Die Qualität und auch die Menge der erhaltenen Kameen aus severischer Zeit unterscheiden sich stark von der vorhergehenden Zeit, in welcher die meisten Steine Umarbeitungen aus der frühen Kaiserzeit darstellen.
Der Begriff der ‚Severischen Kameenrenaissance’, auf den hier näher eingegangen werden soll, definiert diese Neuartigkeit aber gleichzeitig auch als Rückgriff auf eine frühere Zeit.
Um dies näher zu untersuchen, soll zuerst ein kurzer Überblick über die behandelte Zeit gegeben werden, über wichtige Personen und Ereignisse, deren Kenntnis erst die Fähigkeit gibt, die Darstellungen auf den Kameen richtig zu deuten und zu interpretieren.
Im Anschluss sollen dann einige der bedeutenderen Kameen aus der severischen Epoche vorgestellt werden. Den Anfang macht hierbei der berühmte Pariser Familienstein, auf dem die Familie des ersten severischen Kaisers abgebildet ist. Dieselben Personen, lediglich die Kaiserin fehlt, sind auf dem darauf folgenden Stein, der Pariser Opferszene zu sehen. Zwei Caracalla-Portraits, bei welchen das zweite jedoch als nicht gesichert gelten muss, lassen nähere Erkenntnisse über die Portraitmerkmale dieses Kaisers zu. Zuletzt werden drei Steine mit weiblichen Portraits vorgestellt, die die Bedeutung der Kaiserinnen und Kaisermütter deutlich machen. Bei allen vorgestellten Kameen wird auch wichtig sein, sie auf eventuelle Überarbeitungen hin zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die severische Zeit
3. Die Kameen der severischen Zeit
3.1. Der Pariser Familienstein
3.2 Die Pariser Opferszene
3.3 Das Caracalla-Portrait
3.4 Die Panzer-Paludamentum-Büste
3.5 Die Iulia Domna
3.6 Die Kasseler Victoria
3.7 Eine weibliche Büste im Olympias-Typus
4. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der sogenannten „Severischen Kameenrenaissance“, um die künstlerische Qualität und die stilistische Rückbesinnung auf die frühe Kaiserzeit während der severischen Epoche anhand ausgewählter Kameen zu analysieren und deren ikonographische Bedeutung zu erläutern.
- Analyse der dynastischen Selbstdarstellung severischer Kaiser auf Kameen.
- Untersuchung von Stilmerkmalen und der Verbindung zur frühkaiserzeitlichen Glyptik.
- Bestimmung und Datierung bedeutender severischer Kameen durch Vergleich mit Münzportraits.
- Interpretation der ikonographischen Attribute von Herrschern, Kaiserinnen und Kaisermüttern.
- Identifikation und Dokumentation von Umarbeitungen älterer Steine in der severischen Zeit.
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Pariser Familienstein
Der vorliegende Kameo stellt eine bedeutende Arbeit dar und befindet sich im Cabinet des Medailles in Paris. Es handelt sich um einen Sardonyx in drei Schichten mit den Maßen 7,5 x 11,2 cm.
Der Stein weist nur unwesentliche Bestoßungen am Kranz des Caracalla und am Diadem Iulia Domnas auf. Es scheint, dass man versucht hat, die Gesichter von Geta und Iulia Domna nachträglich heraus zu brechen. Die Durchbohrungen über jedem Büstenpaar sind sicher nachantik und dienten wohl zur Befestigung.
Es sind zwei einander gegenüber gestellte, gestaffelte Büstenpaare zu sehen, die sich mit den runden Köpfen und abgeplatteten Nasen sehr ähneln. Der vorliegende Kameo zeigt demnach eine Familiendarstellung, links Septimius Severus und dahinter seine Frau Iulia Domna und rechts ihre beiden Söhne Caracalla und dahinter Geta. Septimius Severus trägt Panzer und Paludamentum und auf dem Kopf eine fünfzackige Strahlenkrone. Iulia Domna trägt einen Mantel und einen Schleier, den sie über den Hinterkopf gezogen hat. Davor erscheint ein unverziertes Diadem. Caracalla ist als Rückenbildnis dargestellt, er trägt auf der linken Schulter die Aegis, über der rechten Schulter den Schwertriemen und auf dem Kopf einen Lorbeerkranz. Geta ist als einziger durch keine Attribute ausgezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der „Severischen Kameenrenaissance“ und skizziert das methodische Vorgehen bei der Untersuchung ausgewählter Exponate hinsichtlich ihrer Darstellung, Datierung und eventueller Überarbeitungen.
2. Die severische Zeit: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die severische Dynastie, ihre dynastische Legitimationsstrategie und die Rolle der Kaiserfamilie, die maßgeblich für die Entstehung qualitätvoller Kameen war.
