Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg im Kontext der stationären Jugendhilfe


Hausarbeit, 2021

11 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
2.1 Beobachtung
2.2 Gefühle
2.3 Bedürfnisse
2.4 Bitten
2.5 Empathie als das „fünfte Element“

3. Kommunikation als Auslöser von Konflikten
3.1 Das Modell nach Rosenberg - Verhinderung und Bewältigung von Konflikten -
3.2 Wie kann Kommunikation in der Kinder- und Jugendhilfe aussehen

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wie im Titel dargestellt, bezieht sich die anschließende Ausarbeitung auf das Themengebiet der gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg. Im ersten Teil wird sich mit dem Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg auseinandergesetzt. Dabei werden Rosenbergs fünf Elemente zu einer gewaltfreien Kommunikation näher betrachtet. Des Weite­ren soll auf den Begriff Konflikt und Kommunikation eingegangen werden. Im Anschluss wird das Konzept Rosenbergs im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe beleuchtet. Hier stehen insbesondere das Handwerkszeug und die Orientierungshilfen der gewaltfreien Kom­munikation anhand des Arbeitsfeldes im Fokus.

Insgesamt soll mit dieser Hausarbeit ein Überblick über das Konzept Rosenbergs im Kontext des Arbeitsfeldes der vollstationären Kinder- und Jugendhilfe geschaffen werden.

Im Folgenden werden nun die oben genannten Themenbereiche unter Einbezug von Fachlite­ratur ausgearbeitet.

2. Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Vor der Darstellung des Konzepts von Rosenberg muss zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff der „Kommunikation“ zu verstehen ist. Der Begriff Kommunikation ist schon längst fester Bestandteil unserer Alltagssprache geworden. Im lateinischen bedeutet Kommunikation: „etwas miteinander teilen, den anderen an etwas teilhaben lassen, etwas gemeinsam ma­chen“ (Ternes 2008, S.20). Es ist aber umstritten, ob das Wort Kommunikation aus dem Latei­nischen stammt. In Verbindung mit anderen Sprachen und deren Bedeutung über das Wort Kommunikation, ist damit die Informationsweitergabe in einer konkreten Handlung - das In­formieren - gemeint. Kommunikation entsteht durch eine wechselseitige Interaktion zwischen den Menschen in einer sozialen Handlung. In dieser wird die von dem jeweiligen Sender be­richtete Information durch den Empfänger unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet (Ter- nes 2008, S.20).

Im Folgenden wird erläutert, wie Marshall B. Rosenberg ein Konzept zur gewaltfreien Kom­munikation vorsieht. Rosenberg entwickelte in den 1960er Jahren das Konzept „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK). Im Konzept stehen die Bedürfnisse und Gefühle im Mittelpunkt und nicht die Wertungsformen von „richtig“ und „falsch“. Hier soll die Schuldzuweisung, das Zu- rückziehen aus der Situation durch eine akzeptierende, offene und verständnisvolle Kommuni­kation ersetzt werden. Insbesondere ist für ihn die Empathie eine Grundvoraussetzung einer gelingenden Kommunikation. Dabei ist für Rosenberg die Art und Weise entscheidend, wie Menschen miteinander kommunizieren und ob die Person Empathie für ihren Gesprächspartner entwickelt und ihre Bedürfnisse erfüllen kann.

