Vom Lockdown in die Isolation. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf Kinder im Grundschulalter aus sozial benachteiligten Familien


Bachelorarbeit, 2022

73 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemfeld: Kinder in Ausnahmesituationen
2.1 Ausgangslage
2.2 Intention bei der Themenwahl
2.3 Einordnung in das Fachgebiet der Heilpadagogik

3. Leben und Lernen im Lockdown - der aktuelle Forschungsstand

4. Definition des Begriffs
4.1 ... „Long-Covid“
4.2 ... des jungeren Schulalters
4.3 . sozial benachteiligten Familien
4.4 . psychische und emotionale Auswirkungen

5. Entwicklung von Kindern -der theoretische Ansatz nach .
5.1 . Erikson - die psychosoziale Entwicklung
5.2 ... Bronfenbrenner - das okosystemische Modell
5.3 . Wygotski - die Zone der nachsten Entwicklung

6. Methode der Datenerhebung

7. Themenschwerpunkt
7.1 Grundbedingungen fur eine gute Entwicklung
7.2 Forschungsfrage

8. Folgen der Corona-Pandemie
8.1 psychische Auswirkungen
8.1.1 psychische Auswirkungen und Stressoren in Pandemiezeiten
8.1.2 Anderung des okosystemischen Modells
8.1.3 Folgen ausbleibenden Lernens und ein erhohter Medienkonsum
8.2 emotionale Auswirkungen
8.2.1 sozio-emotionale Auswirkungen
8.2.2 Familienklima in Zeiten der Pandemie
8.3 Auswirkungen auf die Entwicklung

9. positive Folgen und die Bewaltigung der Krise

10. Fazit

Literatur-und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Neben individuellen Eigenschaften, welche den Menschen bereits vor und spatestens mit seiner Geburt pragen, wird dieser im Laufe seiner Entwicklung von weiteren auBeren Prozessen, den sogenannten Umwelteinflussen, suggeriert. So gewinnt er an Erfahrun- gen, Erkenntnissen oder Ruckschlagen und weist im Extremfall auch eine hohe Verletz- lichkeit auf.

Den Grundbaustein fur die menschliche Existenz legen dabei die Zellen. Der Kern der Korperzellen, welcher als kleinste Grundeinheit der Organismen bezeichnet wird, tragt das Material des sogenannten Erbguts. Dieses beinhaltet die individuellen Eigenschaf- ten eines jeden Menschen. Unterscheidet man unteranderem zwischen den Muskel-, den Nerven-oder den Blutzellen, so differenzieren sich die Funktionen dieser ebenfalls. Merkmale aller Zellen sind dennoch die Bewegung sowie das Wachstum. Die Zellen sind fur das funktionstuchtige Arbeiten ausschlaggebend (Stahl, 2020). Aus den einzelnen Korpersystemen entsteht ein Zusammenspiel eines sich aufeinander aufbauenden Kreislaufes, welcher das Uberleben und die Funktionstuchtigkeit des Menschen gewahr- leistet. Dabei besitzt jedes System seine eigene Aufgabe, wird durch die anderen unter- stutzt und arbeitet ebenso fur diese mit. Neben dem Verdauungs-, Hormon-oder Lymph­systems tragen auch die Systeme des Skeletts sowie der Muskulatur zur Arbeitstaug- lichkeit bei (g-netz.com, 2022).

In den folgenden Korpersystemen haben Zellen dennoch einen erhohten Stellenwert. Das Herz-Kreislauf-System agiert durch seine im gesamten Korper verlaufenden Venen und Arterien als Durchlaufer im Korper. Durch den Herzschlag wird konstant Blut durch das System gepumpt. Um eine optimale Funktionstuchtigkeit zu ermoglichen, ist es wich- tig, dass der Korper ausreichend sauerstoffhaltiges Blut erhalt. Dieses bringen die Lun- genvenen zum Herz. Sollten korperfremde Stoffe diesen Prozess beeintrachtigen, kann es zu Storungen im Ablauf dieses Systems kommen (g-netz.com, 2017b). Das mensch- liche Blut setzt sich aus vier verschiedenen Bestandteilen zusammen. Zum einen aus dem flussigen Blutplasma und den festen Bestandteilen, welche in Blutplattchen (Throm- bozyten) sowie den roten (Erythrozyten) und den weiBen (Leukozyten) Blutzellen, auch unter Blutkorperchen bekannt, unterteilt sind (Blutbestandteile - Woraus besteht Blut?, 2022). Die Erythrozyten sind dabei fur den Transport des Sauerstoffs zur Lunge sowie des Kohlenstoffdioxids aus der Lunge verantwortlich. Leukozyten sind unsere Abwehr- zellen und ubernehmen die koordinierte Vernichtung von Viren, Bakterien oder anderen korperfremdem Mikroorganismen (WeiBe Blutkorperchen - rote Blutkorperchen - Blut- plattchen, 2022). Die Voraussetzung fur dessen Leben und Funktionieren aller anderen Organe unseres Korpers ist eine ausreichende Sauerstoffaufnahme uber die Atmung.

