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Das Arzt-Patienten-Verhältnis im Wandel. Ist die Theorie von Talcott Parsons noch zeitgemäß?

Título: Das Arzt-Patienten-Verhältnis im Wandel. Ist die Theorie von Talcott Parsons noch zeitgemäß?

Trabajo Escrito , 2021 , 19 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Marina Dogan (Autor)

Sociología - Medicina y salud
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Über 60 Jahre nach Parsons Beschreibung, lässt sich heute die Frage stellen, inwieweit es noch zielführend und angemessen ist, dass Ärzte als medizinische Experten allein entscheiden oder Patienten einen Teil der Entscheidungen selbst treffen können und sollen.

Der amerikanische Soziologe Talcott Parsons (1902–1979) beschrieb aus einer strukturfunktionalistischen Perspektive eine idealtypische und komplementäre Arzt-Patienten-Rollenbeziehung, die das Primärziel der Medizin, Rolleninhabern im sozialen System schnell wieder ihre soziale Rollenerfüllung zu ermöglichen, bestmöglich unterstützt. In Parsons Beschreibung übernimmt der Arzt aufgrund seiner umfangreichen Ausbildung und Expertise eine anweisende, anordnende Haltung ein, dieser trifft Entscheidungen, zum Beispiel über die umzusetzende Behandlung und Medikation, denen sich der Patient, in Ermangelung von Fachkenntnissen im medizinischen Feld, als Laie unterordnet und fügt. Eine Beteiligung an Entscheidungen ist dabei weder notwendig noch erwünscht.

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient wandelt sich. Herrschte früher noch stark dominierend das paternalistische Bild eines Arztes als "Halbgott in Weiß", der in Fragen von Diagnose und Behandlung stets wusste, was das Beste für seine Patienten ist und dieses unter dieser Prämisse auch unverzüglich umsetzt, lassen sich seit den 1960er Jahren gesamtgesellschaftliche Verschiebungen hin zu stärkeren Bürgerrechten beobachten, die sich unter anderem auch in eine Bewegung zu mehr Patientenbeteiligung und ausgedehnteren Patientenrechten ausdrücken.

Ein Wandel des Arzt-Patienten-Verhältnisses kann in mehreren Bereichen beobachtet werden. Einerseits hat sich über das Internet und andere Medien die Informationslage grundlegend verbessert, andererseits führt mehr Fortschritt auch zu mehr Unwissenheit, immer mehr muss berücksichtigt werden in Diagnose und Behandlung. Die Medizin hat an Vertrauen in der Bevölkerung und Politik verloren und wird teilweise als anmaßend, eigennützig und unkritisch der eigenen Disziplin gegenüber empfunden. Eine größer werdende Anzahl von Patienten möchte umfassendere Informationen und eine aktivere Rolle im Behandlungsprozess einnehmen sowie angemessen an Entscheidungen beteiligt werden. So wird auch als Folge dessen über die letzten 20 Jahre zunehmend wissenschaftlich geforscht und diskutiert zu Erwartungen und Bedürfnissen von Patienten.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Arzt-Patienten-Verhältnis bei Parsons

2.1 Universalismus

2.2 Funktionale Spezifität

2.3 Affektive Neutralität

2.4 Kollektivorientierung

2.5 Asymmetrie in der Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons

3. Verändernde Faktoren auf das Arzt-Patienten-Verhältnis

3.1 Patientenaktivierung und Patientenzentrierung

3.2. Neuere Modelle des Arzt-Patienten-Verhältnisses

3.3. Auswirkungen auf die Theorie von Parsons

4. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den soziologischen Wandel des Arzt-Patienten-Verhältnisses und hinterfragt, inwiefern die klassische strukturfunktionalistische Theorie von Talcott Parsons vor dem Hintergrund moderner Anforderungen an Patientenautonomie und Partizipation heute noch zeitgemäß ist.

  • Analyse der Parsons'schen Rollentheorie (Pattern Variables) im medizinischen Kontext
  • Untersuchung der historischen Asymmetrie zwischen Arzt und Patient
  • Diskussion gesellschaftlicher Faktoren für den Wandel hin zur Patientenzentrierung
  • Vergleich zwischen dem paternalistischen Modell und modernen Ansätzen wie "Shared Decision Making"
  • Kritische Bewertung der Relevanz von Parsons' Theoremen in der heutigen Medizin

Auszug aus dem Buch

Die funktionale Spezifität

Die funktionale Spezifität als weiteres Grundmuster der Rolle des Arztes regelt, was in der Beziehung zwischen Arzt und Patient überhaupt thematisiert werden kann. Lediglich „Angelegenheiten, die für die Gesundheit des Patienten relevant sind“ können dort behandelt werden. Funktionale Spezifität grenzt den Aktions- und Autoritätsbereich der Arztrolle ab. Der Arzt soll sein Handeln auf ärztliche Leistungen beschränken, er verfügt über „spezialisierte Weisheit“ und auch wenn darum gebeten wird, soll er sich nicht zu anderen Gebieten äußern (z. B. Überweisung an Spezialisten, keine Beratung in weltanschaulichen Fragen o. Ä.).

Im Gegensatz zu von Diffusität geprägten sozialen Beziehungen, für die kaum eine Vorstrukturierung besteht, steht bei der Interaktion zwischen Arzt und Patient bereits von Anfang an in groben Zügen fest, über was gesprochen wird und wer welche Handlungen durchführt. Die Aufgabe des Arztes ist es, dem Patienten zur Heilung zu verhelfen und die des Patienten, dem Arzt alle dazu relevanten Informationen zu geben. Sind diese für den Arzt zur Heilung des Patienten unbedingt nötig, hat er einen Anspruch darauf, diese auch zu erhalten. Dies können sehr sensitive und private Informationen sein, die z.B. mit dem Privatleben des Patienten zu tun haben (Parsons 1958, S. 34f).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel des Arzt-Patienten-Verhältnisses weg vom Paternalismus hin zu mehr Patientenbeteiligung und führt in das strukturfunktionalistische Modell von Talcott Parsons ein.

2. Das Arzt-Patienten-Verhältnis bei Parsons: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Arztrolle nach Parsons, insbesondere die "Pattern Variables" (Universalismus, Spezifität, Neutralität, Kollektivorientierung) und die Asymmetrie der Beziehung.

3. Verändernde Faktoren auf das Arzt-Patienten-Verhältnis: Hier werden die gesellschaftlichen und technologischen Treiber diskutiert, die das Modell der Arztzentrierung in Frage stellen und neue Konzepte wie das "Shared-Decision-Making" etablieren.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Parsons'sche Modell zwar die Primäraufgabe heilkundlichen Handelns beschreibt, in der modernen Gesellschaft jedoch eine Neuausrichtung in Richtung eines dialogischen, partnerschaftlichen Prinzips zwingend erforderlich ist.

Schlüsselwörter

Arzt-Patienten-Verhältnis, Talcott Parsons, Paternalismus, Patientenzentrierung, Strukturfunktionalismus, Shared Decision Making, Medizinsoziologie, Rollentheorie, Patientenaktivierung, Partizipation, Gesundheitssystem, Arztrolle, Medizinische Expertise, Fallstudie, Gesundheitssoziologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Wandel in der Beziehung zwischen Arzt und Patient und prüft kritisch, ob die klassische soziologische Theorie von Talcott Parsons, die auf Asymmetrie und Paternalismus basiert, noch auf das moderne medizinische System zutrifft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die strukturfunktionalistische Rollendefinition nach Parsons, die historische Entwicklung vom "Halbgott in Weiß"-Modell hin zur Patientenautonomie sowie die Etablierung partizipativer Entscheidungsmodelle.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Gültigkeit von Parsons' Theorien in der heutigen Zeit zu hinterfragen und zu verstehen, welche Adaptionsleistung Ärzte im Angesicht eines aktiveren, informierteren Patientenbildes erbringen müssen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie soziologische Kernkonzepte der Strukturfunktionalismus-Debatte mit jüngeren klinischen und gesundheitssoziologischen Studien kontrastiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Parsons' "Pattern Variables" sowie eine ausführliche Diskussion der Transformation des Arzt-Patienten-Verhältnisses durch Patientenaktivierung und neuere Modelle wie das "Shared Decision Making".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Arzt-Patienten-Verhältnis, Patientenzentrierung, Paternalismus, Shared Decision Making und soziologische Rollentheorie charakterisieren.

Wie unterscheidet sich das "Shared Decision Making" Modell vom klassischen Parsons-Ansatz?

Während bei Parsons der Arzt als fachliche Autorität einseitig entscheidet und der Patient passiv bleibt, setzt das "Shared Decision Making" auf ein partnerschaftliches Handeln auf Augenhöhe.

Warum verliert das paternalistische Modell nach Ansicht der Autorin an Bedeutung?

Durch einen leichteren Zugang zu Informationen, gesellschaftliche Trends zur Bürgerbeteiligung und die Erkenntnis, dass es oft keine "einzig richtige" medizinische Option gibt, ist die alleinige Entscheidungsgewalt des Arztes heute kaum noch gesellschaftlich mehrheitsfähig.

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Detalles

Título
Das Arzt-Patienten-Verhältnis im Wandel. Ist die Theorie von Talcott Parsons noch zeitgemäß?
Universidad
University of Bonn  (Politik und Gesellschaft)
Curso
Soziologie der Gesundheit
Calificación
1,7
Autor
Marina Dogan (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
19
No. de catálogo
V1270161
ISBN (PDF)
9783346716583
ISBN (Libro)
9783346716590
Idioma
Alemán
Etiqueta
Talcott Parsons Arzt-Patienten-Verhältnis
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Marina Dogan (Autor), 2021, Das Arzt-Patienten-Verhältnis im Wandel. Ist die Theorie von Talcott Parsons noch zeitgemäß?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1270161
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