Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Stress und Angst im Allgemeinen sowie Stress und Angst während der Pandemie. Mit dem Wissen, dass das Feld ein sehr umfassendes ist und nur ein kleiner Teilbereich berücksichtigt werden kann, wird zunächst der Zusammenhang von Stress und Angst skizziert, um folgende Forschungsfrage zu bearbeiten: Sind durch den langanhaltenden Stress im Zusammenhang mit der Emotion Angst während der COVID-19-Pandemie Auswirkungen für die Psyche zu erwarten?
Am 31.12.2019 wurde die World Health Organization (WHO) erstmals über die Häufung einer Lungenerkrankung noch unbekannter Ursache in Wuhan, China informiert. Einige Tage später identifizierten chinesische Behörden ein neuartiges Coronavirus: „SARS-CoV-2“, das später „COVID-19-Virus“ benannt wurde. Am 30. Januar 2020 rief die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite aus und am 11. März 2020 schließlich wurde der Ausbruch aufgrund der rapiden Ausbreitung zu einer Pandemie erklärt.
Die Konfrontation mit dem Virus und der gesamten neuen pandemischen Situation kam weitgehend unerwartet und sorgt(e) weltweit für ein großes Maß an Unsicherheit und Stress. Die Situation war und ist außergewöhnlich, unvorhersehbar und die Maßnahmen unvergleichlich. So ist mittlerweile davon auszugehen, dass nicht nur die unmittelbare Bedrohung durch das Virus eine große Herausforderung für die menschliche Psyche darstellt, sondern auch die Maßnahmen, die notwendig sind, um das Virus einzudämmen und somit die Bevölkerung zu schützen. Da ein Ende der COVID-19-Pandemie noch nicht abzusehen ist, Menschen weltweit nach wie vor mit einer Vielzahl unbekannter Variablen leben müssen und zu erwarten ist, dass aufgrund des heutigen Lebensstils und der Globalisierung weitere Pandemien folgen werden, wird die Relevanz sehr hoch eingeschätzt, mehr über die psychischen Auswirkungen von pandemiebedingtem Stress zu erforschen. "Pandemiebedingte Stressreaktionen können so verstanden werden, dass durch das "Naturkatastrophen-hafte" ein natürlicher "Überlebensinstinkt" angesprochen wird, um dieser Gefahr aktiv durch "Kampf" entgegenzutreten oder durch "Flucht" zu entziehen."
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärung und Definitionen
3 Stress und Angst
3.1 Stressmodell nach Lazarus
3.2 Chronischer Stress
3.3 Vulnerabilitäts-Stress-Modell
4 Stress und Angst während der Pandemie
4.1 Untersuchungen der SARS-Epidemie 2002/03
4.2 Empirische Studien der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie
5 Schlussfolgerung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen langanhaltendem Stress und der Emotion Angst während der COVID-19-Pandemie. Ziel ist es, unter Anwendung psychologischer Stressmodelle zu analysieren, ob durch die pandemiebedingte Situation Auswirkungen auf die menschliche Psyche zu erwarten sind.
- Grundlagen von Stress und Angst aus psychologischer Sicht
- Anwendung des Stressmodells nach Lazarus auf Pandemiesituationen
- Analyse von Stressfaktoren während der COVID-19-Pandemie
- Diskussion von Bewältigungsstrategien (Coping) und Resilienz
- Betrachtung empirischer Studien zu psychischen Belastungen in der Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
3.1 Stressmodell nach Lazarus
Wie eine Person auf Stress reagiert, ist sehr individuell, was damit verbunden ist, dass gegebene Stressoren sowie verfügbare eigene Ressourcen unterschiedlichen emotionalen und kognitiven Bewertungen unterliegen.
Lazarus geht nach seinem Stressmodell (1966) davon aus, dass diese beiden Bewertungsarten aufeinander folgen. So kommt es zunächst zu einer primären Bewertung (primary appraisal) der auftretenden Stressoren und im Anschluss zu einer sekundären Bewertung (secondary appraisal) "der persönlichen körperlichen, geistigen, materiellen und sozialen Ressourcen" die zur Bewältigung der Stressoren verfügbar sind. Erst aus diesen Bewertungen folgt der individuell erlebte emotionale Stress, also beispielsweise Angst.
Wichtig ist, dass der Prozess dieser Bewertungen erst abgeschlossen ist, wenn genügend eigene und effektive Bewältigungsstrategien gefunden sind. Werden die eigenen Ressourcen dauerhaft als nicht ausreichend bewertet, kann chronischer Stress entstehen (Becker-Carus et al., 2017, S. 559f.).