Die Atemwege fuhren von der Nase beziehungsweise dem Mund uber den Rachen durch die Luftrohre bis hin zur Lunge. In der Lunge kommt es anschlieBend einerseits zur Aufnahme des Sauerstoffs in das Blut und andererseits zur Abgabe entstandenen Kohlenstoffdioxids aus dem Blut zuruck in die Luft (g-netz.com, 2017a). Eine Weiterlei- tung geschieht ebenfalls im Nervensystem. Das komplexe, reaktionsubertragende und blitzschnelle Zusammenspiel aus Gehirn, Ruckenmark und Nervenzellen verarbeitet und koordiniert die Denk-und Handlungsprozesse, die Bewegungen, die Signalverarbeitung sowie den Schutz des Korpers. Durch das zentrale Nervensystem werden Informationen durch Milliarden an Zellen in die entsprechenden Regionen des Korpers geleitet und rucklaufig verarbeitet. Die Verarbeitung von den sogenannten Impulsen wie Schmerzen, Hunger, Tone oder Geruche, welche durch unsere Sinnesorgane aufgenommen werden, erfolgt im Gehirn und werden schlieBlich durch das periphere Nervensystem als Antwort­signal wiedergegeben (g-netz.com, 2017c). Sinnesreize werden dabei aus unserer Au- Benwelt aufgenommen, durch elektrische Impulse uber die Nervenzellen weitergeleitet und im Gehirn geordnet und verarbeitet. Zum System der Sinnesorgane, welche die Auf- nahme von Reizen und Impulsen uberhaupt ermoglicht, gehoren die Augen (Gesichts- sinn), die Ohren (Gehorsinn), der Mund mit der Zunge (Geschmackssinn), die Nase (Ge- ruchssinn) sowie unser groBtes Organ des Korpers, die Haut (Tastsinn) (g-netz.com, 2017d).

Es wird ersichtlich, dass der Korper jedes Individuums durch einen identischen Aufbau gepragt ist. Allein auBere Prozesse machen uns zu einer individuellen Personlichkeit, welche einzigartige Merkmale sowie komplexe und differenzierte Denk-und Handlungs- muster aufzeigen. Dennoch kann es im Kreislauf unseres Systems zu Funktionsstorun- gen kommen, welche das Gleichgewicht ins Schwanken bringen wurden und eine pa- thogene Entwicklung zur Folge hatten.

Das Zusammenwirken einzelner Komponenten in einem System ist vergleichbar mit dem eines Computers. Eine schadenfreie Bedienung setzt die funktionstuchtige Nutzung vo- raus. Bei dem Vergleich eines Computersystems mit dem Fleisch und Blut eines Men- schen ware das menschliche Herz der Akku des Ganzen, welcher das System mit Ener­gie versorgt. Wahrend die Software viele einzelne Denkprozesse durchfuhrt, ist die Fest- platte der Speicherplatz. Beides vereint, bildet das Gehirn. Den Durchfluss, in unserem Fall der Kreislauf, bilden viele kleine Datenleitungen. Der Lufter ware die menschliche Atmung. Doch in welcher Hinsicht besteht nun eine Gemeinsamkeit zwischen Mensch und Computer? Funktional arbeiten Mensch und Computer durch den gleichermaBen reibungslosen Ablauf verschiedener Komponenten in einem Kreislauf. Verschiedene Systeme halten den Kreislauf am Leben. Wurde sich nun eine Schadsoftware, nehmen wir in diesem Fall einen Virus, in den Kreislauf einschleichen, wurde dieser die Kompo- nenten an einzelnen Stellen beschadigen und den reibungslosen Ablauf der einander aufbauenden Systeme storen. Der beziehungsweise das Virus, ob nun technisch oder medizinisch betrachtet, wurde beide Systeme folglich in ihrer Funktion beeintrachtigen. Laut dem Duden wird als Virus ein kleines krankheitsbedingtes Partikel erklart, welches sich lediglich auf lebenden Gewebe vermehren kann (Duden, 2022a). Ob Funktionsfeh- ler bei einem Computer oder pathogene Entwicklung im menschlichen Korper, ein Virus ist demzufolge ein korperfremder Stoff, welcher das Gleichgewicht destabilisieren wurde.

Im Folgenden werde ich auf solch einen Virus eingehen, welcher durch das Eindringen in den menschlichen Organismus ein gropes Ungleichgewicht aufgeworfen hat und sich gleichzeitig stark auf die Umwelteinflusse der Menschen auswirkte.

Dies soll mich zu meiner Bachelor of Arts Abschlussthesis mit dem Titel:

Von dem Lockdown in die Isolation

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf Kinder im Grundschulalter
aus sozial benachteiligten Familien

im Studiengang Heilpadagogik/Inclusion Studies hinleiten. In dieser werde ich mich mit dem Schwerpunkt der psychischen und emotionalen Auswirkungen auseinandersetzen.

Wie die Welt von morgen aussehen wird, hangt in groRem MaR von der Einbildungs-
kraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen.“ Astrid Lindgren (Zitate-Fibel, 2022)

Im Verlauf meiner Bachelor of Arts Abschlussarbeit werde ich auf die aktuelle Lage der bestehenden Problemsituation eingehen. Ich erklare die Ausgangslage sowie meine In­tention hinter dieser Arbeit und werde den Bezug meines Themas zur Heilpadagogik aufgreifen. AnschlieBend zeige ich den aktuellen Forschungsstand auf und definiere die wichtigsten Schlusselbegriffe meiner Arbeit. Anknupfen werde ich mit der Erlauterung aufgestellter Modelle verschiedener Theoretiker, um im Praxisteil daran Bezug fassen zu konnen. Bevor ich zum Praxisteil gelange, werde ich noch mein methodisches Vor- gehen aufzeigen. AbschlieBend gelange ich zur Beantwortung meiner Forschungsfrage. Zuletzt werde ich im Fazit, neben einer kurzen Zusammenfassung uber die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse meiner Forschungsfrage, kurz auf InterventionsmaBnah- men sowie einer kritischen Reflexion meiner Forschungsarbeit und der Wichtigkeit der weiteren Forschung eingehen.

2. Problemfeld: Kinder in Ausnahmesituationen

Ich werde meine Arbeit mit einer Erklarung der aktuellen Ausgangslage beginnen. Im Vordergrund soll das Verstehen eines kurzen geschichtlichen Abrisses, aber auch der Einblick in die medizinische Welt sein. Im Anschluss werde ich mein Interesse fur das Thema erklaren, daraufhin meine Themenwahl erlautern und abschlieBend den Bezug zur Heilpadagogik aufzeigen.

