Im Rahmen dieser Forschungsarbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwiefern sich Organisationsentwicklung im Kontext von Industrie 4.0 verändert. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird in einem ersten Schritt der Status quo der Organisationsentwicklung dargestellt und in diesem Zusammenhang auf grundlegende Begriffe und Konzepte sowie die Vorstellung eines idealtypischen Organisationsentwicklungsprozesses eingegangen. Im Folgenden wird der Themenkomplex vorgestellt und der Einfluss von Industrie 4.0 auf die Arbeitswelt untersucht. Daran anknüpfend wird der Wandel der Organisationsentwicklung im Kontext der vierten industriellen Revolution analysiert und damit die Vorstellung einer Organisationsentwicklung 4.0 diskutiert. Abschließend sollen die zentralen Ergebnisse dieser Arbeit in einer Schlussbetrachtung resümiert und diskutiert werden.
Die technologische Revolution im Kontext von Industrie 4.0 und die damit einhergehenden Veränderungen in den Dimensionen Wirtschaft und Gesellschaft beeinflussen auch organisationale und soziale Transformationsprozesse. Der Entwicklungsprozess zu Industrie 4.0 ist demnach auch durch einen strukturell-organisationalen und mentalen Veränderungsprozess gekennzeichnet, welcher die gesamte Organisation und die darin befindlichen Rollen, das Führungsverständnis, die Unternehmenskultur, Prozesse und damit auch die Organisationsentwicklung auf den Prüfstand stellen.
Zum einen spielen strategische Organisationsentwicklungsprozesse hinsichtlich der Umsetzung von Industrie 4.0 eine große Rolle. Zum anderen beeinflusst auch eine Veränderung in den Bereichen Wirtschaft, Organisation und Gesellschaft die Art und Weise, in der Organisationen sich verändern müssen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Das Kunstwort Organisationsentwicklung 4.0 spielt dabei auf eine mögliche Veränderung von Prinzipien, Prozessen oder Strategien der Organisationsentwicklung hinsichtlich der vierten industriellen Revolution an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Organisationsentwicklung – Ein Überblick
2.1 Das Fundament der Organisationsentwicklung – Begriffe und Konzepte
2.2 Idealtypischer Organisationsentwicklungsprozess
3. Industrie 4.0
3.1 Merkmale und Prinzipien von Industrie 4.0
3.2 Wandel der Arbeitswelt im Kontext von Industrie 4.0
3.2.1 Beschäftigungseffekte
3.2.2 Arbeitsorganisation und Kompetenzverschiebung
3.2.3 Flexibilisierung der Arbeitswelt
4. Veränderung von Organisationsentwicklung im Kontext von Industrie 4.0
4.1 Datengestützte Organisationsentwicklung
4.2 Agile Organisationsentwicklung
4.3 Vernetzte Organisationsentwicklung
4.4 Binnenorganisatorische Logik der Organisationsentwicklung
4.5 Kompetenzgeleitete Organisationsentwicklung
4.6 Internationalisierungstendenz der Organisationsentwicklung
5. Schlussbetrachtung und offene Diskussion
Zielsetzung & Themenbereiche
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, inwiefern sich die Organisationsentwicklung durch die technologischen und sozialen Transformationsprozesse im Kontext von Industrie 4.0 verändert und welche Anpassungen in Strategien und Methoden erforderlich sind.
- Grundlagen und idealtypische Konzepte der Organisationsentwicklung
- Kernmerkmale der Industrie 4.0 und deren Einfluss auf die Arbeitswelt
- Veränderung der Organisationsentwicklung (Organisationsentwicklung 4.0) als moderne Managementdisziplin
- Datenbasierte, agile und vernetzte Organisationsentwicklung als Antwort auf zunehmende Komplexität
- Anforderungen an Führung, Kompetenzmanagement und interkulturelle Ausrichtung
Auszug aus dem Buch
3.1 Merkmale und Prinzipien von Industrie 4.0
Der Begriff Industrie 4.0 bezeichnet eine durch die Forschungsunion der Bundesregierung im September 2014 initiierte High-Tech-Strategie zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und bezieht sich auf eine disruptive Veränderung der Arbeits- und Wirtschaftswelt im Rahmen der vierten industriellen Revolution (vgl. Kaufmann 2015: 4f.). Gekennzeichnet ist die vierte industrielle Revolution durch einen Veränderungsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft, basierend auf einer intelligenten sowie echtzeitbasierten Vernetzung von Technologie, Prozessen, Maschinen und Menschen mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie (vgl. Roth 2016: 3).
