Wie lässt sich künstlerisch mit dem gesellschaftlichen Diskurs um fette Körper umgehen? Diese Arbeit möchte einen Beitrag zum Dialog leisten, indem die künstlerische Position der amerikanischen Fotografin Heather Kolaya vorgestellt wird. Darüber hinaus soll die Frage diskutiert werden, inwiefern eine solche künstlerische Arbeit oder fotografisches Projekt zu fetter Kunst gezählt werden oder aktivistische Züge aufweisen kann.
Das erste Kapitel beinhaltet einen kurzen Abriss des aktuellen Stands der Fat-Studies in Deutschland. Näher werden hierbei die Texte zur "Dickleibigkeit in Kunst und Medien" von Kulicova und Rosenke behandelt, um diese als Grundlage für eine Analyse des Fotoprojekts "Fat Naked Art Project" zu nutzen und um die Debatte fetter Kunst herum zu verorten. Abschließend werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst und auf ausblickende Aspekte hingewiesen.
"Activism is the key to changing the world for the better" – begibt man sich gezielt auf die Suche nach Fat-Positivity, stößt man auf einige Projekte und Aktionen, deren Ziel es ist, die Message eines positiven Körperbildes auf aktivistische Weise zu vermitteln und zu verbreiten. Der wissenschaftliche Diskurs um Fat-Studies allerdings ist ein mehrdimensionaler – es geht nicht nur um die bloße Vermittlung eines positiven Körperbildes, sondern um soziologische Fragen nach gesellschaftlichen Normen, Schönheitsidealen, intersektionaler Gleichberechtigung und weiterem. Werden Körperpolitiken zunächst vorrangig im amerikanischen und englischsprachigen Raum behandelt und bestimmt – begleitet durch Publikationen von beispielsweise Charlotte Cooper – sind die Fat-Studies mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Der erste Sammelband zu der Thematik – "Fat Studies in Deutschland – Hohes Körpergewicht zwischen Diskriminierung und Anerkennung" – hat den Anspruch, sich auf verschiedene Weise kritisch mit der Stigmatisierung fetter Körper und Menschen in Deutschland zu beschäftigen. Vorrangig finden sich die Thematiken in den Gender/Queer- und Disability-Studies – es soll also weniger um gesundheitliche "Risiken" gehen, als viel mehr zu erforschen, warum Fettleibigkeit ein scheinbar gesellschaftliches Problem darstellt und wie gegen die Diskriminierung von fetten Menschen angegangen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fat Studies in Deutschland
2.1. Themen und Motive allgemein
2.2. Fatness in Kunst und Medien
3. „The Fat Naked Art Project“ (Heather Kolaya)
3.1. Entstehung und Motive
3.2. Beschreibung ausgewählter Bilder
3.3. Bezug zu 2.2 Fatness in Kunst und Medien
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Fotoprojekt „The Fat Naked Art Project“ der Fotografin Heather Kolaya als künstlerische Strategie fungieren kann, um die gesellschaftliche Stigmatisierung fetter Körper zu bekämpfen und deren Entmarginalisierung sowie Resexualisierung zu fördern.
- Analyse des aktuellen Stands der Fat Studies in Deutschland.
- Untersuchung der Definition von „fetter Kunst“ als politisches Ausdrucksmittel.
- Kritische Bildanalyse ausgewählter Fotografien des „The Fat Naked Art Project“.
- Diskussion über die Rolle von Nacktheit und Intimität in der Darstellung fetter Personengruppen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Fatness, Attraktivität und gesellschaftlicher Identifikation.
Auszug aus dem Buch
3.2. Beschreibung ausgewählter Bilder
Schon auf den ersten Blick fällt die sehr variierende Gestaltung der Serie ins Auge, deren einzige Gemeinsamkeit fette, nackte Körper von Personen sind.
So gibt es schemenhafte, abstrakte Fotografien, Portraitaufnahmen von ausschließlich Gesichtern, Einzelportraits, Gruppenportraits, Detailaufnahmen, verschiedene Perspektiven, farbig und farblos, verschiedene Winkel, Personen unterschiedlich hinsichtlich Hautfarbe und Geschlecht – die Variationen ließen sich ewig weiterspinnen. Im Folgenden sollen zunächst einige ausgewählte Aufnahmen näher betrachtet werden.
