In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche Paradigmen, Vorstellungen und Bilder dem vieldiskutierten Konzept der Balanced Scorecard (BSC)zugrunde liegen. Von Kaplan und Norton Anfang der 90er Jahre zunächst als Instrument des Performance-Measurement entwickelt, das in der Lage sein sollte, nicht nur im Nachhinein harte finanzielle Erfolgsgrößen zu messen, sondern auch immaterielle Vermögenswerte als Erfolgstreiber im Vorfeld einzubeziehen, wurde die BSC später verstanden als universelles Managementsystem, welches die Fokussierung von Organisationen auf die Unternehmensstrategie erlaubt.
Diese Hausarbeit nähert sich ihrem Gegenstand auf theoretische Art und Weise und bezieht sich sowohl auf die Darstellung der BSC in Werken von Kaplan und Norton und wesentlicher Vertreter dieses Ansatzes im deutschsprachigen Raum, als auch auf die Rezeption in Artikeln einschlägiger Fachzeitschriften und Bücher, insbesondere aus dem Nonprofit-Sektor.
Was versucht wird, sind der Nachvollzug und die kritische Auseinandersetzung mit der BSC im Sinne der Fragestellung der Arbeit, wobei die grundlegende Kenntnis der BSC vorausgesetzt wird.
Die Praxis der Führung von Organisationen (insbesondere NPO) mit den sich in ihr stellenden Problemen und Anforderungen kommt dabei als Bewährungsfeld der BSC zu Wort, denn bei Praktikern genießt sie hohes Ansehen, trifft also offensichtlich ein Bedürfnis. Auch darauf wird näher eingegangen, um schließlich zu umreißen, welche praktischen Implikationen und Folgen sich aus den herausgearbeiteten Paradigmen, Vorstellungen und Bildern ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorbemerkung zu impliziten und expliziten Aussagen
3. Grundlegende Muster
3.1 Bilder
3.2 Das Paradigma der BSC
3.3 Kennzahlen
4. Organisationsverständnis
4.1 Zusammenhang von Organisations- und Führungsverständnis
5. Führungsverständnis
5.1 Implizite Ideen und Vorstellungen
5.2 Explizite Aussagen
6. Reduktion der Komplexität und ihre Folgen
7. Was sich Praktiker von der BSC versprechen
8. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Führungs- und Organisationsverständnis, welches dem Balanced Scorecard (BSC) Konzept zugrunde liegt. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern der Anspruch der BSC auf Steuerung und Kontrolle durch die Reduktion von Komplexität in der Praxis tatsächlich haltbar ist und welche impliziten Menschen- und Organisationsbilder dabei transportiert werden.
- Analyse der theoretischen Paradigmen der Balanced Scorecard.
- Untersuchung des Führungsverständnisses und der Rolle von Managementinstrumenten.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Steuerungsideal und der Komplexitätsreduktion.
- Vergleich von impliziten Vorstellungen und expliziten Aussagen der BSC-Literatur.
- Reflektion der Popularität der BSC in der Praxis, insbesondere im Non-Profit-Sektor.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bilder
Die im Kontext der BSC vermittelten Bilder enthalten meiner Auffassung nach die komprimierte Fassung ihres Verständnisses von Führung und Organisation, sie bilden sozusagen den vortheoretischen, impliziten Kern.11 In der Literatur zur BSC häufiger vorzufinden ist das von Kaplan und Norton selbst eingeführte Bild des Cockpits.12 Poniewaz bemüht darüber hinaus das Bild des Schiffs, das den „Zielhafen“ erreicht.13 Schmidt und Friedag verwenden zudem das Bild des strategischen Hauses14 Letztlich ist auch der Begriff der Steuerung - Kaplan und Norton führen das Bild weiter, indem sie von Stellhebeln der Steuerung15 sprechen - selbst schon eine Metapher, ebenso wie das im Kontext der BSC sehr häufig benutzte Wortbild Instrument.