2.1 Ausgangslage

Sogenannte Coronaviren bestehen bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen For- men auf der Welt. Meist sind Coronaviren spezifisch auf eine Tierart angepasst. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese vor 100 bis 200 Jahren auf den Menschen uber- tragen haben. Wahrend einige dieser Erreger harmlos fur den menschlichen Korper sind, konnen andere einen schweren Verlauf aufzeigen. Neben dem Menschen sind diese unteranderem auch in weiteren Saugetieren oder Vogeln vorhanden. Es ist bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt, dass diese Art Viren den Menschen infizieren. Hier- bei handelte es sich jedoch meist um humane Virenformen, welche in den meisten Fallen durch eine leichte Niedergeschlagenheit wiedergeben wurden (Internetredaktion, 2021). Befindet sich der Erreger bereits im menschlichen Korper, jedoch noch nicht an der Wirtszelle, spricht man zunachst noch von einem sogenannten Virion. Erst ab dem An- dockprozess an die menschliche Zelle und dem darauffolgenden Eindringen ist die Rede von einem Virus (MiBfeldt, 2022).

Seit nun mehr als 2 Jahren haben wir es mit einem weiteren Ausbruch von Coronaviren zu tun. Zum Jahreswechsel 2019 wurde der Ausbruch einer neuen Lungenentzundung in der zentralchinesischen Region Wuhan veroffentlicht (Muller et al., 2021, S. 2). Das lateinische Wort „corona“ ist an das Aussehen und die Form des Virus angelehnt und bedeutet so viel wie „Krone“ oder „Kranz“. Umgangssprachlich kommen in unserem Sprachgebrauch heute mehrere Formen zum Ausdruck. Wahrend Corona das Gesamte in Betracht zieht, fokussiert sich der Begriff Coronavirus auf einen Teil der Virusfamilie der „Coronaviridae“. Die Schwierigkeit bei dieser Gruppe besteht darin, die Erreger zu bekampfen, weil diese eine hohe Mutationsrate sowie Wandlungsfahigkeit besitzen. Eine weitere Bezeichnung gibt SARS-CoV-2 wieder. Dabei steht „CoV“ fur die Virusfa- milie Coronaviridae. „SARS“ beschrankt sich dabei auf die Beschwerden, in diesem Falle ein „Schweres Akutes Atemwegssyndroms“. Wahrend im November 2002 der erste Aus- bruch eines SARS-CoV Erregers zu einer Pandemie fuhrte, welcher jedoch kontrollier- barer war, folgte Ende 2019 nun der Zweite Ausbruch (Corona, COVID-19 & SARS-CoV- 2: Was ist der Unterschied?, 2021). Die Infektionskrankheit, welche SARS-CoV-2 beim Menschen auslost, wurde folglich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. Februar 2020 unter dem Namen COVID-19, „coronavirus induced disease 2019“ (dt.: Coronavirus-Erkrankung 2019) betitelt (Muller et al., 2021, S. 2). Nach der Veroffentli- chung kam es am 27. Januar 2020 zur ersten Infektion eines Menschen in Deutschland. Nachdem von der WHO anfangs eine epidemische Ausbreitung des Virus in China fest- gestellt wurde, kam es resultierend zu einer weltweiten Infektionswelle. Seit dem 11. Marz desselben Jahres wurde der Ausbruch daraufhin einer Pandemie zugeordnet (ebenda, S. 2).

