der Krankenpflege in Hinsicht auf die Forschung
10 Resümee und Gegenüberstellung der Ausbildungen zwischen dem Nationalsozialismus und dem 21. Jahrhundert
11 Die Beteiligung von Krankenschwestern und Krankenpflegern an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit
11.1 Aufgabenbereiche des Pflegepersonals
11.1.1 Die erste Mordphase
11.1.2 Die zweite Mordphase
11.2 Die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde
11.3 Funktion und Stellung der Betroffenen in der Anstalt
12 Erleben und Gefühle der Krankenschwestern und Krankenpfleger
12.1 Reue unter den Tätern
12.2 Schlussfolgerung der Berichte
12.3 Widerstand des Pflegepersonals
13 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der historischen Analyse der Krankenpflege während der Zeit des Nationalsozialismus und stellt diese den heutigen professionellen Strukturen und Ausbildungswegen im 21. Jahrhundert gegenüber, um die Entwicklung sowie die ethische Transformation des Pflegeberufs zu verdeutlichen.
- Historische Entwicklung der Pflege bis zur Zeit des Nationalsozialismus.
- Strukturen und Anforderungen an die Ausbildung von "NS-Schwestern".
- Die aktive Beteiligung von Pflegepersonal an den Euthanasieverbrechen.
- Vergleich der Lehrmethoden, Gesetzgebungen und Selbstverständnisses von der NS-Zeit zur Moderne.
- Wandel des Berufsfeldes durch Akademisierung und eigenverantwortliche Tätigkeitsbereiche.
Auszug aus dem Buch
Die Ausbildung der NS-Schwester
Die Ausbildung zur NS-Schwester stellte ebenso die Kameradschaft in den Mittelpunkt. Die Schülerinnen wohnten gemeinsam in einem Jungschwesternwohnheim, welches an die Schule gekoppelt war und das gemeinsame Verbringen der Freizeit ermöglichte. Zusammen mit der Heimleiterin und den Jungschwesternführerinnen wurden sie sportlich gestärkt und durch intensiven Weltanschauungsunterricht, rund um die Uhr, mit dem nationalsozialistischen Gedankengut bekannt gemacht. Um eine strukturierte Erziehung zu gewährleisten, wurden die jungen Schwesternschülerinnen von früh bis spät betreut. Ziel war es, die jungen Mädchen zu starken und reifen Frauen zu erziehen. (Weisbrod-Frey 2013). Ebenso die Lehrbücher der Krankenpflegeschulen waren mit dem nationalsozialistischen Gedankengut versehen. Volksgesundheitspflege, Erb- und Rassenpflege wurden detailliert beschrieben und mussten gut gekonnt werden. Am Ende der Ausbildung zur deutschen Schwester standen der Eid und die Verpflichtung, dem Reichskanzler Adolf Hitler treu ergeben zu sein und alle ihnen aufgetragenen Aufgaben zu erfüllen (Hiemetzberger, Messner & Dorfmeister 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Krankenpflege ein und beleuchtet den massiven Wandel des Berufsfeldes durch das NS-Regime sowie die Bedeutung des heutigen Ausbildungsstandes.
2 Fragestellungen: In diesem Abschnitt werden zentrale Fragen zu den Ausbildungsunterschieden, dem Tätigkeitsbereich der NS-Schwesternschaft und der ideologischen Begründung der Euthanasie definiert.
3 Die Entwicklung und Etablierung der Krankenpflege im Laufe der Geschichte: Dieses Kapitel zeichnet den Weg der Pflege von der Antike über das Christentum und das Mittelalter bis zur Zwischenkriegszeit nach und beschreibt die Entstehung der ersten organisierten Lehrformen.
4 Der Nationalsozialismus: Hier werden die allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen, die Manipulation der Bevölkerung durch Arbeitsbeschaffung und die spezifische Rolle der deutschen Frau unter der NS-Herrschaft erörtert.
5 Krankenpflegeausbildungen im Dritten Reich und die Anpassung der Krankenschwester an das Ideologiebild: Dieses Kapitel analysiert die Radikalisierung des Bildungssystems, die neuen gesetzlichen Anforderungen an das Personal sowie die Indoktrination durch Ausbildungsinhalte.
6 Tätigkeitsbereich der NS-Schwesternschaft: Der Fokus liegt hier auf der Volksgesundheits- und Rassenpflege sowie der zwangsweisen Einbindung von Pflegekräften in die nationalsozialistische Erbpflege und Kriegskrankenpflege.
