Kultur verbirgt mehr als sie zeigt


Essay, 2019

5 Seiten, Note: manque


Leseprobe

Was die Kultur verbirgt ist mehr als sie zeigt, zu dieser unsichtbaren Seite gehören tiefliegende Werte, Normen, Ideale, Konventionen usw. Diese lösen sehr häufig Missverständnisse und Problem aus, und hindern die Kommunikation zwischen Angehörigen bzw. Träger zwei unterschiedlichen Kulturen. Zu den Ursachen der Missverständnisse zählen auch Stereotypen, unterschiedliche kulturelle Dimensionen, Hotspots und Hotwords. Was ist überhaupt Hotspots und Hotwords und was versteht man unter Rich Point?

Was man in der eigenen Kultur erwirbt, und als normal und angemessen findet, könnte außerhalb der jeweiligen Kultur Problem verursachen. Kulturelle Probleme ändern sich je nach Kulturraum, weil andere Kultur auch andere Prägung und andere Denkweise heißt. Zum Beispiel die kulturellen Probleme, mit denen ein Marokkaner in Deutschland konfrontiert wird, sind anders als die er in Japan oder Brasilien haben wird. Also was könnte die Kommunikation zwischen einem Deutschen und einem Marokkaner erschweren?

In jeder Kultur existieren so genannte „Rich Points“ sie wurden als Momente in der Kommunikation definiert, in denen es aufgrund unterschiedlichen „Languacultures“ zu Störung Kommt.1 Sie sind also Indikatoren für interkulturelle Unterschiede.

Der deutsche Linguist Hans-Jürgen Heringer hat auf der Grundlage des Konzepts der Rich-Points von Michael Agar eine Theorie der Hotspots entwickelt: Unter dieser Theorie wurden Aspekte und Situationen in interkulturellen Kontaktsituationen verstanden, in denen kulturelle Unterschiede für die beteiligten Personen spürbar werden. Hotspots können sich dabei auf sehr unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation bemerkbar machen, wie beispielsweise im kulturell unterschiedlichen Gebrauch von Metaphern, unterschiedlichen Anredestrategien und Begrüßungsritualen, aber auch in unterschiedliche Konventionen des Gesprächsmanagement. Wichtig ist dabei, dass Rich-Points und Hotspots dadurch erkannt, identifiziert und benannt werden, dass sie von singulären Situationen beteiligten Personen subjektiv wahrgenommen werden.2 Heringer hat die Wirkweise von Hotspots daher auch mit der von Stolpersteinen in der Kommunikation verglichen.3 Darauf aufbauend hat er das Konzept sogenannter Hotwords entwickelt, unter denen wurden einzelne Wörter verstanden, die einen Hotspot treffend zusammenfassen.4 Hotwords sind also Wörter und Begriffe, die schwer zu deuten sind. Da diese Kategorie von Wörtern meist mit historischen, emotionalen und sozialen Sachverhalten verbunden sind. Um einen Hotword zu verstehen, muss man in die Zielkultur eintauchen, manchmal können sich auch Angehörige derselben Kultur für die Bedeutung eines Hotwordes nicht einigen.

Diese drei Konzepte können neben den Kulturdimensionen sehr oft die Kommunikation erschweren und bilden somit Hindernisse für die interkulturelle Interaktion. Einigen davon sind:

Direktheit v. Indirektheit: Nicht nur kulturspezifische Werte und Normen können in der interkulturellen Kommunikationssituation Probleme auslösen, sondern auch der Still, der bei der Kommunikation verwendet wird.

Der Kommunikationsstill der Deutschen und Marokkaner könnte beim Gespräch die Interaktion erschweren. Da die Deutsche eine direkte und explizite Kommunikationsweise haben, also sie äußeren direkt ihre Wille, Meinung und sogar ihre Ärger und Kritik, während es bei den Marokkanern nicht der Fall ist. Der Kommunikationsstill der Marokkaner ist sehr oft indirekt. So wenn sie geärgert sind, können diese nicht direkt zum Ausdruck bringen, und somit ihre genauen Gefühle in dem Moment zeigen.

Sachebene v. Beziehungsebene: In der marokkanischen Kultur gibt es gar keine Trennung zwischen Sach- und Beziehungsebene. In Deutschland hingegen gibt es eine strake Trennung. Die Deutschen z.B. können problemlos über eine Sache diskutieren, ohne die gemeinsame Beziehung aufs Spiel zu setzen. Also man kann sich auf der Arbeit ruhig streiten. Nachher geht man zusammen einen Tee trinken und alles ist wieder gut. Dies ist nicht der Fall bei den Marokkanern, so würde mancher wohl lieber den Job wechseln.

Weitere Faktoren, die die Kommunikation zwischen einem Deutschen und Marokkaner erschweren können, sind die nonverbalen Verhalten beispielsweise die Proxemik. Die Marokkaner stehen sehr nah zueinander beim Gespräch, was manchmal bis zur körperlichen Berührung geht, besonders häufig zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Also sie scheuen sich nicht sehr nahen körperlichen Kontakt zu haben. Die Deutschen hingegen, sie halten einen großen Abstand um sich herum.

Hotwords und Hotspots sind Quelle der Fehlinterpretationen und bilden Hindernisse für die Kommunikation, und stören somit der Interaktionsprozess zwischen unterschiedlichen Kulturträgern.

Beispiel von Hotspots sind die Fragen bei der Begrüßung. Also die Fragen nach dem Wohlbefinden der Verwandtschaft stellten einen großen kulturellen Unterschied in den Begrüßungsritualen zwischen Deutschen und Marokkaner dar.

