Welche Chancen und Herausforderungen können sich aus dem Übertrag der Erkenntnisse des Flipped Classroom von der allgemeinbildenden Schule auf die Berufsschule ergeben?
Nicht zuletzt durch die Corona-Krise erfährt der Einsatz digitaler Medien im Schulunterricht ein großes Wachstum. Doch eine besondere Anwendungsmöglichkeit wurde vielen Lehrerinnen und Lehrern durch die pandemiebedingten Schulschließungen quasi aufgezwungen. Den Einsatz von Digitalen Medien für die Inhaltsvermittlung, mit welchen die Schülerinnen und Schüler (SuS) sich die Fachinhalte von zuhause selbst aneignen. Die Auslagerung der Inhaltsvermittlung aus dem Unterricht in die Heimarbeit, unter Zuhilfenahme digitaler Medien, wurde jedoch schon vor der Corona-Pandemie in der schulischen und hochschulischen Lehre praktiziert und in Kombination mit einem schülerzentrierten und anwendungsorientierten Unterricht in der Präsenzphase spricht man vom sog. „Flipped Classroom“, also einem „umgedrehten Klassenzimmer“. Die Idee dafür entstand schon Anfang der 2000er , jedoch begann der Aufstieg des Flipped Classroom als Forschungsgebiet nach der Veröffentlichung des Buches „Flip your Classroom“ zweier Amerikanischen High-School Lehrer im Jahr 2012, einer rasant steigenden Beliebtheit, wie die Anzahl der veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten ab diesem Zeitpunkt zeigt.
Obwohl die Teilzeit Berufsschule mit knapp 1,4 Millionen SuS einen signifikanten Anteil der SuS in Deutschland unterrichtet , findet diese Schulform bisher kaum Beachtung im Hinblick auf den Einsatz des Flipped Classroom.
Die SuS die hier unterrichtet werden, sind Auszubildende (Azubis) und das Ziel der Berufsschule ist es, den SuS neben den nötigen Fachkompetenzen auch Sozial- und Selbstkompetenzen zu vermitteln. Diese Kompetenzen sind wichtig, damit sie für zukünftige Anforderung an die sich ständig weiterentwickelnde Weltwirtschaft ein breit aufgestelltes Repertoire an Kompetenzen und Fähigkeiten aufweisen, um auch in sich ändernden Berufsbildern beschäftigungsfähig zu bleiben.
Da aus dem generellen Ansatz des Konzepts und der Forschung zum Flipped Classroom an allgemeinbildenden Schulen hervorgeht, dass neben Fachkompetenzen durch die Lernvideos auch Sozialkompetenzen durch die Gruppenarbeit und Selbstkompetenzen durch das eigenverantwortliche Lernen gefördert werden können, ist es naheliegend, die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes des Flipped Classroom an der Berufsschule zu erforschen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 RELEVANZ
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
2 WAS IST DER FLIPPED CLASSROOM?
2.1 DAS KONZEPT FLIPPED CLASSROOM
2.2 DIDAKTISCHER ANSATZ UND ZIELE DES FLIPPED CLASSROOM
3 UMSETZUNG IN DER SCHULE
3.1 DER GEFLIPPTE FREMDSPRACHENUNTERRICHT
3.2 FLIPPED CLASSROOM IM PHYSIKUNTERRICHT
3.3 ZUSAMMENFASSUNG UND WEITERE FORSCHUNGSERGEBNISSE
4 ABGRENZUNG DER BERUFSSCHULE VON DER ALLGEMEINBILDENDEN SCHULE
4.1 LERNFELDKONZEPT
4.2 HETEROGENITÄT
4.3 CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN DES EINSATZES VON FLIPPED CLASSROOM IN DER BERUFSSCHULE
5 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit untersucht das didaktische Konzept des "Flipped Classroom" und evaluiert die Potenziale und Barrieren einer Übertragung dieses Modells von allgemeinbildenden Schulen auf den Unterricht an Berufsschulen. Unter Berücksichtigung spezifischer Rahmenbedingungen wie dem Lernfeldkonzept und der hohen Heterogenität der Lernenden wird analysiert, unter welchen Voraussetzungen das Konzept zur Förderung beruflicher Handlungskompetenz beitragen kann.
