Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Bundesverband deutscher Banken e.V. im Hinblick auf die Konstitution des Verbandes und seine theoretischen Einflussmöglichkeiten als wirtschaftlicher Interessenverband. Dabei wird der Verband zunächst als organisierte Interessengruppe beschrieben.
Hier werden die Gruppengröße, die intra Gruppendynamiken und das Interessenspektrum vor dem Hintergrund einer Handlungsressourcenanalyse dargestellt und mit dem Politikprozess in Verbindung gebracht.
Anschließend erfolgt eine Konfliktanalyse zwischen dem Bundesverband deutscher Banken e.V. und dem noch weitgehend unorganisierten Interesse der Kryptowährungen. In der Einleitung wird ausschließlich auf den Bundesverband deutscher Banken e.V. eingegangen, da durch den fehlenden bzw. geringen Organisationsgrad der Kryptowährungen in anderen Verbänden und dem diesbezüglichen Mangel an erfassbaren Rahmenbedingungen als Interessengruppe, nur eine rudimentäre Annäherung möglich ist. Zuletzt wird versucht eine Antwort auf die Frage: "Wie konfliktfähig ist der Bundesverband deutscher Banken e.V., im Hinblick auf die Regulierungsbemühungen der deutschen Politik, bezogen auf Kryptowährungen?" zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Partizipationsgenese des Bundesverband deutscher Banken e.V. nach Olson
2.2 Betrachtung des Bundesverband deutscher Banken e.V. nach Hart
2.3 Zugangsproblematiken von Interaktionsbeziehungen
3. Der Konflikt mit Kryptowährungen
4. Handlungsressourcen des BdB
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konfliktfähigkeit des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. (BdB) im politischen Prozess, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Kryptowährungen und FinTech-Unternehmen. Im Zentrum steht die Analyse, wie der Verband trotz seiner starken Ressourcen auf die Herausforderungen durch dezentrale digitale Währungen reagiert.
- Analyse des BdB als organisierte Interessengruppe mittels Partizipations- und Handlungsressourcenmodellen
- Untersuchung der strukturellen Herausforderungen durch heterogene Mitgliederinteressen
- Konfliktanalyse zwischen etablierten Finanzintermediären und dezentralen Systemen
- Bewertung des Einflusses von Lobbyarbeit auf die legislative Einordnung von Krypto-Assets
Auszug aus dem Buch
3. Der Konflikt mit Kryptowährungen
Spätestens seit der weltweiten Finanzkrise von 2008, die die nationalen Notenbanken und speziell die EZB dazu veranlasst haben, eine radikale Niedrigzinspolitik durchzusetzen, ist eine steigende Beliebtheit alternativer Anlageformen beobachtbar (Hirsch, 2019). Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist, gegenüber mit dem Vorkrisenwert von 2007, um mehr als zwei Drittel gestiegen, während die EZB simultan den Leitzins beinahe sukzessive, bis zum Erreichen eines, seitedem angewandten Nullzinses in 2017 gesenkt hat (Statista, 2021b; Statista 2021a). In direktem zeitlichen Zusammenhang wurde das Whitepaper des Bitcoin veröffentlicht und der rasante Weg der Kryptowährungen begann (Nakamoto, 2019). Aufgrund der multidimensional generierten Finanzkrise, hat das Vertrauen der deutschen Bürger in Finanzintermediäre besonders stark abgebaut (Braunberger, 2018). Das Vertrauen am Interbankenmarkt hat ebenfalls unter der Krise gelitten (Zink, 2016). Dieser Vertrauensverlust bereitete den, dann entstandenen Kryptowährungen, einen besonders reichen Nährboden (Grundlehner, 2018).
Dabei entwickelt sich ein Trend, der weitgehend daraus besteht, das sogenannte FinTech Unternehmen, finanztechnologische Infrastrukturen geschaffen haben, die klassische Finanzintermediäre umgehen. Diese finanztechnologischen Infrastrukturen, finden gegenwärtig weite globale Implikationen. Kryptowährungen stellen durch diese, durch private Unternehmen generierten digitalen Währungen, eine Bedrohung für kernstaatliche Kompetenzen dar. Die Bedrohung manifestiert sich im Wegfall zentraler Steuerungselemente, die die staatlichen und supranationalen Steuerungsmechanismen von Notenbanken aushebeln. Die Beeinflussung der Geldmenge und der damit verbundenen Inflation ist eine zentrale Kompetenz um volkswirtschaftliche Prozesse gezielt lenken zu können. Kryptowährungen sind jedoch in ihrer absoluten Menge begrenzt und können nur durch hochkomplexe, technisch aufwendige Verfahren generiert werden. Darüber hinaus ist die Modellierung des Leitzinses ein ebenso volkswirtschaftlich relevanter Prozess.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Aufgabenstellung ein, beschreibt den BdB als Interessengruppe und skizziert die methodische Handlungsressourcenanalyse zur Beantwortung der Forschungsfrage.
2.1 Partizipationsgenese des Bundesverband deutscher Banken e.V. nach Olson: Hier wird der BdB mithilfe der Logik kollektiven Handelns nach Olson analysiert, wobei insbesondere die Herausforderungen der Mitgliederheterogenität und der Anreize zur Partizipation beleuchtet werden.
2.2 Betrachtung des Bundesverband deutscher Banken e.V. nach Hart: Dieser Abschnitt wendet Harts Ansatz zur Machtmessung in internationalen Beziehungen auf den BdB an, um dessen Ressourcenkontrolle, Wissensexpertise und Einflussmöglichkeiten zu bewerten.
2.3 Zugangsproblematiken von Interaktionsbeziehungen: Kapitel 2.3 untersucht die infrastrukturellen Voraussetzungen für Lobbyarbeit und die strukturellen Hürden, die Verbände bei der Nähe zu staatlichen Entscheidungsträgern überwinden müssen.
3. Der Konflikt mit Kryptowährungen: Dieser Teil analysiert die Entstehung der Konkurrenzsituation zwischen klassischen Banken und dezentralen Krypto-Finanztechnologien als Reaktion auf die globale Finanzkrise.
4. Handlungsressourcen des BdB: Das Kapitel evaluiert die spezifischen Ressourcen des Verbandes, wie die Netzwerkverbindungen seiner Führungskräfte und die finanzielle Kapazität zur Beauftragung wissenschaftlicher Expertise.
5. Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und resümiert, dass der BdB trotz starker Ressourcen situativ schwach gegenüber dem globalen Innovationstrend bleibt, jedoch versucht, diesen durch Mitgestaltung von Regulierungen zu lenken.
Schlüsselwörter
Bundesverband deutscher Banken, Kryptowährungen, Lobbyismus, Partizipationsgenese, Mancur Olson, Jeffrey Hart, Finanzintermediäre, FinTech, Regulierung, digitaler Euro, Interessenvertretung, Handlungsressourcen, Bankenpolitik, Interessenkonstellation, Geldwäscheprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation analysiert kritisch, wie sich der Bundesverband deutscher Banken e.V. (BdB) als etablierte Interessenvertretung gegenüber der disruptiven Entwicklung digitaler Währungen positioniert und welche Strategien er zur politischen Einflussnahme einsetzt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Logik kollektiven Handelns, Methoden der politischen Interessenvertretung, die ökonomische Bedrohung durch Kryptowährungen für das traditionelle Bankensystem und die regulatorischen Rahmenbedingungen des digitalen Euro.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Konfliktfähigkeit des BdB im Hinblick auf aktuelle Regulierungsbemühungen der Politik bezüglich Kryptowährungen zu bewerten und zu hinterfragen, ob der Verband trotz seiner Ressourcen die Kontrolle behalten kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine strukturelle Handlungsressourcenanalyse angewandt, wobei theoretische Ansätze von Mancur Olson (Logik des kollektiven Handelns) und Jeffrey Hart (Messung von Macht in internationalen Beziehungen) als analytischer Rahmen dienen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Interessengruppenarbeit, eine spezifische Analyse der Konfliktdynamiken zwischen Banken und Krypto-Assets sowie eine detaillierte Ausarbeitung der dem Verband zur Verfügung stehenden Lobby-Ressourcen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Interessenverband, regulatorische Einordnung, Finanztechnologie (FinTech), Partizipation und die Spannungsfelder zwischen staatlicher Kontrolle und dezentraler Blockchain-Technologie.
Wie bewertet der Autor die Rolle des BdB beim Krypto-Euro?
Der Autor sieht im Krypto-Euro ein strategisches Instrument des BdB, um den Kryptomarkt unter die Kontrolle staatlicher oder supranationaler Institutionen zu bringen und dort regulatorisch einzugreifen, anstatt das Feld privaten Anbietern zu überlassen.
Warum wird der BdB trotz seiner Größe als "situativ schwach" bezeichnet?
Obwohl der Verband über exzellente politische Netzwerke und finanzielle Mittel verfügt, ist die Innovation durch FinTechs global nicht aufzuhalten, was das klassische Geschäftsmodell der Mitgliedsbanken unter einen strukturellen Druck setzt, dem der Verband nur begrenzt begegnen kann.
- Citation du texte
- Jan Scharfenort (Auteur), 2021, Kryptowährungen auf Kollisionskurs. Wie konfliktfähig ist der Bundesverband deutscher Banken e.V.?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1297453