Integration der Gestalttherapie in ein transpersonal erweitertes Weltbild


Wissenschaftlicher Aufsatz, 1989

62 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Einführende Bemerkungen

Die Gestalttherapie

Die Holotrope Therapie

Die Prozeßtheorie der Gestalttherapie versus perinatale

Dynamik der Holotropen Therapie

Reflexionen

Die transpersonale Dimension im

psychotherapeutischen Prozeß

Erste Kategorie: Erfahrungselemente aus der

phänomenalen Welt
A) Zeit
B) Raum

Zweite Kategorie: Erfahrungselemente, die nicht der

phänomenalen Welt angehören

Transpersonal orientierte Psychotherapie versus

pädagogisch orientierte Psychotherapie

Das Rollenverständnis in der pädagogisch und transpersonal orientierten Psychotherapie

Epilog

Anmerkungen

Literatur

VORWORT

Ich arbeite seit 8 Jahren als transpersonal orientierter Therapeut in eigener Praxis und führe auch Seminare in diesem Rahmen durch. 1987 entschied ich mich zu einer weiteren Ausbildung zum Gestalttherapeuten an einem deutschen Institut. Im Verlauf dieser Jahre stellte sich mir die Aufgabe, diese für mich neue Form der Therapie in mein berufliches Feld zu integrieren. Es schien für mich, als ließen sich beide Therapieformen zwang- und mühelos miteinander kombinieren.

Und doch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, es hier mit zwei unterschiedlichen Weltanschauungen zu tun zu haben. Sowohl in der Theorie wie in der Praxis. Sowohl die institutionelle Reaktion im Rahmen meiner Ausbildung, sowohl meine Erfahrung in der kollegialen Supervision, als auch meine persönliche Erfahrung im Rahmen meiner eigenen Praxis gaben mir zu verstehen, daß einer Integration dieser Therapieformen in der Praxis, eine Aufarbeitung in der Theorie vorausgehen müsse und daß <zwanglose Kombination> noch nicht <Integration> heißt. Meine folgende Auseinandersetzung fand keineswegs in einem nur abstrakten Rahmen statt, sondern begleitete mich in meiner täglichen Arbeit. Als ich das Konzept des vorliegenden Textes verfaßte, wurde mir bewußt, daß diese Auseinandersetzung möglicherweise auch für einen größeren Kreis angehender und praktizierender Psychotherapeuten von Bedeutung sein könne.

Ich habe an dieser Stelle darauf verzichtet, die Gestalttherapie ebenso wie die Holotrope Therapie systematisch darzustellen. Dies hat zwei Gründe: Einmal wende ich mich in dieser Auseinandersetzung an ein Publikum, von dem ich annehmen darf, daß es vor allem mit der Gestalttherapie gut vertraut ist, zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht, daß in gestalttherapeutischen Kreisen eine gewisse Ängstlichkeit der Theorie gegenüber herrscht, auf die ich insofern Rücksicht nehmen möchte, als ich die Abhandlung schlicht halten werde. Trotz allem aber ist es meine Überzeugung, daß beide Systeme als runde Gestalt erscheinen werden. Überdies findet der interessierte Leser zu den einzelnen Zusammenhängen im Anhang ausreichende Literaturhinweise, die ich an den entsprechenden Stellen in Klammer kenntlich machen werde. Ich erwarte nicht, daß alle Leser und Leserinnen dieser Auseinandersetzung mir ohne Einwände zustimmen werden. Ich würde es begrüßen, wenn sie die vorgestellten Hypothesen, Darstellungen und Verknüpfungen als Herausforderung ihrer eigenen Suche betrachten würden.

EINFÜHRENDE BEMERKUNGEN

Ich bin Thanatologe, insofern ich einen Großteil meiner Zeit der Erforschung des Sterbeprozesses und der Todeserfahrung widme(30). Diese nachhaltige Beschäftigung mit der persönlichen Erfahrung bildet den Rahmen meines therapeutischen Interesses - in dem Sinne, daß ein Wissen vom Tode das Geheimnis des Lebens umschließe.

1982 wurde ich von Stanislav Grof, dem führenden Kopf der transpersonalen Bewegung, nach Amerika eingeladen, um dort transpersonale Psychologie und Psychotherapie zu studieren. Dr. Grof erforschte über 30 Jahre lang das menschliche Bewußtsein, mit Hilfe psychedelicher Substanzen und auch ohne eine solche Hilfe. Insbesondere aber konzentrierte er sich auf die Erforschung des LSD-25, eine Substanz aus der Reihe der Lysergsäure, dem chemischen Grundbaustein der Mutterkornalkaloide. Der jahrelange behutsame Umgang mit diesem Psychedelikum brachte zum Vorschein, daß LSD keine pharmakologische, keine toxische Wirkung hervorbringt, sondern als unspezifischer Katalysator für das Bewußtsein angesehen werden kann. In diesem Sinne kann es durchaus mit dem Mikroskop in der Medizin und dem Teleskop in der Astronomie verglichen werden(9). Bei angemessener Verabreichung und Anwendung ist dieser das Bewußtsein aufschließenden Substanz eine große therapeutische Relevanz zugesprochen worden(11/12).

