Unsere Gesellschaft sieht sich einem nicht zu übersehenden Wandel in
wirtschaftlichen, sozialen und geographischen Bereichen ausgesetzt.
Knappheit der Ressourcen, Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten
und das Aufstreben der fernöstlichen Wirtschaftsnationen sind nur einige, in der
aktuellen Tagespresse nahezu täglich auftauchende, Schlagworte, die uns
darauf aufmerksam machen, dass ein auf den Binnenmarkt beschränkter
wirtschaftlicher Blick globalen Herausforderungen gewichen ist.
Durch diesen Strukturwandel, in den hier nur schlagwortartig angedeuteten
wirtschaftlichen Bereichen, sehen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im kaufmännischen
Bereich in den kommenden Jahren neuen Technologien und
Herausforderungen ausgesetzt, welche WEBER bereits 1994 mit einem Rückgang
des „Tayloristischen Prinzip[s] der Arbeitsorganisation […] zu Gunsten
neuer komplexer Formen der Aufgabenstrukturierung“ (WEBER 1994, 1) beschreib.
Es stellt sich folglich die Frage, wie insbesondere Arbeitnehmer für dieses neue
Anforderungsprofil ausgebildet werden und inwieweit kaufmännischer Unterricht
die Schüler auf den Berufsalltag vorbereitet. Hierbei ist interessant, mit
welchem Vorwissen Schüler in den Unterricht kommen und inwiefern dieses
Wissen konform mit dem ist, was sie lernen sollen.
Im Hinblick auf die Fähigkeiten und Erfahrungen treffen Lehrer stets auf Schüler
mit individuellen Lernbiographien. Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens
Alltagserfahrungen und verfügt hierdurch über psychologisches, technisches
oder auch physikalisches Alltagswissen, welches er sich in unterschiedlichen
Lebensbereichen angeeignet hat. (Vgl. JUNG 1981, WAHL 1981).
Zieht man verschiedene theoretische Ansätze zur Unterrichtsdidaktik heran, so
zeigt sich, dass dem Vorwissen der Lernenden immer wieder eine nicht unerhebliche
Bedeutung für die Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements beigemessen
wird (Vgl. HEIMANN, OTTO & SCHULZ 1972, KLAFKI 1981, DUBS 1987,
MEYER 1991, PÄTZOLD 1993). [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Wissen und Vorwissen im Unterricht
2.1 Conceptual change – Der Umgang mit Alltagsvorstellungen im Unterricht
2.2 Aktivierung von Wissen im Lernprozess
2.3 Ökonomisches Alltagswissen und schulisches Vorwissen
3 Konzeption der Studie
3.1 Erstellung der Sachstrukturdiagramme
3.2 Kodierung der Merkmale ökonomisches Alltagswissen und schulisches Vorwissen
4 Empirische Befunde
4.1 Häufigkeit der Bezugnahme auf Vorwissen aus Alltag und Schule
4.2 Zeitpunkt und Unterrichtsphase der Bezugnahme auf Vorwissen aus Alltag und Schule
4.3 Unterschiede der Bezugnahme hinsichtlich verschiedener Lehrkräfte und der Unterrichtsmethode
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Einbindung von ökonomischem Alltagswissen sowie schulspezifischem Vorwissen im modernen Rechnungswesenunterricht, um zu analysieren, wie Lehrkräfte dieses Wissen zur Förderung von Lernprozessen und zur Vermeidung von trägem Wissen nutzen.
- Bedeutung des Conceptual Change für die didaktische Unterrichtsgestaltung.
- Methodische Vorgehensweise bei der Erstellung von Sachstrukturdiagrammen.
- Analyse der Häufigkeit und Phasen der Bezugnahme auf Vorwissen im Unterricht.
- Vergleich der Einbindung von Alltagswissen bei verschiedenen Lehrkräften und Lehrmethoden.
- Identifikation von Defiziten beim Wissenstransfer zwischen Alltagserfahrungen und schulischen Inhalten.
Auszug aus dem Buch
1 Problemstellung
Unsere Gesellschaft sieht sich einem nicht zu übersehenden Wandel in wirtschaftlichen, sozialen und geographischen Bereichen ausgesetzt. Knappheit der Ressourcen, Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten und das Aufstreben der fernöstlichen Wirtschaftsnationen sind nur einige, in der aktuellen Tagespresse nahezu täglich auftauchende, Schlagworte, die uns darauf aufmerksam machen, dass ein auf den Binnenmarkt beschränkter wirtschaftlicher Blick globalen Herausforderungen gewichen ist.
