Am frühen Morgen des 11. April 2004, zwischen 7:39 und 7:42 Uhr Ortszeit, explodierten in der spanischen Hauptstadtmetropole Madrid, im Umkreis der drei Bahnhofsstationen: Atocha, El Pozo und Santa Eugenias, fast zeitgleich, zehn Sprengsätze; und das drei Tage vor den spanischen Parlamentschaftswahlen.Dabei kamen etwa 191 Menschen zu Tode und 2051 wurden verletzt. Spaniens Bürger und ganz Europa wurden plötzlich Zeuge der „gewaltigen Kraft“ des islamistischen Terrors. Erstmalig zeigte der islamistische Terrorismus in Europa sein „wahres Wesen“, das schreckliche Ausmaß seines Gewaltpotentials und sorgte gleichermaßen für eine völlig neue Gesamtinterpretation zur europäischen Sicherheitslage. Medien sollten das wachsame und informierende Auge einer demokratischen Öffentlichkeit sein. Denn sie erfüllen eine „normative Funktion“, indem sie über aktuelle Ereignisse wertneutral und objektiv berichten. Demgegenüber sind Medien auch immer die Plattform für „politische Eliten“. So werden diejenigen Informationen medial aufbereitet und informativ an den Zuschauer weitergeleitet, die in den Augen der politischen Entscheidungsträger für wichtig erachten werden. Im Gegenzug präsentieren die Sender auch immer die wichtigen politischen oder gesellschaftlichen „Autoritäten“, die die höchstmögliche Kompetenz aufweisen. Jedem Ereignis wird daher ein bestimmter Wert zugewiesen und je außergewöhnlicher sich das vorliegende Ereignis präsentiert, desto eher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass darüber in den Medien berichtet wir . Bestimmte Ereignisse, vorzugsweise diejenigen, welche von der Normalität abweichen, wie Naturkatastrophen oder auch größere Krisen stellen „inkommensurable Größen“ dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Medien und Terrorismus
3. Auswertung – bildliche Analyse der Sendungen
3.1.1 Tagesschau – was wird gezeigt
3.1.1.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
3.1.2 Tagesthemen – was wird gezeigt
3.1.2.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
3.2 Tag 3
3.2.1 Tagesschau – was wird gezeigt
3.2.1.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
3.2.2 Tagesthemen – was wird gezeigt
3.2.2.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
3.3 Tag 4
3.3.1 Tagesschau – was wird gezeigt
3.3.1.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
3.3.2 Tagesthemen – was wird gezeigt
3.3.2.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
4. Zusammenfassung der Sendungen
4.1 Bildliche Darstellungsmuster im Vergleich
4.2 Darstellungswandel der Emotionen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit evaluiert die dramaturgischen Wandlungsprozesse in den Berichterstattungen der Nachrichtensendungen Tagesschau und Tagesthemen im Kontext der Terroranschläge von Madrid im März 2004, mit dem Ziel, die Auswirkungen der medialen Inszenierung auf die Wahrnehmung des Zuschauers zu untersuchen.
- Mediale Inszenierung von Terrorismus und psychologische Folgen für die Gesellschaft.
- Vergleich der bildlichen Darstellungsmuster in Tagesschau und Tagesthemen.
- Analyse des Wandels der Themenschwerpunkte und deren Einfluss auf die Gefühlsperzeption des Publikums.
- Bedeutung der politischen Informationspolitik im Kontext von Krisenereignissen.
- Die Rolle der Medien als Instrument in einem symbiotischen Verhältnis zum Terrorismus.