Konsumbetonter Mißbrauch auf Seiten der Hippies und administrative Reaktion und Reglementierung auf Seiten der Regierenden hatten zur Folge, daß diese vielversprechende, den therapeutischen Prozeß unterstützende Substanz Diskreditierung erfahren mußte. Daraufhin entwickelten Stanislav Grof und seine Frau Christina ein therapeutisches Verfahren, das ohne die zur Hilfenahme chemischer Gaben auskommt, ebenso aber über eine Wirkkraft verfügt, die notwendig erscheint, um die inneren Räume der Seele und des Bewußtseins zu vitalisieren, um mit dem ihm innewohnenden Heilpotential in Berührung zu kommen. Diesem Verfahren sind die Namen <Holotrope Therapie> und <Holonomische Integration> gegeben worden, Namen, die darauf hindeuten, daß dieses Verfahren ganzheitlich orientiert ist(13). Introspektive Ausrichtung der Wahrnehmung bildet zusammen mit dem kontrollierten Gebrauch schnellen Atmens und dem Einfluß evokativer Musik ein kraftvolles Zusammenspiel verschiedener Hilfsmittel.

Ich habe mehrere hundert Sitzungen Selbsterfahrung in diesem therapeutischen Rahmen erfahren dürfen. In aller Einfachheit möchte ich davon sprechen, daß ich den therapeutischen Prozeß als ein Abenteuer erleben durfte, daß von der Entdeckung des Körpers, zur Entdeckung der fühlenden Seele hin zur Entdeckung des Geistes sich fortsetzte, ein Prozeß, der immer noch anhält. Ein Abenteuer, daß mich dazu antrieb, Erfahrungen geschehen zu lassen, die im Westen häufig als Manifestationen einer sozialen Psychopathologie angesehen werden. Ein Abenteuer, das mich darüber hinaus aufforderte, mich mit meiner theoretischen Zwangsjacke auseinanderzusetzen, die ich mir durch meine kulturelle Beteiligung und meinem akademischen Studium über Jahre hinweg angeeignet hatte. Ich mußte bitter zur Kenntnis nehmen, daß eine energetische Fließbewegung nicht nur durch emotionale und körperliche Blockierungen gestört, sondern auch durch rationale Manöver zum Stillstand gebracht werden kann.

Darüber hinaus legte mir die Reflexion dieser Ereignisse an die Hand, die gedankliche Tätigkeit, wie abstrakt ihre Bedeutung auch erscheinen mag, für die Organisation meiner Wahrnehmung und damit dessen, was ich als Realität zu kennen glaubte, verantwortlich zu machen. Damit nicht genug, mußte ich sowohl in meinem Alltag als auch in meinem beruflichen Feld entdecken, daß im Augenblick einer menschlichen Begegnung, was immer auch der Grund einer solchen Begegnung sein mochte, die Beteiligten darüber miteinander in Verhandlung treten, was als real zu gelten hat und was nicht. So konnte ich mich in meiner Tätigkeit als Psychotherapeut nicht mehr der Verantwortung entziehen, daß ich mit meinen inhaltlich fixierten Vorstellungen über mich und die anderen eine Realität erzeuge, die es doch erst einmal zu entdecken galt. Ich suchte nicht nach einer Realität, die als objektive Tatsache in Erscheinung tritt, und die dann nur noch des impliziten oder expliziten Konsensus bedarf, sondern wollte den Prozess der sich entfaltenden Realität selbst entdecken.

Die Gestalttherapie schien mir eine vielversprechende Lösung meiner Probleme anzubieten, vor allem auch methodisch. Frederick Perls, der in der Gestaltbewegung als Meister verehrt wird, bemühte sich ja unerläßlich auszudrücken, daß ihm das <Was> und das <Wie>, der Prozeß und die Struktur wichtiger seien, als die Betonung kausaler und inhaltlich fixierter Zusammenhänge(26/27). 1987 entschied ich mich deshalb zu einer gestalttherapeutischen Ausbildung.

DIE GESTALTTHERAPIE

Obwohl die Gestalttherapie sowohl theoretisch als auch praktisch ohne inhaltlich fixierte Festschreibungen über die Realität auskommt, habe ich dies meiner Beobachtung nach sehr selten erlebt. Offensichtlich haben wir es hier mit einem allgemeinen menschlichen Verhalten zu tun, das auch durch die Gestaltarbeit sich nicht per se verändert. Der 3. Zen - Patriarch aber sagt: <Höre auf zu urteilen!>

Doch urteilen wir nicht sehr schnell? "Was hat denn ein Zen - Patriarch mit mir als Gestalttherapeuten zu tun? Was soll ein solcher abgehobener Gedanke?"

Ich erkenne in dieser menschenmöglichen Reaktion ein sehr grundsätzliches Problem, das m.E. stärker in die Gestaltarbeit hineinwirkt, als wir vielleicht vermuten mögen. Es ist mein Bedürfnis mich in dieser Studie damit eingehender auseinanderzusetzen, indem ich die Gestalttherapie in eine umfassendere Sichtweise einbinden möchte, in der Hoffnung, sie hierdurch zu akkreditieren.

Ein Hauptanliegen der Gestalttherapie ist der Person Hilfe zu geben, sich in ihren Bedürfnissen zu erfassen, indem sie wieder mit diesen in Kontakt gebracht wird(27). Aber nicht nur das, die Person soll auch wieder mit Sein erfüllt werden. Die Gestalttherapie ist somit nicht nur ein eklektisches Bündel gut funktionierender Techniken, sondern zuerst einmal eine Lebensphilosophie, indem sie sich als philosophische Haltung in die Lebenspraxis des Menschen übersetzt. Es besteht die Möglichkeit, sich mit den erhabensten und zugleich einfachsten Fragen zu vergegenwärtigen: "Wer bin ich?" "Wo komme ich her?" "Und wohin werde ich wieder gehen?"