Charakteristisch auBert sich eine Pandemie durch eine hohe Verbreitungsfahigkeit des Virus von Mensch zu Mensch, wie auch im Falle der Corona-Pandemie. Gekennzeichnet ist es unteranderem durch einen schweren Krankheitsverlauf und einer hohen Sterbe- rate, weil das menschliche Immunsystem auf das Virus weder vorbreitet, noch geschutzt ist (RKI - Navigation - Was ist eine Pandemie?, 2022). In Deutschland sprechen wir nun seit Beginn der Pandemie von funf, teilweise auch sechs Corona-Wellen. Von einer Welle wird berichtet, wenn die Ansteckungsgefahr oder die Verbreitung des Virus besonders stark und ein groBer Anstieg an Infizierten vorhan- den ist. Mit Beginn der Pandemie im Fruhjahr 2020 kam die erste Welle, welche beson- ders den Suden Deutschlands und vereinzelte Teile des Westens traf. Da Eindam- mungsmaBnahmen zur Verbreitung von Erregern meist an Lockdowns geknupft sind, kam es am 22. Marz zum ersten dieser Art. SchlieBungen von Schulen und Kontaktver- bote waren unteranderem die Folge. Nach der stufenweisen Lockerung kam es im Ok- tober bis Januar zur zweiten und noch infektioseren Welle. Nun waren alle Teile Deutschlands stark betroffen. Nach dem erneuten Anstieg an Infektionen kam es Anfang November zur zweiten Lockdownphase. Funf Monate spater die erneute Lockerung, wo- ran sich jedoch bereits die dritte Welle anknupfte (Interaktiv-Team, 2021). Wie im Vorjahr erwies sich der Sommer 2021 als kleine Pause der Pandemie. Neben vereinzelten Hot­spots, welche entstanden sind, blieb die Zahl der Infektionen gering. Bislang gibt es in der epidemischen Lage keine feste Definition fur den Begriff „Hotspot“. Es wird jedoch eine Region betitelt, in der die adaquate Notfallversorgung nicht mehr gewahrleistet wer- den kann, es eine hohe Anzahl an Infizierten gibt und die Anzahl an Pflegepersonal nicht mehr ausreichend ist (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2022). Doch auch nach dieser „Pause“ sollte es im Herbst 2021 zu einem weiteren Anstieg der Fallzahlen kommen. Es entstand die vierte Welle, welche Anfang dieses Jahres in die funfte und teils auch die sechste Welle uberging. Lockdowns mit NotschlieBungen blieben jedoch fern. Seit dem Beginn der Pandemie infizierten sich circa 29 Millionen Menschen in Deutsch­ land mit dem Coronavirus (Stand: 11.07.2022). Hiervon sind knapp 142 Tausend Men- schen in Verbindung mit dem Virus gestorben (Statista, 2022). Weltweit liegt die Todes- zahl bei etwa sechs Millionen Menschen (Radtke, 2022). Das Virus ist durch drei Hauptkomponenten aufgebaut. Im Inneren des Zellkerns befin- det sich die Ribonukleinsaure (RNS oder engl.: RNA), die durch ihren Informationsgehalt uber den genetischen Aufbau des Virus verfugt. Umgeben wird diese von der Hulle, wel- che durch verschiedene Proteine fur Stabilitat und der Membranoffnung an der Wirts- zelle sorgt. AuBerhalb der Zelle befinden sich sogenannte Rezeptoren, welche durch das Schlussel-Schloss-Prinzip am Andocken an der Wirtszelle beteiligt sind (MiBfeldt, 2022). Die vorhandenen „Spike“-Proteine an den Rezeptoren wirken dabei als Dornen oder Stacheln, welche am Eindringen in eine menschliche Zelle verhelfen (Internetre- daktion, 2021). Im Gegensatz zu Viren von anderen Krankheiten, dockt das Coronavirus mit deren Rezeptoren, auch aktive Zonen genannt, an den Zellen der Atemwegsschleim- haute an. Nun beginnt durch das Schlussel-Schloss-Prinzip das Eindringen in die Wirts- zelle und das Reproduzieren der RNA. Es folgt die Umprogrammierung der eigentlichen Wirtszelle, sodass im Anschluss durch die Verdopplung der RNA neue Coronaviren aus der eigentlichen menschlichen Zelle freigesetzt werden. Im Weiteren befallen diese wei- tere Zellen des Korpers und zwingen diese ebenfalls zur Freisetzung neuer Viren. Um diesen Ablauf zu unterbinden, setzt das Immunsystem die Immunabwehr in Kraft. Eine optimale Immunabwehr setzt das einwandfreie Funktionieren der Fresszellen voraus. Diese beseitigen die mit dem Coronavirus befallenen Wirtszellen und bilden Antikorper, um in Zukunft fur eine bessere und schnellere Immunitat zur Verfugung zu stehen. Ein bestehendes Problem ist das Immunsystem von alteren und immunschwacheren Men- schen, da dies oft nicht mehr reibungslos ablauft. Die Immunabwehr verlauft so stark, dass auch gesunde Zellen des Gewebes durch die Fresszellen beseitigt werden und anschlieBend groBe Teile des Organs absterben oder es gar zu einem Organversagen, im Falle des Coronavirus meist der Lunge, kommt (MiBfeldt, 2022). Wie zum Anfang der Arbeit bereits erklart (siehe 1. Einleitung), funktioniert der mensch- liche Korper aus dem Zusammenspiel verschiedener Systeme. Kommt es im System der Atmung nun zu einem Versagen der Lunge, gerat der Austausch zwischen Sauerstoff, Lunge, Blutzellen und Kohlenstoffdioxid aus dem Gleichgewicht, wodurch ebenfalls das Herz-Kreislauf-System aufgrund einer zu geringen Sauerstoffversorgung nicht richtig ar- beiten kann (g-netz.com, 2017a). Neben der Lunge kann das Virus zusatzlich auch noch Herz, Niere, Darm und Zentralnervensystem angreifen. Zerstorungen im Korper werden unter anderem durch die Zytolyse, der direkten Zerstorung menschlicher Zellen, durch eine bereits angesprochen zu starke immunologische Abwehrreaktion durch den Korper oder aufgrund der Schadigung kleiner GefaBe herbeigefuhrt, welche anschlieBend Ge- faBverschlusse oder Embolien hervorrufen (Muller et al., 2021, S. 4f.). Wahrend es in den milden und kalten Monaten von Herbst bis Fruhling zu einem deutli- chen Anstieg der Fallzahlen kommt, erkennt man, dass es vor allem im Sommer zu ei- nem Ruckgang der Infektiositat kommt. Es wird davon ausgegangen, dass die hoheren Temperaturen, die geringere Luftfeuchtigkeit sowie eine starkere UV-Einstrahlung dem Virus entgegensetzen konnten (Von FOCUS-Online-Redakteurin Paula Schneider, 2021).

Zuletzt befanden wir uns in der angesprochenen funften Welle. Da die Infektionszahlen am Anfang diesen Jahres ihren Hohepunkt erreicht hatten, die dann abschwachende Fallzahlenkurve jedoch wieder anstieg und sich ein erneutes Maximum an Infizierten erahnen lieB, sprachen einige auch bereits von der sechsten Welle. Neben gewissen Einschrankungen der Bundesregierung, wie der Masken-und Quarantanepflicht, Kon- taktbeschrankungen oder dem Nachweis von 2G oder 3G (Geimpft, Genesen oder un- teranderem Getestet) wurde jedoch kein erneut strikter Lockdown mit NotschlieBungen veranlasst. Ein Grund hierfur ist der aufkommende Unmut der Bevolkerung, aber auch die Suche sowie die fortgeschrittenen Impfungen gegen SARS-CoV-2. Mit Auftreten des Coronavirus begann die Suche nach einem Gegenmittel, welches nun seit Dezember 2020 verabreicht wird. Ein Ende der Pandemie ist jedoch noch nicht abzusehen. Am 20. Marz 2022 wurde dennoch vom sogenannten „Freedom Day“ gesprochen. An diesem wurden die meisten der Corona-Regeln aufgehoben und es kam wieder zu ei- nem Leben mit „normalen“ Alltag, denn die Nachweise, Beschrankungen und Masken- pflicht fielen weitestgehend weg.