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Interpretation – welche Emotionen werden evoziert
Die Anmoderation lässt dem Zuschauer „kaum Zeit zum Atmen“. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden die zerstörten Zugwaggone gezeigt. Rettungskräfte rennen hektisch umher, versuchen noch Menschen aus den Trümmern zu bergen. Den Zuschauern wird in diesem Moment das Ausmaß, die Dimension der Tat bewusst – sie dürften von dem visuellen Treiben schockiert sein. „Die spanische Regierung sprach von Massenmord.“ Detaillierte Aufnahmen der Zugwracks aus der Luft (Totale) zeigen die Sprengkraft der Bomben – hiermit verschafft sich der Zuschauer erst einmal einen räumlichen Überblick. Dieser ist auch zwingend notwendig, da die helfende Stütze, der Nachrichtensprecher, nicht dirigiert und den Zuschauer bei der Hand nimmt. Die vielen Halbtotalen Einstellungen rücken die körperlichen Aktionen der schnell handelnden Rettungskräfte ins Zentrum, während gerade die vielen close-ups genutzt werden, um die Verzweiflung (auf dem Boden kniender, das Gesicht verdeckender Menschen), Hilflosigkeit (apathischer Blick von Opfern und Bergungstrupps) und Orientierungslosigkeit der betroffenen Menschen einzufangen. Der Zuschauer muss gleich zu Beginn viele dieser visuellen Eindrücke verarbeiten. Daher kommt eine im Anschluss folgende Zusammenfassung der Fakten, durch den Nachrichtenkommentator Jan Hofer, gerade recht; auch wenn der Zuschauer im Verlaufe der Berichterstattung immer wieder mit ähnlichen Bildern konfrontiert wird. Selbst wenn die Tagesschau auf Illustrationen „reißerischen Bildmaterials“ größtenteils verzichtet, ausschließlich nur Opfer gezeigt werden, die mit Planen überdeckt sind, wird dieser Eindruck vor allem durch die unterschiedlichen Interviews und die „verwendete Sprache“ der jeweiligen Berichterstatter teils wieder relativiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Terroranschläge von Madrid ein und umreißt die methodische Herangehensweise zur Evaluation der Medienberichterstattung von Tagesschau und Tagesthemen.
2. Medien und Terrorismus: Das Kapitel beleuchtet das symbiotische Verhältnis zwischen Terrorismus und Massenmedien, bei dem Letztere zur Plattform für die Inszenierung und Verbreitung von Angst werden.
3. Auswertung – bildliche Analyse der Sendungen: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die bildliche Darstellung und die evozierten Emotionen der Nachrichtenformate an den drei Untersuchungstagen.
4. Zusammenfassung der Sendungen: Hier werden die Ergebnisse der bildlichen Analyse sowie der Wandel in der emotionalen Darstellung der Sendungen komparativ gegenübergestellt und bewertet.
5. Fazit: Das Fazit schließt mit der Erkenntnis, dass Terrorakte die fragile Struktur demokratischer Gesellschaften offenlegen, wobei Medien als unentbehrliche, aber ambivalente Kommunikationsmittel fungieren.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Madrid, Tagesschau, Tagesthemen, Medienberichterstattung, Bildanalyse, Emotionen, Wahlausgang, Sicherheitspolitik, Inszenierung, Krisenberichterstattung, al-Qaida, ETA, Nachrichtenwert, Medienrealität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Nachrichtensendungen Tagesschau und Tagesthemen im März 2004 über die Terroranschläge in Madrid berichteten und wie diese Berichterstattung die Wahrnehmung des Publikums beeinflusste.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die bildliche Inszenierung von Terrorismus, die psychologische Wirkung auf den Zuschauer und die politische Dimension von Informationspolitik im Krisenfall.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dramaturgische Wandlungsprozesse in der Berichterstattung aufzuzeigen und zu analysieren, wie sich die Perzeption des Zuschauers im zeitlichen Verlauf der Krise veränderte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine bildliche Metaanalyse der Nachrichtenbeiträge durch, bei der einzelne Szenen und Bildmotive sowie deren Bedeutung für den emotional-dramaturgischen Spannungsbogen interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist eine detaillierte Analyse der einzelnen Nachrichtensendungen vom 11., 13. und 14. März 2004, unterteilt in die Darstellung und die Interpretation der dabei jeweils ausgelösten Gefühle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Terrorismus, Medieninszenierung, Sicherheitsperzeption und Nachrichtenwert-Theorie charakterisieren.
Warum war der Einfluss der Medien auf den Wahlausgang in Spanien so bedeutsam?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Diskrepanz zwischen der offiziellen, als "undurchsichtig" empfundenen Informationspolitik der Regierung und den tatsächlichen Ermittlungsergebnissen zur al-Qaida-Täterschaft massiven Unmut schürte, der das Wahlergebnis maßgeblich beeinflusste.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung von Tagesschau und Tagesthemen?
Während die Tagesschau stärker auf eine chronologische und faktische Zusammenfassung setzt, arbeiten die Tagesthemen mit dynamischeren, teils allegorischen Bildkompositionen und einer stärkeren Einbindung kritischer Kommentatoren zur aktiven Selbstpositionierung des Zuschauers.
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- Felix Iwert (Autor), 2009, Terrorismus in den Medien - Wie der Terrorismus sich die westlichen Medien zu nutze macht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127684