Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Work, Education, Organisation

Zur Soziologie der Zeitarbeitnehmerarbeit

Ein Beitrag zur Arbeitsbeziehungsforschung

Title: Zur Soziologie der Zeitarbeitnehmerarbeit

Bachelor Thesis , 2008 , 47 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: B.A. Gisela Christ-Rodenbeck (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die im Jahr 2003 verabschiedete Agenda 2010 mit ihren Hartz-Gesetzen hat nicht nur zu einer weiteren Verschärfung der Dimensionen von sozialer Ungleichheit
beigetragen, sondern sie hat die Veränderung in den Strukturen von Erwerbsarbeit
weiterhin verstärkt, es ist eine deutliche Abkehr von typischen Arbeitsverhältnissen –
auch Normalarbeitsverhältnisse genannt - hin zu so genannten atypischen
Beschäftigungsverhältnissen zu verzeichnen. „Gut ein Drittel aller Arbeit-Nehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland ist atypisch beschäftigt - in
Teilzeit, Minijobs, auf befristeten Stellen oder als Leiharbeitnehmer“. (Böcklerimpuls-Ausgabe 17/2007)
Als typisches Normalarbeitsverhältnis gilt bislang die unbefristete Vollzeitbeschäftigung.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer schließen hierbei einen Arbeitsvertrag,
durch welchen der Arbeitgeber Direktionsrechte erhält und es gelten die jeweils aktuellen
arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen, wobei die Arbeitnehmer i. d. R.
ausschließlich im Betrieb oder Betriebsumfeld des Arbeitgebers eingesetzt und beschäftigt
werden. Abweichungen von diesem Modell werden als atypische Arbeitsverhältnisse
bezeichnet, hierunter fallen u. a. die so genannten Mini- und Midijobs,
befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeitsverhältnisse und die Zeitarbeit.
Zeitarbeit wird auch als Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Personaldienstleistung
oder Personalleasing bezeichnet. Gewerkschaften verwenden überwiegend den
Terminus Leiharbeit, Juristen und Behörden benutzen den Begriff Arbeitnehmerüberlassung,
die Branche selbst spricht von Zeitarbeit und auch im personalwirtschaftlichen
Bereich hat sich der Begriff Zeitarbeit etabliert.
Wegen seines stetigen Wachstums kann Zeitarbeit nicht länger als Randphänomen
eingestuft werden und hat sich demzufolge zu einem interessanten Forschungsgegenstand
selbstverständlich auch für die Soziologie entwickelt.
Zum Thema Zeitarbeit existiert bereits eine große Zahl von Studien. Viele dieser
Untersuchungen betrachten das Thema aus sozio-ökonomischer Perspektive, so z. B.
Projekte, die vom Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) in Kooperation mit der
Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben wurden, u. a. von Bellmann/Kühl (2007):
„Weitere Expansion der Leiharbeit? Eine Bestandsaufnahme auf Basis des IABBetriebspanels“
(Böckler-Boxen)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitarbeit in Deutschland

