Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Entwicklungsstadien der deutschen Umsatzsteuer von den historischen Anfängen bis zur heutigen Ausgestaltung auseinander. Dabei sollen die Entstehung, die Etablierung und der Aufstieg der Umsatzsteuer im Zusammenhang gesellschaftlicher Verhältnisse behandelt werden. In diesem Kontext ist unter anderem von Interesse welchen geschichtlichen Umständen es zu verdanken ist, dass die Umsatzsteuer nach einem Jahrtausende andauernden Prozess, die heutige Form angenommen hat.
Dabei ist es unumgänglich sich auch mit anderen Kulturen zu beschäftigen um die Wurzeln der Umsatzsteuer verfolgen zu können.
Am Anfang werde ich hierzu auf die Ursprünge der Umsatzsteuer im antiken Griechenland eingehen und beschreiben welche Formen sie im Anfangsstadium ihrer Entwicklung angenommen hatte, wobei das Augenmerk insbesondere auf die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Entstehung gerichtet ist. Weiterhin wird die Akzise genauerer Gegenstand der Untersuchung sein, da sie als mittelbarer Vorläufer der heutigen Umsatzsteuer betrachtet wird und der, unter Finanzwissenschaftlern entstandene, Akzisenstreit, die theoretische Basis und ein normatives Vorspiel der Argumente Für und Gegen die Umsatzsteuer darstellt. Nach einer kurzen Betrachtung der Einführung einer „Umsatzsteuer“ in Bremen, wird im darauf folgenden Abschnitt, die Entstehung und das Wesen des Warenumsatzstempels durchleuchtet, um anhand ihrer Vorzüge und zukunftsweisenden Eigenschaften die Etablierung der Umsatzsteuer auszumachen. Des Weiteren wird die erste moderne Form des Umsatzsteuergesetzes analysiert, um sie durch die Katalysatorwirkung des 1. Weltkrieges, als Ausgeburt einer Krise zu beschreiben, wobei anschließend ihre Entwicklung zum festen Bestandteil der Steuergesetze hervorgehoben wird. Die weitere, auch technische, Entwicklung in der Weimarer Republik und unter dem Nationalsozialismus, soll im Kontext ihrer Anpassungsfähigkeit und Instrumentalisierung und der damit zusammenhängenden „Achterbahnfahrt der Steuersätze“ aufzeigen, wie der Aufstieg der Umsatzsteuer, als eine nicht-mehr-wegzudenkende Form der Besteuerung, entstanden ist. Zum Schluss wird die Entstehung der heutigen Mehrwertsteuer, als vorerst letzte Entwicklungsstufe kurz dargestellt um den Prozess der Entwicklung abzurunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Abriss
2.1. Das Altertum
2.2. Vom Mittelalter bis zum ersten Weltkrieg
3. Der Warenumsatzstempel als Vorläufer der Umsatzsteuer
3.1 Entstehung und Wesen des Warenumsatzstempels
3.2 Finanzpolitische Ziele und zukunftsweisende Eigenschaften
4. Das Umsatzsteuergesetz, seine Entwicklung in der Weimarer Republik und unter dem Nationalsozialismus
5. Entstehung der Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuerabzugsrecht
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die historische Entwicklung der deutschen Umsatzsteuer von ihren antiken Anfängen bis zur modernen Nettoumsatzsteuer. Dabei wird untersucht, unter welchen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen die Umsatzsteuer etabliert wurde und wie sie sich im Laufe der Zeit von einer krisenbedingten Steuer zu einem festen Bestandteil des deutschen Steuersystems entwickelte.
- Historische Ursprünge der Umsatzbesteuerung im antiken Griechenland und Rom.
- Die Rolle der Akzise als mittelbarer Vorläufer der modernen Umsatzsteuer.
- Entstehung und Funktionsweise des Warenumsatzstempels während des Ersten Weltkrieges.
- Anpassung und Instrumentalisierung der Umsatzsteuer in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.
- Transformation zur Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuerabzugsrecht unter europäischem Einfluss.
Auszug aus dem Buch
3.2 Finanzpolitische Ziele und zukunftsweisende Eigenschaften
Der Warenumsatzstempel ist im Rahmen der Kriegssteuervorlage zustande gekommen, dessen primäres Ziel es war, den Krieg mitfinanzieren zu können, da der marode Finanzhaushalt dies nicht mehr mit den bisherigen Einnahmen bewerkstelligen konnte. Eine Steuer musste zumindest 3 Ansprüche erfüllen, um zu jener Zeit für diese Aufgabe in Frage zu kommen. Sie musste als Reichssteuer das gesamte Reich umfassen, ihr Ertrag musste entsprechend hoch sein und die Erhebung musste sehr einfach und ohne hohen verwaltungstechnischen Aufwand durchgeführt werden können. Dies war aber beim Warenumsatzstempel nicht der Fall, da er aufgrund von erhebungstechnischen Problemen keine nennenswerten Erträge einbrachte. Eine Schätzung der jährlichen Einnahmen belief sich 1916 auf 225 Millionen Reichsmark, die tatsächlichen Einnahmen entsprachen jedoch nur ungefähr der Hälfte. Somit genügte sie gleich zwei der drei Ansprüche nicht, um als geeignete Kriegssteuer gelten zu können.