2.2 Intention bei der Themenwahl

Jede Handlung, jede Entscheidung und jede Arbeit ist in gewisser Hinsicht begrundet durch ein Anliegen oder deren Motivation dahinter. So besitzt auch die Themenwahl meiner Bachelorarbeit einen Hintergrund, welche ich im Folgenden begrunden und dar- legen werde.

Das Thema Corona bietet uns eine groBe Aktualitat im Alltag. Seit nun zwei Jahren ist es zu einem sehr prasenten und in jeglicher Hinsicht visuell sichtbaren Teil unseres Le- bens geworden. Egal, ob das Vorzeigen eines Impf-oder Genesenen Status, der Bericht aktueller Fallzahlen von Neuinfektionen, den Themen wie der Ausbreitung, Gegen-oder LockerungsmaBnahmen oder neu mutierter Formen und Auswirkungen. Taglich errei- chen uns neue News und Schlagzeilen in Verbindung mit Corona. Bereits zu Beginn der Pandemie breitete sich das Virus rasant aus. Vor allem bei den Auswirkungen meldeten sich Forscher, Wissenschaftler und Arzte zu Wort. Neben akut auftretenden Krankheits- symptomen wie starker Husten, Geschmacks-und Geruchsverlust und weiteren Grippe- symptomen treten ebenso bisher vermutete Langzeitfolgen, auch unter dem Namen „Long Covid“ bekannt, in Erscheinung. Oftmals ist dabei von postsomatischen Belastun- gen oder psychischen Storungen die Rede (Muller et al., 2021, S. 21f.). In der Gesellschaft spricht man auch vermehrt von der sogenannten „Generation- Corona“. Erleichterte Schulabschlusse unter erschwerten Unterrichtsverhaltnissen wer- den hiermit in Verbindung gebracht. Aber auch beim Blick auf die unteren Klassen wird von erschwerten Bedingungen gesprochen (Generation Corona: "Gravierende Auswir- kungen", 2021). Um versaumte Unterrichtsthemen nachzuholen und uberhaupt die Grundkenntnisse aufbauen zu konnen, wird vermehrt von einer Jahrgangswiederholung gesprochen (Menkens, 2021). Neben infektiosen Auswirkungen durch das Corona-Virus gibt es noch weitaus mehr Folgen bei der jungeren Generation. Die Rede ist von psychi- schen Storungen. Doch psychische Storungen bezeichnen ein weites Spektrum in der Pathogenese. Neben „Generation-Corona“ wurde ich durch Nicole Strubers Buch eben- falls auf die Namensgebung „Corona Kids“ aufmerksam. In diesem beschreibt sie unter- anderem, was jetzt zu tun ist, um Kinder vor den seelischen Folgen der Pandemie zu schutzen. Darin geht sie darauf ein, wie es Kindern wohl ohne dem Treffen von Freunden und sozialen Kontakten, Familien mit aufbauenden Stresspotenzial oder Menschen mit einer bereits vor der Pandemie erkrankten Psyche nun ohne Ressourcen gehen wird (Struber, 2021, S. 11 ff.).

Ein weiterer Grund fur die Wahl des Themas Corona steckt im Zitat meiner Einleitung (siehe 1. Einleitung Seite 5). Die Kindheit und Jugend setzt einen wichtigen Grundstein fur deren Entwicklung und Reifung zum Erwachsenen. Bereits Urie Bronfenbrenner be- schrieb in seiner aufgestellten Theorie der „okologischen Systeme“, dass der Mensch von mehreren Systemen, welche sich um ihn herum befinden, anhangig ist. Wie diese sich in der Folge der Corona-Pandemie verandert haben, mochte ich zu einem spateren Zeitpunkt aufzeigen. Mit der Zielgruppe von Kindern im Grundschulalter werde ich mich befassen, weil nach Erik Erikson psychosozialer Entwicklungstheorie die Wohngegend und die Schule die wichtigsten Bezugspunkte in dieser Altersgruppe sind. Zudem spricht Havighurst noch davon, dass sich das Kind in der Phase der Geschlechtsrollenidentifi- kation befindet und es zum Aufbau an Selbstbewusstsein kommt. Hierzu werde ich eben- falls im weiteren Verlauf naher darauf eingehen. In der Zeit meines Praktikums in einer integrativen Kindertageseinrichtung habe ich den Lockdown im Winter 2020 am eigenen Leib erfahren konnen. Hierbei uberhorte ich ge- wisse AuBerungen von Erzieherinnen nicht. Es sind Aussagen, welche behaupten, dass nach dem Lockdown wieder gar nichts funktionieren wird oder Uberlegungen, wie sich das Kind nachher benehmen wird. Besonders Kinder mit Einschrankungen und Entwick- lungsdefiziten trifft der Lockdown, welche oftmals gleichzeitig auch aus einkommens- schwacheren oder sozial benachteiligten Familien kommen, harter (UKE - Pressemittei- lung - COPSY-Studie: Kinder und Jugendliche leiden psychisch weiterhin stark unter Corona-Pandemie, 2022). Ein Grund diese Aussage zu hinterfragen. Der personlichste Grund zur Wahl meines Themas ist jedoch das angesprochene Schul- alter. Wie bereits erlautert, legt die Grundschule den Baustein fur das Lernen und den weiteren Lernerfolg in den kommenden Schuljahren und wie lange ein Turm ohne festen Sockel seine Standfestigkeit beibehalt, weiB jeder selbst zu entscheiden. An meinem Bruder, welcher zum Ausbruch der Pandemie die erste Klasse besuchte, konnte ich selbst miterleben, wie sich die Schulzeit veranderte. Zahlreiche Schulstunden und Schul- stoff fielen in einem Schuljahr aus. Vieles wurde unter Druck oder auf Zwang in kurzer Zeit gelehrt oder auch weggelassen. Es fehlte an Kommunikation zwischen Lehrern und Schulern. Es wurden Aufgaben gegeben, aber auf Erklarungen wurde verzichtet. Dies mussten Eltern, welche nach der Arbeit heim kamen oder GroBeltern, deren Schulab- schlusse mehrere Jahrzehnte zurucklagen, ubernehmen.