Wie immer die Antwort als Einzelerfahrung im Gestaltrahmen auch ausfallen wird - wir wollen uns hier darauf konzentrieren, in welchem Modus von Erfahrung jedwede mögliche Antwort <gestaltadäquat> erfahren werden kann. Lassen wir das fragende Ich also selbst in die Anschauung rücken. Es ist das organismische Ich, homöostatisch und selbstregulatorisch ausgestattet, das sich in einem permanenten Veränderungsprozeß wähnt, von Gestaltformation zu Gestaltzerfall zu Gestaltformation...sine fine.

Die Wahrnehmung und Organisation des organismischen Ichs und seiner Welt vollziehen sich epistemologisch gesprochen holistisch. "The essence of a holistic conception of reality is that all nature is a unified and coherent whole"(17). Die Symbolisierung und der kreative Selbstdialog, die notwendig erscheinen, damit eine solche Wahrnehmung einen Begriff von sich selbst bekommen kann, vollziehen sich deskriptiv und integrativ, indem sie die Phänomenologie und Gegenwart betonen. "The organism is imbedded in the enviroment, as much part of it as a spoke is of the wheel. Organism has two systems that assist in their interaction with the enviroment. The sensory or orientation of faculties that receive informations about the enviroment...(and/d.Verf.) the motor system is the organisation of the manipulative faculties(17). Ken Wilber verdichtet diesen Zusammenhang, indem er sagt: "Unter anderem bildet die existentielle Ebene (des Bewußtseins, auf der die vorangegangene Diskussion zur Geltung kommt/d.Verf.), die Referenz für unser Selbstbild: sie ist das, was man fühlt, wenn man sich innerlich das Symbol seines Selbstbildes vergegenwärtigt. Sie ist mit anderen Worten die Grundlage des Ich - Bewußtseins" (36).

Um im Bilde zu bleiben, was versteht die Gestalttherapie unter dem Selbst? Das Selbst bildet in der Gestaltphilosophie die Essenz unserer Personalität. Gemeint ist damit die Vereinheitlichung dessen, was im Prozeß der Veränderung existiert. The Self "is the process of evaluating the possibilities in the field, integrating them, and carrying them through to completion in the cause of the organism's need"(17).

Neben diesen allgemeinen Charakteristika erscheint das Selbst auch individuell, hier allerdings unterschieden, nämlich auf eine jeweils besondere Weise, mit der es in diesem allgemeinen Prozeß verwickelt ist und ihn zum Ausdruck bringt. Diese besondere Art und Weise "stems from the result of our past growth and learning and their interaction with the individuality we bring into the world - heredity, constitution, karma. The realized self is like what is called Buddha - nature or mind in Zen. It is described in characteristic fashion. The mind which is without beginning is inborn and indestructible"(17).

Lassen sie mich den Blick jetzt auf die Frage werfen, welche Prinzipien diesen beschriebenen Prozeß ermöglichen, und vergegenwärtigen wir uns, daß wir es hier mit einem eminent praktischen Aspekt der Formierung menschlicher Lebenswelt zu tun haben. Es gibt eine Reihe von Grunddualismen, ohne die das organismische Ich nicht existieren kann. Die Aufteilung des Raumes - es kann zwischen hier und dort unterscheiden. Die Teilung der Zeit - es kann die einfach verstreichende Gegenwart auf dem Hintergrund von Vergangenheit und Zukunft unterscheiden. Die Zeit verläuft linear von gestern zu heute zu morgen. Die Realität ist materiell ausgerichtet, die Dinge haben eine kausale Wechselwirkung. Was real ist, ist außen - innen ist, was nicht-real ist. Ich und Nicht-Ich und Subjekt und Objekt treten in Erscheinung. Schließlich lernt es auch das Mögliche von dem Unmöglichen zu unterscheiden. Der Unterschied zwischen Himmel und Erde. Diese Unterscheidungsfähigkeit und der tatsächliche Vollzug werden möglich und notwendig, indem der Mensch wesensmäßig aus sich heraustritt, verhängnisvoll und unvermeidlich(36). Deshalb wird hier von der existentiellen Ebene des Menschen gesprochen. In dieser Identität weiß sich der Mensch sozusagen durchdrungen von den zur Darstellung gebrachten Dualismen. Sie bilden seine Matrix und seine Begrenzung. Andererseits erleidet er jetzt all die Auf und Abs, das in den Vordergrund-Treten und wieder in den Hintergrundverschwinden der körperbezogenen Empfindungen, der Gefühle und der Gedanken. Es ist bekannt, daß Perls sich tief vom Existentialismus beeinflußt fühlte.

Diese erste grundlegende Spaltung aber ist nicht die letzte ihrer Art. Nicht wenige Menschen bekennen freimütig, daß dieser Körper, den sie haben, ihrer sei. Sie sind nicht ihr Körper, sondern verstehen sich in einem Verhältnis zu ihm, das ihn zum Besitz werden läßt. Aber wer ist es, der diesen Körper in Besitz nehmen kann? Es ist das mentale Ego, mit dem eine Identität eingegangen wird. Diese zweite Verschiebung der Identität vom Organismus zum mentalen Ego kommt einer weiteren Fragmentierung gleich. Hiermit aber nicht genug, kann eine weitere Ebene im Spektrum des Bewußtseins in Erscheinung treten, indem der Mensch sich von seinen weniger vorteilhaften Facetten trennt, indem er diese unerwünschten Aspekte seiner selbst aus dem Bewußtsein ausschließt. Eine Fähigkeit, die einer Dissoziation gleichkommt. Ein magischer Akt, wodurch der Magier sich selbst verschwinden läßt. Gleichzeitig ist ein Schattenreich geboren und aus der Taufe gehoben.

