Seit fünfzig Jahren werden ständig Debatten über die ökologischen Folgen der heutigen Industriegesellschaft, über Ressourcenallokation in unserer Wirtschaftsweise geführt. Neben den vielen positiven Seiten der Globalisierungsprozesse wie technischer Fortschritt, sinkende Transportkosten, den Änderungen der politischen und ökonomischen Bedingungen und dem rasanten Wirtschaftswachstum der Nationen, sehen wir leider auch die negativen Folgen dieses Prozesses. Diese fallen im Besonderen in Umweltproblemen auf. Eine häufig diskutierte Frage aus diesem Bereich ist das Flächenverbrauchproblem. Der hohe und häufig unrationelle Verbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke verschärft die ökologischen Probleme und wird von viеlеn als „ein gravierendes Problem auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung angesehen.“ Trotz einer gut aufgebauten Politik der Flächennutzung, sind die auf Kontrolle und Planung basierenden aktuellen Instrumentarien für die Zielerreichung nur zum Teil erfolgreich. Deswegen ist es sinnvoll andere marktorientierte Instrumente zu finden, die ein guter Zusatz oder sogar eine Alternative zu den bereits existierenden traditionellen Instrumenten sein könnten.
Diese Arbeit konzentriert sich auf das Konzept neuer fiskalischer Instrumente wie Neuerschließungsabgabe (NEA) und Baulandausweisungsumlage (BLAU) аls mаrktbаsierten Lösungаnsаtz zur besseren Zielerreichung. In der Arbeit wird die Frage gestellt, ob diese neuen Instrumente beim entstandenen Problem der überhöhten Flächeninanspruchnahme eine effektive Lösung bringen könnten.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1 Nachhaltige Flächennutzung
1.1 Grundsätzliches zum Begriff Nachhaltigkeit
1.2 Verlangt nicht-nachhaltiges Siedlungsflächenwachstum in Deutschland neue Maßnahmen?
1.3 Die Potentiale bestehender raumplanerischer und ökonomischer Instrumentarien für die Zielerreichung
2 Theoretische Ansätze -- Preis- und Mengensteuerungsansätze
3 Das Konzept der Neuerschließungsabgabe
3.1 Grunderwerbsteuerreform
3.2 Die Idee der NEA und ihre Wirkungsweise
3.3 Das Potential und das Defizit der NEA
4 Das Konzept der Baulandausweisungsumlage
4.1 Das Grundkonzept der Baulandausweisungsumlage
4.2 Rückverteilung des von BLAU erzielten Aufkommens
4.3 Das Potential und die Kritik des Instrumentes BLAU
5 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Problem des überhöhten Flächenverbrauchs in Deutschland und analysiert, ob neue fiskalische Instrumente – namentlich die Neuerschließungsabgabe (NEA) und die Baulandausweisungsumlage (BLAU) – als marktorientierte Lösungsansätze zur effektiven Reduzierung der Flächeninanspruchnahme beitragen können.
- Analyse der ökologischen Auswirkungen der aktuellen Flächennutzung.
- Evaluation marktbasierter fiskalischer Instrumente zur Preissteuerung.
- Untersuchung des Wirkmechanismus von Neuerschließungsabgabe und Baulandausweisungsumlage.
- Diskussion über die Notwendigkeit eines integrierten "Policy Mix" für eine nachhaltige Flächenentwicklung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Idee der NEA und ihre Wirkungsweise
Die Neuerschließungsabgabe zielt auf private Akteure (Bauherren und private Investoren). Es handelt sich um ein Instrument, das bisher noch nicht implementiert ist. Das Hauptziel dieses Instrumentes ist eine quantitative Verringerung der Flächeninanspruchnahme. Positive Auswirkungen im Sinne des Flächenverbrauches sind wahrscheinlich zu erwarten, da die hohe Besteuerung der Neuerschließungen die Bodennutzung im Außenbereich verteuern soll. Man unterstellt dabei, dass das teurere Grundstück im Außenbereich, potentielle Bauherren davon abhalten wird, dieses Grundstück zu erwerben.
