Dänemark wird wegen seiner stark reduzierten Arbeitslosigkeit und eines kontinuierlichen Schuldenabbaus oft als Musterland Europas bezeichnet. Das war jedoch nicht immer so. Anfang der 90-er Jahre war der dänische Arbeitsmarkt von einer hohen Arbeitslosigkeit und mangelhaften Qualifikationen, von Zentralismus und Unbeweglichkeit geprägt. Durch ein Zusammenspiel von Fiskal-, Lohn- und Arbeitsmarktpolitik gelang es jedoch, bis zum Jahr 2003 die Arbeitslosenrate auf 6,2% zu halbieren - und das trotz einer im internationalen Vergleich hohen Beschäftigungsquote von über 75%.
Dieser Erfolg war ohne größere Einschnitte in das Sozialsystem und ohne Lohnkürzungen möglich. Mittelpunkt der Maßnahmen war das „goldene Dreieck der Flexicurity“ – ein generöses Sozialsystem, ein flexibler Arbeitsmarkt und eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit dem Prinzip „Fördern und Fordern“.
Ziel dieser Arbeit ist es, die einzelnen Bestandteile der Beschäftigungspolitik und die von ihr ausgehenden Anreize näher zu betrachten. Dabei werden zuerst die Ursachen der bestehenden Arbeitslosigkeit bis 1993 analysiert. Anschließend wird auf die das Wirtschaftswachstum einleitende Fiskalpolitik eingegangen, bevor die Gründe einer moderaten Lohnpolitik näher betrachtet werden. Danach werden dann die einzelnen Elemente der dänischen Flexicurity und ihre Wirkungen auf Arbeitsangebot und –nachfrage dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Arbeitslosenentwicklung bis 1993
2.1) Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
2.2) Strukturelle Arbeitslosigkeit
2.3) Struktur der Arbeitslosigkeit
3) Fiskalpolitik
3.1) Antizyklische Fiskalpolitik
3.1.1) Die Steuerreformen
3.1.2) Ausgabenerhöhung und Abbau der Schulden
4) Lohnpolitik
5) Arbeitsmarktpolitik
5.1) Das „Goldene Dreieck der Flexicurity“
5.1.1) Die aktive Arbeitsmarktpolitik
5.1.2) Der flexible Arbeitsmarkt
5.1.3) Das Führsorgesystem
5.2) Die passive Arbeitsmarktpolitik
6) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das dänische Beschäftigungsmodell („Flexicurity“) und analysiert, durch welches Zusammenspiel von Fiskal-, Lohn- und Arbeitsmarktpolitik das Land seine Arbeitslosigkeit seit 1993 signifikant halbieren konnte.
- Analyse der Ursachen für die hohe dänische Arbeitslosigkeit bis 1993
- Untersuchung der fiskalpolitischen Maßnahmen zur Wachstumsförderung
- Darstellung der Lohnpolitik und der Rolle der Tarifpartner
- Erklärung des „Goldenen Dreiecks der Flexicurity“
- Bewertung von aktiven und passiven Arbeitsmarktmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
5.1.1) Die aktive Arbeitsmarktpolitik
Aktive Arbeitsmarktpolitik bietet nicht nur die Chance der Einkommenssicherung für Geförderte, sondern ebenfalls aktive Hilfestellung, um in reguläre Beschäftigung zurückzufinden. Langzeitarbeitslosigkeit kann so frühzeitig entgegengewirkt werden. Aktivierungsmaßnahmen (AM) ändern nichts an der Anzahl von Arbeitsuchenden. Durch ungezielte subventionierte AM entsteht jedoch ein Konkurrenzdruck für Insider, da die Lohnkosten für einen in AM-befindenden Arbeitslosen für einen AG geringer sind. Diesem erwünschten beschäftigungspolitischen Wettbewerbseffekt wird jedoch teilweise entgegengewirkt, denn Insider werden in ihr Lohnverhandlungskalkül nicht nur die erhöhte Konkurrenz mit einbeziehen, sondern ebenfalls die Tatsache, dass sie im Falle eigener Arbeitslosigkeit durch die Teilnahme an AM ihre eigene Wohlfahrt erhöhen: einerseits erzielen sie im Vergleich zur offenen Arbeitslosigkeit dann selbst ein höheres Einkommen. Um dies zu verhindern muss das Einkommen also dem passiven Leistungsbezug bei offener Arbeitslosigkeit angepasst werden. Andererseits haben sie selbst bei ungezielter aktiver Arbeitsmarkpolitik die Möglichkeit, im effektiven Arbeitskräftepotential zu bleiben. Wohlfahrtseffekt und Wettbewerbseffekt wirken dabei einander entgegen. Für die Entstehung eines positiven Netto-Beschäftigungseffekts muss jedoch ein Abstand zur Qualität der regulären Beschäftigung gewahrt werden. Aufgrund verbesserter Qualifikationen durch AM können sich trotz Lohndruckerhöhung positive Beschäftigungseffekte ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Stellt das Thema des dänischen Beschäftigungsmodells vor und erläutert das Ziel der Arbeit, die Bestandteile des Erfolgs zu untersuchen.