2.1 Genese und Institutionalisierung

2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen

2.2.1 Das Kündigungsschutzgesetz

2.2.2 Teilzeit- und Befristungsgesetze

3. Verortung im sozialen Raum

3.1 Die Selbstdarstellung von Zeitarbeitsunternehmen

3.2 Die Haltung der Gewerkschaften

3.3 Zeitarbeit in der öffentlichen Wahrnehmung

4. Perspektiven und Interessen der Akteure

4.1 Die Perspektive der Kundenunternehmen

4.1.1 Kostenersparnis

4.1.2 Flexibilität und Schnelligkeit

4.1.3 Zeitarbeit als Personalstrategie

4.2 Interessen der Zeitarbeitsunternehmen

4.2.1 Gewinnerzielungsabsicht

4.2.2 Expansionsstrategien

4.2.2.1. Spezialisierung

4.2.2.2 Funktionswandel

4.2.2.3 Qualifikation der Zeitarbeitnehmer

4.3 Perspektiven und Interessen von Zeitarbeitnehmern

4.3.1 Sicherung der wirtschaftlichen Existenz

4.3.2 Wahrnehmung von Arbeitsmarktchancen

4.3.3 Expansion der Berufserfahrung

5. Der Arbeitskraftunternehmer als neuer Arbeitnehmertypus

5.1 Wandel der Erwerbsstrukturen

5.2 Autonomiegewinn und Leistungsdruck

5.3 Selbstökonomisierung der Arbeitskraft

5.4 Gesellschaftliche Folgen

6. Das Modell der Zeitarbeitnehmerarbeit

6.1 Prekarität

6.2 Der Arbeitnehmer in der Zeitarbeit

6.2.1 Sozialbeziehungen

6.2.1.1 Kontrolle

6.2.1.2 Die Konstitution einer neuen Rolle

6.3 Zum Wert der Zeitarbeitnehmerarbeit

6.3.1 Ökonomische und ideelle Werte

6.3.2 Stellenwert und Anerkennung

6.4 Zeitarbeitnehmerarbeit und Beruflichkeit

6.4.1 Arbeitszufriedenheit

6.4.2 Die Brückenfunktion der Zeitarbeitnehmerarbeit

6.5 Zeitarbeitnehmerarbeit als Herrschaftsinstrument

6.6 Zeitarbeitnehmerarbeit als Konsumgut?

7. Zusammenfassung und Einordnung des Modells in den theoretischen Bezugsrahmen

8. Schlussbemerkung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, ein soziologisches Modell der "Zeitarbeitnehmerarbeit" zu entwickeln, um dieses atypische Beschäftigungsverhältnis analytisch zu erfassen und in den arbeitssoziologischen Kontext einzuordnen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich die Interessen der beteiligten Akteure – Zeitarbeitsunternehmen, Kundenunternehmen und Zeitarbeitnehmer – in einer prekären Konstellation zueinander verhalten.

  • Strukturelle Analyse der Zeitarbeit und ihrer Institutionalisierung in Deutschland
  • Untersuchung der Akteursinteressen und deren Divergenzen
  • Vergleich der Zeitarbeitnehmerarbeit mit dem Modell des "Arbeitskraftunternehmers"
  • Diskussion von Prekarität, Machtstrukturen und der "Brückenfunktion" der Zeitarbeit

Auszug aus dem Buch

Die Selbstdarstellung von Zeitarbeitsunternehmen

Die meisten Zeitarbeitsunternehmen versuchen daher in ihren Unternehmens selbstbeschreibungen, durch eine gute Präsentation ihrer Leistungen auch Vorurteile gegen Zeitarbeit auszuräumen, so wirbt zum Beispiel die Firma Randstad in ihrem Internetauftritt wie folgt für sich: „Unsere Leistungen: Festes Einkommen: gesichert Sicherer Job: vorhanden Abwechslungsreiche Arbeit: versprochen Weiterbildung, Qualifizierung, Aufstiegschancen: gewährleistet Tatkräftige Unterstützung beim Jobstart: geregelt Namhafter, leistungsstarker Arbeitgeber: garantiert“

Diese Schlagworte hören sich auf ersten Blick attraktiv und seriös an – halten jedoch einer kritischen Hinterfragung nicht stand. So schreibt Randstad z. B. stolz weiter unter den Punkt „Tatkräftige Unterstützung beim Jobstart: „Manche Vorurteile sind hartnäckig. Auch wenn es um Zeitarbeit geht. Vergessen Sie’s: Bei Randstad zählen Sie als Mensch. Darum gibt es bei uns regionale Betriebsräte...“

Diese Formulierung vermittelt den Eindruck, als hätte das Unternehmen selbst die Betriebsräte installiert – wer sich eingehender mit der Thematik beschäftigt, weiß, dass sich Betriebsräte, also die Vertreter der Arbeitnehmer, stets aus Eigeninitiative bilden – und i. d. R. nicht auf Anweisung oder Organisation durch den Arbeitgeber.

Die Bildung eines Betriebsrates dürfen Arbeitgeber weder verhindern noch verbieten, vielleicht soll klar gestellt werden, dass Randstad sich an gesetzliche Auflagen hält. Die Einhaltung von Gesetze wiederum sollte selbstverständlich sein und nichts, was man stolz betonen müsste. Im Folgenden heißt es unter diesem Punkt: “...Einen fairen Tarifvertrag, geschlossen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Einen kostenlosen werksärztlichen Dienst.

Auch hier bestehen Unklarheiten: Es wird nicht erklärt, was mit „tatkräftiger Unterstützung beim Jobstart“ im Zusammenhang mit dem Tarifvertrag und den Betriebsräten gemeint ist, es ist auch unklar, was der Begriff „Jobstart“ bedeutet. Sind damit die ersten Tage des Zeitarbeitnehmers im Kundenunternehmen gemeint – wenn ja, in welcher Beziehung steht dies zu Tarifverträgen und in welcher Weise könnten hier die Betriebsräte des Zeitarbeitsunternehmens aktiv werden?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Wandel zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen in Deutschland und begründet die Notwendigkeit eines neuen soziologischen Modells für Zeitarbeitnehmerarbeit.

2. Zeitarbeit in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Genese, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die wachsende Bedeutung der Zeitarbeitsbranche sowie deren Deregulierung.