Rosenberg unterscheidet zu einer lebensfremden Kommunikation, also einer Kommunikation, die das durch Empathie gekennzeichnete Verhältnis zueinander belastet oder begrenzt. Dazu zählt er die geringschätzige Beurteilung des Gegenübers, Vorwürfe, unaufschiebbare Forderun­gen, die Verweigerung der eigenen Handlungen und Gefühle, wie auch die Ablehnung persön­licher Verantwortung auf sich zu nehmen. Die Verwendung solcher Kommunikationsformen kann zu physischer - und/oder psychischer Gewalt beitragen. Gegen diese Kommunikations­formen entwickelte Rosenberg einen Ansatz der gewaltfreien Kommunikation. Seine Idee ist es, sich durch eine wertschätzende, wahrhaftige und eindeutige Sprache auszudrücken und em­pathisch anderen zuzuhören. Der Ansatz stellt eher eine Kommunikationshaltung als eine Kom­munikationstechnik dar. Die gewaltfreie Kommunikation zielt darauf ab, „Beziehungen aufzu­bauen, die auf Offenheit und Einfühlsamkeit basieren, so daß sich über kurz oder lang die Be­dürfnisse jedes einzelnen erfüllen (Rosenberg 2012: 106)“ (Wendt 2015, S.92). Er sieht darin, dass der Mensch gerne dazu bereit ist, etwas für jemand anderen zu tun, sofern sprachlich be­stimmte Bedingungen erfüllt sind. Das heißt, dass die Anfrage für etwas als Bitte formuliert sein sollte und nicht als Forderung. Rosenbergs Ansatz besteht im Kern aus vier unterschiedli­chen „Komponenten“ (Wendt 2015, S.91f.). Diese werden nun im nachfolgenden Abschnitt er­läutert.

2.1 Beobachtung

Die Beobachtung ist das wertfreie Beschreiben einer konkreten Handlung. Die Beobachtung und Bewertung oder Interpretation sind dabei klar voneinander zu trennen, da die gewaltfreie Kommunikation eine reine Beobachtung ohne Bewertung vorsieht. Bei der Beobachtung geht es um das unvoreingenommene, objektive Beschreiben einer konkreten Situation. Es soll wahr­genommen werden, was andere sagen, was wir sehen, was andere tun und ob dies einen Nutzen für unser Leben hat oder auch nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, dem Gegenüber unsere Beobachtungen mitzuteilen, ohne eine Beurteilung oder Bewertung vorzunehmen, sondern le­diglich, um darzustellen, was eine Person macht und ob wir dies mögen oder auch nicht (Wendt 2015, S.92f).

2.2 Gefühle

In der zweiten Komponente der GFK1 geht es um die Gefühle, also die Frage, wie ein Mensch sich in einer bestimmten Situation fühlt (Schubert-Michael 2012, S.11). Durch die Beobachtung werden Gefühle ausgelöst, die man wahrnimmt und welche meist mit einem oder mehreren Bedürfnissen in Bezug zueinanderstehen. Ein Beispiel dafür wäre, dass jemand verärgert ist, da die anderen ihn nicht ausreden lassen. In dieser Situation ist die Person verärgert darüber und hat das Bedürfnis, seine Aussage vollendend mitzuteilen. Rosenberg ist der Annahmen, dass es leichter wäre, mit anderen in Kontakt zu treten, wenn man einen Wortschatz entwickeln würde, der einem dabei hilft, seine Gefühle einfach und klar ausdrücken zu können (Wendt 2015, S.92f.).

2.3 Bedürfnisse

Bei der dritten Komponente der GFK stehen die Bedürfnisse im Mittelpunkt des Ansatzes. Hier wird nach der GFK grundlegend davon ausgegangen, dass alles, was der Mensch tut, schluss­endlich zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse fungiert. Damit sind sie ein fundamentaler Bestandteil und Antrieb des menschlichen Lebens (Schubert-Michael 2012, S.12). „Gefühle sind Ausdruck dessen, ob ein Bedürfnis gerade erfüllt ist oder nicht“ (Wendt 2015, S.93). Damit lässt sich klarstellen, dass es um das Erkennen und Akzeptieren der Bedürfnisse hinter den Ge­fühlen anderer geht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie wir darauf reagieren können, wenn sich jemand boshaft ausdrückt. Erstens: sich selbst die Schuld zu geben, zweitens: jemand anderem die Schuld zuweisen, drittens: unsere eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und viertens: die Bedürfnisse und Gefühle zu erblicken die in der Negativaussage des Gegen­übers verschleiert sind (Wendt 2015, S.93). Ein Beispiel dazu wäre: Ich bin traurig, wenn ihr ohne mich spielt, weil ich gerne dazugehören möchte (Schubert-Michael 2012, S.13). Oft nei­gen die Menschen dazu in Gegenangriffe und Selbstverteidigung zu gehen, wenn sie von ande­ren Kritik erfahren. Je näher wir unsere Bedürfnisse und unsere Gefühle in Beziehung zueinan­der setzen, umso leichter wird es, für andere einfühlsamer zu reagieren. Das heißt, man sollte in seiner Kommunikation mit anderen seinen Gefühls- und Bedürfnisstandpunkt klarstellen und ebenfalls versuchen, dies auch beim Gegenüber zu erkennen und zu akzeptieren. Damit sind die Bedürfnisse in der GFK auch die Übernahme von Verantwortung für seine eigenen Gefühle (Wendt 2015, S.93).

