Wechselwirkungen zwischen expandierenden Pressemarkt und der Novellistik des deutschen Sprachraums zwischen Wiener Kongress und der Revolution von 1848

Novellistik des 19. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2008

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Lesewut oder das explosionsartige Wachstum des Pressemarktes im 19. Jahrhundert
1.1. Voraussetzungen für die steigende Nachfrage nach Lesestoffen
1.2. Die Kapitalisierung des Buchmarktes
1.3. Die Macht der Zensur im Kampf mit Geist und Kapital

II. Novellenwut oder die Hochphase der deutschsprachigen Novellistik im 19. Jahrhundert
2.1. Begriffsbestimmung und Anfänge der Novelle
2.2 Hochphasen der Novelle und wechselnde Autorengenerationen
2.3 „Autoreninflation“ und „fabrikmäßige Literatur“ in der Novellistik des 19. Jahrhunderts

III. Die Wechselwirkungen zwischen Journalpresse und Novellenproduktion
3.1. Literaten werden zu Journalautoren
3.2. Die veränderte (soziale) Situation von Autoren um 1830: Der Berufs-Schriftsteller als Literatur-Lieferant
3.3. Der Einfluss der Journal-Strukturen auf die novellistische Erzählprosa

IV. Exkurs: Die integrative Funktion des Erzählrahmens als Zweitverwertungsstrategie in deutschsprachigen Novellensammlungen des 19. Jahrhunderts

V. Ausblick und Schlussbemerkung
5.1 Die weitere Entwicklung von Buchmarkt, Novellistik und Journalistik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
5.2 Die Novelle verschwindet wie ein fliehendes Pferd / Die Presse wird zum Leitmedium des 20. Jahrhunderts
5.3 Schlussbemerkung : Schwierigkeiten der Literaturwissenschaft mit dem kapitalisierten Literatur-Markt

- Literaturverzeichnis -

Einführung

Die deutschsprachige Novellistik erfreute sich im 19. Jahrhundert bei Literaturproduzenten und Leserschaft größter Beliebtheit, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhielt, dann allerdings abklang und immer mehr an Bedeutung verlor. Im heutigen Literaturbetrieb spielt die Novelle nur noch eine beiläufige Rolle

Zeitgleich mit der Hochphase der deutschsprachigen Novellistik kam es im deutschen Sprachraum – insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts – aufgrund technischer Innovationen (neue Druckverfahren), erweiterter und beschleunigter Mobilität (Erfindung der Dampfmaschine, Entstehung des Eisenbahnwesens), der nahezu abgeschlossenen Alphabetisierung der Volksmassen, der Entstehung eines breiten Bildungsbürgertums und einer damit einhergehenden Nachfrage an Lesestoff zu einer geradezu explosionsartigen Expansion des Pressemarktes. Gleichzeitig und unter diesen Voraussetzungen vollzog sich in der Öffentlichkeit ein kultureller Paradigmenwechsel, den Jürgen Habermas als Übergang vom Kulturräsonnement zum Kulturkonsum[1] bezeichnet hat.

In dieser Arbeit sollen die Zusammenhänge zwischen der Expansion des Pressemarktes und der sprunghaft anwachsenden Nachfrage nach Lesestoff in Novellenform aufgezeigt werden. Dabei soll eine literaturwissenschaftliche Methode Anwendung finden, die Literatur im Feld mentaler, sozialer und kultureller Kontexte untersucht.[2] Mit diesem Ansatz, der sich u.a. auf Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur[3] stützt, soll vermieden werden, dass „Literaturgeschichte [...] als Anhäufung isolierter, autonomer Einzelwerke oder Dichterfiguren“[4] behandelt wird. Allerdings soll Literatur hier auch nicht als ein „bloßer Reflex auf ökonomische Umstände“[5] verstanden werden.

