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Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei

Title: Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei

Textbook , 2008 , 134 Pages

Autor:in: Kadir Özdemir (Author)

History - Asia
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Kurde, Kurdisch und Kurdistan sind Begriffe, die in jüngster Zeit in der deutschen Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den Beitrittsverhandlungen der Türkei in die EU erneut heftig diskutiert werden. Der Umgang mit der Minderheitenfrage ist für Deutschland ein entscheidendes Kriterium für die laufenden Verhandlungen.
In den Jahren zuvor berichteten die deutschen Medien über die Kurden zum größten Teil aus dem besetzten Irak. Schon in den ersten Monaten der US-Besatzung rückten insbesondere die kurdischen Iraker immer mehr in das Blickfeld. Der deutsche Diplomat Hans-C. von Sponeck, UN-Koordinator für Irak, trat aus Protest über die humanitäre Situation der Kurden und Araber unter dem US-Embargo von seinem Posten zurück.
Die Kurden leben im wasserreichen und strategisch wichtigen Osten der Türkei, im Iran und in Nordirak als bedeutende Minderheiten und sind der Schlüssel für den Zugang zu einem der energiereichsten Regionen der Welt. Der Umgang mit den Kurden hat also eine unschätzbare Bedeutung für die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Region und für verschiedene strategische Überlegungen für den gesamten Nahen Osten.
Die Kurdenfrage ist schon seit einigen Jahrzehnten unentwirrbar mit dem Erdöl und den Interessen der multinationalen Konzerne verbunden. Das Erdöl, das nahezu zwei Drittel des Welt-Energieverbrauchs speist und Ausgangsmaterial für an die 30.000 verschiedene Chemikalien ist, befindet sich unmittelbar und leicht zugänglich in den kurdisch bewohnten Gebieten. Ohne Öl würden die industrialisierten Volkswirtschaften, insbesondere der so genannten Ersten Welt, zum Erliegen kommen.
Erdöl war und ist Gegenstand globaler politischer Auseinandersetzungen, im Krieg wie in Zeiten des Friedens. In den letzten hundert Jahren führten Industrieländer unzählige Kriege zur Sicherung der Ölversorgung. Die militärische Intervention der USA und ihrer Alliierten in Kuwait im Jahre 1991 wäre ebenfalls kaum denkbar gewesen, besäße Kuwait nicht beträchtliche Ölreserven. Dass auch die Invasion im Irak an erster Stelle zum Zwecke der Kontrolle über das Öl geführt wird, kann heute kaum noch jemand ernsthaft bezweifeln. Das Öl ist längst ein wesentlicher Bestandteil der neueren Sozial- und Militärgeschichte.
In dieser Arbeit wird die Geschichte der Kurden vom Osmanischen Reich bis in die Gegenwart mit den wichtigsten Ereignissen in ihren Zusammenhängen erklärt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen: „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“

