Die derzeitige Debatte um eine Bildungsreform in Deutschland fokussiert in besonderem Maße auf die Lehrerbildung. Dabei gerät verstärkt auch die Lehrerfort- und -weiterbildung ins Blickfeld.
Die politischen Rahmenbedingungen für diesen Bereich werden auf Bundes- und Länderebene geschaffen, jedoch von verschiedenen Seiten, wie der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), beeinflusst.
Eine erste Sichtung der Literatur zum Thema legt nahe, dass diese Richtlinien zwar durch wissenschaftliche Expertisen, aber selten empirisch fundiert sind. Einen Hinweis darauf gibt beispielsweise auch die Empfehlung des Wissenschaftsrates, die empirische Bildungsforschung in Deutschland auszubauen1. Insbesondere durch den Einfluss verschiedener Interessen-gruppen – Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Parteien u.a. – auf die Bildungspolitik, birgt eine fehlende empirische Fundierung jedoch die Gefahr, dass sich politische Vorgaben an ideologischen Gesichtspunkten, statt an wissenschaftlich ermitteltem Bedarf orientieren.
Die angestrebte Arbeit soll daher die These überprüfen, dass politische Rahmenbedingungen und Richtlinien im Bereich der Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland gar nicht oder kaum durch empirische Erkenntnisse fundiert sind. Dazu sollen im Anschluss an die Einleitung zunächst die Begriffe „Lehrerfortbildung“, „Lehrerweiterbildung“ und „empirisch“ definiert werden. Daraufhin werden die politischen Rahmenbedingungen und Richtlinien im Bereich Lehrerfort- und -weiterbildung auf Bundes- und Länderebene dargestellt sowie relevante EU- und OECD-Dokumente analysiert. Soweit dies möglich ist, wird dann herausgearbeitet, worauf sich diese Richtlinien und Empfehlungen stützen. Die Ergebnisse sollen schließlich zusammengefasst und auf die Forschungsfrage hin überprüft werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
Lehrerfort- und -weiterbildung
Lehrerfortbildung
Lehrerweiterbildung
Empirisch
3. Politische Rahmenbedingungen und Richtlinien für Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland
3.1 Studien und Empfehlungen der OECD
3.2 Beschlüsse und Empfehlungen der Europäischen Union
3.3 Bundesebene
3.4 Länderübergreifende Richtlinien
3.5 Länderebene
4. Zusammenfassung
5. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die These, ob politische Rahmenbedingungen und Richtlinien im Bereich der Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland durch empirische Erkenntnisse fundiert sind oder primär ideologischen Gesichtspunkten folgen. Dabei wird analysiert, inwieweit wissenschaftliche Forschungsergebnisse Eingang in die bildungspolitische Steuerung auf Bundes-, Länder- und EU-Ebene finden.
- Analyse politischer Vorgaben von OECD, EU und nationalen Institutionen
- Definition zentraler Begriffe wie Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung und empirische Forschung
- Untersuchung der Steuerungsmechanismen zwischen Bund und Ländern
- Evaluierung der Rolle von Expertisen und internationalen Vergleichsstudien
- Kritische Überprüfung der empirischen Fundierung der Lehrerbildungspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 Studien und Empfehlungen der OECD
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat im Jahr 2000 das „Programme for International Student Assessment“ (PISA) durchgeführt, mit dem Ziel, ihren Mitgliedsstaaten „vergleichende Daten über die Ressourcenausstattung, individuelle Nutzung sowie Funktions- und Leistungsfähigkeit ihrer Bildungssysteme zur Verfügung zu stellen“. In einem Untersuchungsfeld der Studie, den „Lebens- und Lernbedingungen von Jugendlichen“, wurden auch die „institutionellen Vorgaben“ und ihre „aktive Ausgestaltung“ abgefragt. Ein Teil davon ,die „Personellen Ressourcen“, zielten auf Betreuungsrelation und Lehrerqualifikation ab. Dabei wurde ein – wenn auch nur teilweise gravierender – (Fach-)Lehrermangel in Deutschland festgestellt. Aus anderen Quellen wird ersichtlich, dass laut PISA 2000, Deutschland zu den Ländern gehört, in denen, im Vergleich zwischen den OECD-Ländern, die Teilnahme von Lehrkräften an Fortbildungsaktivitäten am geringsten ist.
