Das Endziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, einen Einblick in die unterschiedlichen Fremdheitsaspekte von Marguerite Duras’ L’Amant zu geben. Gemäß des Prinzips „vom Allgemeinen zum Speziellen“ soll – unter Berücksichtigung verschiedener fachwissenschaftlicher Perspektiven – jedoch zunächst eine definitorische Annäherung an den Fremdheitsbegriff versucht werden, wobei der Selbstfremdheit sowie der Frage ihrer künstlerischen Vermittlung besondere Aufmerksamkeit gilt. Anschließend soll es um die Bedeutung der Fremdheit innerhalb der Strömung des Nouveau Roman gehen, zu welcher Duras’ Werke einige Affinitäten aufweisen. Während das zweite Kapitel das Schaffen der Autorin auf übergeordnete Tendenzen hin betrachtet, widmet sich der letzte Teil den spezifischen Ausprägungen und Rahmenbedingungen von Fremdheit in L’Amant, wobei Gemeinsamkeiten und ggf. Unterschiede zu den vorherigen Darstellungen deutlich werden sollen. – Darüber hinaus wird immer wieder auf grundlegende literarische Strategien
eingegangen, welche der sprachlichen Umsetzung des Themas dienen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Theoretische Vorüberlegungen
1.1 Zum Fremdheitsbegriff
1.2 Selbstfremdheit - Selbstfindung
1.3 Wahrnehmung und Fremdheit im Nouveau Roman
2 Entfremdung im Werk von Marguerite Duras
3 Fremdheit und Entfremdung in L’Amant (1984)
3.1 Fremde Kultur ?
3.2 Des amours impossibles
3.3 Entgrenzungen
3.4 Zur stilistischen Umsetzung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Aspekte von Fremdheit und Entfremdung in Marguerite Duras' Roman "L'Amant". Ziel ist es, ausgehend von allgemeinen theoretischen Definitionen und dem Kontext des Nouveau Roman aufzuzeigen, wie Duras durch literarische Strategien und spezifische Motive das fragmentierte Selbst und die Unmöglichkeit absoluter Liebe darstellt.
- Definition des Fremdheitsbegriffs und Phänomenologie der Selbstfremdheit
- Die literarische Strömung des Nouveau Roman und ihre Bedeutung für Duras
- Thematisierung von Entfremdung, Wahnsinn und Identitätsverlust
- Die Rolle von Familie, interkulturellen Konflikten und geschlechtsspezifischen Rollen
- Sprachliche Umsetzung als Mittel zur Vermittlung von Fragmentierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Fremde Kultur ?
Obwohl sich die Erlebnisse der Erzählerin überwiegend im damaligen Indochina vollziehen und damit eine ideale Voraussetzung zur Schilderung kulturräumlicher Fremde böten, sollte man in der Beschreibung indochinesischer Landschaften und Orte keinen Realismus suchen. Vielmehr handelt sich um die Abdrücke, welche im wahrnehmenden Bewußtsein bzw. in der Erinnerung zurückgeblieben sind.53 Bei der Wiedergabe sinnlicher Eindrücke kommt es gelegentlich zu einem gewissen Exotismus, der jedoch nicht primäres Anliegen ist, sondern eher der Hervorhebung und Illustrierung von Gefühlen dient.54 So steht beispielsweise der auf Seite 44 wahrgenommene „brouillard“ in unmittelbarem Zusammenhang mit der im selben Absatz empfundenen „détresse“. Gleiches gilt für die wenigen, undifferenzierten Verweise auf die indochinesische Zivilisation. Die abweisende Darstellung chinesischer Restaurants als riesig und lärmend läßt sich nicht loslösen von der feindlichen Spannung, wie sie kurz darauf zwischen den Familienmitgliedern und gegenüber dem Liebhaber geschildert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung der Arbeit ein, das Phänomen der Fremdheit in Marguerite Duras' Werk zu beleuchten.
1 Theoretische Vorüberlegungen: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Fremdheit, Selbstfremdheit und deren literarische Rezeption im Nouveau Roman erarbeitet.
2 Entfremdung im Werk von Marguerite Duras: Dieses Kapitel untersucht die thematische Rolle der Entfremdung im Schaffen von Duras, insbesondere im Zusammenhang mit der Unmöglichkeit absoluter Liebe.
3 Fremdheit und Entfremdung in L’Amant (1984): Der Hauptteil analysiert die spezifischen Ausprägungen von Fremdheit, die Rollen der Familienmitglieder, die Liebeskonzepte und die sprachlichen Strategien in "L'Amant".
Schlüsselwörter
Marguerite Duras, L'Amant, Fremdheit, Entfremdung, Selbstfremdheit, Nouveau Roman, Identität, Interkulturalität, Literaturanalyse, Wahrnehmung, absolute Liebe, Fragmentierung, Wahnsinn, Körperlichkeit, Erinnerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Aspekte von Fremdheit und Entfremdung in dem Roman "L'Amant" von Marguerite Duras.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Phänomene der Selbstfremdheit, die Darstellung von Beziehungen, der Einfluss des kolonialen Kontextes sowie die literarische Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Einblick in die Fremdheitsaspekte des Romans zu geben und aufzuzeigen, wie Duras durch ihre Schreibweise und thematische Gestaltung die Fragmentierung des Subjekts thematisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Berücksichtigung definitorischer Ansätze zum Fremdheitsbegriff und phänomenologischer Aspekte durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse von "L'Amant", insbesondere der Darstellung der indochinesischen Umwelt, den komplexen Liebesbeziehungen, dem familiären Kontext und der spezifischen stilistischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdheit, Entfremdung, Marguerite Duras, L'Amant, Identitätsverlust, Selbstfindung und Nouveau Roman.
Welche Rolle spielt das Motiv des "Wahnsinns" im Roman?
Das Motiv des Wahnsinns ist eng mit der Figur der Mutter und dem Identitätsverlust der Protagonistin verknüpft; es fungiert als Zustand der Selbstvergessenheit und der Abkehr vom rationalen, bürgerlichen Wertekanon.
Wie beeinflusst die Sprache die Darstellung von Entfremdung?
Duras verwendet eine nüchterne, reduzierte und fragmentierte Sprache, die den Leser vom Text entfremden kann, um dadurch die thematische Entfremdung der Figuren nachempfindbar zu machen.
- Quote paper
- Thomas Roghmann (Author), 2006, Fremdheit in Marguerite Duras' "L'Amant", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127996