- Grundlagen und Definition des Flipped Classroom Konzepts
- Analyse erfolgreicher Praxisbeispiele aus dem Sekundarbereich II
- Vergleichende Untersuchung der Strukturen zwischen Berufsschule und allgemeinbildender Schule
- Evaluierung von Heterogenität und Lernfeldkonzept als Einflussfaktoren
- Diskussion von Chancen und Herausforderungen für die Unterrichtspraxis
Auszug aus dem Buch
3.1 DER GEFLIPPTE FREMDSPRACHENUNTERRICHT
Das erste Praxisbeispiel ist der geflippte Spanischunterricht der Jahrgangsstufe 11 an einem Berliner Oberstufenzentrum, was das erste Jahr einer dreijährigen Oberstufe darstellt. Durch verschiedene Vorkenntnisse aus der Mittelstufe gab es in dem 11. Jahrgang eine große Leistungsheterogenität unter den SuS, der die Lehrenden versuchten entgegenzusteuern. Um weniger Zeit für die reine Vermittlung von Fachinhalten und mehr für die Vertiefung dieser und die individuelle Lernbegleitung der Lernenden aufwenden zu können, wurde ein Flipped Classroom Konzept erarbeitet und eine von drei Klassen der Jahrgangsstufe nach diesem unterrichtet. Um den Lernerfolg der Treatment- und Kontrollklassen vergleichen zu können, wurde nach jeder Unterrichtseinheit ein kurzer Test durchgeführt.
Inputphase: Zur Erarbeitung neuer grammatikalischer Inhalte wurden den SuS Arbeitsblätter mit Grundlagen für ebendiese Neuerungen bereitgestellt. Diese sollten mit extra dafür produzierten Videos in Eigeninitiative bearbeitet werden. Auf den Arbeitsblättern waren bspw. Merksätze oder Mindmaps abgebildet, mit deren Hilfe die SuS die grundlegenden grammatikalischen Regeln übersichtlich darstellen konnten. Diese Grundlagen wurden zu Beginn jeder Stunde wiederholt und getestet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz des Flipped Classroom-Modells, das durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewann, und Erläuterung des Aufbaus dieser Arbeit.
2 WAS IST DER FLIPPED CLASSROOM?: Theoretische Verortung des Konzepts sowie Erläuterung didaktischer Ansätze, insbesondere im Hinblick auf Lerntaxonomien und schülerzentrierte Lernszenarien.
3 UMSETZUNG IN DER SCHULE: Analyse konkreter Praxisbeispiele im Fremdsprachen- und Physikunterricht, ergänzt durch eine Zusammenfassung vielfältiger Forschungsergebnisse zum Methodeneinsatz.
4 ABGRENZUNG DER BERUFSSCHULE VON DER ALLGEMEINBILDENDEN SCHULE: Untersuchung spezifischer Besonderheiten der Berufsschule, insbesondere das Lernfeldkonzept, die ausgeprägte Heterogenität sowie die Ableitung von Chancen und Herausforderungen für den Flipped Classroom.
5 FAZIT UND AUSBLICK: Kritische Würdigung der Arbeitsergebnisse sowie Empfehlungen für notwendige weitere Forschungsfelder zur Implementierung des Konzepts.
Schlüsselwörter
Flipped Classroom, Berufsschule, Lernfeldkonzept, Heterogenität, Schülerorientierung, Handlungskompetenz, Didaktik, Digitalisierung, Inverted Classroom, Selbstbestimmung, Unterrichtsqualität, Binnendifferenzierung, Lehrerrolle, Lernvideos, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit analysiert das didaktische Konzept des Flipped Classroom und prüft, ob und wie dieses Modell aus allgemeinbildenden Schulen auf den Unterricht an Berufsschulen übertragen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Flipped-Classroom-Konzept, die strukturellen Besonderheiten der Berufsschule (Lernfeldkonzept, Heterogenität) und die daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen für die Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu identifizieren, unter welchen Bedingungen der Flipped Classroom einen positiven Beitrag zur Erlangung beruflicher Handlungskompetenz bei Auszubildenden leisten kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender wissenschaftlicher Untersuchungen und Praxisbeispielen aus dem Sekundarbereich II.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Konzepts, Beispiele aus der Schulpraxis, die spezifische Gegenüberstellung von Berufsschulen zu allgemeinbildenden Schulen sowie eine detaillierte Transferanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Flipped Classroom, Berufsschule, das Lernfeldkonzept, Heterogenität und berufliche Handlungskompetenz.
Warum ist die Heterogenität in der Berufsschule für dieses Konzept so relevant?
Die Arbeit stellt heraus, dass die starke Alters-, Bildungs- und Leistungsheterogenität in Berufsschulklassen eine besondere Herausforderung für das selbstorganisierte Lernen darstellt, welche den Erfolg von Flipped-Classroom-Ansätzen maßgeblich beeinflussen kann.
Welche Rolle spielen Lernvideos bei der Implementierung?
Lernvideos dienen in der Inputphase dazu, Wissensvermittlung auszulagern, was jedoch hohe Anforderungen an die Infrastruktur und die Eigenverantwortung der Lernenden stellt.
- Quote paper
- Lukas Torliene (Author), 2022, Flipped Classroom als didaktisches Konzept. Chancen und Herausforderungen für den Unterricht an beruflichen Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1292212