Wir alle kennen Wörter, die aus dem Englischen entlehnt, Kurzformen der deutschen Sprache, die vor allem in SMS oder Internetforen zu finden sind. Doch hinter diesen Abkehrungen von der deutschen Norm stecken in den meisten Fällen Funktionen, die diese Formen der deutschen Sprache rechtfertigen. In dieser Hausarbeit soll geklärt werden, inwiefern ein deutscher Sprachwandel stattfand, welche Formen und Funktionen dieser hat und inwiefern die Neuen Medien hierzu beigetragen haben. Hierfür muss im ersten Kapitel eine Definition von Sprachwandel gefunden werden, die die zu behandelnde Problematik zusammenfasst. Weiterhin wird im zweiten Kapitel der Begriff der Neuen Medien definiert. Im dritten Kapitel wird auf das Konstrukt Sprache in ihrer Unterteilung Mündlichkeit und Schriftlichkeit eingegangen werden müssen, um die Neuen Medien einordnen zu können. Hier spielen die Modelle von Koch/Oesterreicher und Christa Dürscheid eine entscheidende Rolle. Hiernach wird im vierten Kapitel sowohl die Mündlich- als auch die Schriftlichkeit des Deutschen innerhalb der Neuen Medien analysiert und der Frage nachgegangen, inwiefern die Neuen Medien einen Sprachwandel hervorgerufen haben beziehungsweise hervorheben. Abschließend wird ein Fazit gezogen, welches zusammenfassend die Ergebnisse dieser Hausarbeit darstellen soll.
Inhaltsverzeichnis
Fragestellung
1. Sprachwandel
2. Die Neuen Medien
3. Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschen Sprachwissenschaft
4. Die deutsche Sprache und die Neuen Medien
4.1 Analyse der Mündlichkeit
4.1.1 Fernsehen
4.1.2 Internettelefonie
4.2 Analyse der Schriftlichkeit
4.2.1 World Wide Web
4.2.2 E-Mails
4.2.3 Chat
4.2.4 SMS
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Sprachwandels im Deutschen im Kontext der Neuen Medien, um zu klären, ob es sich dabei tatsächlich um einen Sprachverfall handelt oder ob den sprachlichen Abweichungen funktionale Gründe zugrunde liegen.
- Definition von Sprachwandel und Neuen Medien
- Modelle der Mündlichkeit und Schriftlichkeit (Koch/Oesterreicher, Dürscheid)
- Analyse der Sprache in Fernsehen und Internettelefonie
- Untersuchung schriftlicher Kommunikation in Web, E-Mails, Chats und SMS
- Bewertung von Sprachnormen und funktionalen Anpassungen
Auszug aus dem Buch
4.2.2 E-Mails
Eine E-Mail besteht laut David Crystal aus zwei Teilen: Der Nachricht selbst und ihren Informationen wie Datum, Absender, Empfänger und Betreff. Letztere werden meist automatisch eingefügt und bedürfen nicht einer Kontrolle des Absenders. Die Nachricht selbst hingegen wird, noch, selbst geschrieben. Noch, weil es auch schon Sprachcomputer gibt, die die aufgezeichneten Nachrichten selbst abtippen. E-Mails werden in allen Lebensbereichen geschrieben. Zwar unterscheiden sich geschäftliche E-Mails noch von privaten, doch auch hier sieht man einen Unterschied zu einem formalen geschäftlichen Brief. Die Sätze sind kürzer, auf das Wesentliche reduziert, oft steht die Anrede nicht an erster Stelle, wie zum Beispiel in folgendem Textauszug: „Vielen Dank für Ihre Mail, Herr Mustermann.“
Doch orthographische Regeln werden meist beachtet. Bei privaten Mails sieht diese Sachlage schon ganz anders aus. Groß- und Kleinschreibung gibt es meist nie, Kommasetzung wird nur angewendet, wenn die Zeit es erlaubt. Niemals würden wir so eine Nachricht per Hand schreiben und dem Empfänger übermitteln, doch in einer E-Mail machen wir dies. Wir übergehen alle sprachlichen Konventionen, weil es die Hauptsache ist, schnell und bequem eine Nachricht zu übermitteln. Statt langer Grußfloskeln und ausschweifenden Erklärungen, wie die derzeitige Gefühlslage aussieht, reichen die sogenannten Emoticons, wie , und lol. Letzteres heißt „Ich lache mich zu Tote“ und wird momentan auch in den mündlichen Sprachgebrauch eingeführt (sprich: LOLL). Für jeden Grammatikfehler gibt es drei Rechtschreibfehler zu beklagen. Diese Sprache grenzt sich ab. Gründe hierfür gibt es viele, doch diese sollen an dieser Stelle nicht betrachtet werden. Nicht jeder ist mehr in der Lage, eine E-Mail zu verstehen. Deutsch wird zur Fremdsprache im eigenen Land. Verständlich das hier von Verfall der Sprache geredet wird. Doch auch hier ist die Funktion, die hinter diesem Sprachwandel steht eindeutig: Ökonomie, Variation und eine mit den Neuen Medien verbundene Innovation.
