Die Arbeit beschäfigt sich mit der Frage nach dem subjektiv erlebten Weisheitsgewinn und versucht zu erklären, weshalb es im Wesentlichen Lebenskrisen sind, die ein Individuum zum subjektiven Erleben von Weisheitszuwachs führen.
Gliederung
Einleitung
1. Was ist Weisheit
1.1 Populärwissenschaftliche Erklärung von Weisheit
1.2 Bedeutung des Weisheitsbegriffs
1.3 Was ist Persönlichkeitsreife und Persönlichkeitswachstum?
2. Stand des Problems
2.1 Vorstellung der nichtpsychologischen Theorien
2.2 Vorstellung der psychologischen Theorien
2.2.1 Das Berliner Weisheitsparadigma, eine explizite Weisheitstheorie
2.2.2 Sternbergs „Balance-Theorie“, eine implizite Weisheitstheorie
2.2.3 „Gelebte Weisheit“, eine Interviewstudie von S. Bluck u. J. Glück
3. Fragestellung – macht das Leben weise?
3.1 Konzeptionen von Persönlichkeitsreife
4. Methode der Untersuchung
4.1 Rekrutierung der Interviewpartner
4.1.1 Kritik an der Stichprobe
4.2 Das Interview
5. Ergebnisse
5.1 Inhalt der Interviews
5.2 Auswertung der Interviews
5.3 Interpretation der Ergebnisse
5.4 Fazit und Ausblick
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, den Begriff der Weisheit aus einer psychologischen Perspektive zu untersuchen, wobei der Fokus insbesondere auf den subjektiven Vorstellungen von Laien (implizite Weisheitstheorien) liegt. Die Forschungsfrage widmet sich der Erkenntnis, welche persönlichen Ereignisse oder Krisensituationen im Leben eines Individuums subjektiv als auslösend für einen Weisheitsgewinn wahrgenommen werden.
- Vergleich von populärwissenschaftlichen, philosophischen und psychologischen Weisheitstheorien.
- Analyse der Rolle von Krisenbewältigung für die Entwicklung von Persönlichkeitsreife.
- Durchführung und qualitative Auswertung narrativer Interviews zur Erfassung persönlicher Weisheitskonzepte.
- Untersuchung der Hypothese, ob ein Zusammenhang zwischen der kognitiven Dissonanz bei der Bewältigung von Lebenskrisen und dem empfundenen Weisheitsgewinn besteht.
Auszug aus dem Buch
4.2. Das Interview
Das Interview wurde als unstrukturiertes, vollkommen freies Interview geführt. Die Interviews wurden sowohl bei einigen Interviewten zu Hause als auch im Hause der Autorinnen geführt. Über das Thema des Interviews wurden alle Gesprächspartner schon bei der Terminvereinbarung in Kenntnis gesetzt. Dies geschah dadurch, dass die eigentliche Frage: „Gibt es in Deinem Leben Situationen, Ereignisse oder Erlebnisse, bei denen Du subjektiv das Gefühl hattest, weiser geworden zu sein?“ bereits am Telefon bei der Terminvereinbarung gestellt wurde.
Einen weiteren Kontakt gab es dann in der Regel bis zum Gesprächstermin nicht mehr. Im Durchschnitt waren also alle VP schon ca. eineinhalb bis zwei Wochen vor dem Interview über das Thema informiert und entsprechend vorbereitet. Wir bemühten uns um eine ruhige und abgeschiedene Atmosphäre. Eine Zeitvorgabe für das Interview bekamen die Versuchspersonen nicht. Der Zeitrahmen bewegte sich zwischen 35 Minuten und zwei Stunden. Die durchschnittliche Gesprächsdauer lag bei ca. 75 min. Alle Gespräche wurden mit dem Einverständnis der Gesprächspartner auf Kassette aufgenommen und anschließend 1:1 transkribiert. Mit den VP wurde vor dem Gespräch strikte Vertraulichkeit vereinbart, verbunden mit der Zusicherung, lediglich die Vornamen, das Alter und den Beruf zu veröffentlichen.