Durch diesen Strukturwandel, in den hier nur schlagwortartig angedeuteten wirtschaftlichen Bereichen, sehen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im kaufmännischen Bereich in den kommenden Jahren neuen Technologien und Herausforderungen ausgesetzt, welche WEBER bereits 1994 mit einem Rückgang des „Tayloristischen Prinzip[s] der Arbeitsorganisation […] zu Gunsten neuer komplexer Formen der Aufgabenstrukturierung“ (WEBER 1994, 1) beschrieb.
Es stellt sich folglich die Frage, wie insbesondere Arbeitnehmer für dieses neue Anforderungsprofil ausgebildet werden und inwieweit kaufmännischer Unterricht die Schüler auf den Berufsalltag vorbereitet. Hierbei ist interessant, mit welchem Vorwissen Schüler in den Unterricht kommen und inwiefern dieses Wissen konform mit dem ist, was sie lernen sollen.
Im Hinblick auf die Fähigkeiten und Erfahrungen treffen Lehrer stets auf Schüler mit individuellen Lernbiographien. Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Alltagserfahrungen und verfügt hierdurch über psychologisches, technisches oder auch physikalisches Alltagswissen, welches er sich in unterschiedlichen Lebensbereichen angeeignet hat. (Vgl. JUNG 1981, WAHL 1981).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Das Kapitel thematisiert den gesellschaftlichen Strukturwandel und die daraus resultierende Notwendigkeit, das Vorwissen der Schüler in die didaktische Gestaltung von kaufmännischem Unterricht einzubeziehen.
2 Wissen und Vorwissen im Unterricht: Hier werden theoretische Grundlagen wie der Conceptual Change und die Situiertheit von Wissen erörtert, um die Bedeutung von Vorerfahrungen für den Lernerfolg zu verdeutlichen.
3 Konzeption der Studie: Dieses Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise, insbesondere die Erstellung von Sachstrukturdiagrammen und die Kodierung von Vorwissen zur Analyse des Unterrichtsgeschehens.
4 Empirische Befunde: Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine einseitige Gewichtung zugunsten schulischen Vorwissens gegenüber Alltagswissen auf und beleuchten Unterschiede zwischen Lehrkräften und Unterrichtsphasen.
5 Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und weist auf die Notwendigkeit hin, in zukünftigen Studien den Einfluss einer stärkeren Einbindung von Alltagswissen auf den Lernerfolg gezielter zu erforschen.
Schlüsselwörter
Rechnungswesenunterricht, Alltagswissen, schulisches Vorwissen, Conceptual Change, Situiertes Lernen, Didaktik, Sachstrukturdiagramme, Wissenstransfer, Lernbiographien, kaufmännische Bildung, Lehr-Lern-Arrangements, empirische Unterrichtsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ökonomisches Alltagswissen und schulisches Vorwissen im Rechnungswesenunterricht berücksichtigt werden und welche Rolle diese bei der didaktischen Gestaltung spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Umgang mit Alltagsvorstellungen, die Aktivierung von Wissen im Lernprozess, der Ansatz des situierten Lernens sowie die empirische Analyse der Unterrichtspraxis.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwieweit Alltagsvorstellungen und schulisches Vorwissen im Rechnungswesenunterricht genutzt werden, wann dies geschieht und ob Unterschiede zwischen Lehrkräften und Methoden bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Videoanalysen von 15 Unterrichtsstunden ausgewertet und die Unterrichtsinhalte mittels Sachstrukturdiagrammen kodiert, um die Bezugnahme auf unterschiedliche Wissensformen zu quantifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zum Wissenstransfer, die Beschreibung der methodischen Konzeption der Studie und die Darstellung der empirischen Ergebnisse aus der Unterrichtsbeobachtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rechnungswesenunterricht, Conceptual Change, schulisches Vorwissen, Alltagswissen, Wissenstransfer, Situiertheit des Lernens und empirische Unterrichtsforschung.
Warum wird dem Alltagswissen im untersuchten Unterricht so wenig Bedeutung beigemessen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Lehrkräfte den Fokus stärker auf fachsystematisches schulisches Vorwissen legen, was möglicherweise die Herausbildung von trägem Wissen begünstigt.
Welchen Einfluss haben verschiedene Lehrmethoden auf die Einbindung von Vorwissen?
Die Studie konnte keinen signifikanten Unterschied zwischen traditionellen Methoden und selbstorganisierten Arbeitsformen hinsichtlich der Einbindung von Vorwissen feststellen.
- Quote paper
- Fabian Wahler (Author), 2008, Ökonomisches Alltagswissen und schulisches Vorwissen und deren Berücksichtigung im Rechnungswesenunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133257