Hüther beschreibt, dass Lazarus auch eine dritte Phase aufführt: die Neubewertung der Situation und erst im Anschluss an diese drei Phasen der Bewältigungsprozess (coping) folgt (Hüther, 2018, S. 29).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehung der COVID-19-Pandemie ein und verdeutlicht die psychologische Relevanz der Erforschung pandemiebedingter Stressreaktionen.
2 Begriffserklärung und Definitionen: In diesem Kapitel werden zentrale Fachbegriffe wie Pandemie, Emotion, Stressor, Resilienz, Vulnerabilität, Coping und Habituation wissenschaftlich definiert.
3 Stress und Angst: Dieses Kapitel erläutert die Komponenten von Stress, die evolutionäre Bedeutung der Kampf-Flucht-Reaktion und die biologische Bedeutung von Angst.
3.1 Stressmodell nach Lazarus: Hier steht die individuelle kognitive und emotionale Bewertung von Stressoren im Fokus, unterteilt in primäre und sekundäre Bewertungsprozesse.
3.2 Chronischer Stress: Dieser Abschnitt beschreibt die physiologischen Folgen von Dauerstress und dessen potenzielle Rolle bei der Entstehung psychischer Erkrankungen.
3.3 Vulnerabilitäts-Stress-Modell: Das Kapitel erklärt, wie genetische Belastungen und soziale Umstände die Anfälligkeit des Einzelnen für Stresssituationen beeinflussen.
4 Stress und Angst während der Pandemie: Hier wird analysiert, welche spezifischen Stressoren und Ängste im Kontext einer Pandemie auf die Bevölkerung wirken.
4.1 Untersuchungen der SARS-Epidemie 2002/03: Dieses Kapitel zieht Lehren aus früheren Pandemien, um die psychischen Belastungen der aktuellen Lage besser einordnen zu können.
4.2 Empirische Studien der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie: Dieser Teil fasst aktuelle Daten und Umfragen zu Stress, Angst und Depressionen in der Bevölkerung während der COVID-19-Pandemie zusammen.
5 Schlussfolgerung und Diskussion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, kritisiert die vorläufige Natur der klinischen Erkenntnisse und gibt einen Ausblick auf den Forschungsbedarf, insbesondere zur Pandemiekommunikation.
Schlüsselwörter
COVID-19-Pandemie, Stress, Angst, psychische Gesundheit, Lazarus-Modell, Chronischer Stress, Vulnerabilität, Resilienz, Coping, Psychologie, Habituation, Pandemiekommunikation, Belastungsfaktoren, Mentale Gesundheit, Bewältigungsstrategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die psychologischen Auswirkungen von langanhaltendem Stress und der Emotion Angst, die durch die besonderen Bedingungen der COVID-19-Pandemie ausgelöst wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen von Stress und Angst, moderne psychologische Stressmodelle, die Spezifika von pandemiebedingten Stressoren sowie eine Auswertung empirischer Studien zur psychischen Verfassung der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob infolge des langanhaltenden Stresses und der damit verbundenen Angst während der Pandemie ernsthafte Auswirkungen für die psychische Gesundheit zu erwarten sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, bei der psychologische Fachliteratur sowie aktuelle empirische Studien und Meta-Analysen zur COVID-19-Pandemie herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle (wie Lazarus und das Vulnerabilitäts-Stress-Modell) mit konkreten empirischen Ergebnissen zur Pandemie verknüpft, um das Stresserleben der Menschen wissenschaftlich zu erklären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Kernbegriffe sind Stress, Pandemie, Angst, Resilienz, psychische Auswirkungen, Vulnerabilität und Coping.
Was sagt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell in Bezug auf die Pandemie aus?
Das Modell erklärt, warum Menschen unterschiedlich stark auf die Belastungen der Pandemie reagieren, abhängig von ihrer individuellen genetischen Veranlagung und ihren sozialen Lebensumständen.
Welche besondere Schlussfolgerung zieht die Autorin zur Pandemiekommunikation?
Die Autorin stellt fest, dass neben den klassischen psychologischen Faktoren auch die Art der medialen und politischen Kommunikation einen erheblichen Einfluss auf das Stressempfinden der Bevölkerung hat und weiter erforscht werden sollte.
- Citation du texte
- Diana Weinhardt (Auteur), 2022, Langanhaltender Stress und Angst während der COVID-19-Pandemie. Ausblick auf mögliche psychische Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1306278