Nicht immer ist das Schattenreich einem Gast von außen aufgeschlossen. Es scheint so, als bedürfte es hier einer noch größeren Kraft als die der Magie, es scheint, daß solche Menschen sich zunächst einmal an den Zustand des Vertrauens zu gewöhnen hätten, indem sie ganz und gar in ihrer Zeit gelassen und anerkannt werden. Etwas, was sie für sich selbst nicht tun können, was aber auch einem Therapeuten nur schwer gelingen wird, der bestrebt ist, die Zeit des Gestaltschließens selbst zu bestimmen, z.B. um dem Druck des Erfolges gewachsen zu sein.

Wenden wir uns jetzt aber der anderen Seite des Spektrums des Bewußtseins zu. Jener Daseinsform, die auch als absolute Subjektivität beschrieben worden ist (36) und sich hervortut, wenn das organismische Ich seine Wichtigkeit sich selbst gegenüber verloren hat und die primäre Grundspaltung, die ich zuvor schon angedeutet habe, sich als eine weitere Illusion zu erkennen gibt. Diese Wirklichung kommt nicht einer symbiotischen Verschmelzung des organismischen Ichs gleich, sondern ist einfach ein ichloser Zustand. Wer von uns kann schon demütig genug sein, sein organismisches Ich der universalen Ordnung zu überantworten?

Joel Latner's Erfahrung nach öffnet sich das Selbst auf der organismischen Ebene zwei unterscheidbaren Modalitäten der Erfahrung: Der Es–Modalität und der Ich-Modalität. Seiner Erfahrung nach existiert das Selbst in Form des <Es> als frei fließende Aufmerksamkeit, unstrukturiert und unkontrolliert. Die Dinge geschehen an uns, das Leben durch-strömt uns, der Wille ist ausgeschaltet, und es gibt so gut wie keine Assoziationen. Sensorische und motorische Inputs fließen ohne Behinderung oder andere Schwierigkeiten durch uns hindurch. Ein Zustand, der spielerische Elemente aufweist, wobei das Spiel auch dunkel gefärbt sein kann. Latner sieht im <Es>-Zustand eine gewisse Ähnlichkeit zum Traum. "The Id is that aspect of the process of the self where energy, excitement, and movement are emphasized. Sometimes we experience it as being lost in the field or abondened to our feelings, as when we cry unashamed and wholeheartedly. Characteristically, our boundaries are felt only vaguely: sometimes they are not felt at all, and we feel ourselves at one with the processes of the life. The Id mode is a typical and healthy quality"(17/vergl. auch 29/32).

In der Ego Modalität drückt sich das Selbst konträr entgegengesetzt aus. Die Fähigkeit <zu unterscheiden> rückt in den Vordergrund. Das Ego weiß sich aktiv, kontrollierend, wollend und bedachtsam. Und mit der Unterscheidung und Einteilung erheben sich gleichsam Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen vollzieht sich nun das zeiträumliche Spiel von Vordergrund und Hintergrund. Das Selbst verfügt in der Modalität des Egos auch über eine richterliche Instanz. Das Maß der Beurteilungen, wie sie das Ich vornimmt, bilden die organismischen Bedürfnisse. Sie nicht zu unterdrücken ist das Gebot der Stunde - sie aber zum Maßstab aller Dinge zu machen, dürfte uns in etwa in eine Situation führen, wie sie von Frederik Perls in seiner Autobiographie In and out the garbage pail. (25) vorgeführt wird. Wir können eine gewisse Authentizität bezüglich des organismischen Prozesses, wie er in der Dynamik des Figur/ Grundverhältnisses sichtbar wird, beobachten - die höheren Werte des menschlichen Daseins, wie sie z.B. von Abraham Maslow beschrieben werden (20), Mitgefühl, Liebe, Harmonie, Gleichmut, Frieden und Freiheit, sie scheinen durch eine einseitige Betonung organismischer Prozesse in den Hintergrund zu treten. Nun mag ein Richter in uns bereit sein, "den Ansprüchen an unsere Leichtgläubigkeit zuzuhören, die sowohl von den Ergebnissen der wissenschaftlichen Argumentation als auch von unserer unwissenschaftlichen Erfahrung kommen, auch wenn sie sich gegenseitig vielleicht nicht beachten"(16). Diese Studie wendet sich an einen derartigen Richter in jedem von uns.

Ich möchte mich jetzt auf den therapeutischen Prozess konzentrieren, durch den Latner's Formen des Selbst anschaulich und verständlich werden. Frank M. Staemmler und Werner Bock, zwei deutsche Gestalttherapeuten, haben 1987 einen Neuentwurf der Gestalttherapie der Öffentlichkeit vorgestellt, in dem sie der ganzheitlichen Veränderung im therapeutischen Prozeß zur Darstellung verhelfen. Sie bedienen sich hierzu des Schichtenmodells, wie Perls es zur Beschreibung der Struktur von Neurosen entwickelt hat, indem sie die Dinghaftigkeit der Struktur in ihrer Bewegung erfaßt haben und auf diese Weise prozeßorientierte Aussagen machen konnten(31). Geräumlichte Schichten wandeln sich zu unzeitlichen Phasen, wesenhaft erfaßt in ihrer je spezifisch ausgerichteten Energetik[i], die mit einer ihr eigenen ontologischen Qualität korrespondiert. Der energetische Wandel entspricht also einem qualitativen Veränderungsprozeß. Der Prozeß durchläuft den Zustand der Lageenergie, der Spannenergie, der thermischen Energie bis hin zur kontraktiven und expansiven Energie. Dieser energetische Wandel drückt sich in der ontologischen Transformation des Selbst aus. Es durchläuft eine Metamorphose vom <Ich>-Zustand in einen reifen transpersonalen (nicht einen unreifen präpersonalen) <Es>-Zustand. Hiermit bedienen wir uns einer theoretisch nützlichen Differenzierung, beachten wir aber, daß sie aus einem einheitlich-ganzheitlichen Prozeß hervorgeht.