Die Herkunft aus dem Bereich der Technik ist den im Kontext der BSC verwendeten Bildern gemeinsam, mit denen das Ideal der Steuerung unmittelbar zum Ausdruck gebracht wird. Impliziert ist dabei zum einen ein Verständnis von Organisation als Maschine, das gekennzeichnet ist von der Annahme steuerbarer Ursache-Wirkungs-Beziehungen, deren Organisierung und Verknüpfung zu präzisen und verlässlichen Resultaten führt.16 Das Bild vom Cockpit suggeriert zudem eine zentrale Steuerungseinheit, welche, mit den notwendigen Instrumenten ausgestattet, in der Lage ist, die Maschine Unternehmen vollständig zu überblicken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Führung und Organisation ein und stellt die Balanced Scorecard als Instrument der strategischen Steuerung vor.
2. Vorbemerkung zu impliziten und expliziten Aussagen: Hier wird der theoretische Gehalt der BSC erläutert und das Instrument als Mittel zur Operationalisierung strategischer Ziele definiert.
3. Grundlegende Muster: Dieses Kapitel analysiert die der BSC zugrunde liegenden Metaphern und Denkmuster, insbesondere das mechanistische Verständnis von Steuerung.
4. Organisationsverständnis: Es werden verschiedene Organisationsmodelle verglichen und deren Einfluss auf die Steuerungsphilosophie der BSC untersucht.
5. Führungsverständnis: Dieses Kapitel beleuchtet, welches Menschenbild und welche Rolle der Führungskraft durch das BSC-Konzept implizit und explizit vermittelt werden.
6. Reduktion der Komplexität und ihre Folgen: Hier wird kritisch erörtert, welche Konsequenzen die strategische Reduktion von Komplexität für die Steuerung von Organisationen hat.
7. Was sich Praktiker von der BSC versprechen: Dieses Kapitel untersucht die Popularität der BSC und die spezifischen Erwartungen von Anwendern im Berufsalltag.
8. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und warnt vor der Gefahr, die BSC als universelles Patentrezept für komplexe Führungsprobleme zu verstehen.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Führung, Organisationsverständnis, Komplexitätsreduktion, Managementinstrumente, Steuerung, Strategie, Performance Measurement, Non-Profit-Organisation, Kontrollparadigma, Metaphern, Führungsstil, Organisationsentwicklung, Unternehmensführung, Managementmode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen und praktischen Grundlagen der Balanced Scorecard (BSC) und deren Auswirkungen auf das Führungs- und Organisationsverständnis.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Steuerung und Kontrolle, die Rolle von Kennzahlensystemen, der Umgang mit Komplexität sowie die Rolle der Führungsperson in Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die der BSC zugrunde liegenden Paradigmen, Bilder und impliziten Annahmen kritisch zu hinterfragen und ihre Grenzen in der praktischen Anwendung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen theoretischen Ansatz, der die vorhandene Literatur zur BSC kritisch nachvollzieht, mit Organisationsmodellen vergleicht und mit fachwissenschaftlichen Diskursen zur Führung verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die verwendeten Bilder (wie das Cockpit), das Paradigma der Steuerung, die Rolle von Kennzahlen sowie die expliziten und impliziten Führungsanforderungen innerhalb des BSC-Konzepts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Balanced Scorecard, Organisationsverständnis, Steuerungsideal, Komplexitätsreduktion und Managementmode.
Warum wird das Bild des „Cockpits“ in der BSC kritisch gesehen?
Es suggeriert eine vollständige Steuerbarkeit von Unternehmen als „Maschine“, was laut der Arbeit die Realität komplexer, menschlich geprägter Organisationsprozesse verkennt und den Blickwinkel auf wesentliche Aspekte verengen kann.
Welchen Stellenwert nimmt die BSC in Non-Profit-Organisationen (NPO) ein?
Laut der Arbeit besteht in NPO ein besonderes Bedürfnis nach Struktur und Profession, weshalb dort eine hohe Empfänglichkeit für vermeintliche „Wunderwaffen“ wie die BSC herrscht, um Managementdefizite auszugleichen.
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- Jan Feldmann (Autor), 2006, Steuerung und Kontrolle , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130867