Mittlerweile ist der Euro für uns alle eine Selbstverständlichkeit geworden. Er ist das einzig anerkannte Zahlungsmittel in Deutschland und erleichtert uns allen einen Aufenthalt in zahlreichen europäischen Ländern. So ist das Umtauschen einer Währung vor einem Auslandsaufenthalt nicht mehr die Regel, sondern eher die Ausnahme. Dem normalen Bürger erleichtert dies viele organisatorische Dinge bei Reisen. Vor allem aber auch im Hinblick auf die Globalisierung entstehen wichtige Vorteile für Unternehmen, denen Transaktionskosten bei einem Währungsumtausch innerhalb der Euroländer erspart bleiben. Der normale Bürger sieht diesen Vorteil bereits im Kleinen. Die immer häufiger vorkommenden Käufe über das Internet können nun auch einfach über die Grenzen Deutschlands abgewickelt werden und es kann in der eigenen Währung bezahlt werden. Lästige Umrechnungen und daraus entstehende Kosten entfallen.
Dennoch ergeben sich immer wieder Spekulationen darüber, ob es sich bei der Eurozone überhaupt um einen optimalen Währungsraum handelt. Die entscheidende Frage hierbei ist, ob der Euro aus volkswirtschaftlicher Sicht überhaupt nennenswerte Vorteile bietet und ob die Theorien optimaler Währungsräume in der Wahl des Gebietes für den Euro berücksichtigt worden sind. Diese Ausarbeitung gibt einen kurzen Überblick über die Theorien optimaler Währungsräume und analysiert anschließend anhand dieser Theorien, ob es sich bei der Eurozone um einen optimalen Währungsraum handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Optimale Währungsräume in der Theorie
2.1 Der Ansatz nach Mundell
2.2 Die Erweiterung nach Mc Kinnon
2.3 Die Erweiterung nach Kenen
3. Europa als Währungsraum
3.1 Faktormobilität in der Eurozone
3.2 Der Öffnungsgrad in der Eurozone
3.3 Die Diversifikation in der Eurozone
4. Die Zukunft der Eurozone
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht auf Basis der klassischen Theorien optimaler Währungsräume (Mundell, Mc Kinnon, Kenen), inwieweit die Eurozone die ökonomischen Kriterien für einen solchen Raum erfüllt. Ziel ist eine kritische Bewertung der Eignung des Euroraums als optimale Währungsunion unter Berücksichtigung realer volkswirtschaftlicher Gegebenheiten.
- Theoretische Grundlagen optimaler Währungsräume
- Analyse der Faktormobilität in der Eurozone
- Untersuchung des Öffnungsgrades und Handelsverflechtungen
- Bewertung der Diversifikation der Produktions- und Exportstrukturen
- Zukunftsperspektiven und Herausforderungen der europäischen Währungsunion
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Ansatz nach Mundell
Robert Mundell veröffentlichte 1961 seinen wegweisenden Artikel „A Theory of Optimal Currency Areas“. Er gilt als Begründer der Theorie optimaler Währungsräume, auch wenn heute wesentlich mehr Faktoren in Entscheidungen berücksichtigt werden müssen, als es Mundell tat. In seinen Untersuchungen ist der elementare Aspekt die Mobilität der Arbeitskräfte. Nach seinen Erkenntnissen ist ein optimaler Währungsraum wie folgt definiert: „[…] the optimum currency is a region – defined in terms of internal factor mobility and external factor mobility.“ (Mundell 1961, S. 661).
Geht man in einer ersten Überlegung davon aus, dass eine Währung eine Tauschmittelfunktion besitzt, ohne dass ein Umtausch in ein anderes Zahlungsmedium notwendig ist, so dass keine Transaktionskosten entstehen, so können Waren direkt erworben werden. Im Hinblick auf die heute herrschende Globalisierung mit weltweitem Handel, erscheint es erstrebenswert, dass eine Währung auf der ganzen Welt Gültigkeit hat, so dass Transaktionskosten und Wechselkursrisiken vollständig entfallen und eine hohe Preistransparenz für alle Marktteilnehmer herrscht (Jarchow, Rühmann 1997). In dieser Annahme ist jedoch vernachlässigt, dass Länder asymmetrischen Schocks ausgeliefert sind, auf die ein Reagieren durch lokale währungspolitische Maßnahmen mit einer Einheitswährung und daraus resultierenden fixen Wechselkursen, nicht mehr möglich ist.