3. Die Kameen der severischen Zeit: Im Hauptteil werden zentrale Kameen vorgestellt und anhand von ikonographischen und stilistischen Merkmalen analysiert, um eine präzise zeitliche Einordnung vorzunehmen.
3.1. Der Pariser Familienstein: Diese Analyse widmet sich einem der bedeutendsten Stücke, das als Familiendarstellung des Septimius Severus und seiner Angehörigen dient und Bezüge zur frühkaiserzeitlichen Gemmenkunst aufweist.
3.2 Die Pariser Opferszene: Das Kapitel behandelt eine ganzfigurige Darstellung der Herrscherfamilie beim Opfer und diskutiert die Sieghaftigkeit der dargestellten Personen im Kontext historischer Ereignisse.
3.3 Das Caracalla-Portrait: Hier wird ein im Kunsthistorischen Museum Wien befindlicher Kameo untersucht, dessen ursprüngliche Identität durch starke Überarbeitungen erschwert wird, heute jedoch als Caracalla-Portrait identifiziert ist.
3.4 Die Panzer-Paludamentum-Büste: Dieses Kapitel befasst sich mit einer umgearbeiteten Büste, deren ursprüngliches claudisches Motiv nicht mehr eindeutig identifizierbar ist, jedoch eine severische Überarbeitung zeigt.
3.5 Die Iulia Domna: Es wird ein Fragment aus der Ermitage analysiert, welches aufgrund typologischer und physiognomischer Merkmale zweifellos als Portrait der Iulia Domna identifiziert werden kann.
3.6 Die Kasseler Victoria: Diese Untersuchung widmet sich einem umfangreichen Kameo, der eine Kaiserin als Victoria darstellt und eine komplexe Geschichte der Umarbeitung von spätantoninischer in severische Zeit aufweist.
3.7 Eine weibliche Büste im Olympias-Typus: Das letzte Objektkapitel analysiert eine Büste, deren Identifizierung als Iulia Mamaea aufgrund spezifischer Gesichtszüge und des Vergleichs mit zeitgenössischen Portraits plausibel erscheint.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die severischen Kameen tatsächlich einen gezielten Rückgriff auf iulisch-claudische Vorbilder darstellen und die „Severische Kameenrenaissance“ als präzisen kunsthistorischen Begriff rechtfertigen.
Schlüsselwörter
Severische Kameenrenaissance, Septimius Severus, Iulia Domna, Caracalla, Geta, Iulia Mamaea, Kameo, Sardonyx, Glyptik, Portraits, Familiendarstellung, Victoria, Umarbeitung, Kaiserzeit, Dynastie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Kameen der severischen Epoche und analysiert, inwieweit diese als „Kameenrenaissance“ bezeichnet werden können, indem sie den künstlerischen Rückgriff auf frühkaiserzeitliche Vorbilder beleuchtet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Ikonographie severischer Herrscherportraits, die dynastische Selbstdarstellung, stilistische Merkmale der Glyptik sowie der Umgang mit und die Umarbeitung von antiken Schmucksteinen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, durch eine tiefgehende Analyse ausgewählter Kameen die künstlerische Qualität der severischen Zeit aufzuzeigen und die Personen sowie die Datierung der Darstellungen präzise zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine kunsthistorisch-archäologische Methodik, bei der die Kameen visuell analysiert, mit Münzportraits und großplastischen Vorbildern verglichen und anhand historischer Kontexte datiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung sieben bedeutender Kameen, von Familienbildnissen über Portrait-Kameen bis hin zu allegorischen Darstellungen wie der Victoria.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die severische Dynastie, das Sardonyx-Material, der Typus Gabii, die mater castrorum und die bewusste stilistische Anlehnung an die iulisch-claudische Epoche.
Warum wird der Pariser Familienstein als zentrales Beispiel angeführt?
Er gilt als Paradebeispiel für die severische Kameenrenaissance, da er sowohl motivisch als auch stilistisch eine enge Verwandtschaft zur berühmten Gemma Augustea aufweist.
Wie lässt sich die schwierige Identifizierung einzelner Kameen erklären?
Die Schwierigkeiten ergeben sich oft aus starken nachantiken oder zeitgenössischen Überarbeitungen der Steine, bei denen ursprüngliche Merkmale entfernt oder neue Merkmale (wie Frisuren der severischen Zeit) hinzugefügt wurden.
Welche Rolle spielen Münzportraits für diese Untersuchung?
Münzportraits dienen als wichtiges Vergleichsmittel für die Datierung und Identifizierung der Gesichter auf den Kameen, da sie die offiziellen, tagesaktuellen Herrscherportraits des jeweiligen Zeitraums widerspiegeln.
- Citation du texte
- Stefanie Leisentritt (Auteur), 2008, Die sogenannte "Severische Kameenrenaissance", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126916