Wie war die Situation in den Ländern vor der Krise und was waren die Auslöser für die Krise? Welche Erklärungsansätze modelltheoretischer Natur gibt es für Währungskrisen und inwiefern sind sie im Falle der Ostasienkrise anwendbar? Welche Lehren können aus der Krise gezogen werden?
Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Entstehung und den unterschiedlichen Erklärungsansätzen der Krise sowie den Lehren, die aus ihr gezogen werden können.
Die Arbeit ist in sechs Abschnitte gegliedert: Nach dieser Einleitung werden im nächsten Kapitel zuerst die Ausgangssituation und der Verlauf der Krise skizziert. Daraufhin wird die Krise in Hinblick auf die verschiedenen Modelle der ersten, zweiten und dritten Generation analysiert und bewertet. Nach einem kurzen Zwischenfazit und einer Kategorisierung der Krise werden die Lehren, die aus der Krise gezogen werden können, diskutiert, bevor in der Schlussbetrachtung die Ergebnisse zusammengefasst werden und ein Ausblick auf die Region geworfen wird.
Die Ostasienkrise 1997/98 nimmt neben den anderen Finanz- und Währungskrisen der 1990er Jahren in Europa (1992/93), Mexiko (1995), Russland (1998) und Brasilien (1998/99) eine bedeutende Stellung ein (Dieter: 2005). Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht kam die Krise aufgrund der relativ stabilen und als gut zu bewertenden Ausgangslage überraschend und wurde von vielen Seiten nicht antizipiert. Besonders bemerkenswert war die Dynamik, die die Krise entfaltete. Vom Epizentrum Thailand griff die Krise innerhalb von nur kurzer Zeit auf Malaysia, Indonesien, die Philippinen und Südkorea über und richtete immensen Schaden an. Auch betroffen, wenn auch weniger stark, waren die Wirtschaftsräume Taiwans, Singapurs und Hongkongs.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Ostasienkrise
2.1 Ausgangssituation
2.2 Entstehung und Ausbruch der Krise
3 Modelltheoretische Analyse
3.1 Modelle der ersten Generation
3.2 Modelle der zweiten Generation
3.3 Modelle der dritten Generation
4 Zwischenfazit
5 Lehren aus der Krise
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Genese, die Ursachen und die daraus resultierenden Lehren der Ostasienkrise von 1997/98. Ziel der wissenschaftlichen Analyse ist es, die wirtschaftliche Ausgangssituation zu beleuchten, die Eignung verschiedener modelltheoretischer Erklärungsansätze für Währungskrisen zu prüfen und die Lehren für zukünftige wirtschaftspolitische Maßnahmen abzuleiten.
- Analyse der makroökonomischen Ausgangslage in den betroffenen Ländern
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und des Krisenverlaufs in Thailand
- Kritische Bewertung von Modellen der ersten, zweiten und dritten Generation
- Diskussion von Moral Hazard, Ansteckungseffekten und Herdenverhalten
- Ableitung von Lehren für Währungssysteme, Regulatorik und Krisenmanagement
Auszug aus dem Buch
Herdenverhalten
Bei Herdenverhalten führen asymmetrische Informationen zu Ketteneffekten, die positiv wie auch negativ ausfallen können und nicht unbedingt fundamental gerechtfertigt sein müssen. Dabei spielen psychologische Faktoren und Stimmungen bei Investoren eine wichtige Rolle (Pilbeam, Beckmann 2017: 494). So kann es für Investoren vorteilhaft sein, sich von einer ganzen Gruppe ähnlicher Länder zurückzuziehen, selbst wenn nur eines der Länder Schwächeanzeichen bzw. Instabilitäten aufweist; und das auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass diese Einschätzung falsch war (Pilbeam, Beckmann 2017: 494f.). Aschinger spricht in diesem Zusammenhang vom „Aufweckeffekt“.
