Diese Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem polnischen Parteiensystem vom Systemumbruch 1989 bis 2008 und zeichnet den Werdegang der aktuellen politischen Elite nach.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Systemtransformation in Ostmitteleuropa
2.1. Theorien zur Systemtransformation
2.2. Parteien und Cleavages
2.2.1. Polnische Besonderheiten
2.2.2. Prägende Konfliktlinien des polnischen Parteiensystems
2.3. Das politische Akteursspektrum in Polen
2.4. Polnische Gesellschaft und politische Partizipation
3. Die Ursprünge des pluralistischen Parteiensystems in Polen
3.1. Der ausgehandelte Systemwechsel am Runden Tisch
3.2. Ergebnisse des Runden Tisches
3.3. Zwischenbilanz
4. Der „Kontraktsejm 1989 bis 1991“
4.1. Die Machtverschiebung nach den halbfreien Wahlen
4.2. Erste Veränderungen in der Parteienlandschaft
4.2.1. Auflösung der PZPR
4.2.2. Zersplitterung der Solidarność
4.2.3. Die ehemaligen Blockparteien
4.3. Die Regierung Mazowiecki
4.4. Die Regierung Bielecki
4.5. Zwischenbilanz
5. Der erste frei gewählte Sejm „1991 bis 1993“
5.1. Die Parteienlandschaft nach den Wahlen
5.2. Die Regierung Olszewski
5.3. Die Regierung Suchocka
5.4. Verabschiedung der „Kleinen Verfassung“
5.5. Zwischenbilanz
6. Das Parlament „1993 bis 1997“
6.1. Die Parteienlandschaft nach den Wahlen
6.2. Die Regierung Pawlak
6.3. Die Regierung Oleksy
6.4. Die Regierung Cimoszewicz
6.5. Die neue Verfassung der Republik Polen
6.6. Zwischenbilanz
7. Das Parlament „1997 bis 2001“
7.1. Die Parteienlandschaft nach den Wahlen
7.2. Die Regierung Buzek
7.3. Zwischenbilanz
8. Der Sejm „2001 bis 2005“
8.1. Die Parteienlandschaft nach den Wahlen
8.2. Die Regierung Miller
8.3. Die Regierung Belka
8.4. Zwischenbilanz
9. Der Sejm „2005 bis 2007“
9.1. Die Parteienlandschaft nach den Wahlen
9.2. Die Regierung Marcinkiewicz unter der Regie der Kaczyńskis
9.3. Die Regierung J. Kaczyński
9.4. Zwischenbilanz
10. Die Parlamentswahlen 2007
10.1. Die Regierung Tusk
10.2. Die aktuelle Parteienlandschaft
11. Schlussbemerkungen
12. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zeichnet die Entwicklung des polnischen Parteiensystems seit der Systemtransformation 1989 nach und bewertet diese im Kontext der politischen Konsolidierung. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob bereits von einem konsolidierten Parteiensystem in Polen gesprochen werden kann und welche Defizite in diesem Prozess bestehen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einfluss der politischen Elite liegt.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der Systemtransformation und Parteienbildung
- Untersuchung des "Runden Tisches" als Ursprung der pluralistischen Parteienlandschaft
- Bewertung der Entwicklung polnischer Regierungen von 1989 bis 2007
- Diskussion soziokultureller Konfliktlinien (Cleavages) und deren Einfluss auf die Parteien
- Analyse der Rolle der Zivilgesellschaft und der politischen Partizipation
Auszug aus dem Buch
3.1 Der ausgehandelte Systemwechsel am Runden Tisch
Der Systemwechsel in Polen ist das Ergebnis von Kompromissen zwischen kommunistischem Regime und Opposition und wurde eingeleitet von der „langen Erosion des Sozialismus“ (von Beyme, zitiert nach Nohlen/ Kasapovic). Eine Krisensituation zwang beide Seiten an den Verhandlungstisch, um dort aus einer Pattsituation heraus nach Lösungswegen zu suchen. Auch in Polen wähnten sich damals beide Verhandlungsparteien in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis und starteten nach mehreren Anläufen im Februar 1989 schließlich mit offiziellen Gesprächen am sogenannten Runden Tisch. Die Option, gemeinsame Verhandlungen als Ausweg aus der damaligen Staatskrise wählen zu können, entstand dadurch, dass in beiden Gruppen die kompromissbereiten Kräfte dominierten.