Wie dies jedoch bei Kindern in sozial benachteiligten Familien aussah und welche Prob- leme und Hindernisse es fur die weitere Entwicklung geben wird, gehort zum Hintergrund meiner Themenwahl.

2.3 Einordnung in das Fachgebiet der Heilpadagogik

Nach einer nun mehr oder weniger medizinisch wiedergegeben Ausgangslage in Bezug auf das Corona-Virus sowie die Darstellung meiner Intention, werde ich nun darauf ein- gehen, welche Wichtigkeit dieses Thema in der Heilpadagogik ubernimmt beziehungs- weise wo es in der Zukunft Anknupfpunkte geben wird oder geben muss.

Die Heilpadagogik als eine wissenschaftliche Disziplin der Padagogik beschaftigt sich im Tun und Handeln mit dem Leben eines Menschen unter erschwerten Voraussetzun- gen. Als Teilgebiet der Sozialwissenschaften bezieht sich die Theorie und Praxis eher weniger auf die Defizite einer Person. Sie legt den Schwerpunkt mehr auf die sozialen Umfeldbedingungen jener. Die Handlungsmoglichkeiten und Eigenschaften jedes Indivi- duums von jung bis alt werden dabei niemals aus den Augen verloren. Die Padagogik des „heilens“ bezieht sich weniger auf den Sinn und den Hintergrund der eigentlichen Medizin mit deren Diagnose, sondern legt ihren Wert auf eine freie Entscheidungskraft jedes Individuums. Das griechisch abstammende Wort „Heil“ wird dabei mit „ganz“ oder „Gluck“ ubersetzt (Eitle, 2016, S. 9). Demzufolge soll im Folgenden nicht auf eine medi- zinische Heilung des Corona-Virus eingegangen werden, sondern auf die Hilfe von Indi- viduen, welche Schwierigkeiten in ihrem sozialen Umfeld oder ihrer Lebensweise durch die Pandemie erlebt haben oder immer noch erleben. Hierbei kann nochmals das bereits angesprochene okosystemische Modell nach Bronfenbrenner aufgegriffen werden. Ver- bindungen zur Medizin weist die Heilpadagogik dennoch auf, denn der Prozess zur Hei- lung wird meist durch therapeutische MaBnahmen personlich begleitet (ebenda, S. 9). Es ist die Padagogik, welche sich mit Menschen unter erschwerten Bedingungen be- schaftigt. Unter erschwerten Bedingungen versteht man Beeintrachtigungen, welche sich auf korperlich-oder sensorische, geistig-oder seelische, aber auch sprachliche so- wie soziale Bereiche auswirken. Da es sich in der Arbeit mit solch beeintrachtigten Men- schen um die ganzheitliche Forderung der Personlichkeit handelt, geht es um die Aus- gewogenheit zwischen Kopf und Hand sowie dem Denken, Fuhlen und Handeln (www. .de, 2008).

„Heilpadagogik ist nichts anderes als Padagogik, und zwar Padagogik unter erschwer-
ten Bedingungen.“ Paul Moor (www. .de, 2008)

Laut Otto Speck kann die Heilpadagogik „als eine spezialisierte Padagogik, die von einer Bedrohung durch personale und soziale Desintegration ausgeht und bei der es im Be- sonderen um die Herstellung oder Wiederherstellung der Bedingungen fur eigene Selbstverwirklichung und Zugehorigkeit, fur den Erwerb von Kompetenzen und Lebens- sinn, also um ein Ganz-Werden geht, soweit es dazu spezieller Hilfe bedarf“ verstanden werden (Eitle, 2016, S. 10). Bei der Integration jedes individuellen Menschen unterschei- det man zwischen vielfaltigen Formen der Hilfe. Neben den bereits angesprochenen the- rapeutischen MaBnahmen gibt es im Weiteren noch die Begleitung, die Forderung, die Beratung sowie die Assistenz im Leben (ebenda, S. 10). Ein zeitlicher Abriss uber die Geschichte der Heilpadagogik wurde den Rahmen dieses Kapitels ubertreffen. Zudem ist es auch nicht das eigentliche Thema dieser Arbeit. Es ist dennoch festzuhalten, dass es im Laufe der Geschichte immer zwei Gesichter gegen- uber dieser wissenschaftlichen Disziplin gab. Wahrend die eine Seite der Gesellschaft behinderten Menschen fur eine adaquate Hilfeleistung, Versorgung und Anerkennung zur Seite stand, sorgte die andere Seite der Menschheit fur Ablehnung. Vertreibungen oder Benachteiligungen mussten Menschen mit einer Beeintrachtigung oder jegliche, welche auBerhalb der Verhaltens-, Funktions-oder Aussehensnorm standen, auf sich nehmen. Der Trend eines abwertenden Bildes gegenuber behinderten Menschen an- derte sich im Verlaufe des 18. und 19. Jahrhunderts zum Positiven (Greving & Ondracek, 2014, S. 11 f.). Trotzdem gibt es auch heutzutage noch Stigmatisierungen oder Margi- nalisierungen gegenuber dieser Personengruppen.

