Das Thema „Implementation von Casemanagement im Kontext Sozialer
Arbeit“ resultiert aus der Fragestellung:
„Welche Rahmenbedingungen sind bei der Einführung der Methode des
Casemanagements zu bedenken?“ Zur Einführung in die Thematik erfolgt in einem ersten Schritt die historische Herleitung, d.h. die Entwicklung der Methode des Casemanagements im Kontext der Gesundheitssysteme und die Adaption durch die Soziale Arbeit. Daran anschließend wird das Handlungskonzept vorgestellt und Casemanagement in seinen verschiedenen Dimensionen als Methode zur Fallbearbeitung und zur Beeinflussung der organisationalen Zusammenhänge, bzw. als sozialpolitisches Steuerungsinstrument ausführlich erläutert. Der Hauptteil der Arbeit behandelt die Implementation des Casemanagement in den genannten Dimensionen, sowie die Verknüpfung der Ebenen, die Anbindung an organisationsinternes Qualitätsmanagement und die mit der Einführung verbundenen Probleme und Risiken. Abschließend wage ich einen kurzen Blick ins Feld der Wirkungsforschung und runde die Arbeit mit einer subjektiven Beurteilung der geschilderten Zusammenhänge hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen des Casemanagements ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung ins Casemanagement
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Einordnung in den Kontext Sozialer Arbeit
2.2.1 Casemanagement als Methode zur Fallbearbeitung
2.2.2 Casemanagement als Systemsteuerungsinstrument
3. Implementation von Casemanagement
3.1 … auf der Ebene sozialarbeiterischer Praxis
3.1.1 Allgemein
3.1.2 Casemanagement in der Beschäftigungsförderung
3.2 … auf der Systemebene
3.2.1 Koordinierungsstellen
3.2.2 Casemanagement bei den Kostenträgern
3.3 … auf der politischen Ebene
3.4 Zur Verknüpfung der Ebenen
3.5 Qualitätsanspruch und Standards des Casemanagements
3.6 Probleme und Risiken
4. Aktueller Stand der Wirkungsforschung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die notwendigen Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Einführung des Casemanagements im Kontext der Sozialen Arbeit, wobei insbesondere die Herausforderungen bei der methodischen Implementierung und die systemischen Auswirkungen analysiert werden.
- Historische Entwicklung und Adaption des Casemanagements
- Casemanagement als Methode der Fallbearbeitung
- Dimensionen der systemischen Implementierung
- Verknüpfung von Fallarbeit und Organisationssteuerung
- Qualitätsansprüche und Wirksamkeitsforschung
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Entwicklung
Das heutige Verständnis von Casemanagement ist das Resultat einer mittlerweile über dreißigjährigen Entwicklungsgeschichte. Im Zuge einer Reorganisation der sozialen und gesundheitlichen Versorgung in den USA, Mitte der 1970er Jahre, ereignete sich eine Umorientierung von stationären zu offenen Hilfeangeboten, bezeichnet als „Deinstitutionalisierung“.
Dies hatte zur Folge, dass sich die Hilfebedürftigen einer Vielzahl unkoordinierter Angebote im ambulanten Sektor gegenüber sahen, die das Finden der richtigen Leistung deutlich erschwerte. Aufgrund dessen wurde bereits 1975 eine verbindliche Hilfeplanung für Behinderte, das Casemanagement, gesetzlich verankert. 1981 formulierte dann die National Conference on Social Welfare erstmals eine Definition für den noch jungen Begriff: man bezeichnete Casemanagement als „einen Prozess, oder eine Methode, sicherzustellen, das Klienten auf koordinierte, effektive und effiziente Weise mit allen Leistungen versorgt werden“ (vgl. Wendt 1997).
Parallel dazu entwickelte sich in Großbritannien das Konzept des „community care“, bzw. „care management“. Dies umfasste die lokale, also kommunale, Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen und die entsprechende Koordination derselben im Einzelfall. 1990 machte das britische Parlament dieses Konzept zum Gesetz in Form des „National Health Service and Community Care Act“ und schuf den neuen Posten des Care Managers. Im weiteren Verlauf der 1990er Jahre entwickelte sich im Gesundheitssektor, wieder beginnend in den USA, ein ähnliches Konzept, welches auf integrierte und kontinuierliche Versorgung, sowie auf die Vernetzung ambulanter und stationärer Therapie abzielt, das so genannte „Disease Management“. Dieses Konzept fand auch Einzug in das aktuelle Modell der deutschen Gesundheitsreform und soll langfristig dazu beitragen, die Versorgungsqualität zu erhöhen und die jährlich steigenden Kosten des Gesundheitssystems zu senken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verknüpft die beiden Seminare des Moduls und definiert das Thema sowie die zentrale Forschungsfrage zur Implementation von Casemanagement.
2. Einführung ins Casemanagement: Dieses Kapitel liefert eine historische Herleitung und ordnet das Casemanagement als Fallbearbeitungsmethode sowie als Systemsteuerungsinstrument ein.
3. Implementation von Casemanagement: Das Hauptkapitel behandelt die praktische Einführung des Konzepts auf verschiedenen Ebenen, von der Einzelfallhilfe über die Systemebene bis hin zur politischen Verankerung.
4. Aktueller Stand der Wirkungsforschung: Hier wird anhand einer aktuellen Studie in der Kinder- und Jugendhilfe der wissenschaftliche Wissensstand zur Effektivität von Casemanagement beleuchtet.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Stärken und Schwächen des modularen Aufbaus von Casemanagement und reflektiert das Dilemma der Methode im post-wohlfahrtsstaatlichen Kontext.
Schlüsselwörter
Casemanagement, Soziale Arbeit, Fallbearbeitung, Systemsteuerung, Implementation, Sozialpolitik, Ökonomisierung, Effizienz, Versorgungsqualität, Koordination, Jugendhilfe, Qualitätsmanagement, Wirkungsforschung, Strukturwandel, Hilfebedürftigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Rahmenbedingungen, die bei der Einführung von Casemanagement in sozialen Organisationen berücksichtigt werden müssen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung, die methodische Anwendung bei der Fallarbeit sowie die implementierungspolitischen Aspekte innerhalb des Sozial- und Gesundheitswesens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Frage zu klären, welche Faktoren bei der Implementierung dieser Methode entscheidend sind, um sowohl dem Einzelfall als auch den organisationalen Anforderungen gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die verschiedene Konzepte (wie das "New Public Management") mit der Praxis des Casemanagements vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Implementierung auf der Ebene der sozialen Praxis, der Systemebene und der politischen Steuerung, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit Problemen und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Implementierung, Casemanagement, soziale Dienstleistungen, Systemsteuerung und Wirksamkeitsforschung charakterisiert.
Warum wird Casemanagement oft als ein "Allzuständigkeitsanspruch" kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass Casemanagement als Allheilmittel implementiert wird, ohne ausreichende Zugangskriterien zu definieren, was zur Überforderung der Fachkräfte führen kann.
Was ist das zentrale Dilemma des Casemanagements laut dem Autor?
Das Dilemma besteht darin, dass Casemanagement einerseits eine integrierte Versorgung fördern soll, andererseits aber in einem ökonomisierten System oft nur zur Kosteneinsparung unter bürokratischen Zwängen genutzt wird.
- Citar trabajo
- Florian Sondermann (Autor), 2009, Implementation von Casemanagement im Kontext Sozialer Arbeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126763