Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Nähe zu anderen epischen Kleinformen, wie z.B. Anekdote, Märchen, Märe, Witz u.a. es schwierig ist, eine sich davon abgrenzende, gültige Definition zu entwickeln.
Das Wort 'Schwank' kommt ursprünglich aus dem Mittelhochdeutschen (swanc: leicht zu schwingen) bedeutet Schwung, Hieb, Streich, und daher: die Erzählung eines Streichs.
Der Schwank ist eine kurze, meist realistische Erzählung in Versen oder Prosa mit einer Pointe, die einen lustigen Einfall oder eine komische Begebenheit wiedergibt.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1.Grundsätzliches zur Gattung Schwank
1.2.Biographie des Autors
2.Werk
2.1.Ausgaben
2.2.Quellen
2.3.Formeller Aufbau:
3.Formelle Merkmale
3.1.Sprache/Stilistische Mittel
3.2.Erzählverhalten
4.Schwankcharakter
4.1.Unterteilung der Schwänke in Klassen
4.2.Genrebilder
4.3.Wirkung bei der Rezeption
5.Handlungstypus eines Schwankes
6.Vergleich ’Nachtbüchlein’ vs. ’Schimpf und Ernst’
7.Wirkung
7.1.Literarischer Wert
8.Soziologische Aspekte in den Schwänken
8.1.Kritik an der gesellschaftlichen Ordnung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Schwanksammlung "Nachtbüchlein" von Valentin Schumann im Hinblick auf deren literarische Struktur, die verwendeten Motive sowie die soziologische Einordnung im 16. Jahrhundert. Ziel ist es, die Eigenheiten des Werkes im Kontext der zeitgenössischen Gattungsmerkmale zu untersuchen und dabei insbesondere das Erzählverhalten sowie die Funktion der Moralausführungen zu beleuchten.
- Strukturelle Analyse und Gattungsbestimmung des Schwankes
- Erzählverhalten und stilistische Merkmale bei Valentin Schumann
- Klassifizierung der Schwänke nach inhaltlichen Kriterien
- Vergleich der Moralkonzeption mit Johannes Paulis "Schimpf und Ernst"
- Kritik an der gesellschaftlichen Ordnung in der Frühen Neuzeit
Auszug aus dem Buch
3.Formelle Merkmale
Die Schwänke sind in Frühneuhochdeutsch (1350-1650) geschrieben worden, wobei an vielen Stellen die noch nicht eingeführte Vereinheitlichung sichtbar wird. z.B.: „Leyptzig“ vs. „Leipzig“, „theil“ vs. „theyl“, „auß der massen schön“ vs. „außdermassen schön“.9 Der Autor verwendet in fast jedem Schwank gezielte Orts-, Regions-, oder Flussbezeichnungen, wie z.B. „Ein Baur saß nit weit von Volkach im Franckenlandt,...“10
Diese Angaben, die der damalige Leser durchaus kannte, verfolgten eine realistische Beglaubigungsstrategie dadurch, dass sie durch die allgemeine Bekanntheit den Anschein eines historischen Berichts unterstrichen.
Dem Rezipienten wird eine pseudoreale Verbindung, der manchmal recht utopischen Schwänke, zu einem namhaften Ort präsentiert. Das erzeugt einen Bezug zum Geschehen innerhalb des Schwanks und ist gerade deshalb so interessant, weil es sich ständig an der „Grenze der Glaubwürdigkeit“ bewegt.
In den von Schumann in der Zeit seiner Wanderjahre selbst mündlich erfahrenen Schwänken waren sehr wahrscheinlich die geographischen Termini schon Bestandteile der Geschichten und sind somit wahrscheinlich nicht erst nachträglich hinzugefügt worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Gattung Schwank ein und bietet einen biografischen Abriss über den Autor Valentin Schumann.
2.Werk: Hier werden die Überlieferungsgeschichte, die Drucke sowie die verschiedenen Quellen des "Nachtbüchleins" dargelegt.
3.Formelle Merkmale: Der Fokus liegt auf der sprachlichen Gestaltung sowie dem spezifischen Erzählverhalten des auktorialen Erzählers in den Texten.
4.Schwankcharakter: Das Kapitel kategorisiert die Schwänke in Klassen und analysiert wiederkehrende Genrebilder sowie die Wirkung auf den Rezipienten.
5.Handlungstypus eines Schwankes: Hier wird das wiederkehrende strukturelle Schema der Schwänze von der Ausgangssituation bis zur moralischen Anrede analysiert.
6.Vergleich ’Nachtbüchlein’ vs. ’Schimpf und Ernst’: Ein komparativer Vergleich der Moralkonzeptionen beider Werke und deren Intentionen.
7.Wirkung: Betrachtung des literarischen Wertes des Werkes und dessen Einfluss auf die zeitgenössische und spätere Literatur.
8.Soziologische Aspekte in den Schwänken: Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftskritischen Tendenzen und den Spiegel des damaligen Volkslebens im Werk.
Schlüsselwörter
Schwank, Nachtbüchlein, Valentin Schumann, Frühe Neuzeit, Literaturwissenschaft, Erzählverhalten, Bauerndummheit, Moralausführung, Ritterroman, Sozialkritik, Gattung, Schalkhaftigkeit, Historie, Volkserzählung, Unterhaltungsliteratur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Schwanksammlung "Nachtbüchlein" von Valentin Schumann und untersucht deren literarische und soziologische Bedeutung in der Frühen Neuzeit.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören die Gattungsbestimmung des Schwankes, die Analyse des Erzählverhaltens, die Klassifizierung der Geschichten und die gesellschaftskritischen Aspekte der Texte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Erzählstruktur des "Nachtbüchleins" zu ergründen und die spezifische "Moral-Parodie" Schumanns sowie dessen Position im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Sammlungen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine strukturelle und vergleichende Literaturanalyse, basierend auf der Primärliteratur von Valentin Schumann und Sekundärliteratur zur Gattungsgeschichte.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?
Der Hauptteil behandelt die formellen Merkmale, das Erzählverhalten, die Einteilung der Schwänke in Klassen sowie einen detaillierten Vergleich mit Johannes Paulis "Schimpf und Ernst".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schwank, Valentin Schumann, Erzählverhalten, Moralanspruch und Sozialkritik.
Wie unterscheidet sich Schumanns Moral von der des Autors Pauli?
Während Pauli eine weltlich-geistliche Besserung der Menschen anstrebt, ist Schumanns Moralisierung eher witzig, weniger belehrend und oft individuell interpretierbar, bisweilen sogar parodistisch.
Welche Rolle spielen die Ritterromane im Werk?
Sie bilden eine eigene Kategorie am Ende des Buches, die vermutlich das Interesse des Bürgertums an der exotischen Welt des Adels bedienen sollte.
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- Melanie Ellrott (Author), 2004, Über die Schwanksammlung "Nachtbüchlein" von Valentin Schumann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128176