Die Beschreibung eines Prozesses macht es notwendig einen Anfang zu setzen. Ist es aber nicht der Mensch selbst, der aus seinem homöostatischen Gleichgewicht heraustritt und damit einen organismischen Prozeß in Gang setzt? Der Agens dieses Prozesses ist die menschliche Eigenschaft des Strebens, ein Vorgang, der seinen Anfang nimmt, ist das Ei erst einmal zerbrochen und das Ich vor seiner Geburt steht. Für Ken Wilber drückt sich diese menschliche Eigenschaft sowohl ontogenetisch als auch phylogenetisch in dem Versuch aus, Thanatos zu vermeiden und Eros zu vermehren (37/38). Auf der organismischen Ebene vollzieht sich währenddessen ein ständiger Prozeß, der vom Gleichgewicht zum Ungleichgewicht zum Gleichgewicht...sich vollzieht: Ein gesunder Organismus weiß sich selbst zu regulieren, d.h. daß er immer wieder zum Gleichgewicht zurückfindet. Mit der Geburt des Ichs aber verliert der Mensch seine Unschuld und versucht diesen Prozeß selbst zu kontrollieren, was zu erheblichen Störungen führen kann. Wird eine Störung chronisch, blockiert sie den Organismus auf allen Ebenen gleichzeitig. Überdies erwächst ihr eine geistige Haltung, die empfindlich in die Organisation der Wahrnehmung eingreift.

Jetzt wird Unten unterdrückt, und Oben wird geleugnet. Das Leben kommt zum Stillstand - eine Misere. Die Magie des Augenblicks. Der Vorhang fällt und das Ich ist zum Opfer ernannt! Der Täter entkommt und wird schließlich in der Umgebung wiedererkannt. Eine projektive Leistung ohne Beispiel. Hier beginnt nach Staemmler und Bock das Spektrum des pathologischen Prozesses, das zu therapeutischen Diensten erkannt werden muß.

Die erste Phase des Prozesses drückt sich durch Stagnation aus. Das energetische Niveau der Person kann physikalisch als Lageenergie beschrieben werden, ein potentieller Zustand, in dem das Ich verharrt. Die Projektion wirkt ganz - auch die sie beeinflussenden Kräfte scheinen von außen auf die Person gerichtet zu sein. Eine Lösung für diese Situation kann nur in der Veränderung äußerer Determinanten gesehen werden. Die Person hat sich ihrer eigenen Projektion ausgeliefert. Jetzt fühlt sich das Ich von diesen nach außen gesetzten Kräften bedroht und erleidet Angst. Hier kann einsichtig werden, daß Angst sich immer auf dem Hintergrund von zwei einander entgegensetzten Impulsen organisiert. Denn wie sehr wir den lebendigen Prozeß in uns auch unterdrücken mögen, nie können wir seine Kräfte völlig ausschalten. Indem sie uns erregen, brauchen wir ein Mehr an Kontrolle. Wird der Person nun die Möglichkeit gegeben, sich mit diesen polar entgegen gesetzten Kräften ihrer selbst nacheinander bekannt zu machen, versetzen wir sie in die Lage, diese Kräfte zu erkennen und anzuerkennen, wodurch sie in eins in den Stand der Verantwortlichkeit(the ability to response) zurückversetzt wird.

Die Kräfte, von denen die Rede ist, haben eine polare Wirkung, eine Wechselbeziehung auf- und miteinander, die sich in Spannung ausdrückt. Dies ist der Grund, weshalb Staemmler und Bock hier von Spannenergie sprechen, die in der 2.Phase des Spektrums des therapeutischen Prozesses als Polarisation zur Wirkung kommt. Obwohl die Person sich in dieser Phase noch immer als Opfer fühlt - denn ihr ontologischer Status hat sich bisher in keiner Weise geändert - weiß sie jetzt, daß sie selbst der Verursacher ihres Soseins ist.