3. Verortung im sozialen Raum: Es wird analysiert, wie sich verschiedene Akteure im Feld des Arbeitsmarktes positionieren und wie die Branche versucht, ihr öffentliches Ansehen zu prägen.

4. Perspektiven und Interessen der Akteure: Hier stehen die divergierenden Interessen von Kundenunternehmen, Zeitarbeitsunternehmen und den Zeitarbeitnehmern im Fokus der Analyse.

5. Der Arbeitskraftunternehmer als neuer Arbeitnehmertypus: Das Modell des Arbeitskraftunternehmers wird eingeführt, um den Wandel von Erwerbsstrukturen und die steigende Eigenverantwortung zu verdeutlichen.

6. Das Modell der Zeitarbeitnehmerarbeit: Im Hauptteil wird die Zeitarbeitnehmerarbeit als prekäre Arbeitsform detailliert analysiert, inklusive Rollenkonstitution, Kontrollmechanismen und der Brückenfunktion.

7. Zusammenfassung und Einordnung des Modells in den theoretischen Bezugsrahmen: Das entwickelte Konzept wird systematisiert und seine soziologische Verortung zusammenfassend reflektiert.

8. Schlussbemerkung und Ausblick: Es folgt ein Fazit über die Rolle der Zeitarbeit als Indikator für sozialen Wandel und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Arbeitsmarkt.

Schlüsselwörter

Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitskraftunternehmer, Prekarität, Arbeitsmarkt, Interessenkonflikte, Normalarbeitsverhältnis, Sozialbeziehungen, Deregulierung, Flexibilität, Arbeitszufriedenheit, Machtstrukturen, Personalstrategie, Transformation, Beschäftigungsunsicherheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die soziologischen Aspekte der Zeitarbeitnehmerarbeit als ein atypisches, prekäres Beschäftigungsverhältnis in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf den Interessenlagen der beteiligten Akteure, der Institutionalisierung der Branche, dem Konzept der Prekarität und der Rolle von Zeitarbeitnehmern im Vergleich zum Modell des Arbeitskraftunternehmers.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Konzeption eines soziologischen Modells zur Beschreibung der Zeitarbeitnehmerarbeit als Idealtypus, um die Dynamiken und die prekäre Stellung dieser Beschäftigten besser zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt die Methode der idealtypischen Konstruktion nach Max Weber, ergänzt durch eine Auswertung empirischer Studien und aktueller arbeitsmarktpolitischer Diskurse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Prekarität, den Kontrollmechanismen im Entleihbetrieb (On-Site-Management), der Konstitution der Rolle des Zeitarbeitnehmers und der sogenannten "Brückenfunktion" der Zeitarbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die zentralen Begriffe umfassen Zeitarbeit, Prekarität, Arbeitskraftunternehmer, Transformation von Arbeitskraft, Deregulierung und Interessenkonflikte der Akteure.

Wie wirkt sich die "Brückenfunktion" laut dieser Arbeit aus?

Die Brückenfunktion ist zwar ein zentrales Argument der Befürworter für den Statuswechsel in eine Festanstellung, die empirische Datenlage deutet jedoch darauf hin, dass dies oft spekulativ bleibt und die Arbeit stattdessen ein Armuts- und Abstiegsrisiko birgt.

Welche Rolle spielen Gewerkschaften in diesem Kontext?

Gewerkschaften verhalten sich ambivalent; sie kritisieren die Zeitarbeit als Mittel zur Tarifflucht und Disziplinierung, waren jedoch gleichzeitig an der Aushandlung von Manteltarifverträgen für die Branche beteiligt.

Warum wird der Begriff "Arbeitskraftunternehmer" zum Vergleich herangezogen?

Dieses Modell wird gewählt, weil es den Wandel in den Erwerbsstrukturen und die Verlagerung der Verantwortung für die Arbeitsleistung auf den Arbeitnehmer selbst hervorhebt, was eine Parallele zur Situation des Zeitarbeitnehmers aufweist.

Excerpt out of 47 pages  - scroll top

Details

Title
Zur Soziologie der Zeitarbeitnehmerarbeit
Subtitle
Ein Beitrag zur Arbeitsbeziehungsforschung
College
University of Hagen
Grade
2,7
Author
B.A. Gisela Christ-Rodenbeck (Author)
Publication Year
2008
Pages
47
Catalog Number
V132338
ISBN (eBook)
9783640380152
ISBN (Book)
9783640380367
Language
German
Tags
Soziologie Zeitarbeitnehmerarbeit Beitrag Arbeitsbeziehungsforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Gisela Christ-Rodenbeck (Author), 2008, Zur Soziologie der Zeitarbeitnehmerarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132338
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  47  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint