Das Deuteronomium, in der Bibelwissenschaft auch 5. Buch Mose genannt, bildet den Abschluss der Tora bzw. des Pentateuchs (bestehend aus den Büchern Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium). Es enthält eine Wiederholung des ersten Gesetzes (Dekalog und Einzelgesetze, die sich von Exodus bis Numeri erstrecken), welches Gott Mose am Sinai aufgetragen hat, das Mose nun in Moab dem Volk eröffnet. Das Deuteronomium ist als eine von Mose gehaltene Rede an das Volk Israel zu verstehen, als Rückblick auf bedeutende Gesetze und als ein Appell an Israel zum Gehorsam vor Gott und zur Gottesliebe. Es ist eine Reflexion der Exodusgeschichte, die im Abschluss den Tod des Mose thematisiert. Grundsätzlich geht es im Deuteronomium um das eine auserwählte Volk Israel und die Einzigartigkeit der besonderen Beziehung zu dem einen einzigen Gott.
Der Name „Deuteronomium“ lässt sich aus dem Griechischen ableiten, von deuteros „der zweite“ und nomos „Gesetz“ und wird somit als das „zweite Gesetz“ bzw. die „zweite Gesetzgebung“ interpretiert (zu finden in der griechischen Fassung des Alten Testaments Septuaginta, sowie der lateinischen Übersetzung Vulgata). Im Judentum ist der hebräische Name „debarim“ (Reden bzw. Worte) verbreitet.¹
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Hauptgebot im Kontext des Deuteronomiums
3. Aufbau, Form und Stil des Textes
4. Das Hauptgebot als Gebot der Liebe
4.1. Jahwes Einzigkeit
4.2. Die Begründung des Liebesgebotes
4.3. Die Vergegenwärtigung des Liebesgebotes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Hauptgebot im Deuteronomium (Dtn 6, 4-9), bekannt als Schma Israel, um dessen Bedeutung für die Gottesbeziehung und die Lebensführung des Volkes Israel innerhalb des biblischen Kontextes zu ergründen.
- Die literarische und theologische Einordnung des Deuteronomiums.
- Die Analyse von Aufbau, Form und Stil des Textabschnitts Dtn 6, 4-9.
- Die Bedeutung der Einzigkeit Jahwes als Fundament des Glaubens.
- Die Funktion des Liebesgebots als Antwort auf Gottes vorauseilende Liebe.
- Die Rolle der ständigen Vergegenwärtigung der Gebote zur Bildung einer Gedächtniskultur.
Auszug aus dem Buch
4.1. Jahwes Einzigkeit
Die Forderung nach der allumfassenden Liebe zu Gott geht untrennbar mit der Verkündigung der Einzigkeit Jahwes einher: „(4) Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. (5) Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“. Israel soll Gott also lieben, weil er der einzige ist. Aus dem heutigen monotheistischen Verständnis heraus könnte man vorschnell schließen, dass bereits diese Aussage ausdrückt, dass neben Jahwe keine weiteren Götter existieren. Dass die Einzigkeitsaussage in Dtn 6,4f also im Sinne einer Einzigartigkeitsaussage zu verstehen ist.
Beachtet man allerdings die Umwelt, die traditionelle Rede von Gott/Göttern und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit des Alten Testaments, so wird deutlich, dass man bei dieser Interpretation von Dtn 6,4f nicht stehenbleiben kann.
Lohfink sieht in der Einzigkeitsaussage von Dtn 6, 4 „die Grenze der damaligen Sprache erreicht“. Demnach war es damals sprachlich nicht möglich, die absolute Einzigartigkeit des einen Gottes auszudrücken. Elōhīm, welches nach unserem heutigen Verständnis „Gott“ bedeutet, war in der polytheistischen Umwelt des Alten Testaments ein Ausdruck für verschiedene Gottheiten und Mächte. Der Gott Israels hat aber einen Namen- Jahwe. Und eben dieser Jahwe ist für Israel einzig und einmalig. Die polytheistische Rede von anderen Göttern „verlangt (…) eine exklusive Beziehung zwischen dem einen und einzigen Gott Jahwe und seinem ihm total anhängenden Volk Israel.“
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Dtn 6,4 die Existenz anderer Götter nicht leugnet, aber die Verehrung anderer Götter nicht duldet. Dass Jahwe für Israel der einzig wahre Gott sein soll an den das Volk sich bindet, ist in der Geschichte Israels selbst begründet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Deuteronomium innerhalb der Tora und erläutert seine Bedeutung als Abschiedsrede des Mose sowie als Reflexion der Exodusgeschichte.
2. Das Hauptgebot im Kontext des Deuteronomiums: Dieses Kapitel bettet das Schma Israel in den narrativen Rahmen des Deuteronomiums ein und skizziert die Rolle des Mose als Mittler zwischen Gott und dem Volk.
3. Aufbau, Form und Stil des Textes: Die Analyse konzentriert sich auf die formale Struktur der Perikope Dtn 6, 4-9, insbesondere auf den Wechsel der Anredeformen und die imperative Aufforderung zur Gottesliebe.
4. Das Hauptgebot als Gebot der Liebe: Dieses Kapitel expliziert die theologische Tiefe der Gottesliebe als Antwort auf die Treue Gottes und beleuchtet die Aspekte der Einzigkeit, der historischen Begründung und der alltäglichen Vergegenwärtigung des Gebots.
Schlüsselwörter
Deuteronomium, Schma Israel, Hauptgebot, Gottesliebe, Jahwe, Einzigkeit, Bundestreue, Tora, Exodus, Pentateuch, Gedächtniskultur, Mose, Bibelauslegung, Monojahwismus, Israel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das biblische Hauptgebot aus Deuteronomium 6, 4-9, das sogenannte Schma Israel, und dessen zentrale Bedeutung für das jüdische Glaubensleben und die Gottesbeziehung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Einzigkeit Jahwes, das Gebot der Gottesliebe mit ganzem Herzen und ganzer Seele, die Einordnung in den deuteronomischen Kontext sowie die Bedeutung des Gebots für die tägliche religiöse Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das theologische Fundament des Hauptgebots herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, wie die Vergegenwärtigung der göttlichen Gebote das kollektive Gedächtnis des Volkes Israel prägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer exegetischen Analyse biblischer Texte, ergänzt durch die Heranziehung fachwissenschaftlicher Literatur und bibelwissenschaftlicher Kommentare.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Kontextes, eine Analyse der sprachlichen und strukturellen Merkmale des Textes sowie eine tiefergehende theologisch-exegetische Betrachtung der einzelnen Verse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Deuteronomium, Schma Israel, Gottesliebe, Jahwe, Bundestreue und Gedächtniskultur sind die wesentlichen Begriffe.
Wie unterscheidet sich die "Einzigkeit" von der "Einzigartigkeit" in diesem biblischen Kontext?
Die Arbeit stellt heraus, dass die Sprache des Alten Testaments an ihre Grenzen stieß, weshalb die "Einzigkeit" Jahwes eher als exklusive Bindung an diesen einen Gott zu verstehen ist, statt als abstrakte philosophische Leugnung der Existenz anderer Mächte.
Warum ist das "Du" im Text so bedeutend?
Der Wechsel von kollektiven Anreden zu einer direkten Ansprache in der 2. Person Singular unterstreicht den normativen Charakter des Gebots und die persönliche Verpflichtung jedes Einzelnen gegenüber Gott.
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- Liwia Kolodziej (Author), 2009, "Höre Israel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129823