Im Deutschen ist der propositionale Inhalt des Grüßens in größerem Masse auf den Angesprochenen orientiert als im arabischen d.h. während man im Arabischen die Grußrituale mit Fragen nach dem Wohlbefinden der eignen Frau, Kinder, Verwandte usw. erweitert, scheint dies im Deutschen nicht der Fall zu sein. Der propositionale Inhalt des Begrüßens konnte daher eine potentielle Quelle von Missverständnissen in interkultureller Situation darstellen.

Wenn jemand im Arabischen beim Begrüßen nach den Kindern, der Frau und den Verwandten fragt, schließt man daraus, dass er besorgt und freundlich ist. Es ist also eine Art der Höflichkeit, die zur Herstellung von Solidarität in der Eröffnung von Interaktion beitragen kann. Aus einer solchen Einbeziehung des propositionalen Inhalts seitens eines Arabers gegenüber einem deutschen Kommunikationspartner könnte man schließen, dass der Sprecher die Privatsphäre des Adressanten eindringt. Solche Begrüßungsrituale sind den Deutschen sehr fremd.5 Aber für die Araber sind normal und sogar höflich. So Aufgrund größerer kultureller Differenzen wird die Kommunikation zwischen einem Deutschen und Marokkaner meist erschwert und.

Ein weiteres Beispiel ist die Routineformel. Also Sprachliche Routinen können von Sprache zu Sprache bzw. von Kultur zu Kultur sehr verschieden sein, und sind oft nur auf dem Hintergrund einer bestimmten Kultur zu verstehen. Die Handlung „Jemanden besuchen“ beinhaltet zum Beispiel zahlreiche kulturelle Voraussetzung: Wann macht man Besuch? Kündigt man ihn vorher an? Bringt man etwas mit? Wie lange bleibt man? usw. Wenn solche Voraussetzung nicht bekannt, kann es leicht zu Missverständnis kommen.

Außerdem erhöht sich das Risiko des Missverständnisses dadurch, dass die bei sprachlichen Ritualen verwendeten Ausdrücke meist ihre wörtliche Bedeutung verloren haben. bei der Verabschiedungsformel „Mach‘s gut“ käme zum Beispiel niemand auf die Idee, diese auf eine konkrete Handlung zu beziehen. Sie ist Teil des Abschiedsrituals und wird gleichbedeutend mit „Auf Wiedersehen“ oder „Tschüss“ verwendet.6 Diese könnte die interkulturelle Interaktion stören, wenn einem Kommunikationspartner die Bedeutung solche Formeln nicht bekannt ist. Fallbeispiel:

„Hassan, marokkanischer Student, 24 Jahre alt, trifft zufällig einen deutschen Bekannten Peter an der Bushaltstelle. Hassan: Hallo, wie geht’s? Peter: Danke, nicht schlecht , und dir? Hassan: Danke gut. Fährst du nach Hause? Peter: Ja, mein Bus kommt gleich. Ah, da ist er. Also, tschüss, komm doch mal vorbei. Hassan: Tschüss. An einem Sonntagnachmittag will Hassan Peter besuchen. Er nimmt an, dass Peter bestimmt zu Hause ist. Hassan klingelt an der Tür, Peter macht auf. Hassan: Hallo Peter, Peter: (erstaunt) Hallo Hassan. (Nach einer Weile bittet er ihn zögernd herein) Komm herein. Hassan: Danke. Sonntags habe ich immer viel Zeit. Da dachte ich, ich komm mal bei dir vorbei. Peter: Du, ich habe aber heute leider keine Zeit. Gleich kommt meine Freundin, und wir wollen eigentlich Freunde von uns besuchen. Hassan: (sehr enttäuscht) Ach so, dann gehe ich gleich wieder. Peter: Es tut mir leid. Aber kannst du nicht ein anderes Mal kommen? Ruf am besten vorher an.“7

Diese Situation zeigt deutlich, dass die beide auf unterschiedliche Gebräuche und Besuchsregeln beziehen. Das Missverständnis liegt daran, dass beide die Formel „komm doch mal vorbei“ unterschiedlich deuten. Die Deutschen zeigen damit, dass sie Interesse an der Fortsetzung oder Vertiefung der Beziehung haben. Aber der Marokkaner hat die Routineformel des Deutschen wörtlich interpretiert, bzw. wie er in seiner eigenen Kultur verwendet wird.

[...]


1 A. Kaunzner, Ulrike (Hrsg.) (2008): Der Fall der Kulturmauer. Wie kann Sprachunterricht interkulturell sein? S. 88.

2 Heringer, Hans, J. (2007): Interkulturelle Kommunikation. Grundlage und Konzepte. S. 162.

3 Ebenda S. 164.

4 Ebenda S. 174.

5 Bouchara, Abdelaziz (2002) : Höflichkeitsformen in der Interaktion von Deutschen und Arabern. Ein Beitrag zur interkulturellen Kommunikation. S. 70.

6 Bechtel, Mark(2003): Interkulturelle Lernen beim Sprachenlernen im Tandem. Eine Diskurs-analytische Untersuchung. S.75.

7 Ebenda. S.85.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Kultur verbirgt mehr als sie zeigt
Hochschule
Université Mohammed V Rabat
Note
manque
Autor
Jahr
2019
Seiten
5
Katalognummer
V1289129
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hotspots Hotwords, Kultur, kulturelle Missverstandnisse, Kulturdemension
Arbeit zitieren
Bouchra Msdq (Autor:in), 2019, Kultur verbirgt mehr als sie zeigt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289129

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