Neue Formen der Leistungsbewertung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Gründe für neue Formen der Leistungsbewertung

3. Der Pädagogische Leistungsbegriff

4. Definition neuer Formen der Leistungsbewertung

5. Exemplarische Vorstellung drei neuer Formen der Leistungsbewertung
5.1 Das Portfolio
5.1.1 Was ist ein Portfolio?
5.1.2 Vorteile von Portfolios
5.1.3 Bewertungsmöglichkeiten
5.2 Das Lerntagebuch
5.2.1. Was ist ein Lerntagebuch?
5.2.2 Vorteile von Lerntagebüchern
5.2.3 Bewertungsmöglichkeiten
5.3 Rückmeldebogen
5.3.1 Was ist ein Rückmeldebogen?
5.3.2 Vorteile des Rückmeldebogens und seine Möglichkeiten der
Leistungsbewertung

6. Fazit

7.Literaturverzeichnis

1. Einführung

Der Unterricht an den deutschen Schulen hat sich größtenteils verändert. Anstatt eines lehrerzentrierten Unterrichts wird in vielen Klassen bereits freier oder offener Unterricht betrieben, der den Schülern[1] ein größeres Maß an Individualität und Eigenständigkeit einräumt. Dabei stellt sich allerdings das Problem, dass die herkömmlichen Formen der Bewertungsmöglichkeiten, wie Klausur, Test, Referat etc. für diese modernen Unterrichtsformen ungeeignet sind, da sie die Schüler nicht so differenziert beurteilen können, wie es eigentlich anhand der offenen Unterrichtsformen beabsichtigt ist.

Daher ist der Bedarf an neuen Bewertungsmöglichkeiten laut geworden. Doch welche sind diese und wie sind sie aufgebaut? Wie kann man eine Leistung bewerten, die in einer offenen Unterrichtssituation vollbracht wird?

In der folgenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema: „Neuen Formen der Leistungsbewertung“ und werde versuchen eine Antwort auf diese und weitere Fragen zu finden.

Zu Beginn der Arbeit erläutere ich den pädagogischen Leistungsbegriff, der eng mit den neuen Formen der Leistungsbeurteilung verknüpft ist und aufzeigt welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Schüler angemessene Leistung erbringen können. Als nächstes folgen eine Definition zu den neuen Formen der Leistungsbewertung und die ausführliche Begründung ihrer Notwendigkeit. Im Anschluss daran erfolgt dann eine exemplarische Vorstellung dreier neuer Formen der Leistungsbewertung (Portfolio, Lerntagebuch und Rückmeldebogen), die den Aufbau, die Funktion, die Vorteile und Bewertungsmöglichkeiten aufzeigt.

Abschließend erfolgt ein Fazit, in dem die Ergebnisse dieser Arbeit in Vor- und Nachteile von neuen Formen der Leistungsbewertung unterteilt und präsentiert werden.

2. Gründe für neue Formen der Leistungsbewertung

Bereits der Titel „Neue Formen der Leistungsbewertung“ impliziert, dass eine Veränderung in der Leistungsbeurteilungspraxis stattgefunden haben muss. Im Folgenden sollen einige mögliche Gründe für diesen Umschwung thematisiert werden.

Der heutige schulische Alltag divergiert stark mit früheren curricularen Zielen. Wir haben es mit einem veränderten Verständnis von schulischem Lernen zu tun. In Schule und Unterricht wird von der Schülerinnen und Schülern Selbstständigkeit gefordert. Der Unterricht hat sich weitestgehend in die Richtung hin verändert, dass die Schüler sich sehr viel freier mit den Unterrichtsinhalten beschäftigen sollen. Somit lässt sich ein erster wichtiger Grund für die Notwendigkeit einer veränderten Leistungsbeurteilungspraxis formulieren: „Ausgangspunkt neuer Formen der Leistungsbeurteilung ist eine veränderte Unterrichtsgestaltung.“[2].

