In dieser Arbeit wird anhand des jüngsten Beratungsgesprächs auf der geriatrischen Station einer Klinik für Psychiatrie die komplexe psychosoziale Situation eines Patienten und seiner Ehefrau geschildert, ein Bezug zum theoretischen Hintergrund hergestellt und die durchgeführte Intervention dargestellt und kritisch reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Vorstellung des Arbeitsbereichs und der Organisation
3 Falldarstellung
4 Interdisziplinärer Bezug
5 Theoretische Grundlage der klientenzentrierten Gesprächsführung
6 Ziele und Planung von Interventionen
7 Handeln und Reflexion
8 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Anwendung der klientenzentrierten Gesprächsführung in der Gerontopsychiatrie. Ziel ist es, die Herausforderungen und Chancen dieser Methode anhand einer praktischen Falldarstellung zu beleuchten sowie das Spannungsfeld zwischen professioneller Beratung, wirtschaftlichem Druck und ethischen Ansprüchen in einer stationären Klinik zu analysieren und kritisch zu reflektieren.
- Grundlagen der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers.
- Die psychosoziale Situation von Patienten mit fortgeschrittener Demenz und deren Angehörigen.
- Herausforderungen der interdisziplinären Zusammenarbeit in einer geriatrischen Akutaufnahmestation.
- Bedeutung der Reflexionsarbeit für das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit.
- Verhältnis zwischen ökonomischen Klinikzielen und patientenzentrierter Betreuung.
- Ergänzungsmöglichkeiten durch das Validationskonzept nach Naomi Feil.
Auszug aus dem Buch
5 Theoretische Grundlage der klientenzentrierten Gesprächsführung
Als Methode für das Beratungsgespräch wurde die klientenzentrierte Gesprächsführung oder Beratung (im Folgenden als KZB abgekürzt) gewählt. Dies erfolgte, weil es zum einen die Reflexionsfähigkeit und Selbsthilfekraft des Gesprächspartners fördert und diesen zu einer offenen Konfrontation mit den tiefliegenden innerlichen Prozessen und Inkongruenzen motiviert und zum anderen, da die KZB die Individualität, die Partizipation und die Selbstbestimmungskraft der Betroffenen in den Vordergrund der Intervention stellt.
Die Ziele der KZB sind vielfältig und komplex. Sie beinhalten Aspekte von der Anregung der individuellen Fähigkeiten und Stärkung der Partizipation der Betroffenen und reichen bis zu einer allgemeinen Lebensbewältigung (vgl. Seithe 2008, S. 12, 32). Die Hilfe zur Selbsthilfe, eines der Grundprinzipien der modernen sozialen Arbeit, wird hierbei in das Zentrum des Handelns gestellt (vgl. Galuske 2013, S. 183) und gilt gleichzeitig als Hinweis auf den breiten Anwendungsbereich der Methode. Mögliche Anlässe einer KZB können unterschiedlicher Natur sein. Sie umfassen sämtliche Aspekte, die einen Menschen beschäftigen oder behindern sowie Situationen, die eine Entscheidung erfordern (vgl. Seithe 2008, S. 32).
Diese Gesprächsführungsmethode beruht auf den Prinzipien einer nicht direktiven Beratung des personenzentrierten Ansatzes und der humanistischen Psychologie, deren Vertreter der amerikanischen Psychologe Carl Rogers ist (vgl. Stimmer/Ansen 2016, S. 217). Die Grundannahme hinter dieser Methode beruht auf dem tiefliegenden Bedürfnis des Individuums zur Aktualisierung und Selbstentwicklung. Als Resultat der Auseinandersetzung zwischen dem Individuum und seinem Umfeld und den dazugehörigen Erfahrungen entsteht das Selbstbild einer Person, das im Idealfall kongruent, konsistent und flexibel auf Änderungen reagiert (vgl. Galuske 2013, S. 181).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zur Thematik der Beratung in der Gerontopsychiatrie und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2 Vorstellung des Arbeitsbereichs und der Organisation: Beschreibung des stationären Umfelds, des medizinisch-therapeutischen Konzepts der Klinik sowie der organisationalen Herausforderungen im Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit und Betreuung.
3 Falldarstellung: Detaillierte Schilderung der psychosozialen Situation von Herrn M. und dessen Ehefrau unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs und der familiären Belastung.
4 Interdisziplinärer Bezug: Analyse der interdisziplinären Teamarbeit und der rechtlich-institutionellen Rahmenbedingungen, in denen der Kliniksozialdienst agiert.
5 Theoretische Grundlage der klientenzentrierten Gesprächsführung: Erläuterung der Methode der klientenzentrierten Gesprächsführung (KZB) und ihrer zentralen Prinzipien wie Empathie, Akzeptanz und Kongruenz.
6 Ziele und Planung von Interventionen: Darlegung der strategischen Überlegungen für das Beratungsgespräch und die Bedeutung der KZB als Werkzeug für die Entscheidungsfindung.
7 Handeln und Reflexion: Praktische Anwendung der KZB im Beratungskontext sowie kritische Reflexion des Gesprächsverlaufs und der professionellen Rolle.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Relevanz der klientenzentrierten Methode für die professionelle Soziale Arbeit in belastenden klinischen Kontexten.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Gerontopsychiatrie, klientenzentrierte Gesprächsführung, KZB, Demenz, Angehörigenarbeit, Interdisziplinarität, Entlassmanagement, Beratung, Reflexion, Professionalität, Partizipation, Identität, Altenhilfe, Patientenwohl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der klientenzentrierten Gesprächsführung in einem gerontopsychiatrischen Kliniksetting.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen psychiatrische Patientenberatung, das Entlassmanagement, die Anwendung humanistischer Beratungsmethoden und die Reflexion professioneller Handlungsweisen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Einsatz der klientenzentrierten Gesprächsführung bei komplexen Fallkonstellationen zu prüfen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Beratungsqualität aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Falldarstellung gewählt, die mit theoretischen Konzepten der klientenzentrierten Beratung nach Carl Rogers verknüpft und kritisch reflektiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Gesprächsführung, die spezifische Fallbeschreibung des Ehepaars M., die interdisziplinäre Einbindung und die kritische Aufarbeitung des Beratungsgesprächs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Soziale Arbeit, Gerontopsychiatrie, klientenzentrierte Gesprächsführung und Reflexion sind die zentralen Begriffe.
Wie beeinflussen wirtschaftliche Klinikziele die Beratung von Frau M.?
Der ökonomische Druck zur zeitnahen Entlassung begrenzt oft die für den Beziehungsaufbau notwendige Zeit, was zu einer erzwungenen Komprimierung des Gesprächsinhalts führt.
Warum ist das Validationskonzept nach Naomi Feil eine sinnvolle Ergänzung?
Da das Validationskonzept speziell auf die Bedürfnisse demenzkranker Personen und deren herausfordernde Lebenswelt ausgerichtet ist, ergänzt es die klientenzentrierte Haltung optimal im Umgang mit Patienten wie Herrn M.
- Arbeit zitieren
- Alexandra Brunet (Autor:in), 2021, Chancen und Grenzen der klientenzentrierten Gesprächsführung in der Gerontopsychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1306032