So führte der Ausbruch der Krise in Thailand den Anlegern vor Augen, dass in anderen ostasiatischen Länder, die über einen ähnlich strukturierten Aktien- und Immobilienmarkt verfügten, auch ähnliche finanzwirtschaftliche Probleme vorherrschten. In einer aufkommenden Panik wurden die Länder dabei pauschal beurteilt und trotz aller Ähnlichkeiten die vorhandenen Unterschiede missachtet, was auch relativ stabilere Länder mit in die Krise riss (Aschinger 2001: 274). Aufgrund der großen Geschwindigkeit mit der die Krise vom Epizentrum Thailand auf die benachbarten Länder übergriff sowie den vorherrschenden, gleichartigen Handlungsmustern von Investoren und inländischen Akteuren, kann Herdenverhalten als zutreffender Erklärungsansatz benannt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung der Ostasienkrise als bedeutendes Ereignis der 1990er Jahre dar und definiert die Forschungsfragen sowie den methodischen Aufbau der Arbeit.
2 Die Ostasienkrise: Dieses Kapitel skizziert die als gut bewertete wirtschaftliche Ausgangslage der Region und analysiert den Verlauf der Krise, beginnend beim Immobilienmarktcrash in Thailand.
3 Modelltheoretische Analyse: Hier erfolgt eine Einordnung der Krise in Modelle der Währungstherorie, wobei die dritte Modellgeneration als besonders geeignet für die Analyse identifiziert wird.
4 Zwischenfazit: Das Kapitel kategorisiert die Ostasienkrise als Zwillings-Krise, bestehend aus einer Währungs- und Bankenkrise, welche nicht durch klassische Modelle der ersten oder zweiten Generation vollständig erklärbar ist.
5 Lehren aus der Krise: Es werden fünf zentrale Lehren diskutiert, darunter die Risiken fester Wechselkurse, die Bedeutung der Bankenregulatorik und die Rolle des IWF bei der Krisenbewältigung.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einem Resümee über die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der Region, die trotz des starken kurzfristigen Schadens reformorientiert und resilient aus der Krise hervorging.
Schlüsselwörter
Ostasienkrise, Währungskrise, Bankenkrise, Moral Hazard, Herdenverhalten, Ansteckungseffekte, Wechselkurse, Finanzmarktregulierung, IWF, Kapitalfluss, Thailand, Krisenmanagement, makroökonomische Indikatoren, Liberalisierung, Auslandsschulden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ostasienkrise 1997/98, ihre Ursachen, ihren Verlauf und die Lehren, die daraus gezogen werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die makroökonomische Ausgangslage, die Rolle von spekulativen Blasen, bankenaufsichtliche Fragen und die Effekte der Krisenintervention durch internationale Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel liegt in der Beantwortung von Fragen zur Krisensituation, zur theoretischen Anwendbarkeit von Erklärungsmodellen und zur Ableitung systemischer Lehren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine auf Literatur basierende Analyse makroökonomischer Daten und diskutiert bestehende modelltheoretische Erklärungsansätze für Währungskrisen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der Ausgangslage und des Krisenausbruchs, die Anwendung verschiedener Generationen von Krisenmodellen sowie eine Diskussion über politische Lehren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ostasienkrise, Moral Hazard, spekulative Blase, Finanzmarktregulierung und Ansteckungseffekte beschreiben.
Warum war laut der Arbeit die erste Modellgeneration nicht zutreffend?
Modelle der ersten Generation basieren auf Haushaltsdefiziten, die in der stabilen Ausgangslage der ostasiatischen Länder vor der Krise so nicht vorlagen.
Welche Rolle spielte das "Herdenverhalten" bei der Krise?
Herdenverhalten sorgte für eine schnelle, panikartige Kapitalflucht aus der gesamten Region, da Investoren die Länder pauschal beurteilten und Unterschiede missachteten.
- Citar trabajo
- Leonhard Heydecker (Autor), 2021, Die Ostasienkrise. Genese, Ursachen und Lehren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281949