Mundell entwickelte ein Zwei-Länder-Modell und untersuchte die unterschiedlichen Auswirkungen dieser asymmetrischen Schocks. Bilden zwei Länder eine Währungsunion mit einer gemeinsamen Zentralbank, entfallen die lokalen geldpolitischen Maßnahmen, um beispielsweise einen exogenen Nachfrageschock auszugleichen. Angenommen, in Land A fallen Preise und Output und diese steigen wiederum in Land B, so kommt es in Land A zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit und in Land B zu einem hohen Angebot an Arbeit und einer erhöhten Inflation. Es gibt nach Mundell zwei Möglichkeiten des Schockausgleichs. Entweder verfügt Land A über eine flexible Lohnpolitik und kann die Löhne so senken, dass der Output wieder steigt und die Preise sinken. In Land B herrscht demzufolge dann ein Nachfrageüberhang wodurch die Löhne steigen und daraus resultierend steigen auch die Preise. Die zweite Möglichkeit der Anpassung kann durch Arbeitsmobilität erreicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Euros für den Alltag und die Wirtschaft und definiert die Forschungsfrage, ob die Eurozone die theoretischen Kriterien eines optimalen Währungsraums erfüllt.
2. Optimale Währungsräume in der Theorie: Dieses Kapitel stellt die grundlegenden Theorien von Mundell, Mc Kinnon und Kenen vor, die den theoretischen Rahmen für die Bewertung von Währungsräumen bilden.
3. Europa als Währungsraum: Hier werden die theoretischen Kriterien (Faktormobilität, Öffnungsgrad, Diversifikation) konkret auf die Eurozone angewendet und deren Erfüllungsgrad geprüft.
4. Die Zukunft der Eurozone: Das Kapitel diskutiert die Herausforderungen der Eurozone, insbesondere in Bezug auf asymmetrische Schocks, politische Einheit und die Notwendigkeit der Arbeitsmarktflexibilisierung.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Eurozone zum Zeitpunkt der Einführung die Kriterien nur teilweise erfüllte, jedoch durch politische Maßnahmen eine positive Entwicklung zu verzeichnen ist.
Schlüsselwörter
Euro, Eurozone, optimale Währungsräume, Faktormobilität, Robert Mundell, Ronald Mc Kinnon, Peter Kenen, Geldpolitik, Arbeitsmarkt, Diversifikation, Öffnungsgrad, Währungsunion, Wechselkurse, Globalisierung, Europäische Zentralbank
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Eurozone auf Basis der ökonomischen Theorie optimaler Währungsräume, um zu bewerten, ob und wie gut der Euroraum die Voraussetzungen für eine funktionierende Währungsunion erfüllt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Mobilität von Arbeitskräften, der Außenhandelsgrad (Offenheit) der Volkswirtschaften sowie der Diversifikationsgrad der Produktionsstrukturen innerhalb Europas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, anhand der klassischen Theorien zu prüfen, ob die Eurozone als optimaler Währungsraum klassifiziert werden kann und wo die Herausforderungen für eine stabile Währungsunion liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der existierende wirtschaftswissenschaftliche Kriterien auf die empirischen Daten und Gegebenheiten der Eurozone angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Theorien (Mundell, Mc Kinnon, Kenen) sowie deren praktische Überprüfung anhand der Indikatoren Faktormobilität, Handelsverflechtung und wirtschaftliche Diversifikation im europäischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Währungsunion, optimale Währungsräume, Faktormobilität und ökonomische Integration charakterisieren.
Warum wird im Text ein Vergleich zwischen Europa und den USA gezogen?
Die USA dienen als Referenzmodell eines bereits etablierten, funktionierenden Währungsraums, an dem die Defizite oder Besonderheiten der europäischen Währungsstruktur verdeutlicht werden.
Welche Rolle spielt die Europäische Kommission in diesem Kontext?
Die Kommission ist maßgeblich an Maßnahmen zur Erhöhung der Faktormobilität beteiligt, wie etwa durch den Ausbau von EURES, um die strukturellen Defizite des europäischen Arbeitsmarktes zu minimieren.
- Citar trabajo
- Anja Wyludda (Autor), 2009, Ist Europa ein optimaler Währungsraum?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129641