Aufgrund verschiedener Definitionsmoglichkeiten ist der Begriff der Behinderung ein sehr subjektiver Begriff. Im Weiteren ist die Definition von gesellschaftlichen Werten und Normen oder den Erwartungen abhangig. Im medizinischen Modell bezeichnet die „Be- hinderung“ die Probleme eines Menschen durch Krankheiten oder Traumata. Wie bereits erwahnt, ist das Bestreben in der Medizin die Heilung dieses pathogenen Krankheitszu- standes. Wahrenddessen wird aus sozialer Sicht das gesellschaftliche Leben als Prob­lem angesehen, welches die Behinderung fur den Behinderten verursacht. In der Pada- gogik wird die Behinderung demzufolge nicht als Merkmal durch eine Krankheit angese- hen, sondern als „ein vielschichtiges Geflecht von Bedingungen der Gesellschaft“ (Eitle, 2016, S. 10). Hierbei sollte die Inklusion an erster Stelle stehen und eine Wandlung der Umwelt hergestellt werden, sodass eine Teilhabe ermoglicht werden kann (ebenda, S. 10).

Stattdessen umfasst die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehrere Teilbereiche in die Erklarung. Zu den Bereichen zahlen Korperfunktionen und Kor- perstrukturen, Schadigungen, Aktivitaten, Teilhabe und die Umweltfaktoren. Nach dem neunten Sozialgesetzbuch (SGB 9) wird bei Menschen von einer Behinderung gespro- chen, wenn aufgrund seiner korperlichen Funktionen, geistigen Fahigkeiten oder seeli- schen Gesundheit die Teilhabe an der Gesellschaft geschadigt ist. Zudem uberschreitet die Abweichung dieser Schadigungen den eigentlichen Zustand des Lebensalters be- reits um sechs Monate. Dabei wird keine Unterscheidung zwischen angeborener oder durch Unfall oder Krankheit erhaltener Beeintrachtigung gemacht (IMH-Team, 2022).

Das Ziel wird und muss es sein, ein exkludierendes Leben in der Gesellschaft abzu- schaffen und Menschen mit Behinderung, seien es korperliche oder gesellschaftliche Grunde, am Alltag teilhaben zu lassen.

Nun werden aufgrund der Auswirkungen des aufgetretenen Virus Hilfeleistungen not- wendig sein. Kontaktverbote und Quarantane ohne jeglichen personlichen oder sozialen Austausch, der Ausfall von Therapie-und Schulstunden oder die Erhohung des Medien- konsums und viele weitere Auswirkungen haben den Alltag und die Umfeldbedingungen fur Menschen jeder Altersgruppe sowie jeder Sozialschicht, mit oder ohne notwendiger Hilfe, erheblich verandert. Unter dieser Veranderung leiden Menschen aus beeintrach- tigten Familien oder Gruppen mehr, als Menschen mit bildungs-und finanzieller Sicher- heit, wie Studien im spateren Verlauf der Arbeit zeigen werden. Besonders fur Kinder, welche in ihrer Entwicklung unterstutzt und gefordert werden mussen, anderte sich der Alltag erheblich. Durch die Corona-Pandemie werden Aufgaben in der Entwicklungsbe- waltigung verlangsamt oder sind zudem nur schwer aufzuholen. Das Ziel der Heilpada- gogik wird es folglich sein, Auswirkungen, auf welche ich im folgenden Kapitel dieser Arbeit noch detaillierter eingehen werde, zu beheben. Mit ihren Gesetzen und Verboten tragt die Pandemie negative Folgen verschiedenster Personengruppen mit sich. Die Ruckkehr zu einem Normalzustand vergleichbar mit der Situation vor der Pandemie, ei- ner Entfaltung der individuellen Personlichkeit und deren bestmoglichen Entwicklung o­der mindestens einer Adaption an die bestehende Situation sollte gegenwartig an vor- derster Stelle stehen. Nur mit diesem Ziel konnen auch benachteiligte Personen in das Leben aller integriert werden. Nicht jeder konnte die Pandemie gleichermaBen bewalti- gen, wodurch es zu einem unterschiedlichen Umgang mit der Krise kam. Durch die An- passung von Hilfen muss nun darauf geachtet werden, dass der Spalt zwischen bil- dungs-und finanziell Starkeren und bildungs-und finanziell Schwacheren nicht noch mehr aufreiBt, wie er bislang besteht.

3. Leben und Lernen im Lockdown - der aktuelle For- schungsstand

Im Anschluss werde ich auf den bisherigen Forschungsstand zum Thema Leben vor Corona sowie auf Auswirkungen und Folgen der Pandemie eingehen. Um auf psychi- sche und emotionale Auswirkungen eingehen zu konnen, werde ich mich dabei auf ak- tuelle Studien beziehen, welche mit Beginn der Corona-Krise begonnen wurden. Da ich mich in der Beantwortung der Fragestellung auf die gesamte Pandemie beziehen werde, geben diese die vergangene sowie die gegenwartige Situation wieder.

Um noch einmal den technischen Bezug in meiner Einleitung aufzugreifen, werde ich mich auf eine Studie des Bundesinstituts fur Bevolkerungsforschung konzentrieren, in welcher es um die Belastungen von Kindern, Jugendlichen und Eltern in der Corona- Pandemie geht. Wahrend sich in den Lockdownphasen, in den es zu mehrfachen Schul- schlieBungen kam, die tagliche Zeit an Schularbeiten deutlich verringerte, stieg die Nut- zung von Technik bei Kindern des Schulalters deutlich an. Lockdowns verringerten die Zeit mit schulischen Aktivitaten taglich um knapp 50%, wobei die Lerndauer von 7,4 Stunden pro Tag vor der Corona-Pandemie auf durchschnittlich 4 Stunden im ersten und zweiten Lockdown sank. Durch das bedingte Homeschooling der Kinder stieg jedoch die Nutzungszeit von Handy, Computer oder Fernsehen. Von einer Nutzungsdauer von 4 Stunden taglich stieg diese im ersten Lockdown auf 5,2 Stunden an. Das Niveau zwi- schen schulischer Aktivitat und Freizeitgestaltung anderte sich (Bujard et al., 2021, S. 17 f.). Der Computer wurde zum teils wichtigen, dennoch auch wegbegleitenden Fuhrer in der Pandemie.