2.1 Wer gehört zu den Kurden?

2.2 Geographische Bestimmung „Kurdistans“

2.3 Die kurdischen Sprachen

3. Die Kurden und ihre Religionen

4. Die Kurden im Osmanischen Reich

4.1 Die Situation der Kurden bis zum 19. Jahrhundert

4.2 Das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert

4.3 Die Bewertung der Aufstände im 19. Jahrhundert

5. Das Osmanische Reich und die Kurden bis zum Ende des 1. Weltkrieges

5.1 Sultan Abdulhamid II (1876 - 1909), die Jungosmanen und die Kurden

5.2 Das Osmanische Reich und die Kurden im 1. Weltkrieg

6. Die Kurden nach dem Waffenstillstandsabkommen von Mudros

6.1 Der Vertrag von Sèvres

7. Die Entwicklung der Kurden in der Türkei

7.1 Türkisch-kurdischer Widerstand gegen die alliierten Invasoren

7.2 Der Vertrag von Lausanne

7.3 Von türkisch-kurdischen Muslimen zu türkischen Staatsbürgern

7.4 Die Kemalisten und die Kurden

7.5 Scheich-Said Aufstand

8. Kurden innerhalb der Republik Türkei

8.1 Kurden und der Terrorismus

8.2 Die aktuelle Lage in der Republik Türkei

9. Kurden im Iran

9.1 Die Reformen des Schah Reza

9.2 Der Aufstand von „Simko“ (1918 - 1930)

9.3 Die Kurdische Regierung von Mahabad

9.4 Der Weg der iranischen Kurden vom Schah-Regime in die Islamische Revolution

10. Die Entwicklung der Kurden im Irak

10.1 Britisch-französischer Wettlauf um die Kolonisierung Iraks

10.2 Die Annexion Mosuls an den Irak

11. Irak bis zum 1. Golfkrieg

11.1 Bis zur Machtübernahme Saddam Husseins

11.2 Der erste Golfkrieg

12. Irak und die Kurden im 2. Golfkrieg

12.1 Beginn des 2. Golfkrieges

12.2 Der Kampf um die Meinungsbildung über den Irak

12.3 Der zweite Golfkrieg im Rückblick

13. Die Vorwände für eine dauerhafte US-Besatzung

13.1 Abrüstung als Kriegsgrund

13.2 Die Rolle der Kurden

14. Wiederaufbau als Teil des Wirtschaftskrieges

15. Wohin fließt das Öl?

16. Auf der Suche nach Demokratie

17. Ein Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische und politische Entwicklung der Kurden im Osmanischen Reich sowie in den Nachfolgestaaten Türkei, Iran und Irak. Dabei wird insbesondere die Rolle von ethnischen Identitätskonzepten, nationalen Bewegungen und das wechselhafte Verhältnis zu den jeweiligen Zentralregierungen und ausländischen Mächten analysiert, wobei die Verknüpfung der kurdischen Siedlungsgebiete mit strategisch bedeutsamen Ressourcen wie Erdöl und Wasser im Zentrum steht.

  • Historische Genese des kurdischen Nationalismus im Osmanischen Reich
  • Die Auswirkungen der Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg auf die kurdische Bevölkerung
  • Soziopolitische Entwicklungen und Minderheitenpolitik in der Türkei, im Iran und im Irak
  • Einfluss westlicher Interessen und Interventionen in der Region
  • Die Rolle der Religion als identitätsstiftender Faktor im Vergleich zum Nationalismus

Auszug aus dem Buch

2. Begriffsklärungen: „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“

Die Begriffe „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“ werden selbst in wissenschaftlichen Arbeiten verwendet, ohne darauf einzugehen, worauf diese überhaupt referieren. Es entsteht dadurch der Eindruck, als gebe es per se die „Kurden“, etwas sei klar „kurdisch“ und es gebe eine einzige Nation namens „Kurdistan“.

Die „Kurden“ und “das kurdische Volk” sind keine voraussetzungslos gegebenen Begriffe, die man ohne weiteres auf jeden Abschnitt der Geschichte anwenden könnte. Wie man in den folgenden Kapiteln sehen wird, ist die Frage, wer alles zu den Kurden gehört, nicht einfach mit objektiven natur- bzw. kulturwissenschaftlichen Methoden verbindlich zu beantworten.

Der Ursprung des Begriffs „Kurde“ ist nicht endgültig geklärt. Es gibt verschiedene Hypothesen. Unter anderem wird vermutet, dass sich der Begriff „Kurde“ von dem sumerischen „Kur“ ableitet. „Kur“ bedeutet „Land“, von “Heimatland“, „Fremdland“ bis zu „Feindesland“. Eine andere Annahme ist die Abstammung von dem assyrischen Wort „Quti“. „Quti“ bedeutet „Einwohner von“ und ist semantisch mit dem sumerischen „Kur“ verwandt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Aktualität der Kurdenfrage im Kontext politischer und wirtschaftlicher Interessen im Nahen Osten.

2. Begriffsklärungen: „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“: Problematisierung der Definition von ethnischer Identität und der Herkunft der Begriffe.

3. Die Kurden und ihre Religionen: Untersuchung des Einflusses verschiedener islamischer Glaubensrichtungen und Minderheitenreligionen auf die kurdische Gemeinschaft.

4. Die Kurden im Osmanischen Reich: Analyse der sozio-politischen Stellung kurdischer Stämme und Fürstentümer vor und während der Reformära des 19. Jahrhunderts.

5. Das Osmanische Reich und die Kurden bis zum Ende des 1. Weltkrieges: Darstellung der komplexen politischen Lage unter Sultan Abdulhamid II und der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs.

6. Die Kurden nach dem Waffenstillstandsabkommen von Mudros: Analyse der geopolitischen Umbrüche und der gescheiterten Versuche für nationale Unabhängigkeit.