2) Arbeitslosenentwicklung bis 1993: Analysiert den historischen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Dänemark aufgrund konjunktureller Abschwünge und struktureller Probleme.
3) Fiskalpolitik: Beschreibt die Rolle expansiver Fiskalpolitik und spezifischer Steuerreformen zur Belebung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage.
4) Lohnpolitik: Erläutert die moderate Lohnentwicklung durch einen Wandel in der Struktur der Lohnverhandlungen und die Kooperation der Tarifpartner.
5) Arbeitsmarktpolitik: Detailliert die Komponenten des „Goldenen Dreiecks der Flexicurity“ bestehend aus aktivem Arbeitsmarkt, Flexibilität und Fürsorgesystem.
6) Fazit: Fasst zusammen, dass der Erfolg auf einem abgestimmten Policy-Mix basiert und Dänemark als Musterbeispiel für Arbeitsmarktpolitik dient.
Schlüsselwörter
Dänemark, Beschäftigungspolitik, Flexicurity, Arbeitslosigkeit, Fiskalpolitik, Lohnpolitik, Arbeitsmarkt, Sozialsystem, Aktivierungsmaßnahmen, Strukturwandel, Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarktpolitik, Wohlfahrt, Steuersystem, Schuldenabbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Dänemark seine Arbeitslosenquote zwischen 1993 und 2003 erfolgreich halbieren konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Fiskalpolitik, Lohnpolitik und Arbeitsmarktpolitik unter dem Aspekt der sogenannten Flexicurity.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die einzelnen Bestandteile der dänischen Beschäftigungspolitik zu untersuchen und die von ihr ausgehenden ökonomischen Anreize zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse und Auswertung makroökonomischer Daten sowie der existierenden Fachliteratur zum dänischen Arbeitsmarkt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der fiskalischen Rahmenbedingungen, der Lohnverhandlungsstruktur und der detaillierten Instrumente der dänischen Arbeitsmarktpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Flexicurity, Beschäftigungsquote, Arbeitslosenentwicklung, Steuerreform, aktives Arbeitsmarktmodell und strukturelle Arbeitslosigkeit.
Was genau ist das „Goldene Dreieck der Flexicurity“?
Es ist ein Modell, das aus drei Elementen besteht: einem flexiblen Arbeitsmarkt, einer aktiven Arbeitsmarktpolitik und einem generösen Sozialversicherungssystem.
Wie trägt die Steuerpolitik zur Beschäftigung bei?
Durch die Senkung von Grenzsteuersätzen und die Erweiterung der Steuerbasis wurden Anreize für Arbeitsangebot und Investitionen geschaffen.
Warum haben die Gewerkschaften moderate Lohnsteigerungen akzeptiert?
Durch eine Dezentralisierung der Verhandlungen und die Einbindung in politische Ziele sahen die Tarifpartner die Notwendigkeit, ökonomische Stabilität zu wahren.
Welche Rolle spielen Sanktionen bei der Arbeitsmarktpolitik?
Sanktionen dienen als Teil des Prinzips „Fördern und Fordern“, um die Teilnahme an Aktivierungsmaßnahmen zu sichern und die Rückkehr in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen.
- Citation du texte
- Dipl.-Kff Dorothee Raff (Auteur), 2005, Dänische Beschäftigungspolitik als Vorbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130873