Die Person erhält jetzt Unterstützung, sich darin zu wirklichen, ihre Aufmerksamkeit auf jeweils einen der Pole dieses Spannungsbereiches zu richten, um eine Lösung ihres Dilemmas zu finden. Aus der Perspektive eines jeweiligen Pols liegt die Lösung in der Vernichtung des jeweils anderen. Da ihre Existenz aber auf ihrer Wechselseitigkeit beruht, ist jede Lösung dieser Art unhaltbar. Zudem erfolgt ein solcher Versuch von Seiten der Person immer in Form inhaltlicher Fixierungen. Doch vergessen wir nicht, daß wir es hier mit der Polarisation, mit der Spaltung der Persönlichkeit selbst zu tun haben, und dies ist auch der Grund, weshalb die Person die tatsächliche Problematik und ihren Lösungsweg nicht erkennen kann. Ein gespaltenes Bewußtsein befindet sich in einer Lage, die es nicht erlaubt, ein gespaltenes Bewußtsein zu erkennen, noch kann die gänzlichende Lösung in Betracht gezogen werden. So bleibt nur die Zerrissenheit, die Spaltung selbst zum Erlebnis werden zu lassen. Während die Person sich mit Standpunkten, Ansichten und Argumenten aus einer jeweiligen Perspektive identifiziert, während dieser Part den ge-genüberliegenden Part zu nichten sucht, sei dies aktiv kämpferisch oder durch Ignorierung, erhitzt sich der energetische Haushalt langsam. Die energetischen Teilchen, die sich um einen jeweiligen Pol herum versammeln, bekommen mikroskopisch gesehen eine kinetische Qualität, makroskopisch allerdings verharren sie als ein geschlossenes System im Spannungsverhältnis der Polarisation. Staemmler und Bock sprechen jetzt von thermischer Energie, die, übersteigt sie ein kritisches Maß, die Person in einen chaotischen Zustand versetzt, bis schließlich Standpunkte, Ansichten und Emotionen, ja die Pole selbst zusammenbrechen. Jetzt erreicht der Prozeß die Phase der Diffusion.

Die Person, die ihr Bewußtsein nicht länger auf inhaltliche Zusammenhänge fixieren kann, fühlt sich verwirrt und entleert. Sie ist überzeugt zugrunde zu gehen. Und mit dieser Überzeugung liegt sie völlig richtig, denn jetzt erfährt sie, daß ihre Ich-Identität ebenfalls nur ein reflexiver Gegenstand ist, und mit der Entleerung von Inhalten ist auch das Ich entschwunden. Diese Entleerung ist die Erfahrung des Nicht. Perls übersetzte dieses Nichts mit no thing. Dieser Hinweis deutet an, wie aus einer inhaltlichen Struktur prozessuale Bewegung entsteht. Die Welt der Dinge löst sich auf, denn die Dinge sind nicht wirklich, wie das Ich dies glaubt. Und wie wir gesehen haben, macht die Auflösung vor der Dinghaftigkeit der Person nicht halt. Ronald Laing sprach in Rücksicht auf den psychotherapeutischen Prozeß einmal von der Entvölkerung des inneren Raumes des Menschen. Mit dieser Entvölkerung des Raumes verschwindet auch die Spaltung der Person. Geschieht das, sprechen Staemmler und Bock von der Phase der Kontraktion, die schließlich in die Phase der Expansion übergeht. Und dieser Übergang vollzieht sich energetisch auf die Weise, daß die Energie, die als geschlossene Systeme der jeweiligen Pole existierte, sich soweit erhitzt, daß ihre Geschlossenheit aufbricht und somit aus ihrem potentiellen Dasein heraustritt und zur Wirklichung der ontologischen Transformation der Person beiträgt.

Für die 4. und 5. Phase des Spektrums des Prozesses ersetzen sie also die Begriffe Perls', der hier von Implosion und Explosion spricht. Sie haben gute Gründe, denn einerseits spielen diese Begriffe auf ein Ereignis der Zerstörung an - was aber nicht der Fall ist, kann nicht wirklich sein. Andererseits erkannten sie in diesen Kräften jene aus der Polarisationsphase wieder, unterschieden nur darin, daß sie jetzt nacheinander in Erscheinung treten. Kontraktiv bewegt sich die Energie von der Peripherie zum Zentrum, expansiv vom Zentrum zur Peripherie.

Jetzt wird verständlich, daß sich das Ich fürchtet, daß es sich bedroht fühlt. Setzt es sich einmal dem beschriebenen Prozeß aus, setzt es sich damit seinem eigenen Tode aus, der einzige Tod, der wirklich existiert. Nach Staemmler und Bock gehört die Todeserfahrung zum therapeutischen Prozeß. Deshalb sollten wir dieses Element nicht länger aus der Theorie und aus dem therapeutischen Prozeß ausklammern. Soll die heilende Metamorphose vom Ich zum Es, Latner's Modalitäten des Selbst, soll diese Metamorphose sich wirklichen, bedarf es der Todeserfahrung des Ich, bedarf es einer ontologischen Transformation, die zu bestimmen wir im folgenden Zeit finden werden. Staemmler und Bock beschreiben das Ereignis der Todeserfahrung mit folgenden Worten: "Um die Kontrollfunktion dieses Ich zu erhalten - oder genauer: Um dieses Ich zu erhalten, dessen Funktion die Kontrolle ist, unternehmen Menschen so unendlich viel mit dem Ziel, die Begegnung mit Schmerz oder gar dem Tod zu vermeiden. Denn Schmerz und Tod lassen nur allzu deutlich werden, daß es in uns Menschen keine solche Instanz wie ein Ich gibt, die unseren Organismus unter Kontrolle hält, während dieser seinen Erfahrungen ausgesetzt ist. Schmerz und Tod entlarven eine solche Annahme als schlichte Illusion narzißtischen Größenwahns und schaffen so die Voraussetzung für die Überwindung der Spaltung im Menschen zwischen einem kontrollierenden und einem kontrollierten Teil seines Selbst" (31/ S.107).