Zusätzlich war der Gesetzestext mit Schwächen übersät, da noch keine Erfahrungen mit solch einer Steuer gemacht wurden. Hinzu kam auch noch, dass es an einer offiziellen Gesetzesbegründung fehlte. Stattdessen wurde die Begründung des Quittungsstempelgesetzes herangezogen, welcher, wie schon gesagt, vom Reichstag abgelehnt worden war. Trotz allem ist der Entstehung des WUStG hohe Bedeutung beizumessen, da in ihm der Gedanke der Umsatzsteuer überhaupt verwirklicht wurde und somit ist es als ihr unmittelbarer Vorgänger zu betrachten. Die Erfahrungen mit dem Gesetz waren überaus wichtig und zukunftsweisend, da sie die Grundlage für den weiteren Ausbau zu einer Umsatzsteuer bildeten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, die Entwicklung der Umsatzsteuer von der Antike bis zur Gegenwart im Kontext gesellschaftlicher Verhältnisse nachzuvollziehen.
2. Historischer Abriss: Es werden die antiken Ursprünge der Besteuerung sowie die Rolle der Akzise vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg als Vorläufer der modernen Umsatzsteuer betrachtet.
3. Der Warenumsatzstempel als Vorläufer der Umsatzsteuer: Dieses Kapitel analysiert die Einführung des Warenumsatzstempels während des Ersten Weltkrieges und dessen Scheitern als effektive Kriegssteuer.
4. Das Umsatzsteuergesetz, seine Entwicklung in der Weimarer Republik und unter dem Nationalsozialismus: Die Untersuchung befasst sich mit der Etablierung des Umsatzsteuergesetzes und dessen Anpassungsfähigkeit an politische und wirtschaftliche Krisen in dieser Ära.
5. Entstehung der Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuerabzugsrecht: Das Kapitel behandelt den Übergang von der Brutto-Allphasen-Umsatzsteuer zur modernen Nettoumsatzsteuer zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Umsatzsteuer trotz ihres krisenbedingten Ursprungs aufgrund ihrer fiskalischen Effizienz zu einem unverzichtbaren Instrument der Staatsfinanzierung wurde.
Schlüsselwörter
Umsatzsteuer, Warenumsatzstempel, Akzise, Kriegssteuer, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Nettoumsatzsteuer, Vorsteuerabzug, Fiskus, Steuergeschichte, Finanzpolitik, Mehrwertsteuer, Warenverkehr, Staatsfinanzen, Besteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und dem Aufstieg der deutschen Umsatzsteuer von ihren antiken Anfängen bis hin zur heutigen Ausgestaltung als Nettoumsatzsteuer.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Besteuerung von antiken Handelsabgaben über die Akzise und den Warenumsatzstempel bis hin zur modernen Mehrwertsteuer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, durch welche geschichtlichen Umstände und gesellschaftlichen Notwendigkeiten die Umsatzsteuer zu ihrer heutigen, aus den staatlichen Finanzen nicht mehr wegzudenkenden Form gelangen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wendet eine historische-analytische Methode an, um die Entwicklung der Gesetzgebung im Zusammenhang mit den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte, angefangen beim Warenumsatzstempel im Ersten Weltkrieg über die Anpassungen in der Weimarer Republik bis zur Einführung des Vorsteuerabzugsrechts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Umsatzsteuer, Fiskalpolitik, Kriegsfinanzierung, Nettoumsatzsteuer und historische Gesetzeseentwicklung charakterisiert.
Warum wird der Warenumsatzstempel als Vorläufer der modernen Umsatzsteuer bezeichnet?
Obwohl er fiskalisch wenig erfolgreich war, wurde mit ihm erstmals der Gedanke der Besteuerung des Warenverkehrs auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette gesetzlich verankert.
Inwiefern hat die "Achterbahnfahrt der Steuersätze" die Umsatzsteuer geprägt?
Dieser Begriff beschreibt die hohe Anpassungsfähigkeit der Steuer an staatliche Krisen, was dazu führte, dass sie trotz wiederholter Erhöhungen oder Senkungen fest im Gesetzbuch verankert blieb.
Was unterscheidet die Nettoumsatzsteuer von der Brutto-Allphasen-Umsatzsteuer?
Die Nettoumsatzsteuer ermöglicht durch das Vorsteuerabzugsrecht eine wettbewerbsneutrale Besteuerung, während die Brutto-Variante zu kumulativen Effekten und Wettbewerbsverzerrungen führte.
- Citar trabajo
- Hamid Reza Noshadi (Autor), 2009, Die Deutsche Umsatzsteuer , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132487