Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die Krise der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) durch ideelle Ansätze zu erklären ist. Hierfür wird zunächst das Konzept genereller ideeller Erklärungsansätze sowie die Politik des Dritten Weges vorgestellt. Im darauffolgenden Abschnitt wird näher auf die Theorie Chantal Mouffes eingegangen. Diese zeigt einige Gemeinsamkeiten zu den klassischen ideellen Erklärungsansätzen, schlägt mit ihrem Lösungsvorschlag jedoch eine andere Richtung ein. Die Hinwendung zur Hegemonie und zum Pluralismus verordnet die belgische Politikwissenschaftlerin in der postmarxistischen Tradition, zu der unter anderem auch Ernesto Laclau und Jacques Rancière gehören.
Im dritten Kapitel werden der Zustand und die Entwicklung der SPÖ anhand mehrerer Indikatoren analysiert. So zeigen Studien der Wahlprogramme eine inhaltliche Ausrichtung hin zu neoliberalen Positionen. Auch weisen die sinkenden Mitgliederzahlen, Wählerstimmen und die Zunahme an Nichtwählern auf eine Krise der Partei hin. Der moralisierende Umgang mit der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) sowie der Verlust von Arbeiterstimmen und gewerkschaftlicher Unterstützung an jene Partei scheinen ebenfalls der Diagnose Mouffes zu entsprechen.
Abschließend werden in einem Fazit die Ergebnisse zusammengefasst und bewertet. Mögliche Lösungen für die Krise der Sozialdemokraten werden in Ansätzen vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Ideelle Erklärungsansätze
2.2 Mouffe
3 Analyse
4 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Krise der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) durch ideelle Erklärungsansätze, insbesondere unter Berücksichtigung der Theorie von Chantal Mouffe, begründet werden kann. Ziel ist es, die programmatische Ausrichtung der Partei sowie die Auswirkungen ihrer langjährigen Regierungsbeteiligung auf den Rückhalt in der Wählerschaft zu analysieren.
- Analyse der Politik des "Dritten Weges" und ihrer Folgen für sozialdemokratische Parteien.
- Anwendung der Demokratietheorie von Chantal Mouffe auf den postpolitischen Zustand liberaler Demokratien.
- Untersuchung der SPÖ-Wahlergebnisse und Parteiprogrammatik zwischen 1978 und 1998.
- Bewertung des Einflusses der "Großen Koalition" auf die politische Blockade und das Erstarken der FPÖ.
- Evaluation des Mitgliederschwunds und der Erosion der Arbeiterwählerschaft.
Auszug aus dem Buch
2.1 Ideelle Erklärungsansätze
Sogenannte Ideelle Erklärungsansätze begründen und prognostizieren die Krise der Sozialdemokratie anhand der politischen Wandlung sozialdemokratischer Parteien. Insbesondere die „verhängnisvolle Übernahme neoliberaler Ideen“ (Bandau 2019, S. 596) werde als Grund für eine programmatische Überflüssigkeit der Sozialdemokratie angesehen, da diese sich kaum noch von den anderen Parteien unterscheide. Während die Sozialdemokrat die von ihnen eingeschlagene Politik der Mitte als Alternative zum vorherrschenden Neoliberalismus verstünden, werde gerade dieser neue Weg als Einleitung einer politischen Alternativlosigkeit gesehen (vgl. ebd., S. 597). Es sei diese „ideelle Degeneration“ (Walter 2010, S. 75), die zu einer Abwanderung der Wählerschaft führe. Im Folgenden soll das Konzept dieser neuen Politik der Mitte genauer erläutert werden.