Zusammenfassung der Kapitel
Fragestellung: Diese Einleitung thematisiert die weit verbreitete Sorge um einen Sprachverfall durch den Einfluss der Neuen Medien.
1. Sprachwandel: Hier werden linguistische Definitionen von Sprachwandel dargelegt, insbesondere das Modell der „unsichtbaren Hand“ nach Rudi Keller.
2. Die Neuen Medien: Das Kapitel definiert den Begriff der Neuen Medien als Informations- und Kommunikationstechnologien und grenzt den Untersuchungsbereich ein.
3. Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschen Sprachwissenschaft: Es wird das Modell von Koch/Oesterreicher zur Unterscheidung von medialer und konzeptioneller Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit vorgestellt.
4. Die deutsche Sprache und die Neuen Medien: Dieser Hauptteil analysiert spezifische Medien wie Fernsehen, Telefonie, Web, E-Mail, Chat und SMS hinsichtlich ihres Einflusses auf den Sprachgebrauch.
Fazit: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Veränderungen weniger als Verfall, sondern als funktionale Anpassungen an neue Kommunikationsrahmen zu bewerten sind.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Neue Medien, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Sprachverfall, Kommunikation, Internet, E-Mail, Chat, SMS, Sprachnorm, Orthographie, Funktionalisierung, konzeptionelle Schriftlichkeit, Koch/Oesterreicher
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob der Einfluss der Neuen Medien auf die deutsche Sprache einen Sprachverfall darstellt oder ob die beobachteten Phänomene funktionale Anpassungen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Sprachwandeltheorien, die theoretische Unterscheidung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie die Analyse moderner Kommunikationsmedien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Sprachwandel in den Neuen Medien zu analysieren und zu prüfen, inwieweit die Abweichungen von der Norm durch die Mediennutzung motiviert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, unter Einbeziehung linguistischer Modelle von Koch/Oesterreicher sowie Ansätzen von Rudi Keller und Doris Tophinke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Medien (Fernsehen, Web, E-Mail, Chat, SMS) und deren Auswirkungen auf den Sprachgebrauch und die Einhaltung sprachlicher Konventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachwandel, Neue Medien, mediale/konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit und orthographische Abweichungen.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen medialer und konzeptioneller Mündlichkeit?
Die mediale Dimension betrifft die Realisierungsform (z.B. gesprochen vs. geschrieben), während die konzeptionelle Dimension die Ausdrucksweise innerhalb der Äußerung beschreibt.
Welche Rolle spielen Emoticons in der digitalen Kommunikation?
Emoticons dienen als funktionale Ersatzmittel für lange Grußfloskeln oder emotionale Beschreibungen, um in digitalen Medien eine schnelle Kommunikation zu ermöglichen.
Warum wird im Chat oft auf Interpunktion verzichtet?
Dies geschieht vorrangig aus Gründen der Geschwindigkeit, da die Sätze oft elliptisch sind und die Einhaltung strenger orthographischer Regeln für das Textverständnis als nachrangig betrachtet wird.
Wie bewertet die Autorin den Vorwurf des Sprachverfalls?
Die Autorin weist den pauschalen Vorwurf des Sprachverfalls zurück und betont, dass hinter den Abweichungen funktionale Prinzipien wie Ökonomie und soziale Identitätsbildung stehen.
- Quote paper
- Natascha Weimar (Author), 2007, Der Sprachwandel des Deutschen unter Berücksichtigung der Neuen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128812