In der folgenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema ausländische Arbeitskräfte in
der DDR. Die DDR schloss seit Beginn der 60er Jahre Anwerbeverträge mit mehreren
europäischen und ab den 70er Jahren auch mit außereuropäischen Ländern. Die Gründe für
die Beschäftigung von ausländischen Arbeitern in der DDR unterschieden sich von denen
in der Bundesrepublik nicht grundsätzlich. Die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte
in der DDR hatte zum Ziel, die industrielle Produktion effizienter zu gestalten und den
Arbeitskräftemangel der DDR-Wirtschaft zu lindern. Beispielhaft für die Integrationspro-
zesse der ausländischer Arbeitskräfte soll anhand des Vertragverhältnisses zwischen der
DDR und SRV. Ich möchte mich einerseits auf die Integrationsprozesse und anderseits auf
die wirtschaftlichpolitischen Aspekte beide Länder konzentrieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Die Geschichte der Beziehungen zwischen der DDR und SRVietnam
2.2 Die Abkommen zwischen der DDR und SRVietnam
2.2.1 Die wirtschaftspolitischen Aspekte beider beteiligten Staaten
2.3 Die soziale Lage der ausländischen Arbeitskräfte in der DDR: Beschäftigung, Unterkunft und Freizeitgestalltung
2.3.1 Die Fremdfeindlichkeit in der DDR
2.4 Die Integrationsprozesse der ausländischen Arbeitskräfte
2.4.1 Die staatliche Haltung der DDR zur Integration
2.4.2 Die individuellen Möglichkeiten der Beziehungen zwischen einheimischen und ausländischen Arbeitskräften
2.5 Die ausländischen Arbeiter als soziale Teilhaber?
2.6 Die soziale Situationen der vietnamesischen Arbeitskräfte nach der Wende
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Situation vietnamesischer Vertragsarbeiter in der DDR, mit dem Ziel, die Integrationsprozesse und die wirtschaftspolitischen Hintergründe dieser Anwerbepolitik kritisch zu beleuchten und der Frage nachzugehen, ob Integration staatlich intendiert war.
- Historische Entwicklung der DDR-Vietnam-Beziehungen
- Wirtschaftspolitische Motivation der Anwerbeabkommen
- Alltägliche Lebens- und Arbeitsbedingungen vietnamesischer Vertragsarbeiter
- Staatliche Haltung und Mechanismen der sozialen Segregation
- Folgen der politischen Wende für vietnamesische Arbeitskräfte
Auszug aus dem Buch
2.3 Die soziale Lage der ausländischen Arbeitskräfte in DDR: Die Beschäftigung, Unterkunft und die Freizeit
In den Anwerbeverträgen war festgeschrieben worden, dass die Vertragsarbeiter zusätzlich zu ihrer täglichen Arbeit Deutschunterricht und eine Fachausbildung erhalten sollten. In den 70er Jahren hielt sich die DDR an das Ausbildungsprogramm. Aufgrund der zunehmenden ausländischen Arbeitskräfte konnte DDR in den 80er Jahre die berufliche Ausbildung nicht mehr gewährleisten.(Vgl.Bade.2007.1079)
Eine grundlegende Einschränkung ergab sich aus der auf die Dauer des Arbeitsverhältnisses begrenzten Vertrags- und damit Aufenthaltsdauer der Vietnamesen, die zunächst auf 4 Jahre begrenzt war, 1987 aber auf 5 Jahre erhöht wurde. Die Pässe, die den Vietnamesen in dieser Zeit von ihrer Regierung ausgestellt wurden, berechtigten dabei nur zu einem Aufenthalt in der DDR und wurden nach Ankunft in der DDR von der vietnamesischen Botschaft eingezogen. Reisen in dritte Länder bedurften der Zustimmung der vietnamesischen Botschaft in Ost-Berlin.
Vertragspartner der vietnamesischen Arbeitskräfte waren nicht die staatlichen Organe der DDR, sondern nach der Ankunft mussten Arbeitsverträge mit dem Einsatzbetrieb abgeschlossen werden, deren Rahmen jedoch durch die Festlegungen des Regierungsabkommens vorgegeben waren. Eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses bedurfte der Zustimmung beider Abkommenspartner. Das Arbeitsverhältnis konnte aber vorzeitig aufgelöst werden, wenn im Krankheitsfall "mit der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit in absehbarer Zeit nicht zu rechnen" war. Diese Festlegung bildete auch die Grundlage für die inhumane Behandlung schwangerer vietnamesischer Frauen. Sie wurden vor die Alternative "Entlassung oder Abtreibung" gestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Themenbereich der ausländischen Arbeitskräfte in der DDR und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Intention und zum Erfolg der Integration.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historischen Verträge, die wirtschaftlichen Motive beider Staaten, die isolierten Lebensbedingungen der Migranten sowie die staatliche Steuerung der Kontakte zur DDR-Bevölkerung.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass statt echter Integration eine staatlich verordnete soziale Segregation und das Leben in einer Parallelgesellschaft stattfanden.
Schlüsselwörter
DDR, Vietnam, Vertragsarbeiter, Arbeitsmigration, Integration, Segregation, Wirtschaftspolitik, Arbeitskräftemangel, Anwerbevertrag, Staatssicherheit, Sozialistischer Aufbau, Lebensbedingungen, Parallelgesellschaft, Wende, Arbeitslosigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Beschäftigung und die Lebensbedingungen vietnamesischer Vertragsarbeiter in der DDR zwischen den 1960er Jahren und der Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Anwerbeabkommen, die wirtschaftspolitischen Ziele der beteiligten Staaten und die soziokulturelle Isolation der Arbeitsmigranten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit analysiert, ob die Integration der ausländischen Arbeitskräfte politisch gewollt war und wie erfolgreich diese in der Realität umgesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine schriftliche Hausarbeit, die auf einer Literatur- und Quellenanalyse der historischen Beziehungen zwischen der DDR und der SR Vietnam basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Geschichte der Beziehungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Abkommen, die Arbeits- und Wohnsituation sowie die Fremdenfeindlichkeit und staatliche Kontrollmechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind DDR, Vietnam, Vertragsarbeiter, Integration, Segregation und staatliche Lenkung.
Warum war die berufliche Ausbildung für vietnamesische Arbeiter oft von zweitrangiger Bedeutung?
Der Fokus lag für die Arbeiter primär darauf, während ihres meist fünfjährigen Aufenthalts Geld zu verdienen, um ihre Familien in Vietnam finanziell zu unterstützen.
Wie wurde die soziale Segregation der vietnamesischen Arbeiter staatlich erzwungen?
Dies geschah durch die Unterbringung in isolierten Wohnheimen, strikte Ausgangs- und Kontaktregelungen sowie die Überwachung durch das MfS und vietnamesische Beauftragte.
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- Kherlentsetseg Damdindorj (Author), 2009, Segregation anstatt Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132376