Heutzutage können viele Menschen mit (geistiger) Behinderung ihre Sexualität noch immer nicht frei (aus-)leben bzw. selbst bestimmen. Diese Problematik möchte ich in dieser Arbeit näher untersuchen. Zunächst werde ich die Begriffe „Geistige Behinderung“ und „Sexualität“ definieren und allgemein erläutern. Anschließend werde ich auf verschiedene Felder der Sexualität, verbunden mit geistiger Behinderung eingehen. Zunächst werde ich die rechtlichen Grundlagen im Bezug auf die sexuelle Selbstbestimmung klären. Dazu werde ich das Grundgesetz und die Konventionen über die Rechte von Menschen mit Behinderung überprüfen. Daraufhin werde ich versuchen, darzustellen, was sexuelle Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung bedeutet. Wie erleben sie diese und welchen Problemen begegnen sie bei der selbstbestimmten Gestaltung ihrer Sexualität? Da besonders viele Menschen mit Behinderung sexuellen Missbrauch erleben, werde ich in dem darauffolgenden Kapitel auf sexuelle Gewalt dieser Personengruppe gegenüber eingehen. Hier werde ich die Risikofaktoren sowie mögliche Präventionsmöglichkeiten aufführen. Im Anschluss daran werde ich schließlich auf die Sexualassistenz eingehen und wie diese Menschen mit Behinderung in der sexuellen Selbstbestimmung unterstützen kann. Daran anschließend möchte ich weitere Unterstützungsmöglichkeiten ansprechen, welche Menschen mit Behinderung in ihrer sexuellen Selbstbestimmung fördern. Schließlich werde ich zu einem Fazit kommen und die erarbeiteten Punkte kurz zusammenfassen und festhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
2.1. Geistige Behinderung
2.2. Sexualität
3. Sexualität und geistige Behinderung
3.1. Sexuelle Selbstbestimmung
3.1.1. Einschränkung der sexuellen Selbstbestimmung
3.2. Rechtliche Grundlagen der sexuellen Selbstbestimmung
3.3. Sexueller Missbrauch bei geistiger Behinderung
3.3.1. Risikofaktoren
3.3.2 Prävention
3.4. Sexualassistenz
3.5. Möglichkeiten für mehr sexuelle Teilhabe
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Problematik der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung. Dabei steht im Fokus, wie rechtliche Rahmenbedingungen und strukturelle Barrieren die freie Entfaltung der Sexualität einschränken und welchen Gefahren wie sexualisierter Gewalt diese Personengruppe vermehrt ausgesetzt ist.
- Grundlagen der Begriffe "Geistige Behinderung" und "Sexualität"
- Analyse rechtlicher Grundlagen und Hindernisse der sexuellen Selbstbestimmung
- Bewertung von Risikofaktoren und Präventionsstrategien bei sexualisierter Gewalt
- Einsatz und Bedeutung der Sexualassistenz
- Förderung der sexuellen Teilhabe durch Empowerment und Bildung
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Risikofaktoren
Gewalt gegen Menschen mit Behinderung geht in den meisten Fällen von Männern aus dem nahen Umfeld aus, wie beispielsweise von Verwandten, Bekannten oder (Pflege-) Personal.
„Die Risikofaktoren, als Mensch mit Behinderung Gewalt zu erfahren, sind in hohem Maße gesellschaftlich angelegt“ (Puschke, 2013, S. 137). Puschke (2013) nennt hier drei große Problembereiche: Der erste Risikofaktor ist der der Sondereinrichtungen. Gerade in Einrichtungen der Behindertenhilfe stellt die sexualisierte Gewalt ein großes Problem dar (ebd.). Einrichtungen geben Strukturen vor, welche strukturelle Gewalt produzieren können.
Die Intimsphäre wird oft nicht gewahrt, indem beispielsweise Dusch- bzw. Toilettenräume frei zugänglich sind oder das Personal der Intimpflege von dem Nutzer*innen nicht bestimmt werden können (ebd.). Dementsprechend ist die Selbstbestimmung hier stark eingeschränkt. „Die fehlenden Möglichkeiten, die eigene Grenze zu wahren, leistet sexualisierter […] Gewalt Vorschub. Denn wenn es im Alltag üblich ist, in der Intimsphäre verletzt zu werden, ist die Grenzüberschreitung bei sexualisierter Gewalt schwer zu realisieren“ (Puschke, 2013, S. 137). Als zweiten Risikofaktor wird die Pflege herausgestellt. Nicht selten erleben Menschen mit Behinderung sexuelle Gewalt im Rahmen der Pflege. Verantwortlich dafür sind „Pflegebedingungen, die den zu pflegenden Menschen bloß ausleifern und die Möglichkeiten von Grenzüberschreitungen im Pflegehandeln nicht thematisieren“ (Puschke, 2013, S. 138). Den dritten Risikofaktor stellt das Gesundheitssystem dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik, dass Menschen mit geistiger Behinderung ihre Sexualität häufig nicht selbstbestimmt leben können, und führt in die zentralen Untersuchungsbereiche ein.
2. Begriffserklärung: Hier werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem die Begriffe „Geistige Behinderung“ sowie „Sexualität“ unter Einbezug fachwissenschaftlicher Definitionen erläutert werden.
3. Sexualität und geistige Behinderung: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen sexueller Selbstbestimmung, den rechtlichen Rahmenbedingungen und der hohen Gefährdung durch sexuelle Gewalt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Aufklärung, professioneller Sexualassistenz und strukturellen Veränderungen.
Schlüsselwörter
Sexualität, geistige Behinderung, sexuelle Selbstbestimmung, sexuelle Gewalt, Prävention, Sexualassistenz, Behindertenhilfe, Empowerment, Menschenrechte, sexuelle Gesundheit, Teilhabe, Sexualpädagogik, Intimsphäre, Fremdbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach sexueller Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung und den realen strukturellen sowie gesellschaftlichen Barrieren, die sie daran hindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die rechtlichen Rahmenbedingungen, das Risiko von sexualisierter Gewalt in Betreuungsumfeldern sowie Unterstützungsangebote wie die Sexualassistenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sexuelle Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung trotz bestehender struktureller Einschränkungen gefördert und geschützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und fachwissenschaftlicher Debatten zum Thema Sexualität bei Menschen mit geistiger Behinderung.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den rechtlichen Grundlagen die Ursachen für die Einschränkung der Selbstbestimmung, Risikofaktoren für Gewalt und Möglichkeiten zur sexuellen Teilhabe analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie sexuelle Selbstbestimmung, Empowerment, Prävention, strukturelle Gewalt und Sexualassistenz geprägt.
Warum wird in der Arbeit so stark zwischen aktiver und passiver Sexualassistenz unterschieden?
Die Differenzierung ist wichtig, um aufzuzeigen, welche Formen der Unterstützung nötig sind – von der reinen Beratung (passiv) bis hin zur direkten körperbezogenen Begleitung (aktiv).
Welche Bedeutung misst die Studie der Sexualaufklärung bei?
Die Arbeit betont, dass umfassende Aufklärung über Sexualität, Verhütung und eigene Rechte als eine der zentralen Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt essenziell ist.
Geht die Publikation auf den Kinderwunsch von Menschen mit Behinderung ein?
Ja, das Thema wird als ein kontrovers diskutierter Punkt behandelt, bei dem eine pauschale Ablehnung abgelehnt und stattdessen eine individuelle Beratung und Unterstützung gefordert wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Sexualität und geistige Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331159