Die Qualifikation des Selbst, wie es im Augenblick der Expansion in Erscheinung tritt, ist meines Wissens von Seiten der Gestalttherapie bisher nicht unternommen worden. Daß der gestalttherapeutische Prozeß sich aber tatsächlich bis in diese Phase hinein fortsetzt, zeigt, daß er damit einem Grundprozeß evolutionären Ausmaßes folgt, der von unterschiedlichster Seite beschrieben worden ist. "In allen Zeitaltern und in zahlreichen Kulturen gab es rituelle Veranstaltungen , bei denen die Menschen eine wirkungsmächtige symbolische Begegnung mit dem Tod erlebten. Diese Konfrontation ist das Kernereignis der Durchgangsriten (rites de passage) bei Tempelinitiationen, in den Mysterienreligionen und Geheimgesellschaften wie auch in verschiedenen ekstatischen Religionen. Nach den Schilderungen in den historischen Quellen und in der anthropologischen Literatur führen solche profunden Erfahrungen eines symbolischen Todes nicht nur zu einer überwältigenden Erkenntnis der Vergänglichkeit der menschlichen Existenz, sondern auch zu einer erleuchtenden Einsicht in das transzendente, ewige, spirituelle Wesen des menschlichen Bewußtseins. Rituale dieser Art verbinden zwei wichtige Funktionen: Zum einen führen sie beim Initianden einen tiefgreifenden Wandlungsprozeß herbei, der auf diese Weise eine andere Art der Welterfahrung entdeckt; zum anderen dienen sie als Vorbereitung auf den tatsächlichen physischen Tod." (10/S.16-17/ siehe auch 33).

DIE HOLOTROPE THERAPIE

Im Folgenden ist es meine Absicht, die Landschaft zu beschreiben, die sich dem inneren Auge preisgibt, sind wir bereit, uns einem angemessenen und effektiven Set und Setting [ii] in einem therapeutischen Rahmen anzuvertrauen. Die Holotrope Therapie, wie sie von Stanislav und Christina Grof entwickelt worden ist, ist dem Bedürfnis angepaßt, daß gesamte Spektrum des Bewußtseins in die Erfahrung treten zu lassen.

Die Holotrope Therapie zielt auf Ganzheit in einem umfassenden Sinn. Holos (griech.) heißt <ganz>, und trepein (griech.) heißt <sich zubewegen auf>: Der holotrope Erfahrungsmodus der Existenz ist demnach eine Erfahrung, durch die der Erlebende und das Erlebnis als Einheit in Erscheinung treten. Die Verwendung kontrollierten Atems, tiefer und schneller als gewöhnlich, die Hilfe kraftvoller Musik und der weise Gebrauch körperbezogener Interventionsmittel bilden in ihrem Zusammenspiel ein wirksames Verfahren, das sich instrumentellen Einschränkungen gegenüber als transzendierend erweist.

Die weitere Darstellung der Holotropen Therapie wird aus didaktischen Gründen immer auch einer gestalttherapeutischen Perspektive Rechnung tragen, um einen besseren Nachvollzug zu gewährleisten.

Während die Gestalttherapie bis zu den letzten zwei Phasen des Modells der Prozeßheorie ein ich-betontes Erfahrungskontinuum bildet, zielt die Holotrope Therapie gleich von Beginn an auf eine Regression des Individuums. Soll die Ich-Betontheit im gestalttherapeutischen Set und Setting nicht in der Analyse enden, bedarf es des Kontaktes, des Kontaktes des Therapeuten und Klienten zu sich selbst und beider untereinander. Kontakt aber bedeutet immer die Anwesenheit von mindestens Zwei. Der Zwei aber ist immer auch der Zweifel (Zwei-fel) inhärent. Wenn die Eins sich von sich selbst trennt, um sich selbst zu erkennen, wird sie Zwei. Auch dem Neuentwurf der Gestalttherapie ist diese Erkenntnis nicht verborgen geblieben. Nach Staemmler und Bock ist eine Gestalt dann geschlossen, wenn das Individuum seine Spaltung durchlebt und zu sich selbst gefunden hat. Darüber hinaus wird es nun verständlich, daß nicht wenige ich-betonte Therapeuten Angst vor der regressiven Bewegung haben, weshalb sie in der Regression einen Zerfall des Ich-Bewußtseins wittern. In der Gestalttherapie ist ein Ich notwendig, damit der Prozeß beginnen kann. Das ist das eine, etwas anderes spiegelt sich in unserer persönlichen Bedrohung wieder, die die Regression hervorrufen kann: bedeutet sie doch immer auch das In-Frage-Stellen unserer persönlichen Kontrolle, die wir nicht nur über uns selbst, sondern auch gern über andere ausüben.

"Dieser Rückweg und mit ihm die meisten unserer existentiellen Bewegungen - ob wir nun nach oben oder nach unten oder rundum oder neben oder über uns rotieren, schwimmen, schweben oder fliegen - werden alle recht argwöhnisch beurteilt.

Dieses Zurückgehen braucht nicht die pathologischen Beiklänge zu haben, die heute dem Begriff Regression anhängen. Wir können in eine verlorene Welt oder in verlorene Welten zurückgehen oder zurückkehren. Wenn wir die Welt der Kindheit hinter uns lassen, entstehen neue Modi, Formen, Inhalte und Funktionen der Erfahrung und des Ausdrucks, und wir vergessen vielleicht nicht nur dieses und jenes Element unserer Kindheitserfahrung, sondern deren eigentliches Wesen. Die Regression kann eine Rückkehr zu Modi, Formen und Inhalten unserer Existenz sein, von denen wir abgeschnitten worden sind.

Die Regression wird gewöhnlich als eine Abwehr gedeutet: gegen, so ist verschiedentlich vermutet worden, die Frustration der äußeren Realität, gegen Ambivalenz, gegen den überwältigenden Haß. Es wird oft gesagt, sie komme insbesondere bei Menschen mit schwachen Ichgrenzen vor, bei Menschen mit einer psychopathologischen Unfähigkeit, Liebe zu geben und zu nehmen.