In verschiedenen Fachkreisen wurde die NEA als ein Ersatz der vorhandenen Grunderwerbsteuer vorgeschlagen. Durch diese Abgabeart würden die Bundesländer Steuereinnahmen bekommen, die dann später in Form von Begünstigungen (weil die Erwerber von bereits erschlossenen Grundstücken im Innenbereich von der Grunderwerbsteuer entlastet wären) für Erwerbe im Innenbereich zu den Investoren zurückkommen könnten. Solche finanziell spürbare „Anreize“ der Flächenverteuerung im Neuerschließungsbereich und potentielle Vergünstigungen im Bestandserwerb könnten starke Impulse für die Innenentwicklung geben. Das Brachflächenrecycling, die Nachverdichtung und die Umnutzung von Bestandsbauten könnten im Focus dieser Begünstigungen stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Abschnitt erläutert das Problem des hohen Flächenverbrauchs in Deutschland und begründet die Notwendigkeit marktbasierter Ergänzungen zur klassischen Planungspolitik.
1 Nachhaltige Flächennutzung: Es wird die theoretische Grundlage der Nachhaltigkeit im Kontext der Flächenentwicklung beleuchtet und der Status Quo des Siedlungsflächenwachstums in Deutschland analysiert.
2 Theoretische Ansätze -- Preis- und Mengensteuerungsansätze: Dieses Kapitel vergleicht klassische ökonomische Konzepte, wie die Pigou-Steuer und den Coase-Ansatz, als Basis für moderne umweltpolitische Lenkungsinstrumente.
3 Das Konzept der Neuerschließungsabgabe: Es wird das spezifische Modell der NEA als fiskalisches Anreizinstrument zur Lenkung privater Investoren beschrieben und kritisch hinterfragt.
4 Das Konzept der Baulandausweisungsumlage: Hier steht die Belastung kommunaler Ausweisungsentscheidungen im Fokus, wobei sowohl die Grundkonzeption als auch Fragen der Aufkommensrückverteilung erörtert werden.
5 Schlussfolgerungen: Das Fazit bewertet die Eignung der untersuchten Instrumente und plädiert für einen ganzheitlichen "Policy Mix" unter Einbeziehung weiterer steuerlicher und planerischer Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Flächenverbrauch, Nachhaltigkeit, Neuerschließungsabgabe, Baulandausweisungsumlage, Flächeninanspruchnahme, fiskalische Instrumente, Preissteuerung, Bodenverbrauch, Innenentwicklung, Siedlungsflächen, Umweltökonomie, Flächenpolitik, Policy Mix, Grunderwerbsteuer, Externalitäten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie fiskalische Instrumente dazu eingesetzt werden können, den hohen Flächenverbrauch in Deutschland zu reduzieren und eine nachhaltigere Siedlungsentwicklung zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die aktuelle Flächennutzung in Deutschland, die theoretischen Ansätze der ökologischen Preissteuerung sowie die konkrete Ausgestaltung von Neuerschließungsabgaben und Baulandausweisungsumlagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Einführung neuer fiskalischer Instrumente (NEA und BLAU) das Problem der überhöhten Flächeninanspruchnahme effektiv lösen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analysierende Betrachtung ökonomischer Instrumente auf Basis mikroökonomischer Theorien (insbesondere Externalitätsanalyse) und aktueller fachwissenschaftlicher Diskussionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Preissteuerung sowie die detaillierte Analyse der Mechanismen, Potenziale und Defizite von Neuerschließungsabgaben und Baulandausweisungsumlagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Flächenverbrauch, fiskalische Instrumente, Nachhaltigkeit, Neuerschließungsabgabe, Baulandausweisungsumlage und Flächenpolitik definiert.
Wie unterscheidet sich die BLAU von der NEA?
Die NEA zielt primär auf private Bauherren ab, während die BLAU direkt die Kommunen als Entscheidungsträger bei der Ausweisung von Baugebieten finanziell belastet.
Warum ist die ökologische Treffsicherheit der BLAU umstritten?
Da Rückflüsse der Umlage an Einwohnerzahlen gekoppelt sein können, besteht die Gefahr, dass Kommunen zur weiteren Ausweisung motiviert werden, was dem ökologischen Ziel entgegenstehen könnte.
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- Zhanar Sakieva (Author), 2008, Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch fiskalische Instrumente, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130297