Nachdem die PZPR den ersten Versuch, einen Runden Tisch zu installieren, im Sommer 1988 mit der Begründung abgewiesen hatte, die Forderungen von Solidarność-Führer Lech Wałęsa nach der Wiederzulassung der Gewerkschaft und der Institutionalisierung einer generellen Opposition sei inakzeptabel, revidierte die PZPR ihre Haltung ein halbes Jahr später. Die Regierung verfolgte derweil das Ziel, mithilfe des Runden Tisches die Verantwortung für die angestrebten politischen und wirtschaftlichen Reformen mit der Opposition teilen zu können. Sie hegte die Hoffnung, ein über die Partei hinausreichendes Mandat für Reformen zu einem möglichst niedrigen politischen Preis erhalten zu können, während wiederum die Solidarność hoffte, die angestrebte Wiederzulassung der Gewerkschaft werde der Türöffner für weitere Zugeständnisse der Regierung und damit ein erster Schritt zur Herausbildung eines pluralistisch-demokratischen Systems sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Ambivalenz des polnischen Parteiensystems ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Transformationsprozess nach 1989 zu bewerten und den aktuellen Ist-Zustand zu analysieren.
2. Die Systemtransformation in Ostmitteleuropa: Dieses Kapitel erläutert theoretische Ansätze der Transformationsforschung sowie das Cleavage-Konzept und diskutiert deren Anwendbarkeit auf die polnische Situation.
3. Die Ursprünge des pluralistischen Parteiensystems in Polen: Hier werden die Hintergründe des Runden Tisches, die Verhandlungsparteien und die Kompromisse beleuchtet, die den Systemwechsel in Polen einleiteten.
4. Der „Kontraktsejm 1989 bis 1991“: Dieses Kapitel analysiert die erste Phase des politischen Umbruchs, die Regierungen Mazowiecki und Bielecki sowie die Zersplitterung der Solidarność.
5. Der erste frei gewählte Sejm „1991 bis 1993“: Hier stehen die Wahlen von 1991, die Regierungen Olszewski und Suchocka sowie die Verabschiedung der „Kleinen Verfassung“ im Mittelpunkt.
6. Das Parlament „1993 bis 1997“: Dieses Kapitel behandelt die Rückkehr der Postkommunisten an die Macht, die Regierungen Pawlak, Oleksy und Cimoszewicz sowie die neue Verfassung von 1997.
7. Das Parlament „1997 bis 2001“: Fokus auf die AWS-geführte Regierung Buzek, die erneute Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse und die wirtschaftlichen Reformen.
8. Der Sejm „2001 bis 2005“: Analyse der Regierungen Miller und Belka unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und im Vorfeld des EU-Beitritts.
9. Der Sejm „2005 bis 2007“: Untersuchung des Rechtsrucks durch die PiS, der Regierung Marcinkiewicz und J. Kaczyński sowie der Zuspitzung der innenpolitischen Konfrontation.
10. Die Parlamentswahlen 2007: Dieses Kapitel widmet sich dem Sieg der PO, der Regierung Tusk und der aktuellen Parteienlandschaft.
Schlüsselwörter
Polen, Parteiensystem, Systemtransformation, Demokratisierung, Solidarność, PZPR, Sejm, Parlamentswahlen, politische Elite, Transformation, Cleavage, Regierungsbildung, politische Kultur, Parteienlandschaft, Konsolidierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Konsolidierung des polnischen Parteiensystems vom Zusammenbruch des kommunistischen Systems 1989 bis zum Jahr 2008.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die Systemtransformation, die Bedeutung von Cleavages, die Rolle der politischen Eliten, Regierungswechsel sowie die Auswirkungen von Wahlsystemen auf die politische Stabilität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, zu bewerten, ob das polnische Parteiensystem bereits als konsolidiert betrachtet werden kann und welche Defizite und Herausforderungen dabei identifiziert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten politikwissenschaftlichen Analyse, die verschiedene Theoriestränge wie die Modernisierungs- und Akteurstheorie sowie empirische Daten zu Wahlergebnissen und Regierungsbildungen heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch nach Legislaturperioden, von den Anfängen am Runden Tisch bis zur aktuellen Regierung unter Donald Tusk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die polnische Systemtransformation, der Begriff der Solidarność, das Parteiensystem, die Rolle der politischen Eliten wie der Kaczyńskis oder Donald Tusk sowie die politische Kultur Polens.
Welche Rolle spielten die Kaczyńskis in der polnischen Politik nach 2005?
Die Zwillinge Kaczyński prägten die Politik durch einen nationalistischen und moralisch-konservativen Kurs, strebten eine "IV. Republik" an und versuchten, staatliche Institutionen und Medien maßgeblich unter ihren Einfluss zu bringen.
Warum wird Polen im internationalen Vergleich oft als instabil bezeichnet?
Die häufigen Regierungswechsel, die hohe Fragmentierung des Parlaments in den 1990er Jahren und die tiefgreifenden Umbrüche nach jedem Wahlzyklus werden als Indikatoren für eine mangelnde institutionelle Stabilität angeführt.
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- Magister Gregor Wallach (Author), 2008, Das polnische Parteiensystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131190