Andere Schwerpunkte setzt die im September 2004 von der OECD veröffentlichte internationale Lehrerstudie "Attracting, Developing and Retaining Effective Teachers". Die Studie zeigt sechs strategische Prioritäten für das deutsche Bildungswesen auf. Eine davon ist die „Verbesserung der Vorbereitung auf den Lehrerberuf und der Lehrerfort- und -weiterbildung“. Die Studie kritisiert, dass die drei Phasen Erstausbildung, Vorbereitungsdienst und Fortbildung nicht genügend miteinander verknüpft sind und die dafür verantwortlichen Institutionen getrennt voneinander operieren – trotz der Anstrengungen mehrerer Bundesländer, sie zu einer verstärkten Zusammenarbeit zu bewegen. Der Auffassung von Lehrerbildung als offenem, dynamischem System und fortdauerndem Prozess entsprechend, müsse der Fokus gleichzeitig stärker auf Berufseinstiegsphase und berufliche Fort- und Weiterbildung, als auf die Erstausbildung der Lehrkräfte gerichtet werden. Die Neugestaltung der Lehreraus- und -fortbildung wird auch als Instrument verstanden, weitere Ziele, wie die Erneuerung des Lehrerleitbildes, eine Verbesserung der Laufbahnstruktur von LehrerInnen sowie die Sicherstellung eines qualifizierten Lehrkräfteangebots umzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und der Forschungsfrage bezüglich der empirischen Fundierung der Lehrerbildungspolitik in Deutschland.
2. Begriffsbestimmungen: Klärung der zentralen Begriffe Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung sowie des wissenschaftstheoretischen Begriffs empirisch.
3. Politische Rahmenbedingungen und Richtlinien für Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland: Detaillierte Analyse der Einflussfaktoren durch OECD, EU, Bund und Länder auf die Gestaltung der Lehrerbildung.
4. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung politischer Richtlinien und der Rolle von Reformansätzen im Lehrerbildungssektor.
5. Schlussfolgerungen: Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass die politische Steuerung nur sehr begrenzt durch empirische Forschung im engeren Sinne legitimiert ist.
Schlüsselwörter
Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung, Bildungsreform, empirische Forschung, OECD, PISA, Kultusministerkonferenz, Lehrerbildung, Schulentwicklung, Personalentwicklung, Bildungspolitik, berufliche Weiterentwicklung, Kompetenzentwicklung, Qualitätssicherung, Lehrerberuf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, auf welcher Basis politische Entscheidungen zur Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland getroffen werden und ob diese auf wissenschaftlich fundierten empirischen Erkenntnissen beruhen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die politische Steuerung der Lehrerbildung, der Einfluss internationaler Vergleichsstudien wie PISA sowie die Umsetzung von Reformen auf Bundes- und Länderebene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Überprüfung der These, dass aktuelle politische Richtlinien zur Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland kaum durch empirische Forschung fundiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literaturanalyse und wertet relevante politische Dokumente, Studien von OECD/EU sowie KMK-Beschlüsse aus, um die Fundierung bildungspolitischer Entscheidungen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die institutionellen Rahmenbedingungen, die Rolle internationaler Organisationen wie der OECD, die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz sowie die länderspezifische Umsetzung von Fortbildungskonzepten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Lehrerfortbildung, Empirische Fundierung, Bildungspolitik, Schulentwicklung und Professionalisierung sind die zentralen Begriffe der Analyse.
Welche Rolle spielt die PISA-Studie für die Lehrerbildung?
Die PISA-Studie fungierte als Katalysator, der bildungspolitische Reformen anstieß und Mängel in der Lehrerfortbildung aufzeigte, was zu neuen politischen Prioritäten führte.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der EU-Dokumente?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass EU-Dokumente zwar Impulse für den Diskurs geben, jedoch keine direkten empirischen Belege für die Gestaltung der Lehrerbildung im deutschen Kontext liefern.
- Citation du texte
- Judith Rachel (Auteur), 2009, Politische Rahmenbedingungen und Richtlinien der Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131356