2.4 Bitten

Nun folgt die vierte Komponente der GFK: die Bitte. Die Bitte wird im Unterschied zu einem Wunsch in einer konkreten Handlung im Jetzt vollzogen, wohingegen sich beispielsweise Wün­sche auf Ereignisse in der Zukunft beziehen. (Wendt 2015, S.93). Bei der Bitte geht es darum, sein Gegenüber um etwas zu bitten, das dazu beiträgt, seine eigenen festgestellten und mög­licherweise schon geäußerten Bedürfnisse zu erfüllen. Bei der Formulierung der Bitte gibt es zwei grundsätzliche Stolpersteine zu beachten. Erstens, dass die Wahl der Antwort des Gebete­nen auch mit - Nein - beantwortbar ist. Sie soll so formuliert werden, dass sie nicht manipulie­rend wirkt. Der zweite Punkt ist, dass auch keine Forderungen an sein Gegenüber gestellt wer­den dürfen, damit die andere Person bei einer Nichterfüllung der Bitte nicht mit einem negati­ven Nachspiel rechnen muss (Schubert-Michael 2012, S.13).

2.5 Empathie als das „fünfte Element“

Die vier obengenannten Elemente der GFK dienen zum Ausdruck der ehrlichen Wiedergabe eigener Empfindungen, Bedürfnisse und Bitten. Ein Gespräch wird zu einem dynamischen Pro­zess, wenn ein weiterer Punkt hinzukommt, und zwar das Zuhören. In diesem Fall werden das Zuhören und die Empathie in Symbiose gebracht. Dabei ist es wichtig, dem Gesprächspartner vorab Aufmerksamkeit zu schenken und den Willen zu haben, ihn verstehen zu wollen. Dies ist elementar bevor man versucht, die Gefühle und Bedürfnisse der anderen richtig zu deuten. Auf der Suche nach den Gefühlen und Bedürfnissen hilft das Paraphrasieren, d.h. das Wiedergeben des Gehörten oder des Wahrgenommenen in eigenen Worten. Hierdurch wird vermittelt, dass die Gefühle und Bedürfnisse des anderen wahrgenommen werden und empathisch zugehört wird (Schubert-Michael 2012, S.15f.). Damit umfasst die Empathie als „fünftes Element“ den wichtigsten Schritt im Kommunikationsprozess, und zwar das aktive Zuhören und Entgegen­kommen. Im Anschluss wird nun das Thema „Konflikte im Kontext von Kommunikation“ be­handelt.

