Im aktuellen Diskurs um Vermögen, Wohlstand und Reichtum werden drei Bedingungen erwähnt, die zur individueller oder familialer Reichtum und Vermögen führen können. Diese wären: durch den Erwerb individueller Einkommen, Heiratsmobilität und intergenerationale Übertragung von Erbschaften . Während man im Falle der Erbschaften eher von einer Ungleichheitsverstärkenden Wirkung ausgehen kann, sollte man annehmen, dass der Weg zum Vermögen, Wohlstand und Reichtum in einer meritoktratischen Gesellschaft wie Deutschland durch individuelles Einkommen Ungleichverteilungen verringern sollte und viel einfacher zu bewerkstelligen sei. Aber „Kinder schichthöherer Eltern gehen eher auf das Gymnasium, besuchen eher eine Hochschule, erhalten von den Eltern eher finanzielle Unterstützungen [und] erreichen bessere Berufe“. Das würde bedeuten, dass soziale Herkunft die schulischen Leistungen und somit die berufliche Laufbahn negativ beeinflusst. Dadurch wäre dieser Weg zum Vermögen für einige Gruppen erschwert.
Die bei dieser Arbeit zu beantwortende Frage ist, was die Ursachen für die nachweislich schlechten schulischen Leistungszertifikate von Schülern aus Migrationsfamilien sind und wie ihr Bildungserfolg benachteiligt wird. Wo liegen die Gründe für ihren negativen Bildungsverlauf und damit die geringe Chancen am gesellschaftlichen Wohlstand zu partizipieren?
Laut empirischen Daten besuchten im Jahre 2006 44% der Schüler mit Migrationshintergrund eine Hauptschule (im Gegensatz zu 19 % der deutschen Jugendlichen), 17 % verlassen das deutsche Bildungssystem ohne Abschluss (im Gegensatz zu 8,5% der deutschen Jugendlichen) und ca. 40% sogar ohne jegliche berufliche Qualifizierung (11% der Deutschen). Mit schlechten oder fehlenden schulischen Leistungszertifikaten ergeben sich für Schüler mit Migrationshintergrund pessimistische persönliche und berufliche Lebensperspektiven und der Zugang zum Vermögen, Wohlstand und Reichtum scheint verwehrt. Wurden bei den Eltern von Migrantenkindern die Schul- und Universitätsabschlüsse nicht als gleichwertig wie deutsche Abschlüsse anerkannt, so müssen Kinder aus Migrantenfamilien heutzutage Einkommenseinbußen und einen sozialen Abstieg erleben, weil sie selber fast keine Universitätsabschlüsse vorzeigen können oder nur schlechte Schulabschlüsse besitzen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSERKLÄRUNG (BENACHTEILIGUNG)
3. URSACHEN FÜR SCHLECHTE SCHULLEISTUNGEN BEI MIGRANTENKINDERN
3.1. MÖGLICHE ERKLÄRUNGEN IN ABHÄNGIGKEIT ZU DEN INDIVIDUELLEN MERKMALEN
3.1.1. Kulturelle Defizite
3.1.2. Schichtspezifische Herkunft
3.1.3. Humankapitaltheoretische Erklärung
3.1.4. Migrationssituationsbegründete Strategien und Bildungsentscheidungen
3.2. MÖGLICHE ERKLÄRUNGEN IN ABHÄNGIGKEIT ZU KONTEXTUELLEN MERKMALEN
3.2.1. Schulformen im deutschen Bildungssystem und ihre Effekte
3.2.2. Institutionelle Diskriminierung
3.2.3. Einschulung
3.2.4. Übergang in die Sekundarstufe
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die nachweislich schlechteren schulischen Leistungen von Kindern aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem. Dabei wird der Fokus von einer rein auf individuellen Merkmalen basierenden Betrachtung auf die institutionelle Ebene der Schule erweitert, um institutionelle Diskriminierungsprozesse als Einflussfaktoren zu analysieren.
- Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern
- Individuelle Erklärungsansätze (kulturelle und schichtspezifische Faktoren)
- Institutionelle Diskriminierung im deutschen Schulsystem
- Einfluss von Statuspassagen (Einschulung und Übergang zur Sekundarstufe)
- Strukturelle Rahmenbedingungen und Selektionsmechanismen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Schulformen im deutschen Bildungssystem und ihre Effekte
Im deutschen Schulsystem erfolgt auf Grund der hierarchischen Struktur eine Bevorzugung, wenn ein bestimmter Schultyp besucht wird. Das wird in der Sekundarstufe sehr deutlich, weil da „ein starker Zusammenhang zwischen dem besuchten Schultyp und dem erreichbaren Schulabschluss“ (Diefenbach 2007: S. 123) zu sehen ist. So besucht prozentual gesehen, die Mehrzahl der Schüler aus Migrantenfamilien nach der Grundschule eine Hauptschule und erwirbt deren Abschluss. Folglich besucht auch eine deutliche Minderheit der Schüler aus Migrantenfamilien ein Gymnasium und erhält ein Abitur oder Fachhochschulabschluss. Auf Integrierten Gesamtschulen (IGS) erreichen zwar Kinder mit Migrationshintergrund bessere Abschlüsse als in Sekundarschulen des dreigliedrigen Systems (Diefenbach 2007: S. 126), aber im Vergleich zu den deutschen Schülern schneiden sie immer noch schlechter ab.
Im Durchschnittlich liegt die Anzahl der deutschen Schüler mit Abitur an einer IGS 3% mehr als der, der Migrantenkinder und beim Realabschluss liegt die Anzahl der deutschen Kinder bei mehr als 10% über den Durchschnitt der Migrantenkinder (Diefenbach 2007: S. 128). Hingegen verlassen circa 5% mehr Kinder aus Migrantenfamilien die IGS ohne einen Hauptabschluss als deutsche Schüler (Diefenbach 2007: S. 129). Insgesamt ist festzuhalten, dass Kinder aus Migrantenfamilien eine Bildungsbenachteiligung nicht nur an den Sekundarschulen des dreigliedrigen Systems erfahren, sondern auch an IGS.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund und Einordnung in den Diskurs um soziale Ungleichheit.
2. BEGRIFFSERKLÄRUNG (BENACHTEILIGUNG): Definition des Begriffs der Benachteiligung im historischen Kontext der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik sowie Diskussion der normativen Zuschreibung von Defiziten.
3. URSACHEN FÜR SCHLECHTE SCHULLEISTUNGEN BEI MIGRANTENKINDERN: Analyse der Ursachen für schulische Schwierigkeiten durch die Unterscheidung zwischen individuellen Faktoren und institutionellen Strukturen der Schule.
4. FAZIT: Zusammenfassende Erkenntnis, dass individuelle Merkmale allein das Scheitern nicht ausreichend erklären und institutionelle Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle in der Reproduktion von Nachteilen spielen.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, deutsches Bildungssystem, institutionelle Diskriminierung, Schulleistung, Bildungsentscheidungen, soziale Ungleichheit, Grundschule, Selektion, Übergangsempfehlung, Statuspassage, Schulerfolg, Sprachdefizite, Klassenzusammensetzung, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Gründe für die schlechteren schulischen Leistungen von Schülern aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Im Zentrum stehen individuelle Merkmale wie kulturelle oder schichtspezifische Herkunft sowie kontextuelle Faktoren, insbesondere die Rolle der Schule als Institution.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit fragt nach den Ursachen für die nachweislich schlechten schulischen Leistungszertifikate von Schülern mit Migrationshintergrund und wie ihr Bildungserfolg strukturell benachteiligt wird.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der kritischen Aufarbeitung existierender empirischer Forschungsdaten und Fachliteratur, insbesondere der Studien von Diefenbach, basiert.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil der Arbeit gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse individueller Erklärungsansätze (z.B. Humankapitaltheorie) und eine Untersuchung institutioneller Einflüsse, wie sie bei der Einschulung und dem Übergang zur Sekundarstufe auftreten.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Benachteiligung, institutionelle Diskriminierung, Bildungsbiografie, Selektionskriterien und der Einfluss des deutschen Schulsystems auf Migrantenkinder.
Inwiefern spielt die "Institution Schule" eine Rolle bei der Benachteiligung?
Die Arbeit argumentiert, dass Schulen durch eigene Entscheidungspraktiken und Selektionsmechanismen, wie etwa bei Übergangsempfehlungen, aktiv zur Benachteiligung beitragen können.
Warum reicht die Betrachtung individueller Defizite laut dem Autor nicht aus?
Der Autor zeigt auf, dass rein individuelle Erklärungsmodelle empirisch nicht ausreichen, um das Ausmaß der Benachteiligung zu begründen, weshalb eine institutionelle Perspektive unerlässlich ist.
- Citation du texte
- Zaya Davaadorj (Auteur), 2009, Wirkt sich das deutsche Bildungssystem benachteiligend für Schüler aus Migrantenfamilien aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132556