Die in der vorliegenden Arbeit verwendeten Fallbeispiele können veranschaulichen, wie die Beschaffenheit der Journale Einfluss nahm sowohl auf die Form der Novellen als auch auf Arbeitsweise und Selbstverständnis der Textproduzenten. Im Hintergrund dieser Explikationen stehen sowohl theoretische Arbeiten Pierre Bourdieus mit dem darin enthaltenen Grundgedanken des Literaturfeldes[6], in dem die Bereiche Autor und Verleger als in einem gemeinsamen Feld agierend und sich gegenseitig beeinflussend gedacht werden, als auch Niklas Luhmanns Systemtheorie[7], in welcher neben anderen Gesellschaftssystemen auch das insbesondere von Niels Werber[8] herausgearbeitete System Literatur untersucht wird. Die von Bourdieu und Luhmann entwickelten Theorien brechen mit der Überzeugung von einer Hochliteratur, deren angebliche autonome Beschaffenheit ausschließlich text- und biografiebezogene Exegesen rechtfertigen sollen, und machen u. a. auf weitere Faktoren wie die Einflussmechanismen des Marktes auf den Literaturproduzenten und sein Produkt aufmerksam.

Im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit werden die verschiedenen Faktoren aufgezeigt, welche die Expansion und Kapitalisierung des Pressemarktes ausgelöst haben. Darauf folgt ein kurzer entstehungs- und formalgeschichtlicher Überblick über die deutschsprachige Novelle, bevor dann im dritten Kapitel der Zusammenhang zwischen Journalpublizistik und Literaturproduktion dargestellt und durch Beispiele veranschaulicht wird, wobei insbesondere die spezifischen Anpassungs- und Wandlungsstrategien einiger Novellenproduzenten zur Sprache kommen.

Ein kleiner Exkurs führt zu dem literarischen Phänomen der gerahmten Novellensammlung, in der Autoren mit Hilfe eines Erzähl-Rahmens einzelne Novellen, die sie vorher unabhängig voneinander in Journalen als Fortsetzungsprosa veröffentlicht hatten, zusammengefasst und thematisch wie formal miteinander verklammert in Buchform herausgaben.

Abschließend wird in einem Ausblick die weitere Entwicklung der Novellistik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert skizziert und Gründe für das nachlassende Interesse an Novellentexten um und seit der Jahrhundertwende genannt, die dazu führten, dass diese nach und nach aus den periodischen Druckerzeugnissen verschwanden, während das Interesse an Zeitungen und Zeitschriften stetig weiterwuchs und die Presse zum Leitmedium des 20. Jahrhunderts avancierte.

In einer Schlussbemerkung soll schließlich das lange Zeit ignorante oder zumindest zögerliche Verhältnis der Literaturwissenschaft zur Frage des Einflusses eines sich kapitalisierenden und ein Massenpublikum anlockenden Literatur-Marktes auf Literaturproduktion und Literaturverständnis Erwähnung finden.

I. Lesewut oder das explosionsartige Wachstum des Pressemarktes im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert des expandierenden Pressewesens und mit dieser Entwicklung einhergehend auch das Jahrhundert der deutschsprachigen Novellistik. Dabei gilt die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Vormärz allgemein als die eigentliche Gründerzeit des deutschen Pressewesens. Zwischen Wiener Kongress und den revolutionären Unruhen von 1848 bewegte sich die politische, soziale und auch künstlerische Entwicklung Europas zwischen zwei Polen, einerseits Bewegung und Fortschritt, andererseits nach der Restauration jener Ordnung, die durch die französische Revolution und Napoleon in ihren Grundlagen erschüttert worden war, Beharrung und Erstarrung.

Was den Fortschritt betrifft, so ließen sich im Zuge der sogenannten industriellen Revolution durch das völlig neuartige Verkehrsmittel Eisenbahn Personen und Waren immer schneller, billiger und müheloser befördern. Auf diesen Transportwegen konnten sich auch Nachrichten und Schrifterzeugnisse und damit Gedanken mühelos und schnell in Europa ausbreiten.[9] Wie intensiv das Pressewesen auf die neuen technischen Möglichkeiten reagierte und welche Bedeutung die neuen Transportmittel als Voraussetzung für die Expansion von Presseerzeugnissen hatte, zeigen schon die programmatischen Titel zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften um 1830, etwa Deutsche Schnellpost, Telegraph für Deutschland oder Eisenbahn. Die neuen Verkehrsmöglichkeiten standen in einem „ausgeprägten dynamischen Wechselverhältnis mit dem alles umgreifenden wirtschaftlichen Wa ndel“[10], der sich insbesondere während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem atemberaubenden Tempo vollzog.