Durch die EindammungsmaBnahmen der Bundesregierung zur Bekampfung des Corona-Virus kam es zu vollstandigen SchulschlieBungen mit Beginn des ersten Lock­downs ab dem 22. Marz 2021. In dieser Zeit kam es zum Distanzunterricht. Im Verlauf von Lockdown eins wurden die Schulen anschlieBend teilweise geoffnet, wobei es ent- weder zum Wechselunterricht kam oder manche Klassenstufen weiterhin von zuhause unterrichtet wurden. Wahrend des ersten Lockdowns kam es zu einem eineinhalb-bis dreimonatigen Ausfall des Prasenzunterrichts. Auch im zweiten Lockdown gab es eine weitere SchulschlieBung. Dabei wurde wieder von Mitte Dezember bis teilweise Anfang Juni auf vollstandigen Prasenzunterricht verzichtet. Anstatt den Unterrichten in Prasenz zu besuchen, lernte eine Mehrzahl der Kinder bis zu funf Monaten digital von zuhause. Bei den Grundschulern betrug diese Zeit mindestens zwei Monate (ebenda, S. 8 ff.). Mit Beginn der Pandemie und des Jahres 2020 lebten rund 13,7 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland. Die Anzahl der Kinder zwischen sechs und elf Jahren be­trug dabei 4,4 Millionen. In allen Altersgruppen sind circa 5% mehr Jungen als Madchen vorhanden (ebenda, S. 11).

Der gegenwartige Forschungsstand gibt bereits ein breites Spektrum an Information, Studien und Ergebnissen wieder. Besonders zu statistischen Werten und emotionalen Gefuhlslagen kann bislang eine weitreichende empirische Forschungslage dargestellt werden. Wie es um psychische Auswirkungen steht, welche einen langer anhaltenden Effekt besitzen, kann jedoch erst konkretisiert werden, wenn die Pandemie voruber ist. Zum jetzigen Zeitpunkt geht man demzufolge vermehrt von Vermutungen und bislang auftretenden Folgen aus.

Im Weiteren werde ich einen kurzen Abriss uber allgemeine Auswirkungen der Pande- mie, welche Bezug zur Bewegung und Ernahrung bei Kindern hat, aber auch die Situa­tion der Erwachsenen beleuchtet, darstellen.

Die „Kind sein in Zeiten von Corona“ Studie des deutschen Jugendinstituts nahm dabei einen genauen Blick auf die veranderten Freizeitaktivitaten von Kindern des Kindergar- ten,-Grundschul-und Sekundarstufenalters. Aus den Ergebnissen resultiert, dass die Be- wegungsforderung der Kinder wahrend eines Lockdowns abnahm und die Freizeitge- staltung den Raum innerhalb der Wohnung einnahm. So kann man der Studie entneh- men, dass bei 61% der Befragten das Spiel innerhalb der Wohnung zunahm und zeit- gleich bei 35% sich das Spiel in der Natur verringerte. Der Tagesablauf bei fast jedem zweiten Kind dieser Altersgruppe bestand aus dem „Nichtstun“. Bei der Beschaftigungs- art gaben die Befragten an, dass das Basteln und Malen (53%) sowie das Lesen von Buchern (43%) wahrend der Pandemie haufiger geworden sei. Doch auch die zeitver- treibende Nutzung von Fernsehgeraten und Streaming Diensten (69%), dem Spielen an Computer, Tablet oder Handy (49%) und im Internet surfen (38%) stieg in der Pandemie deutlich an. Es lasst sich schlussfolgern, dass Kinder wahrend der Pandemie und be- sonders in den Lockdowns ihre Freizeit weniger durch Bewegung auBerhalb des Hauses nutzten. Bei einer Mehrzahl der Befragten ging die Tendenz in Richtung der elektroni- schen Freizeitgestaltung. Dadurch lasst sich zusammenfassen, dass es besonders bei Familien aus Risikolagen zu einem groBeren Ruckgang von Aktivitaten, welche der Ent- wicklungsforderung zugutekommen, kam. In der Studie versteht man in diesem Fall eine Risikolage im Bildung/-und oder finanziellen Bereich. Aus der Studie lasst sich ableiten, dass die Zunahme des „Nichtstuns“, des Spielens am Computer oder am Handy sowie der Internetnutzung in der Pandemie vor allem Familien betraf, welche beide dieser Ri- sikolagen aufweisen (Angelika, S. 14 f.). Doch nicht nur die Bewegungsforderung gehort zu einer gesunden Lebensweise der Kinder.

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Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Vom Lockdown in die Isolation. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf Kinder im Grundschulalter aus sozial benachteiligten Familien
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
3,0
Autor
Jahr
2022
Seiten
73
Katalognummer
V1272753
ISBN (Buch)
9783346717689
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkung, Folge, Konsequenz, Corona, Covid, Pandemie, Krise, Kinder, Grundschule, kognitiv, emotional, sozial, Schulalter, jüngere Schulalter, Familien, sozialschwach, benachteiligt, Heilpädagogik, Lernen, Entwicklung, Stressor, Pandemiezeit, Zeit, Medien, Konsum, Medienkonsum, sozio, Familienklima, Klima, Bewältigung
Arbeit zitieren
Nick Eichner (Autor:in), 2022, Vom Lockdown in die Isolation. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf Kinder im Grundschulalter aus sozial benachteiligten Familien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1272753

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