Eine Darstellung der Menschheitsgeschichte kann als Abhandlung über Völkerwanderungen geschildert werden. Schon vor mehr als einigen Jahrtausenden waren Menschen bereit, ihr Heimatland aufzugeben und sich an anderen Orten anzusiedeln. Die Gründe dafür konnten sehr vielfältig und unterschiedlich sein. Im Vordergrund solcher Wanderungen stand jedoch häufig die Intention auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen im Immigrationsland. Auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt verlassen viele Menschen ihre Heimat, um in einem anderen Land bessere Entwicklungsvoraussetzungen zu erfahren als in ihrem eigenen. Die Migrationsbewegungen der Menschen werden durch bestimmte religiöse, politische, kulturelle und wirtschaftliche Umstände ausgelöst. Mit diesen gewichtigen Umständen aus der Soziologie setzt sich die Migrationssoziologie auseinander. In den meisten Fällen ist es so, dass sich nicht nur einzelne Menschen in einem anderen Land ansiedeln, sondern dass diese Menschen mit ihrer ganzen Familie in ein anderes Land gehen. Das bringt unterschiedliche Schwierigkeiten, wie sprachliche Barrieren, demografische Unterschiede sowie Anpassungsschwierigkeiten in Sitten und Gebräuchen mit sich. Besonders die Kinder der Einwandererfamilien werden aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld herausgerissen und sind im neuen Land mit diversen Problemen konfrontiert. Sie müssen eine andere Sprache erlernen, neue Freundschaften schließen und sich in ein ungewohntes schulisches Umfeld integrieren. Dies verläuft oftmals nicht ohne Probleme und in vielen Fällen drohen die Kinder der Einwandererfamilien in einen Randgruppenstatus des Bildungssystems abzurutschen. Es besteht die Gefahr der Diskriminierung durch Mitschüler und Lehrer und die Entstehung fachlicher Defizite. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Migrantenkinder aufgrund der genannten Umstände eine Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem erfahren und welche Ursachen dafür zu benennen sind. Ziel dieser Arbeit ist es, unterschiedliche theoretische Ansätze der gegenwärtigen Forschung zu beleuchten und zu hinterfragen. Obwohl zu diesem Themenschwerpunkt eine hohe Anzahl literarischer Darstellungen verfügbar sind, werde ich mich in erster Linie auf die theoretischen Ansätze von Cornelia Kristen, Janet Schofield und Mechthild Gomolla beziehen, da sie herausragende Arbeiten zur Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem verfasst haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleich unterschiedlicher theoretischer Ansätze zur Bildungsbenachteiligung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob Kinder mit Migrationshintergrund aufgrund ihrer Herkunft eine Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem erfahren. Dabei werden die theoretischen Ansätze der Forscherinnen Cornelia Kristen, Mechthild Gomolla und Janet Schofield gegenübergestellt, um soziologische Ursachen und Diskriminierungsmechanismen kritisch zu beleuchten.
- Analyse institutioneller Diskriminierung im deutschen Schulwesen
- Einfluss von Stereotype Threat auf den Bildungserfolg
- Die Rolle der Lehrererwartungen und Vorurteile
- Vergleich von quantitativen und qualitativen Forschungsansätzen
- Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und Schulerfolg
Auszug aus dem Buch
Vergleich unterschiedlicher theoretischer Ansätze zur Bildungsbenachteiligung
Die Soziologin Cornelia Kristen geht in ihrer Ausarbeitung zur „Ethnischen Diskriminierung im deutschen Schulsystem“ von einem theoretischen Diskriminierungsbegriff aus. Der Begriff der Diskriminierung kann sehr vielfältig ausgelegt werden. Das Ziel ihrer Ausarbeitung ist es einen umfassenden Überblick gegenwärtiger Forschungsergebnisse zu geben und das vorhandene Wissen zur ethnischen Diskriminierung im schulischen Bereich komprimiert darzustellen. Um die Vielfältigkeit des Begriffs der Diskriminierung zu beleuchten, unterscheidet Kristen den Begriff der „ökonomischen und institutionellen Diskriminierung.“ Im ökonomischen Kontext wird der Begriff der Diskriminierung nicht nur bezüglich individueller Leistungen verstanden, sondern aufgrund bestimmter „askriptiver Charakteristika“ Unter askriptive Eigenschaften zählt Cornelia Kristen bestimmte Merkmale wie die Herkunft, das Geschlecht oder andere Eigenschaften. Werden diese benannten Eigenschaften in eine schulische Bewertung miteinbezogen, so kann nach ökonomischer Theorie von Diskriminerung gesprochen werden.