Das erste Bild zeigt den Ausschnitt eines fetten, weiblichen Körpers. Ausgerichtet im Querformat in Unterperspektive nimmt der dargestellte Körper fast den kompletten Bildraum ein, der wenige Hintergrund im oberen Sechstel ist schwarz und bildet das Logo des Projektes ab. Der Bildausschnitt beginnt bei dem Oberschenkel der Person und schließt an der Brust ab, die Brustwarze ist minimal angedeutet. Vertikal gesehen ist der oben liegende Arm komplett sichtbar und das Bild endet am Bauchnabel. Der restliche Körper und das Gesicht der abgebildeten Person sind zwar demnach nicht erkennbar, es handelt sich jedoch trotzdem nicht unbedingt um eine anonyme Darstellung, denn es ist ein großes Tattoo in Form eines bunten Elefanten auf dem Oberschenkel zu sehen. Außerdem ist die helle Haut noch mit glitzerndem Konfetti dekoriert. Der abgebildete Körper bildet durch die Rollen von Fett und Haut mehrere wellenartige Linien und insgesamt strahlt das Bild Volumen aus. Es handelt sich um ein klar inszeniertes Bild, das vielschichtige Züge aufweist. Denn wesentlich neben der Inszenierung ist, dass die Fotografie dem Anschein nach nicht bearbeitet oder ‚beschönigt‘ wurde. Beispielsweise lassen sich Schwangerschaftsstreifen am Bauch erkennen, welche bei Frauen in Werbedarstellung meist wegretuschiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Fat Studies ein und stellt die Relevanz der Untersuchung des Fotoprojekts von Heather Kolaya als aktivistische und künstlerische Auseinandersetzung mit der Stigmatisierung fetter Körper dar.
2. Fat Studies in Deutschland: Es wird der wissenschaftliche Diskurs um Fat Studies in Deutschland beleuchtet, wobei soziale Konstruktionen von Fettleibigkeit sowie deren Darstellung in Kunst und Medien kritisch hinterfragt werden.
3. „The Fat Naked Art Project“ (Heather Kolaya): Das Kapitel behandelt die Entstehung und Motive des Fotoprojekts, analysiert exemplarische Bildaufnahmen und ordnet das Projekt in den Kontext der Fatness-Debatte ein.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass soziale Konditionierungen bezüglich Körperbildern tief verankert sind, betont jedoch das Potenzial von Kolayas Arbeiten, durch bewusste Gegenentwürfe Sensibilität zu schaffen und Empowerment zu fördern.
5. Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche wissenschaftliche Quellen und digitale Referenzen aufgeführt, die zur Fundierung der Analyse herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Fat Studies, Fat Positivity, Fette Kunst, Stigmatisierung, Heather Kolaya, The Fat Naked Art Project, Körperpolitik, Aktivismus, Repräsentation, Diskriminierung, Body Shaming, Resexualisierung, Identität, Soziale Normen, Schönheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht das Fotoprojekt „The Fat Naked Art Project“ der Fotografin Heather Kolaya im Kontext der Fat Studies und analysiert dessen Rolle als künstlerische und aktivistische Strategie gegen die Stigmatisierung fetter Menschen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind der wissenschaftliche Diskurs zu Fat Studies in Deutschland, die Definition von „fetter Kunst“, die Analyse medialer Schönheitsideale sowie die Auswirkungen dieser Darstellungen auf Menschen mit fetten Körpern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist zu diskutieren, inwiefern Kolayas Arbeit als künstlerische Strategie zur Entmarginalisierung und Resexualisierung dicker Körper fungiert und ob sie aktivistische Züge aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen aktueller Fat Studies-Debatten, insbesondere zu Fragen der Repräsentation in Kunst und Medien, kombiniert mit einer bildanalytischen Untersuchung der Fotografien aus dem „Fat Naked Art Project“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen aus einschlägigen Sammelbänden erörtert als auch die Entstehung des Kunstprojekts sowie eine detaillierte, deskriptive Analyse spezifischer Fotografien der Serie vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Fat Studies, Aktivismus, Repräsentation, Körperpolitik und die Dekonstruktion gesellschaftlicher Schönheitsnormen definieren.
Warum spielt das „Elefanten-Tattoo“ in der Bildbeschreibung eine Rolle?
Es dient dazu, die Bedeutung der Inszenierung zu untermauern und zu hinterfragen, ob die Fotografin damit bewusst oder unbewusst animalische Bezüge oder provokante Kontraste zwischen Körperlichkeit und Stärke herstellen möchte.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des „Body Shaming“?
Die Autorin schlussfolgert, dass künstlerische Arbeiten wie die von Kolaya dazu beitragen können, durch die bewusste Darstellung von Diversität gesellschaftliche Vorurteile zu hinterfragen und den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und menschlichem Wert zu entkoppeln.
- Citar trabajo
- Frederike Gadeberg (Autor), 2018, Die Stigmatisierung fetter Körper. "The Fat Naked Art Project" von Heather Kolaya als künstlerische Strategie dagegen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1290541