7 Die Krankenpflege nach 1945: Dieser Abschnitt beschreibt die Entnazifizierung der Pflege, den Wiederaufbau der Organisationen unter alliierter Leitung und die ersten Reformversuche nach 1945.
8 Die Krankenpflege im 21. Jahrhundert: Hier werden die heutigen Assistenzberufe, die Pflegehilfe und der gehobene Dienst mit dem geltenden Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) in der Moderne detailliert gegenübergestellt.
9 Universitäre Ausbildungen und Weiterbildungen nach dem regulärem Krankenpflegediplom: Dieses Kapitel widmet sich der Akademisierung, dem Bachelor- und Masterstudium sowie der Geschichte der Pflegeforschung als eigenständige Disziplin.
10 Resümee und Gegenüberstellung der Ausbildungen zwischen dem Nationalsozialismus und dem 21. Jahrhundert: Hier erfolgt eine zusammenfassende Bewertung der Unterschiede in Gesetzgebung, Kompetenzbereich und gesellschaftlichem Stellenwert der Pflegekräfte in den zwei verglichenen Epochen.
11 Die Beteiligung von Krankenschwestern und Krankenpflegern an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Dieser Teil analysiert die verschiedenen Phasen der Tötungsaktionen ("Aktion T4", "wilde Euthanasie"), die Rolle des Pflegepersonals in Anstalten wie Meseritz-Obrawalde und das systematische Vorgehen.
12 Erleben und Gefühle der Krankenschwestern und Krankenpfleger: Basierend auf Gerichtsprotokollen wird das subjektive Erleben der Täterinnen, deren Verleugnung von Reue und die moralische Rechtfertigung durch Gehorsam untersucht.
13 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wissenschaftliche Aufarbeitung der Pflegegeschichte zusammen, betont die Fortschritte der Akademisierung und erinnert an die historische Verantwortung der Profession.
Schlüsselwörter
Krankenpflege, Nationalsozialismus, Pflegeausbildung, Euthanasie, Aktion T4, NS-Schwester, Pflegegeschichte, Ethik, Gesundheits- und Krankenpflegegesetz, Akademisierung, Pflegeweissenschaft, Widerstand, Erbpflege, Rassenpflege, Pflegeberuf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Fachbereichsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der Krankenpflege während des Nationalsozialismus und stellt sie dem modernen Berufsverständnis sowie den heutigen hohen Ausbildungsstandards gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Hauptthemen umfassen die Geschichte der Pflege, die ideologische Anpassung der Ausbildung im Dritten Reich, die Beteiligung von Pflegenden an Euthanasieverbrechen sowie die Entwicklung der Pflege zur eigenständigen Profession im 21. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die drastischen Veränderungen in der Berufsethik und Ausbildung aufzuzeigen und die Transformation der Pflege vom "Hilfsberuf" hin zur akademisierten, eigenverantwortlichen Disziplin nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine fachbereichsbasierte historische Literaturanalyse, die auf Primärquellen wie Gesetzen, Tagebuchaufzeichnungen, Gerichtsprotokollen und zeitgeschichtlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der NS-Zeit (Ausbildung, Tötungsbeteiligung, Widerstand) und die detaillierte Darstellung des Pflegeaufbaus nach 1945 bis hin zur heutigen Gesundheitsgesetzgebung und akademischen Pflegeforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Krankenpflege, Nationalsozialismus, Euthanasie, NS-Schwester, Akademisierung und das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG).
Welche spezielle Rolle spielte die "Volksgesundheitspflege" im NS-Regime?
Sie diente als Instrument, um die nationalsozialistische Weltanschauung direkt in die Bevölkerung zu tragen und die Selektion der "lebenswerten" gegenüber "lebensunwerten" Personen durch das Pflegepersonal zu legitimieren.
Warum war es für Pflegende im Nationalsozialismus so schwierig, Widerstand zu leisten?
Pflegekräfte befanden sich in einer moralischen "Double-Bind-Situation": Sie waren auf Gehorsam getrimmt, wurden durch Drohungen zur Verschwiegenheit verpflichtet und sahen ihre Tätigkeit oft irrtümlich als Pflichterfüllung oder Schutzmaßnahme an, während ihnen bei Widerspruch existenzielle Nachteile drohten.
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- Christian Freismuth (Author), 2016, Die Krankenpflege im Nationalsozialismus und die Gegenüberstellung zu heutigen Ausbildungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1266245