3. Kommunikation als Auslöser von Konflikten

Was ist überhaupt ein Konflikt und was hat die eigene Kommunikation damit zu tun? Der fol­gende Abschnitt soll die Bedeutung von Konflikten erläutern und aufzeigen, wie Kommunika­tion und Konflikte im Verhältnis zueinanderstehen. Zuerst wird definiert, was ein Konflikt, be­ziehungsweise was Konflikte sind. Das Wort Konflikt hat seinen sprachlichen Ursprung in der lateinischen Sprache und bedeutet übersetzt „Widerstreit, Zusammenstoßen“. Konflikte gibt es in allen Ebenen des Zusammenlebens von Menschen, denn Milliarden Menschen auf der Welt haben unterschiedliche Meinungen, Wünsche und Interessen. Wenn dann verschiedene Mei­nungen aufeinandertreffen und es den einzelnen Parteien als nicht möglich erscheint, beide Vor­stellungen umzusetzen oder zu vereinen, entsteht ein Konflikt (Lohrmann Julia 2019). Nun stellt sich die Frage, was Konflikte mit dem Kommunikationsmittel Sprache und der GFK zu tun haben. Zuvor ist noch die Wichtigkeit von Konflikten zwischen Menschen zu klären und warum die GFK hier eine entscheidende Rolle spielt. Konflikte sind nicht zu vermeiden, da sie zu unserer Natur gehören. Sie sind ein entscheidendes Element unserer Entwicklung, sie för­dern Wachstum, Innovation, Kreativität und Lernen. Dennoch ist Gewalt in Konflikten ver­meidbar. Marshall B. Rosenberg ermöglicht es, durch seinen Ansatz der GFK, gewaltfrei zu kommunizieren. Im weiteren Verlauf der Ausarbeitung wird die Anwendung der GFK noch ge­nauer betrachtet (Basu Andreas, Faust Liane o.J., S.15).

Die Sprache als Kommunikationsmittel ist ein wichtiger Bestandteil in zwischenmenschlichen Situationen, da diese nicht statischen Regeln folgt, sondern einer dynamischen Veränderung unterliegt. Ein Satz folgt meist reaktiv auf den anderen. Hier kann es passieren, dass nun Worte anders ankommen als sie gemeint sind und folglich dessen und aufgrund verschiedener Vorstel­lungen, Wüsche, Interessen und Interpretationen, kann es somit schnell zu Konflikten kommen, die über das Kommunikationsmittel Sprache ausgetragen oder nicht ausgetragen werden (Basu Andreas, Faust Liane o.J., S.13f.). Hier gilt es nochmals zwischen zwei Konfliktarten zu unter­scheiden. Zwei typische Arten von Konflikten, die zu unterscheiden sind, sind heiße und kalte Konflikte. Ein heißer Konflikt - heiße Gefühle - ist meist ein emotionaler, offensichtlich ausge­tragener Konflikt. Diese Konfliktart beginnt meist damit, dass eine der Parteien ein Problem hat. Dieses Problem kann dann vertagt bzw. gelöst werden oder sich von selbst erledigen, da wichtigere Bedürfnisse Aufmerksamkeit erhalten. Wenn der Konflikt erhalten bleibt oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufritt, haben heiße Konflikte die Neigung dazu zu eskalieren. Bei häufigen und wiederholten Konflikten kann dies auch zur Trennung zweier Parteien führen. Im Gegensatz dazu werden kalte Konflikte ohne eine verbale Teilnahme ausgetragen - „das Thema ist präsent, ohne präsentiert zu werden“ (Basu Andreas, Faust Liane o.J., S.18). Die Austragung von kalten Konflikten geht über die Anspannung „inneren Wut“ bis hin zu Sabota­geakten. In der höchsten Stufe des kalten Konflikts geht dieser über in einen zerstörerischen heißen Konflikt. Dabei wird meist viel zu spät über das jeweilige Problem gesprochen. Werden kalte Konflikte weiterhin ohne eine verbale Kommunikation ausgetragen und nicht offengelegt, kann dies zur abfallender Mitarbeit und Misstrauen führen. Hier ist ein „Offenlegen“ des Kon­fliktes angemessen und wichtig für den weiteren Verlauf zwischen den Parteien (Basu Andreas, Faust Liane o.J., S.16ff.). Im Folgenden wird das Modell nach Rosenberg im Kontext der voll­stationären Jugendhilfe betrachtet. Dabei liegt der Fokus darauf, wie der Ansatz im praktischen Kontext verwendet werden könnte.

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1 Die Abkürzung GFK steht für - gewaltfreie Kommunikation -

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg im Kontext der stationären Jugendhilfe
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
2,0
Jahr
2021
Seiten
11
Katalognummer
V1267302
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit / Sozialwissenschaften
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg im Kontext der stationären Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267302

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