Die Fragen der Unternehmensbewertung werden derzeit in Theorie und Praxis intensiv diskutiert. Ein ausschlaggebender Grund hierfür ist die starke Entwicklung der Märkte für Kapitalanlagen, für Projekte und für Unternehmen. Für die Bewertung von Investitionsalternativen ist daher die Ermittlung des Unternehmenswertes von zentraler Bedeutung. Weitere wichtige Zwecke der Unternehmensbewertung sind beispielsweise die Ermittlung der Entscheidungsgrundlage für den Erwerb oder die Veräußerung von Unternehmen, Prüfungen der Kreditwürdigkeit, Prüfungen der Sanierungsfähigkeit oder die Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage.
In dieser Seminararbeit geht es um die Ermittlung der passenden Kapitalkosten, genauer gesagt der durchschnittlichen Kapitalkosten. Ziel ist es dabei, systematisch die Probleme herauszuarbeiten, welche bei der Ermittlung der gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten zum Zweck der Unternehmensbewertung auftreten. Dabei orientiert sich diese Hausarbeit an der abgebildeten Struktur.
Zunächst wird einleitend eine Übersicht zu den Discounted Cashflow-Verfahren und den gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten gegeben. In den folgenden Kapiteln werden diese Kapitalkosten analysiert, Problemfelder bei der Ermittlung der einzelnen Komponenten aufgezeigt sowie ausgewählte Lösungsansätze dargestellt. Hierbei werden schwerpunktmäßig die Eigenkapitalkosten, die Fremdkapitalkosten und die Kapitalstruktur betrachtet.
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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 VERFAHREN ZUR ERMITTLUNG DER DURCHSCHNITTLICHEN KAPITALKOSTEN
2.1 DIE DISCOUNTED CASHFLOW-VERFAHREN IM ÜBERBLICK
2.2 DAS KONZEPT DER GEWOGENEN DURCHSCHNITTLICHEN KAPITALKOSTEN (WACC-ANSATZ)
2.2.1 Das Free Cashflow-Verfahren
2.2.2 Das Total Cashflow-Verfahren
3 PROBLEME BEI DER ERMITTLUNG DER DURCHSCHNITTLICHEN KAPITALKOSTEN
3.1 PROBLEME BEI DER ERMITTLUNG DER EIGENKAPITALKOSTEN
3.1.1 Der risikolose Basiszins
3.1.2 Das Problem der Laufzeitäquivalenz
3.1.3 Kritische Betrachtung der Alternativen heranzuziehender Marktdaten
3.2 PROBLEME BEI DER ERMITTLUNG DER FREMDKAPITALKOSTEN
3.2.1 Bestandteile der Fremdkapitalkosten
3.2.2 Kritische Betrachtung der Ansätze zur Fremdkapitalkostenermittlung
3.3 DAS ZIRKULARITÄTSPROBLEM
3.3.1 Kapitalstruktur und Marktwert des Gesamtkapitals
3.3.2 Lösung durch Festlegung einer marktgewichteten Zielkapitalstruktur
3.3.3 Lösung durch mathematische Iteration: Ein Anwendungsbeispiel
4 ANWENDUNG DES WACC IN DER BETRIEBLICHEN PRAXIS
5 FAZIT
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der systematischen Analyse der Probleme, die bei der Ermittlung der gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) im Rahmen der Unternehmensbewertung auftreten können. Dabei wird untersucht, wie Unsicherheiten und methodische Herausforderungen bei der Bestimmung der einzelnen Kapitalkostenkomponenten sowie der Kapitalstruktur die Bewertungsergebnisse beeinflussen.
- Grundlegende Konzepte der Discounted Cashflow-Verfahren
- Analyse der Ermittlung von Eigenkapitalkosten und risikolosem Basiszins
- Herausforderungen bei der Bestimmung von Fremdkapitalkosten
- Diskussion des Zirkularitätsproblems und entsprechender Lösungsansätze
- Anwendung der WACC-Methodik in der betrieblichen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Kritische Betrachtung der Ansätze zur Fremdkapitalkostenermittlung
Der gesamte Fremdkapitalbestand setzt sich – wie bereits angedeutet – in der Regel aus unterschiedlichen Positionen mit ebenfalls unterschiedlichen Kosten zusammen. Auf Grundlage der erwarteten Zusammensetzung des Fremdkapitals existieren zwei Möglichkeiten, wie nun der Fremdkapitalkostensatz berechnet werden kann.58
Zum einen kann ein gewichteter durchschnittlicher Fremdkapitalkostensatz berechnet werden. Die Anwendung eines durchschnittlichen Fremdkapitalkostensatzes ist eine Variante, die insbesondere aus Gründen der Vereinfachung in der Unternehmenspraxis häufig angewendet wird.59 Dieses Vorgehen kann jedoch speziell bei Abweichungen der Zinssätze von Marktrendite zu Verzerrungen bei der Berechnung des Unternehmenswertes führen. Bei einer solchen Vereinfachung ist darauf zu achten, wann die Kredite zur Zinsanpassung anstehen und welche Zinsen anschließend vereinbart werden.