Hinsichtlich der Merkmale und Prinzipien von Industrie 4.0 ist auffällig, dass in zahlreichen Publikationen eine Übereinstimmung des Begriffsverständnisses vorliegt und sich die Vorstellung von Industrie 4.0 zudem sehr stark an der ursprünglichen Beschreibung der Forschungsunion orientiert (Kagermann et al. 2013; Becker 2015; Ittermann 2015; Jäger et al. 2015; Kaufmann 2015; Erol et al. 2016; Siepmann 2016; Bauernhansl 2017; Goschy & Rohrbach 2017; usw.). Roth hat im Kontext seiner Forschung zu Industrie 4.0 aus einer Vielzahl von Vorstellungen zur vierten industriellen Revolution eine zusammenfassende und allgemeine Definition erarbeitet, welche im Kontext dieser Arbeit als zentrale Definition von Industrie 4.0 herangezogen wird: „Industrie 4.0 umfasst die Vernetzung aller menschlichen und maschinellen Akteure über die komplette Wertschöpfungskette sowie die Digitalisierung und Echtzeitauswertung aller hierfür relevanten Informationen, mit dem Ziel die Prozesse der Wertschöpfung transparenter und effizienter zu gestalten, um mit intelligenten Produkten und Dienstleistungen den Kundennutzen zu optimieren.“ (Roth 2016: 6). Ergänzend zu der generalistischen Begriffsbestimmung von Roth ist es notwendig, die Vielseitigkeit von Industrie 4.0 durch die Beschreibung zentraler Merkmale und Prinzipien hervorzuheben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Industrie 4.0 und deren Einfluss auf Transformationsprozesse, welche die Notwendigkeit zur Anpassung der Organisationsentwicklung begründen.
2. Organisationsentwicklung – Ein Überblick: Darstellung des theoretischen Rahmens der Organisationsentwicklung durch Definitionen und eine Analyse idealtypischer Phasenmodelle.
3. Industrie 4.0: Fundierte Beschreibung der Merkmale der Industrie 4.0 sowie Analyse des Wandels in der Arbeitswelt bezüglich Beschäftigung, Organisation und Qualifikation.
4. Veränderung von Organisationsentwicklung im Kontext von Industrie 4.0: Vorstellung des Konzepts „Organisationsentwicklung 4.0“ und detaillierte Erläuterung der sechs Kerndimensionen der Erneuerung.
5. Schlussbetrachtung und offene Diskussion: Resümee des Untersuchungsgegenstandes und Reflexion über die zukünftige Bedeutung der Organisationsentwicklung als multidimensionales Konzept.
Schlüsselwörter
Industrie 4.0, Organisationsentwicklung, Organisationsentwicklung 4.0, Digitale Transformation, Wertschöpfungskette, Agilität, Arbeitsorganisation, Kompetenzmanagement, Internet der Dinge, Big Data, Veränderungsmanagement, Vernetzung, Systemtheorie, interkulturelle Zusammenarbeit, Humanisierung der Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Industrie 4.0 auf die moderne Organisationsentwicklung und diskutiert, wie sich klassische Veränderungsprozesse durch technologische und gesellschaftliche Megatrends transformieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Zentrale Felder sind die theoretische Fundierung der Organisationsentwicklung, die technischen Grundlagen der Industrie 4.0, arbeitsweltliche Veränderungen (Arbeitszeit, Kompetenzen) und die strukturelle Modernisierung von Organisationen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird der Frage nachgegangen, ob und inwiefern sich die Organisationsentwicklung als Disziplin durch den Kontext der vierten industriellen Revolution verändert und welche Anforderungen sich daraus ergeben.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Synthese bestehender theoretischer Modelle und empirischer Erkenntnisse aus den Bereichen Managementforschung und Transformationsanalyse.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich der Definition der „Organisationsentwicklung 4.0“ und differenziert diese in sechs Dimensionen: datengestützte, agile, vernetzte, binnenorganisatorische, kompetenzgeleitete und internationalisierte Organisationsentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Organisationsentwicklung 4.0, Digitale Transformation, Agilität, Wertschöpfungsoptimierung und systemtheoretische Organisationsberatung beschreiben.
Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten SANTIAGO-Prinzip?
Das SANTIAGO-Prinzip dient als Modell für systemische Voraussetzungen organisationalen Lernens und umfasst Aspekte wie stellvertretende Führung, Autopoiesis und Nachhaltigkeit, um Organisationen in lernende Systeme zu transformieren.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des mittleren Managements?
Das mittlere Management wird nicht mehr als „Lähmung“ gesehen, sondern als essenzielle, aktivierende Transformationsschicht identifiziert, die als Bindeglied zwischen Mitarbeitern und Unternehmensleitung fungiert.
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- Timo Blauth (Author), 2022, Die Veränderung der Organisationsentwicklung im Kontext von Industrie 4.0 und Digitalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316180