Einen anderen Aspekt weist der Grundgedanke der institutionellen Diskriminerung auf. Dieser rückt die Organisationsstrukturen von Schule in den Vordergrund. Während individuelle Aspekte der Schüler außer Acht gelassen werden, konzentriert sich alles auf organisatorische Aspekte der Institution (Routinen, Regeln, Rahmungen). Es wird zusätzlich eine Unterteilung in „direkte und indirekte institutionelle Diskriminierung“ vorgenommen. Unter direkter institutioneller Diskriminierung wird eine gewollte unterschiedliche Behandlung bestimmter Gruppen durch formalisierte Regeln provoziert. Eine indirekte institutionelle Diskriminierung beinhaltet den Einsatz gleicher Regeln und Werte, diese haben jedoch bei unterschiedlichen Gruppen differenzierte Aussicht auf Erfüllung zur Folge. Bezüglich dieser Annahme können Bildungsdefizite auf institutionelle Einflüsse zurückgeführt werden. Mögliche Ursachen von Bildungsungleichheiten können nach Kristen also die Konsequenzen institutioneller Regelungen für die Schüler sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Migrationssoziologie ein, definiert die Fragestellung zur Bildungsbenachteiligung und stellt die zentralen theoretischen Referenzpunkte der Arbeit vor.
2. Vergleich unterschiedlicher theoretischer Ansätze zur Bildungsbenachteiligung: Hier werden die Theorien von Cornelia Kristen, Mechthild Gomolla und Janet Schofield im Detail vorgestellt, verglichen und hinsichtlich ihrer Erklärungsansätze für Bildungsungleichheiten kritisch analysiert.
3. Fazit: Das Fazit fasst die divergierenden Erkenntnisse der Autoren zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Frage nach der Benachteiligung durch die hohe Komplexität des Themas nicht pauschal mit Ja oder Nein beantwortet werden kann.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, Soziologie, Schulsystem, Stereotype Threat, Lehrererwartung, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, ethnische Diskriminierung, Schullaufbahnempfehlung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung, inwieweit Kinder von Einwandererfamilien im deutschen Schulsystem aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die institutionelle Diskriminierung, den Einfluss von Stereotypen (Stereotype Threat), die Auswirkungen von Lehrererwartungen und die Strukturen des deutschen dreigliedrigen Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beleuchtung und kritische Hinterfragung aktueller theoretischer Ansätze der Migrationssoziologie, um die Ursachen für Bildungsdefizite bei Migrantenkindern besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der zentrale Forschungsergebnisse und Ansätze von Kristen, Gomolla und Schofield kontrastierend gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Darstellung und dem Vergleich der Diskriminierungstheorien der drei genannten Autorinnen, inklusive ihrer Analysen zu quantitativen und qualitativen Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, Stereotype Threat und Lehrererwartung.
Welche Rolle spielt die „institutionelle Diskriminierung“ nach Gomolla?
Gomolla definiert diesen Begriff als kollektives Versagen einer Organisation, Menschen aufgrund ihrer Herkunft professionelle Dienstleistungen zu bieten, und sieht darin Barrieren im Schulalltag.
Wie bewertet Schofield den Einfluss von „Stereotype Threat“?
Schofield argumentiert, dass die ständige Angst, negative Stereotype zu bestätigen, die kognitive Leistungsfähigkeit von Schülern aus Minderheitengruppen erheblich beeinträchtigen kann.
- Citation du texte
- Jasmin Lippert (Auteur), 2007, Sind Migranten im deutschen Schulsystem benachteiligt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132147