Zum anderen können in die Ermittlung des WACC unterschiedliche Kategorien des Fremdkapitals eingehen, welche jeweils eigenständige Kostensätze und gegebenenfalls eigene Steuerwirkungen haben. Hierbei ist zunächst eine genaue Definition der Fremdkapitalpositionen vorzunehmen, welche dem Finanzierungsbereich zuzuordnen sind.60 Sind diese ermittelt, so sind im Anschluss daran die Fremdkapitalkosten zu bestimmen und zu gewichten. Dabei erweist sich die Berechnung umso problematischer, je vielfältiger die Finanzierungsformen sind. Born betont in seinen Ausführungen, dass für die Gewichtung der Fremdkapitalpositionen nicht die vom Unternehmen zu zahlenden Fremdkapitalkosten, sondern die zum Bewertungszeitpunkt am Markt zu zahlenden Fremdkapitalkosten anzusetzen sind.61 Diese sollten in die WACC-Ermittlung mit einfließen, insbesondere auch dann, wenn die vereinbarten Fremdkapitalkosten von den marktüblichen abweichen.62 Ausgangspunkt stellt für Born dabei der aktuelle Zinssatz für erstklassige Kreditnehmer dar, welcher in der Regel etwas über dem Zinssatz für langfristige risikolose Staatsanleihen liegt.63
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Bedeutung der Unternehmensbewertung sowie der Einordnung der Ermittlung der Kapitalkosten in den Gesamtprozess.
2 VERFAHREN ZUR ERMITTLUNG DER DURCHSCHNITTLICHEN KAPITALKOSTEN: Überblick über die verschiedenen Discounted Cashflow-Verfahren und Einführung in den WACC-Ansatz zur Unternehmensbewertung.
3 PROBLEME BEI DER ERMITTLUNG DER DURCHSCHNITTLICHEN KAPITALKOSTEN: Detaillierte Untersuchung der Herausforderungen bei der Bestimmung von Eigen- und Fremdkapitalkosten sowie eine ausführliche Erörterung des Zirkularitätsproblems.
4 ANWENDUNG DES WACC IN DER BETRIEBLICHEN PRAXIS: Analyse der tatsächlichen Umsetzung der WACC-Methodik durch Unternehmen anhand von Umfrageergebnissen und Praxiserfahrungen.
5 FAZIT: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Schlussfolgerung über die Komplexität und die methodischen Anreize für weitere Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Kapitalkosten, WACC, Discounted Cashflow, Eigenkapitalkosten, Fremdkapitalkosten, Zirkularitätsproblem, Marktwert, Kapitalstruktur, Unternehmenswert, Basiszinssatz, Laufzeitäquivalenz, Tax Shield, Finanzierung, Unternehmenspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen und praktischen Problematik bei der Ermittlung der durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) im Kontext der Unternehmensbewertung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Bestimmung der Eigenkapitalkosten, die Berechnung der Fremdkapitalkosten sowie die Bewältigung des Zirkularitätsproblems bei der Festlegung der Kapitalstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die systematischen Herausforderungen und Unsicherheiten bei der Ermittlung der WACC-Komponenten aufzuzeigen und Lösungsansätze zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der einschlägigen Bewertungstheorie sowie einer vergleichenden Darstellung von Lösungsansätzen zur Praxisanwendung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einführung der Discounted Cashflow-Verfahren, die Analyse von Problemen bei der Zinskostenermittlung und eine kritische Auseinandersetzung mit der Praxisanwendung des WACC.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Unternehmensbewertung, WACC, Zirkularitätsproblem, Kapitalkosten, Eigenkapitalkosten, Fremdkapitalkosten und Kapitalstruktur sind die zentralen Begriffe.
Wie lässt sich das Zirkularitätsproblem in der Praxis lösen?
Es werden zwei Hauptansätze vorgestellt: die Festlegung einer marktgewichteten Zielkapitalstruktur oder die Durchführung einer mathematischen Iteration zur sukzessiven Annäherung an die wahren Werte.
Warum ist die Bestimmung des risikolosen Zinssatzes problematisch?
Die Problematik ergibt sich aus der Unsicherheit bei der Prognose zukünftiger Zahlungen und der Schwierigkeit, eine adäquate Laufzeitäquivalenz zwischen Unternehmensinvestition und Staatsanleihen herzustellen.
Welche Rolle spielt das "Tax Shield" bei den Kapitalkosten?
Das Tax Shield berücksichtigt die steuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdkapitalzinsen, was den Unternehmenswert im Vergleich zu einer reinen Eigenfinanzierung positiv beeinflusst.
Warum weicht die Praxis oft von der Theorie ab?
Aufgrund von Komplexitätsreduktion, mangelnder Datenverfügbarkeit und dem Abwägen von Nutzen gegenüber dem Aufwand der Modellberechnung werden in der Praxis häufig vereinfachende Annahmen getroffen.
- Quote paper
- Nadine Meier (Author), 2009, Probleme der Ermittlung der durchschnittlichen Kapitalkosten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131676