Ziel der Arbeit ist es Eichendorffs Verhältnis zur Frühromantik anhand der Künstlertypologie Florios zu skizzieren. Da Eichendorffs Figuren verschiedene Positionen innerhalb des romantischen Diskurses repräsentieren, bildet die Grundlage für die Untersuchung eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Anfängen der Romantik und dem zugrundeliegenden Poesieverständnis. Anschließend folgt eine Analyse des dichterischen Werdegangs von Florio. Diesbezüglich gilt es aufzuzeigen,
welche Poesie- und Kunstvorstellungen auf ihn einwirken und welche Haltung Eichendorff einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Allgemeine literaturgeschichtliche Grundlagen der Entwicklung des Poesie- und Künstlerverständnisses in der Romantik
III. Hauptteil
IV. Fazit
V. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Künstlertypologie des Protagonisten Florio in Joseph von Eichendorffs Novelle Das Marmorbild. Dabei wird analysiert, wie eine dualistische Figurenkonstellation die poetische Entwicklung Florios beeinflusst und welche literaturgeschichtliche Haltung Eichendorffs sich darin gegenüber dem frühromantischen Kunstverständnis spiegelt.
- Analyse des frühromantischen Poesie- und Künstlerbegriffs
- Untersuchung der dualistischen Figurenkonstellation (Fortunato vs. Donati)
- Deutung der Venus-Symbolik als narzisstisches und verführerisches Element
- Vergleich zwischen heidnischer Sinnästhetik und christlich-ethischer Poetik
- Eichendorffs kritische Positionierung innerhalb des romantischen Diskurses
Auszug aus dem Buch
Die dualistische Figurenkonstellation in Joseph von Eichendorffs Das Marmorbild und ihre Bedeutung für die Künstlertypologie Florios
Das im vorherigen Kapitel skizzierte Poesieverständnis innerhalb der sich entwickelnden literarischen Strömung der Romantik erfährt insbesondere in der Spätromantik eine poetologische Verschiebung. Das frühromantische Postulat einer totalitären und fast schon religiösen Stellung der Kunst wird angezweifelt. Die Frühromantiker tendierten „dazu, die Kunst von der Wirklichkeit zu trennen und eine Scheinwirklichkeit ins Ideal zu überhöhen.“ Kritik an dieser Entwicklung zeigt sich in Eichendorffs dialektischer Auseinandersetzung mit dem frühromantischen Künstlerideal anhand des Helden Florios, der sich in seiner dichterischen Entwicklung im Spannungsfeld zweier kontrastierenden Kunstvorstellungen bewegt.
Daher soll nun im Folgenden, nach einer kurzen inhaltlichen Wiedergabe der Novelle, die Künstlerfigur Florios mit Hilfe der dualistischen Figurenkonstellation und dessen verkörperte Motivik unter Berücksichtigung des frühromantischen Poesie- und Künstlerverständnisses genauer beleuchtet und mit Eichendorffs Poesievorstellung verglichen werden.
Der Protagonist der Erzählung ist der junge Poet namens Florio, dessen Reisen ihn in die Umgebung der italienischen Stadt Lucca bringen, wo er auf den erfahrenden Dichter Fortunato trifft. Dieser wird ihm, wenn auch im Hintergrund bleibend, nicht mehr von der Seite weichen. Auf einem Fest, welches Florio und Fortunato gemeinsam besuchen, trifft er auf die schöne, zierliche Ballspielerin Bianka. Trotz eines Kusses zwischen den beiden ist sein Interesse für Bianka nur von kurzer Dauer. Stattdessen widmet er seine Aufmerksamkeit Fortunatos Dichtkunst und dem unheimlichen Gast Donati, der die Bildfläche betritt und sich als ein früherer Bekannter von Florio zu erkennen gibt. Florio kann sich nicht daran erinnern, ihn zu kennen, aber dennoch scheint Donati ihm seltsam vertraut. Er empfindet Sympathie für die dunkle Rittergestalt und er reagiert empfindlich auf Fortunatos herablassenden Äußerungen über Donati. Bereits beim ersten Aufeinandertreffen mit Donati eröffnet sich neben der heiteren und harmonischen Atmosphäre des Tages eine mystische, melancholische Sphäre der Nacht. Die Grenzen von Wirklichkeit und Traum beginnen zu verschwimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Novelle ein und definiert das Ziel der Arbeit: die Untersuchung von Florios Künstlertypologie im Kontext von Eichendorffs Kritik an frühromantischen Idealen.
II. Allgemeine literaturgeschichtliche Grundlagen der Entwicklung des Poesie- und Künstlerverständnisses in der Romantik: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über das romantische Welt- und Kunstbild sowie die Abkehr von der rationalen Aufklärung hin zur poetischen Subjektivität.
III. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Florios Werdegang zwischen den polarisierenden Figuren Fortunato und Donati und verdeutlicht den Kontrast zwischen christlich-lebensbejahender Kunst und destruktiver, sinnästhetischer Verführung.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Eichendorff durch die dargestellte Wandlung Florios eine Mahnung vor einer areligiösen, selbstzentrierten Romantik ausspricht und sich für eine christlich fundierte Poetik einsetzt.
V. Literaturverzeichnis: Umfasst die zur Erstellung der Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Joseph von Eichendorff, Das Marmorbild, Romantik, Spätromantik, Künstlertypologie, Florio, Fortunato, Donati, Venus, Dualismus, Poesievorstellung, Universalpoesie, Subjektivität, Narzissmus, Christentum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Joseph von Eichendorffs Novelle Das Marmorbild und analysiert, wie die Hauptfigur Florio durch verschiedene künstlerische Einflüsse geprägt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind das romantische Poesieverständnis, der Gegensatz zwischen frühromantischer Ästhetik und christlicher Ethik sowie das Motiv des Künstlertums.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte klären, wie die dualistische Figurenkonstellation Florios Entwicklung beeinflusst und welche allgemeine Haltung Eichendorffs zur romantischen Dichtkunst daraus hervorgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Verfasserin nutzt eine textanalytische Untersuchung, bei der Figurenkonstellationen und zentrale Motive im Vergleich zu literaturwissenschaftlichen Diskursen über die Romantik gedeutet werden.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Protagonisten Florio, seine Interaktionen mit den Dichterfiguren Fortunato und Donati sowie die Symbolik der Venusfigur als Verkörperung falscher Kunst.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Künstlertypologie, der Dualismus, die Abgrenzung zur Frühromantik und die christliche Orientierung der Poesie.
Welche Rolle spielt die Figur des Fortunato für den Protagonisten Florio?
Fortunato fungiert als Mentor und ein moralisches Korrektiv, das Florio hilft, die Gefahren einer rein ästhetischen, areligiösen Lebensweise zu erkennen.
Welche Bedeutung kommt der Venus-Statue im Kontext des Marmorbilds zu?
Die Statue symbolisiert für Florio eine verlockende, aber letztlich zerstörerische und narzisstische Kunstauffassung, die den Künstler in den Wahnsinn führen kann.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Die dualistische Figurenkonstellation in Joseph von Eichendorffs "Das Marmorbild" und ihre Bedeutung für die Künstlertypologie Florios, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1325996