7. Die Entwicklung der Kurden in der Türkei: Behandlung des Widerstandes gegen Invasoren sowie der kemalistischen Reformpolitik und deren Folgen.

8. Kurden innerhalb der Republik Türkei: Diskussion der aktuellen Lage sowie der terroristischen Aktivitäten der PKK.

9. Kurden im Iran: Analyse der Reformen unter Schah Reza und der späteren kurdischen Bestrebungen (Mahabad-Republik) bis zur Islamischen Revolution.

10. Die Entwicklung der Kurden im Irak: Untersuchung der britischen Kolonialstrategien und der Annexion der Ölregion Mosul.

11. Irak bis zum 1. Golfkrieg: Darstellung der politischen Entwicklungen von der Machtübernahme Saddam Husseins bis zum Beginn des Iran-Irak-Krieges.

12. Irak und die Kurden im 2. Golfkrieg: Analyse der Rolle des Iraks und der Kurden während des Zweiten Golfkrieges.

13. Die Vorwände für eine dauerhafte US-Besatzung: Kritische Beleuchtung der amerikanischen Begründungen für die Intervention im Irak.

14. Wiederaufbau als Teil des Wirtschaftskrieges: Kritik an den privatisierten Wiederaufbaumaßnahmen unter westlicher Kontrolle.

15. Wohin fließt das Öl?: Untersuchung der strategischen Bedeutung des irakischen Öls für westliche Konzerne.

16. Auf der Suche nach Demokratie: Diskussion über die Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und der Lebensrealität im Nordirak.

17. Ein Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der Zukunft der Kurdenfrage im regionalen Kontext.

Schlüsselwörter

Kurden, Kurdistan, Osmanisches Reich, Nationalismus, Naher Osten, Erdöl, Minderheitenpolitik, PKK, USA, Irak, Iran, Türkei, Autonomie, Kolonialismus, Religion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Geschichte der Kurden vom Osmanischen Reich bis zur Gegenwart unter Berücksichtigung soziopolitischer und wirtschaftlicher Faktoren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Entwicklung des kurdischen Nationalismus, die Rolle religiöser Identitäten, die Auswirkungen der Grenzziehungen nach den Weltkriegen und die Bedeutung des Erdöls in den kurdisch besiedelten Regionen.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die komplexe Lage der Kurden in der Türkei, im Iran und im Irak zu schaffen, indem historische Zusammenhänge aufgezeigt und die oft fremdgesteuerten Interessenkonflikte dekonstruiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor verwendet eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, die sich auf vorhandene Quellen, Dokumente und Literatur stützt, um die soziopolitische Entwicklung der Region nachzuvollziehen.

Was behandelt der Hauptteil des Buches?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische und regionale Aufarbeitung der Geschichte der Kurden, beginnend im Osmanischen Reich, gefolgt von der spezifischen Entwicklung in den Nationalstaaten Türkei, Iran und Irak, sowie einer Analyse der neueren Konflikte im Zusammenhang mit westlichen Interventionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Schlüsselwörter sind Kurden, Kurdistan, Nationalismus, Erdöl, Minderheitenpolitik und geopolitische Interessen.

Warum stellt der Autor die Rolle des Erdöls so stark in den Vordergrund?

Der Autor argumentiert, dass die kurdische Frage historisch untrennbar mit den Interessen multinationaler Konzerne an den reichen Öl- und Wasserressourcen der Region verbunden ist, was die Unabhängigkeitsbestrebungen und die westlichen Interventionen maßgeblich beeinflusst.

Wie bewertet das Buch die Situation der Kurden unter der Besatzung im Irak?

Das Buch kritisiert scharf die Ausbeutung des Landes durch Besatzungsmächte und multinationale Konzerne und wirft den lokalen kurdischen Eliten vor, mit den Besatzern zu kollaborieren und dabei die langfristigen Interessen des kurdischen Volkes zu gefährden.

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Details

Title
Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei
Author
Kadir Özdemir (Author)
Publication Year
2008
Pages
134
Catalog Number
V130582
ISBN (eBook)
9783640361342
ISBN (Book)
9783640361526
Language
German
Tags
Wasser Nationalismus Studie Kurden Irak Iran Türkei
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kadir Özdemir (Author), 2008, Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130582
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