Nachdem das ‚goldene Zeitalter‘ der Sozialdemokratie in den siebziger Jahren ein Ende nahm, gerieten sozialdemokratische Parteien zunehmend in eine Krise (vgl. Meyer 1998, S. 63). Im Gegensatz zu anderen Parteien besaßen sie nicht die geeigneten Voraussetzungen, um einen gewinnenden Umgang mit der Globalisierung, Wirtschaftskrisen und neoliberalen Strömungen zu finden (vgl. ebd., S. 63 f.). Die bisherige Nachfragepolitik der Sozialdemokratie führte nicht mehr zu Erfolgen, während ein ökonomistisches Weltbild an Überzeugungskraft gewann (vgl. ebd., S 64). Des Weiteren sei das „Spannungsverhältnis zwischen politischen Gestaltungsanspruch und realistischen Gestaltungsmöglichkeiten traditionell ausgeprägter als bei bürgerlichen Parteien“ (Turowski 2010, S. 17). Die Wahl Ronald Reagans zum amerikanischen Präsidenten sowie Margret Thatchers zur britischen Premierministerin leiteten den Beginn einer zunehmend neoliberalen Politik ein, der die Sozialdemokrat zunächst keine glaubwürdige Alternative entgegnen konnten (vgl. Meyer 1998, S. 63).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Niedergangs sozialdemokratischer Parteien in Europa ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der SPÖ in Österreich unter Nutzung ideeller Erklärungsansätze und der Theorie von Chantal Mouffe.
2 Theorie: Dieses Kapitel erläutert das Konzept ideeller Erklärungsansätze, insbesondere den „Dritten Weg“ als Auslöser für eine programmatische Krise, und stellt die Demokratietheorie von Chantal Mouffe vor.
2.1 Ideelle Erklärungsansätze: Hier wird die Transformation sozialdemokratischer Parteien hin zur Politik der Mitte und die damit einhergehende neoliberale Programmatik sowie deren negative Folgen für die Wählerbindung analysiert.
2.2 Mouffe: In diesem Abschnitt wird Mouffes Kritik am postpolitischen Zustand liberaler Demokratien sowie ihre Diagnose der moralischen Feinderklärung anstelle politischer Auseinandersetzung beschrieben.
3 Analyse: Dieses Kapitel untersucht die Entwicklung der SPÖ-Wahlprogramme, die Auswirkungen der Großen Koalitionen und den Rückgang der Unterstützung durch Arbeiter und Gewerkschaften.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Krise der SPÖ vor dem Hintergrund der theoretischen Analysen sowie möglicher linkspopulistischer Lösungsansätze.
Schlüsselwörter
Sozialdemokratie, SPÖ, ideelle Krise, dritter Weg, Chantal Mouffe, Neoliberalismus, Postpolitik, Rechtspopulismus, FPÖ, Große Koalition, Wählerwanderung, Arbeiterklasse, Parteiprogrammatik, Regierungsbeteiligung, Arbeiterkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Krise der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) unter Verwendung ideeller Erklärungsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Einfluss des Neoliberalismus ("Dritter Weg"), die demokratietheoretische Kritik von Chantal Mouffe sowie der Wandel der österreichischen Parteienlandschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern die Krise der SPÖ auf ihre programmatische Anpassung („Dritter Weg“) und die daraus resultierende politische Entpolitisierung zurückgeführt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse zur Theoriebildung sowie auf eine empirische Auswertung von Wahlprogrammen, Wählerströmen und Parteistatistiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des "Dritten Weges", die Kritik von Mouffe sowie die konkrete Entwicklung der SPÖ anhand von Indikatoren wie Wahlergebnissen und Mitgliederzahlen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die prägenden Begriffe sind Sozialdemokratie, SPÖ, ideelle Krise, Neoliberalismus, Postpolitik, FPÖ und Wählerwanderung.
Warum macht Mouffe die Regierungsbeteiligung für die Krise der SPÖ verantwortlich?
Mouffe argumentiert, dass die langjährige Große Koalition zu einem Mangel an politischer Alternative führte, das System lähmte und somit ein demokratisches Defizit erzeugte, welches Rechtspopulisten für sich nutzen konnten.
Welchen Einfluss hatte der "Dritte Weg" auf die SPÖ-Wählerschaft?
Die Hinwendung zum "Dritten Weg" führte laut Arbeit zu einer Abkehr von traditionellen Kernwählergruppen wie der Arbeiterklasse, da die Partei neoliberale Forderungen übernahm, anstatt sie infrage zu stellen.
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- Anonym (Autor), 2021, Die ideelle Krise der Sozialdemokratischen Partei Österreich (SPÖ), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1312819