Diese Hausarbeit soll eine vergleichende Untersuchung zweier zentraler Theorien darstellen, die für die linguistische Forschung zur Höflichkeit elementar sind: Die Ansätze von Lakoff und Brown & Levinson. Um einen Einstieg in die komplexe Thematik des Phänomens Höflichkeit zu erreichen, werde ich eingangs der Frage nach der Definition des Begriffes Höflichkeit nachgehen. Danach werde ich als Grundlage kurz das Konzept des face von Goffman (1967) skizzieren, da besonders der Ansatz von Brown & Levinson (1978) auf diesem beruht, und das Kooperationsprinzip von Grice (1967/75) vorstellen, welches ebenfalls als Basis für die traditionellen Höflichkeitsmodelle gilt. Den Kern dieser Arbeit bilden dann die Höflichkeitstheorien von Lakoff und Brown & Levinson, sowie die Untersuchung dieser Theorien auf eine universale Gültigkeit. Sowohl Lakoff, als auch Brown & Levinson behaupten, dass ihre Theorien universal und kulturübergreifend gültig sind. Inwiefern diese Behauptung gerechtfertigt ist, soll in dieser Arbeit herausgearbeitet werden, wobei sich zeigen wird, dass eine solche Argumentation aufgrund der Vielfältigkeit der Kulturen problematisch ist. Es wird sich somit herausstellen, dass sich die Annahmen in Bezug auf Universalität von Lakoff, sowie von Brown & Levinson so nicht bestätigen lassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.0 Theoretischer Hintergrund
1.1 Ein Versuch, den Begriff Höflichkeit interdisziplinär zu definieren
1.2 Erving Goffmans Konzept des face
1.3 Das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen nach Paul Grice
2.0 Zwei theoretische Ansätze zum linguistischen Phänomen Höflichkeit
2.1 Robin T. Lakoff (1973): Rules of Politeness
2.2 Brown & Levinsons Face Modell (1978/87)
3.0 Diskussion
3.1 Höflichkeit - ein universales Konzept?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die linguistischen Theorien zur Höflichkeit von Lakoff sowie Brown & Levinson im Hinblick auf deren Anspruch einer universalen Gültigkeit. Im Zentrum steht die kritische Analyse, ob diese Modelle den kulturellen Unterschieden in der sozialen Interaktion gerecht werden können oder ob eine universale Höflichkeitstheorie aufgrund der Diversität kultureller Konzepte problematisch bleibt.
- Grundlagen der Höflichkeitsforschung und das Konzept des "face" nach Goffman
- Analyse des Kooperationsprinzips und der Konversationsmaximen von Grice
- Vergleichende Untersuchung der Ansätze von Lakoff und Brown & Levinson
- Kulturelle Kritik am Universalitätsanspruch linguistischer Höflichkeitsmodelle
- Unterschiede zwischen westlichem Individuum-Fokus und kollektivem face-Verständnis
Auszug aus dem Buch
3.1 Höflichkeit - ein universales Konzept?
Die bisher vorgestellten, sowie unzählige andere Untersuchungen behandeln auch die elementaren Probleme, welche bei der Entwicklung einer Höflichkeitstheorie auftreten. Wissenschaftler, die derartige Theorien aufstellen, müssen kulturelle Unterschiede in Betracht ziehen und beachten, dass die von ihnen aufgestellten und erweiterten Maximen unter Umständen von Kultur zu Kultur variieren. Während bestimmte Verhaltensweisen in einer Kultur als höflich angesehen werden, können sie in einer anderen durchaus unhöflich sein.
Dennoch verstehen die Verfasser der grundlegendsten Theorien, wie Lakoff und Brown & Levinson, ihre Konzepte als universale Konzepte.
Es lässt sich also die universelle Gültigkeit fast aller Höflichkeitsmodelle in Frage stellen. Das Modell von Lakoff ist hiervon nicht allzu sehr betroffen: Dadurch, dass sie ihre Behauptung auf universale Anwendbarkeit – im Gegensatz zu Brown & Levinson- eher abgeschwächt darstellt, wurden ihre Überlegungen kaum kritisiert. Sie selbst stellt ihre Regeln als universal dar, jedoch sagt sie, dass der Gebrauch variiert. Sie sieht dies nicht als Gegensatz, da sie lediglich die Anwendung ihrer Regeln als variabel betrachtet, die Regeln selbst sind kulturübergreifend gleich: „…in case two cultures differ in their interpretation of the politeness of an action or an utterance, is that they have the same three rules, but different orders of precedence for these rules.“ Lakoff (1973:303)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die linguistische Höflichkeitsforschung und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur Universalität existierender Theorien.
1.0 Theoretischer Hintergrund: Definition von Höflichkeit sowie Vorstellung der theoretischen Grundlagen durch Goffmans face-Konzept und Grice' Kooperationsprinzip.
2.0 Zwei theoretische Ansätze zum linguistischen Phänomen Höflichkeit: Detaillierte Betrachtung der Ansätze von Robin T. Lakoff sowie des Face Modells von Brown & Levinson.
3.0 Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit dem Universalitätsanspruch unter Berücksichtigung kulturvergleichender Perspektiven, insbesondere im ostasiatischen Raum.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Höflichkeitsmodelle stark kulturspezifisch geprägt sind und ein rein universales Modell der Höflichkeit nicht haltbar ist.
Schlüsselwörter
Höflichkeit, Linguistik, Pragmatik, face, Rules of Politeness, Brown & Levinson, Robin T. Lakoff, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen, Interaktion, Universalität, kulturelle Unterschiede, face-saving acts, soziale Kommunikation, Sprechakte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die linguistischen Höflichkeitstheorien von Robin T. Lakoff sowie Brown & Levinson und prüft deren Anspruch, weltweit universell anwendbar zu sein.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Höflichkeit, die Konzepte des face, das Kooperationsprinzip von Grice sowie die interkulturelle Anwendbarkeit dieser Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszuarbeiten, inwiefern die Behauptung einer universalen Gültigkeit der Höflichkeitsmodelle angesichts kultureller Unterschiede und Vielfalt berechtigt ist.
Welche wissenschaftlichen Grundlagen werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Theorien von Erving Goffman (face-Konzept), Paul Grice (Konversationsmaximen), Robin T. Lakoff und das Modell von Brown & Levinson.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Hintergründe, die detaillierte Analyse der Ansätze von Lakoff und Brown & Levinson sowie eine kritische Diskussion ihrer Universalität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Höflichkeit, face, Universalität, interkulturelle Kommunikation, Sprechakte und linguistische Pragmatik.
Wie unterscheidet sich das westliche face-Verständnis vom asiatischen Konzept?
Westliche Modelle fokussieren oft auf das Individuum, während in ostasiatischen Kulturen das face stärker kollektiv orientiert ist und die Harmonie innerhalb der Gemeinschaft betont.
Warum wird das Modell von Brown & Levinson in der Arbeit kritisiert?
Die Arbeit kritisiert, dass Brown & Levinson ihr Modell auf westlichen Werten aufbauen und die kulturellen Unterschiede, die eine universelle Anwendung verhindern, nicht ausreichend berücksichtigen.
Ist Höflichkeit nach den Erkenntnissen der Arbeit universal?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Höflichkeit zwar ein universales soziales Phänomen ist, die Modelle jedoch aufgrund der kulturellen Variabilität nicht universell gültig sind.
- Citation du texte
- Katharina Muders (Auteur), 2008, Höflichkeit - ein universales Konzept?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130427