Eine weitere Voraussetzung für die Expansion des Pressemarktes waren beschleunigende und kostensenkende Druckverfahren, die seit etwa 1830 zuerst in den USA, England und Frankreich zum Einsatz kamen. Es setzte nun eine Entwicklung ein, die dazu führte, dass die Presse „zum Medium der Moderne schlechthin wird und eine ungeheure ökonomische und auch politische Macht erlangt“[11]. Unentwegt stieg mit den wachsenden Möglichkeiten der billigen Herstellung und schnellen Verbreitung der Bedarf an Druckerzeugnissen von der Tageszeitung und Zeitschrift über Journale, Taschenbücher und Almanache bis hin zu Konversationslexika. Rasch vollzog sich auch in Deutschland, insbesondere in den Zentren des Druckgewerbes Leipzig und Berlin, der Übergang vom Handwerksbetrieb zur industriellen Großdruckerei. Technische Innovationen und verstärkter Kapitaleinsatz befruchteten sich gegenseitig und „veränderten den literarischen Markt in quantitativer wie in qualitativer Weise“.[12]

1.1. Voraussetzungen für die steigende Nachfrage nach Lesestoffen

Erst ein nach Zahl und Bedeutung erstarkendes Bürgertums schuf im 19. Jahrhundert die gesellschaftliche Voraussetzung für den steigenden Bedarf an Lesestoffen bzw. für das Entstehen einer massenhaften Leserschaft.[13] Wenn auch in deutschen Staaten das Bürgertum bei weitem nicht so reich und mächtig wie in Frankreich oder England war[14], so konnte es doch im Laufe der Jahrzehnte seinen Wohlstand und seinen Einfluss im politischen und kulturellen Leben kontinuierlich erweitern und festigen.

Elementarste Voraussetzung für das Entstehen eines Zeitungs- und Buchmarktes jedoch war die Fähigkeit zu Lesen, die infolge umfassender Alphabetisierungsmaßnahmen seit Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr Menschen erwarben. So tauchte etwa um 1800 „mit einem mal eine Büchersorte auf, die den [unterweisenden] Müttern zunächst die physische und psychische Erziehung der Kinder und alsbald auch deren Alphabetisierung anbefiehlt.“[15] Autoren solcher Erziehungsratgeber waren so namhafte Persönlichkeiten wie Rousseau, Hufeland und Pestalozzi. Insbesondere mit Hilfe der schon länger eingeführten und immer strenger gehandhabten Schulpflicht war bereits bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Anteil von Alphabeten an der Bevölkerung auf fast 90 Prozent gewachsen.[16]

Die Folge der schließlich nahezu erreichten Vollalphabetisierung war, dass auch schon vor der massenhaften Verbreitung von Druckerzeugnissen eine immer größere Anzahl von Büchern von immer mehr Menschen immer schneller und wahlloser gelesen wurde. So kann mit Rolf Engelsing von einer Leserevolution gesprochen werden, bei der intensives Lesen (das ständige Wiederlesen zumeist biblischer Texte) das extensive Lesen (das Lesen ständig neuer Bücher) ablöste.[17] Dieses Phänomen, dass von kritischen Zeitgenossen abfällig als grassierende Lesesucht bezeichnet wurde, führte wiederum zu Erziehungskampagnen für den „richtigen“ Umgang mit Büchern.