Die Autorinnen waren bemüht, die VP reden zu lassen. Lediglich bei weiterem oder längerem Abschweifen der einzelnen Personen brachten wir das Gespräch gefühlvoll wieder aufs richtige Gleis. Der Umgang mit den Gesprächspartnern entsprach den Grundsätzen aus der klientenzentrierten Gesprächstherapie. Die hier als notwendig und hinreichend erachteten Bedingungen (Kongruenz, absolute nicht-urteilende Wertschätzung sowie Empathie) waren der Maßstab für unsere Interviewhaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenstellung ein und beschreibt die persönliche Motivation der Autorinnen, sich mit dem abstrakten Konstrukt der Weisheit auseinanderzusetzen.
1. Was ist Weisheit: Dieses Kapitel liefert eine populärwissenschaftliche und begriffliche Einordnung von Weisheit und grenzt diese von den Konzepten der Persönlichkeitsreife und des Persönlichkeitswachstums ab.
2. Stand des Problems: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit philosophischen Vorstellungen sowie den modernen psychologischen Weisheitstheorien, insbesondere dem Berliner Weisheitsparadigma und der Balance-Theorie nach Sternberg.
3. Fragestellung – macht das Leben weise?: Hier wird die zentrale Forschungsfrage konkretisiert und die theoretische Verknüpfung zwischen Lebenskrisen, deren Bewältigung und der Entwicklung von Persönlichkeitsreife erläutert.
4. Methode der Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert das Forschungsdesign, die Auswahl der Interviewpartner, die qualitative Interviewführung sowie die angewendeten Analysemethoden nach Kleining und Haug.
5. Ergebnisse: Der Hauptteil dokumentiert die inhaltsanalytische Auswertung der geführten Interviews und bietet eine Interpretation der identifizierten Kategorien vor dem Hintergrund der eingangs aufgestellten Hypothesen.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und rekapituliert die gefundene Hypothese bezüglich der Rolle kognitiver Dissonanz bei der Entstehung von Weisheitsgewinn.
Schlüsselwörter
Weisheit, Weisheitsgewinn, qualitative Interviewstudie, Persönlichkeitsreife, kognitive Dissonanz, Krisenbewältigung, Berliner Weisheitsparadigma, Sternbergs Balance-Theorie, Lebensspanne, narrative Interviews, Persönlichkeitswachstum, Lebenserfahrung, Erinnerungsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das menschliche Verständnis von Weisheit und insbesondere die Frage, welche Erlebnisse oder Krisen Menschen dazu führen, sich subjektiv als "weiser" einzuschätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft theoretische Konzepte aus der Philosophie und Psychologie mit qualitativen Daten aus Experten- und Laieninterviews, um den Prozess des Weisheitsgewinns im Lebensverlauf zu verstehen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und wie Lebenskrisen und deren Bewältigung dazu beitragen, dass Individuen einen subjektiven Zuwachs an Weisheit erfahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird für diese Studie verwendet?
Die Autorinnen führen eine qualitative Interviewstudie durch, bei der narrative Dialoge mit Probanden aufgezeichnet, transkribiert und mittels der "Erinnerungsarbeit" nach Frigga Haug analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Interviews detailliert dargestellt, komprimiert und ausgewertet, um daraus Kategorien für den Weisheitsgewinn und eine übergreifende Hypothese abzuleiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind neben Weisheit selbst vor allem kognitive Dissonanz, Krisenbewältigung, Lebenserfahrung, Persönlichkeitsreife und der subjektive Weisheitsgewinn.
Warum spielen Krisenerfahrungen eine so große Rolle für den Weisheitsgewinn der Befragten?
Die Arbeit argumentiert auf Basis von Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz, dass negative Ereignisse einen starken inneren Reflexionsprozess auslösen, der eine bewusste Problemlösung und damit einen Reifungsschritt (Weisheitsgewinn) erzwingt.
Inwiefern beeinflussen die Interviews mit den verschiedenen Probanden die Schlussfolgerungen der Autorinnen?
Die Interviews zeigen eine hohe Varianz an Erlebnissen (von Verlusterfahrungen bis zu familiären Krisen), bestätigen jedoch die Hypothese, dass die aktive Bewältigung schwieriger Lebensphasen die zentrale Quelle für das Empfinden von Weisheit darstellt.
- Citation du texte
- Barbara Catrin Parr (Auteur), Angelika Kühl (Auteur), 2009, Weisheit und subjektiver Weisheitsgewinn - Eine Interviewstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126844