Diese Punkte sind in der selbstherrlichen Literatur zum Thema bis zum Überdruß wiederholt worden. Doch das Zurückgehen kann dazu dienen, das rückgängig zu machen, was man sich selbst zugefügt hat. Es kann im Dienste eines Projektes des Abbauens und des Neuaufbauens stehen. Das Zurückgehen kann eine Möglichkeit der Selbstfindung sein. Die Regression kann im Dienste der Aufgabe stehen, die Repression rückgängig zu machen, anstatt sie immer nur erhalten zu wollen. Mit der Regression kommen wir dem Urgrund unseres Erlebens möglicherweise näher als ohne sie“(16/S.227-228).

Obwohl die Holotrope Therapie auf wirkliche Regression abzielt, bedeutet dies nicht, daß sie wie jedwede andere Therapieform auf gewisse Ich-Leistungen verzichten könnte. Es bedarf hier eines Ichs, das willens ist, sich gewisse Instruktionen für den Regressionsprozeß anzueignen. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach wird einem ich-schwachen Menschen niemals eine gezielte Regression gelingen. Es bedarf schon eines starken und erprobten Willens und einer unbeugsamen Absicht, um all den Hindernissen, Schwierigkeiten und Ablenkungen zu trotzen, die sich wie Feinde in den Weg zu stellen vermögen, um einen an der gestellten Aufgabe zu hindern, das innere Wesen seiner Selbst zu erkennen. Allein mehr als 1 Stunde kontrolliert tiefer und schneller als gewöhnlich zu atmen, bedarf schon einer Disziplin, die ein ich-schwacher Mensch kaum aufzubringen vermag.

[...]


[i] Staemmler und Bock sprechen von Lageenergie, indem sie erklären: "Ein Gegenstand, den man z.B. vom Fußboden aufhebt und auf einen Tisch legt, erhält durch diesen Vorgang die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten (=Energie). Fiele er nämlich wieder herunter, könnte er einen etwa gleich schweren, über eine Schnur und eine Rolle mit ihm verbundenen anderen Körper nach oben ziehen..."(31/S.93).

Zur Spannenergie:"Als physikalisches Beispiel kann man sich eine Schraubenfeder vorstellen, die zwischen Halterungen gespannt ist. Die Feder übt einen Zug nach innen auf die Halterungen aus, und die Halterungen ziehen die Feder auseinander: Während die mechanischen Rückstellkräfte der Feder kontraktiv wirken, üben die Halterungen einen expansiven Zug nach oben aus. Beide Kräfte halten einander die Waage, so daß trotz des inneren Spannungszustandes der Feder insgesamt nichts passiert..."(31/S.97-98).

Zur Thermischen Energie: "Es ist, als ob ein zunächst klar umrissener Tropfen Parfüm, der sich an einer beliebigen Stelle in einem ansonsten leeren Raum befindet, zu verdunsten beginnt und einen dünnen Nebel bildet. Der Zusammenhalt zwischen den Molekülen löst sich auf, und innerhalb kurzer Zeit wird, den physikalischen Regeln der Diffusion folgend, das Parfüm an jeder Stelle des Raumes wahrnehmbar, obwohl der Raum selbst noch leer erscheint und auch der Tropfen nicht mehr auffindbar ist. Natürlich könnte man bei mikroskopischer Betrachtung eine unzählige Menge Moleküle beobachten, die sich auf den unterschiedlichsten Bahnen durch den Raum bewegen. Makroskopisch ist allerdings nichts sichtbar, wenn auch mit dem ihm eigenen Geruch"(31/S. 101).

Zur kontraktiven und expansiven Energie: sie sind nach Staemmler und Bock die beiden Kräfte, die wir im Spannenergie - Beispiel kennengelernt haben. Diesmal allerdings heben sie sich nicht gegenseitig auf, sondern treten nacheinander in die Erscheinung.

[ii] Set und Setting: Diese beiden Begriffe fanden wohl erstmals im Rahmen der Psychedelischen Therapie Bedeutung. Als technische Begriffe beziehen sie sich auf eine Reihe nicht-pharmakologischer Faktoren, die während eines psychedelischen Erlebnisses von Bedeutung sind. Der Begriff < set> umschließt die inneren Erwartungen des Subjekts, das Konzept des Leiters oder Therapeuten von der Natur einer solchen Erfahrung, die gemeinsam abgesprochenen Zielvorstellungen während einer solchen Behandlung und die Vorbereitung und Programmierung für eine solche Sitzung. Der Begriff <setting> umschließt die tatsächliche Umgebung, also den Raum, die Natur oder die städtische Umgebung, aber auch die interpersonale Umgebung. Die konkreten Umstände also, in denen das Pschedelikum verabreicht wird (vergl.11). Die beiden Begriffe erscheinen mir auch für die Gestalttherapie und die Holotrope Therapie als nützliche Begriffe.

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Integration der Gestalttherapie in ein transpersonal erweitertes Weltbild
Veranstaltung
Gestalttherapieausbildung
Autor
Jahr
1989
Seiten
62
Katalognummer
V132488
ISBN (eBook)
9783640386062
ISBN (Buch)
9783640385744
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Gestalttherapie, Weltbild
Arbeit zitieren
Dipl. Päd. Meinolf Schnier (Autor:in), 1989, Integration der Gestalttherapie in ein transpersonal erweitertes Weltbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132488

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