1.2. Die Kapitalisierung des Buchmarktes

Der Buchmarkt expandierte infolge der Zunahme von Bildung und Einkommen breiter Bevölkerungsschichten kontinuierlich und orientierte sich zunehmend am Prinzip der Gewinnmaximierung. Unter Markt wird allgemein „der (virtuelle) Ort [verstanden], an dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen, d.h. Waren getauscht und variable Preisstrukturen ausgebildet werden.“[18]

Der deutsche Buchmarkt erfuhr in seiner kapitalistischen, d.h. auf die Steigerung von Profit ausgerichteten Form im Laufe des 19. Jahrhunderts eine zunehmende Ausdifferenzierung, wobei seine Entwicklung in engem Zusammenhang mit der Etablierung einer literarischen Öffentlichkeit sowie einer auf geistiges Eigentum bedachten Autorenschaft gesehen werden muss. So gehen etwa die Anfänge eines staatlich geregelten Urheberrechtsschutzes auf das Jahr 1837 zurück, als die preußische Regierung das Gesetz zum Schutze des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst gegen Nachdruck und Nachbildung erließ, welches den unerlaubten Nachdruck literarischer Werke zu Lebzeiten des Autors und 30 Jahren nach seinem Tode verbot. Für die Berufsausübung und das Selbstverständnis von Autoren war der urheberrechtliche Schutz ihrer Werke von fundamentaler Bedeutung.

Dass und in welchem Ausmaß sich die Entwicklung des Literaturmarktes auch qualitativ vollzog, zeigt sich schon daran, dass in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts die bis dahin dominierenden theologischen Schriften von der schöngeistigen und essayistischen Literatur immer mehr verdrängt wurden[19].

1.3. Die Macht der Zensur im Kampf mit Geist und Kapital

In der restaurativen Epoche bis 1848 erwies sich die staatliche Literatursteuerung durch Zensur und Verbote als die größte Herausforderung an Zeitungsherausgeber und Autoren. Staatliche Unterdrückungsmaßnahmen im Produktions- und Distributionsbereich oder die Versuche, mit Hilfe institutionalisierter Steuerungsmechanismen in die Interaktion zwischen Autor und Verleger bzw. Herausgeber einzugreifen, gehörten seinerzeit zum Alltag der Urheber und Erzeuger von Druckwerken. Die Allgegenwärtigkeit von Zensoren war so stark verinnerlicht, dass viele Autoren[20] bis zur Aufhebung der Zensur im Jahre 1848 selber zu Zensoren an ihren Texten wurden und sozusagen mit der „Schere im Kopf“ ihrem Beruf nachgingen.[21] Nichts desto trotz war jedoch in der Autorenschaft größtenteils die Sorge um „Konkurrenz in der Publizität“ und miserable Honorare oder die „Furcht vor schlechter Gesellschaft“ größer als die Furcht vor Eingriffen durch Zensur, Verleger oder Redakteure.[22]

Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass zumindest solche Autoren, die inzwischen vom Absatz ihrer Werke leben konnten, eine Art Dreifrontenkrieg zu führen hatten gegen Konkurrenz, Kommerz und Zensur.

Alle vorangehenden Überlegungen münden nun in die Frage, wie und in welchem Ausmaß die dargelegten technischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen Einfluss auf die Novellenproduktion ausgeübt haben, genauer, auf welche Weise und bei welchen Autoren sie in den literarischen Text „eingriffen“ haben. Ausgangspunkt dieser Fragestellung ist die Entstehungs- und Formengeschichte der deutschsprachigen Novellistik von ihren Anfängen bis zu dem Zeitpunkt, als technische Innovationen und verstärkter Kapitaleinsatz den literarischen Markt quantitativ und qualitativ zu verändern begannen.

[...]


[1] In Strukturwandel der Öffentlichkeit lautet eine Überschrift „Vom kulturräsonierenden zum kulturkonsumierenden Publikum“, wo es (durchaus wertend) heißt: „[...] anstelle der literarischen Öffentlichkeit tritt der pseudo-öffentliche oder scheinprivate Bereich des Kulturkonsums.“; siehe hierzu: Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit, S. 248; vgl. hierzu auch Stephan Porombka zum Begriff Journalismus in: Erhard Schütz (Hrsg.): Das BuchMarktBuch, S. 155-160, hier S. 157

[2] Vgl. Erhard Schütz zum Begriff Literaturwissenschaft in: Ders. (Hrsg.): a.a.O., S. 243-248, hier S. 243f

[3] Rolf Grimminger (Hrsg.): Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

[4] Erhard Schütz (Hrsg.): Einführung in die deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, S. 15

[5] Ebd.