Das unterrichtliche Lernen hat sich verändert, die Leistungsbeurteilung ist jedoch gleich geblieben. Im Rahmen moderner freier Unterrichtskonzepte muss geprüft werden, ob die traditionellen Methoden der Leistungsbeurteilung noch passend sind. Dies trifft nicht vollständig zu, da diesem neuen Unterrichtskonzept auch ein anderer, erweiterter Lernbegriff zugeordnet ist. Traditionelle Formen der Leistungsbeurteilung wie Klassenarbeiten, Tests oder mündliche Noten, scheinen nur bedingt geeignet, Leistungen innerhalb eines erweiterten Lernbegriffs, wie zum Beispiel Teamfähigkeit oder kommunikative Kompetenz, zu beurteilen.[3]

Ein weiterer wichtiger Grund für die Notwendigkeit einer veränderten Leistungsbeurteilungspraxis sind veränderte Sozialisationsbedingungen. Das heutige gesellschaftliche Leben ist im Gegensatz zum früheren von einem schnellen gesellschaftlichen Wandel gekennzeichnet. Auf die Schülerinnen und Schüler kommt eine Zukunft zu, in der sie sich frei von allen Zwängen für einen Berufweg entscheiden können. Die Lebensläufe sind heute entstandardisiert und individualisiert, was in der Schuler beachtet werden muss.[4]

Zudem wird die Gesellschaft der Zukunft einen veränderten Umgang erfordern.

„Während (…) bisher die meisten schulischen Ressourcen vorwiegend zur Vermittlung von Wissen bereitgestellt werden, genügt dies nicht mehr, um Schülerinnen und Schüler auf das zukünftige Leben in der Wissensgesellschaft vorzubereiten.“[5] Es reicht nicht mehr aus, das schulische Lernen auf reine Wissensvermittlung zu fixieren und zu beschränken. Vielmehr ist das Erlernen von bestimmten Strategien und Techniken, die auf verschiedenen Sachverhalten hin angewendet werden können, nötig.

Studien aus der Lehr- und Lernforschung zeigen sehr deutlich, dass ein vielfältiges und vor allem individuelles Lernprogramm für den Wissenserwerb von Schülerinnen und Schülern sehr förderlich ist. Jeder Schüler hat unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und auch Vorlieben, wie er am Besten lernen kann. So kennen wir zum Beispiel verschiedene Lerntypen. Ein freier Unterricht, in dem diese Forderung nach Individualität anders als im lehrerzentrierten Unterricht umgesetzt werden kann, ist deshalb notwendig.

In der Diskussion über die Bewertung von Offenem Unterricht herrschen noch große Unklarheiten. Es existieren Unklarheiten, wie diese neue Unterrichtsformen mit Kopfnoten adäquat bewertet werden können, wodurch es häufig zu einer Fehlentwicklung bezüglich des Leistungsanspruchs in offenen Lernangeboten kommt: der Leistungsanspruch an die Schülerinnen und Schüler wird geringer. „ Eine Begründung neuer Formen der Leistungsbewertung zielt jedoch darauf, auf der Grundlage einer Gesamtkonzeption des Unterrichts, eine unterrichtsmethodische Vielfalt mit variierenden und klaren Leistungsansprüchen und mit vielfältigen Beurteilungsansprüchen zu realisieren.“[6]

In der schulischen Praxis erfolgt zur Zeit in der Regel keine Beurteilung von nicht-fachlichen Leistungen wie zum Beispiel kommunikativer Kompetenz erfolgt, da dies mit Hilfe von Ziffernnoten schwer realisier ist. Dies hat zur Folge, dass Schüler ihre Kompetenzen in diesen Bereiche zumeist nicht einschätzen können und bei der Entwicklung diese Fähigkeiten nur unzureichend unterstützt werden. Die dominierende Stellung der Zensurengebung birgt die Gefahr in sich, dass außerfachliche Kompetenzen als minderwertig angesehen werden. Denn für eine Versetzung ausschlaggebend sind immer noch die Ziffernnoten, die die Schülerinnen und Schüler in einem Fach erreichen. Weitere Hinweise, etwa zum Lern- und Arbeitsverhalten, bieten zwar zusätzliche Argumentationshilfe, sind aber leider im Endeffekt noch bedeutungslos.[7] Pointiert formuliert Bohl diesen Sachverhalt: „ Spätestens bei der Abschlussprüfung ist in den Augen von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern ein traditioneller Fachlehrer wichtiger als ein engagiert auf die Vermittlung eines erweiterten Lernbegriffs hin unterrichtenden Lehrer.“[8]

Neue Formen der Leistungsbeurteilung stärken daher auch die Lehrer, in dem sie nicht-fachliche Zielsetzungen aufwerten und offiziell anerkennen. Die Möglichkeit solche Kompetenzen zu bewerten zeigt die Aufwertung deutlich, da sie nun folgenreich werden.

3. Der Pädagogische Leistungsbegriff

Die Schule hat die Aufgabe zwischen den Ansprüchen der Gesellschaft und der individuellen Bildungsfähigkeit der einzelnen Schüler gerecht zu werden[9]. Daher ist die Formulierung eines pädagogischen Leistungsbegriffs, der eng mit den neuen Formen der Leistungsbeurteilung verknüpft ist, vonnöten

Im Gegensatz zum traditionell engen, kognitiv orientierten, produktbezogenen und individuellen Leistungsbegriff[10] bezieht der pädagogische Leistungsbegriff vielmehr ethische, solidarische und demokratische Prinzipien ein[11] und ist unerlässlich im Hinblick auf den Erwerb von Handlungskompetenzen.

Im Folgenden sollen die den pädagogischen Leistungsbegriff auszeichnenden Merkmale genauer erläutert werden:

1. Leistung setzt eine vertrauensvolle Beziehungsstruktur unter allen beteiligten voraus.

Schüler müssen sich an dem Ort, an dem sie einen beachtlichen Teil ihres Tages verbringen, also in ihrer Schule, im Unterricht und in ihrer Klasse, wohlfühlen. Andernfalls können sie keine persönlichkeitsfördernde Leistung zeigen. Es ist wichtig, dass Leistungsansprüche vorab klar definiert werden und Unterstützungs- und Fördermaßnahmen gegeben sind. Auch die persönliche Wertschätzung und Beziehung zu den Schülern darf nicht von deren Leistung abhängig gemacht werden, damit ein gutes Lernklima im und außerhalb des Unterrichts herrscht.

2. Lernen und Leisten als individueller Prozess benötigt differenziertes und vielfältiges Anregungspotenzial.

Heutzutage ist Leistungsbeurteilung fast ausschließlich sozial- oder lernzielorientiert, was bei Schülern oft leistungshemmend wirkt und deren Aufbau von Selbstvertrauen verhindert. Beurteilungen, die hingegen die individuellen Möglichkeiten berücksichtigen, können motivierend, stabilisierend und entwicklungsfördernd wirken.

3. Leistung vollzieht sich in solidarischen und kooperativen Arrangements, wodurch Selbstverwirklichung erreicht wird

Die Leistung des Einzelnen ist durch gesellschaftlich formulierte und demokratische Prinzipien stark eingeschränkt. Grundlegend ist daher für die neuen Formen der Leistungsbeurteilung der Aspekt der solidarischen Leistung, was zum Beispiel den Beitrag eines einzelnen Schülers bei Gruppenaufgaben betrifft. Hierbei muss die individuelle Leistung erkennbar sein.

[...]


[1] Die maskuline Form „Schüler“, „Lehrer“ etc. bezieht immer auch die feminine Personengruppe ein.

[2] Bohl, Thorsten: Theoretische Strukturierung. Begründung neuer Beurteilungsformen. In: Grunde/Bohl: Neue Formen der Leistungsbeurteilung in den Sekundarstufen I und II. Hohengehren 2004, S. 10

[3] vgl. Bohl, Thorsten 2004, S. 25

[4] vgl. Bohl, Thorsten 2004, S.22

[5] vgl. Bohl, Thorsten 2004, S. 11

[6] Bohl, Thorsten 2004, S. 20

[7] vgl. Bohl, Thorsten 2004, S. 21

[8] vgl. Bohl, Thorsten 2004, S. 21

[9] vgl. Bohl, Thorsten 2004, S.27

[10] vgl. Bohl, Thorsten: Prüfen und Bewerten im Offenen Unterricht. Neuwied 2001, S. 11ff

[11] vgl. Klafki 1993. In: Bohl, Thorsten 2004, S.27

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Neue Formen der Leistungsbewertung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V128240
ISBN (eBook)
9783640345045
ISBN (Buch)
9783640345007
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue, Formen, Leistungsbewertung
Arbeit zitieren
Claudia Waindok (Autor), 2007, Neue Formen der Leistungsbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128240

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