[6] Siehe Pierre Bourdieu: Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes

[7] Siehe etwa: Niklas Luhmann: Einführung in die Systemtheorie

[8] Siehe Niels Werber: Literatur als System. Zur Ausdifferenzierung literarischer Kommunikation

[9] Hansers Sozialgeschichte, Zwischen Restauration und Revolution 1815-1848, Bd. 5, S. 10

[10] Ebd., S. 11

[11] Stephan Porombka zum Begriff Journalismus in: Das BuchMarktBuch, S. 157

[12] Hansers Sozialgeschichte, Bd. 5, S. 63

[13] Vgl. Viktor Zmegac: Kleine Geschichte der deutschen Literatur, S. 171

[14] „Diese zahlenmäßige Schwäche und [...] geringe Konzentration machten es der deutschen Bourgeoisie unmöglich, jene politische Machtstellung zu erringen, deren sich die englische Bourgeoisie seit 1688 erfreut und die die französische Bourgeoisie 1789 erobert hat. Und doch war in Deutschland der Reichtum und mit dem Reichtum die politische Bedeutung der Bourgeoisie seit 1815 in ständigem Wachstum begriffen. Die Regierungen waren gezwungen [...] wenigstens ihren unmittelbaren materiellen Interessen Rechnung zu tragen [...].“, ebd.

[15] Friedrich Kittler: Aufschreibesysteme 1800 / 1900, S. 33 ff; und weiter heißt es: „Waren all die Dinge, die Leute in Europa zu lernen haben – Benehmen und Wissen, Lesen und Schreiben – vor 1800 in unterschiedlichen Gruppen und Ständen weitergegeben worden, so wird nun die Mutter (als Gleichungssystem Frau = Natur = Mutter) die (von Natur her) legitimierte Zentralstelle für Kulturisation; somit gerät Spracherwerb unter den Primat der Mutter.“

[16] Vgl. Hansers Sozialgeschichte, Bd. 5, S. 110

[17] Siehe hierzu die beiden Bücher von Rolf Engelsing: Analphabetentum und Lektüre. Zur Sozialgeschichte des Lesens in Deutschland zwischen feudaler und industrieller Gesellschaft, Stuttgart 1973 und (Ders.): Der Bürger als Leser. Lesegeschichte in Deutschland 1500-1800, Stuttgart 1974

[18] Tom Erben zum Stichwort Markt in: BuchMarktBuch, S.266-270, hier: S. 266.

[19] Vgl. Hansers Sozialgeschichte, Bd. 5, S. 60

[20] Es gab allerdings auch Ausnahmen wie Herwegh, Heine oder Freilichgrath, die lieber das Exil oder die Illegalität der Textproduktion in Kauf nahmen, als sich dem staatlichen Zensurterror zu beugen

[21] Dies hatte allerdings auch „positive“ Effekte: So entstanden durch das Entwickeln von subversiver Anpassungs- und Tarnstrategien zugleich neue Typen operativer Unterhaltungsliteratur wie etwa Reisebilder oder scheinbar harmlose Märchen, die auf das heimliche Einvernehmen mit dem Leser setzen; vgl. Hanser Sozialgeschichte, Bd. 3, S. 53f

[22] Vgl. Erhard Schütz: Das gute Buch der Bücher, S. 61

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Wechselwirkungen zwischen expandierenden Pressemarkt und der Novellistik des deutschen Sprachraums zwischen Wiener Kongress und der Revolution von 1848
Untertitel
Novellistik des 19. Jahrhunderts
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
30
Katalognummer
V127080
ISBN (eBook)
9783640334704
ISBN (Buch)
9783640334346
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pressemarkt, Novellistik, Revolution, Wiener Kongress, Bourdieu, Luhmann, Niels Werber, 19. Jahrhundert, Buchmarkt, Presse
Arbeit zitieren
Christian Finger (Autor), 2008, Wechselwirkungen zwischen expandierenden Pressemarkt und der Novellistik des deutschen Sprachraums zwischen Wiener Kongress und der Revolution von 1848, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127080

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